VSV-Saison: Verrückt und personalintensiv

VSV-Saison: Verrückt und personalintensiv Foto: © GEPA
 

Den VSV-Fans wurde es heuer bestimmt nicht fad – in einer Hochschaubahn der Gefühle, garniert mit zahlreichen Personalrochaden, gelang immerhin noch der Playoff-Einzug. Der Rückblick auf eine reichlich verrückte und personalintensive Adler-Saison:

Die Unruhen begannen schon im Sommer. Rob Daum, der gerade erst den VSV in die (gegen Salzburg abgebrochenen) Playoffs gecoacht hatte, war nicht mit dem erstbeliebigen Vertragsangebot zufrieden.

Anstatt nachzuverhandeln, verpflichtete Klubchef Gerald Rauchenwald in Windeseile Dan Ceman, der mit zwei Meistertiteln in der Slowakei punkten konnte.

Gute Ausgangs-Position

Die Mannschaftszusammenstellung ließ zunächst eher auf eine erfolgreiche Saison schließen. Vorjahresstützen wie Jamie Fraser, Chris Collins, Jerry Pollastrone, Martin Ulmer oder Patrick Bjorkstrand blieben an der Drau.

Mit Sahir Gill, Scott Kosmachuk und Matt Mangene kamen drei Spieler, die neben bekanntem Gepäck durchaus Stärken mitbrachten, mit Raphael Wolf, Daniel Wachter, Philipp Kreuzer, Julian Kornelli und Sebastian Zauner einige (Halb-)Österreicher für die Kadertiefe. Kein Titelanwärter, aber doch ein Team mit verständlichen Ambitionen.

Das Unheil begann schon im ersten Spiel. Goalie Tyler Bereskowany, der Ceman zum letzten Meistertitel in Banska Bystrica verholfen hatte, spielte in Salzburg nicht gut, wurde ausgewechselt und danach sofort vom Hof gejagt.

Ceman war durch diese Personalie (angeblich verletzt und in keiner guten Verfassung) schon angezählt, noch dazu in einer Organisation, die mit Personalentscheidungen nicht lange zuwartet.

Kurzgast-Spiel von Raffl

Ali Schmidt war dann Aushilfsgoalie, Kristers Gudlevskis – letzte Saison in Bremerhaven durchaus gediegen – danach der neue Nummer-Eins-Goalie. Sein spezifischer Stil und Nachwirkungen einer Corona-Erkrankung sorgten aber für Leistungsschwankungen. Anfang November dann der nächste Legionärswechsel: Jordan Caron löste den relativ desinteressierten und in die DEL zurückkehrenden Maxi Kammerer ab, brachte sich als Netfront-Player ein, sollte aber viele Chancen ungenutzt lassen.

Punkte waren Mangelware, weitere Wechsel dagegen nicht: Frederic Allard kam aus der Nashville-Organisation, Michi Raffl gab ein Kurzgastspiel, das mit der groß angekündigten Affiche allerdings nicht Schritt halten konnte.

Trainerwechsel im Dezember

Anfang Dezember hieß es dann zurück zum Start bezüglich des Coaches: Heimkehrer Rob Daum löste ausgerechnet dann Dan Ceman ab, als die Villacher etwas Konstanz zeigten, vor allem durch eine verbesserte Defensive.

Auch unter Daum sollten die Villacher anfangs weniger Tore als zu Saisonbeginn zulassen, allerdings auf Kosten einer reichlich anämischen Offensive. Das drehte sich dann wieder zu Saisonende – ein weiterer Beweis für eine Hochschaubahn-Saison.

Die Top-6 waren bald vom Tisch, die Gehirnerschütterung von Patrick Björkstrand besserte sich nicht, weitere Rochaden folgten nicht nur deshalb: Renars Krastenbergs als U24-Legionär (in der Qualification Round auch verletzt), der tschechische Legionär Josef Hrabal löste den in die AHL heimkehrenden Allard ab.

Dazu kam noch Goaliewechsel drei: Jakub Sedlacek für Gudlevskis. Sedlacek war allerdings nicht erste Wahl: Andreas Bernard hatte schon einen Vertrag in der Tasche, ehe ein zu später Blick auf die Regularien diesen Wechsel verhinderte. Bernard emigrierte in die Allsvenskan, steht aber in der nächsten Saison wenig überraschend im Adler-Kasten.

Herzschlag-Finale um Playoff-Einzug

Die Pick-Round war dann geballter Wahnsinn: Zeitweise miese Drittel, danach wilde Aufholjagden, kumulierend im letzten Spiel in Dornbirn: Ein 1:4-Rückstand (mit einem aberkannten fünften Tor) wurde aufgeholt und im Penalty-Schießen, das natürlich auch in die Verlängerung ging, gelang noch der Zusatzpunkt, obwohl Ali Schmidt Sedlacek ablösen musste (schon ein Vorgriff auf die Playoffs).

19 Punkte aus 10 Quali-Spielen wären aufgrund der ebenfalls erstarkten Linzer (mit Ceman hinter der Bande) fast zu wenig gewesen. Mit viel Glück und weit mehr Herz als zuvor sowie einigen guten Entscheidungen (Mangene rückte in den Angriff) gelang der Playoff-Einzug am letzten Drücker.

Klares Aus gegen Erzrivalen

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Dort konnten die Adler den KAC zwar zeitweise ärgern, aber bei einem Serienendstand von 1:4 nicht wirklich gefährden.

Unzählige Ausfälle (Sedlacek, Kosmachuk, Kreuzer, Lanzinger, Wachter, Wappis, Krastenbergs) dünnten den Kader zu sehr aus, im Gegensatz zu den Quali-Gegnern reichte das gegen ein tief besetztes Top-4-Team nicht.

Ausblick

Glück, Verletzungspech, schlechte und unglückliche Personalentscheidungen – die VSV-Saison war nichts für schwache Nerven. Bleibt nur zu hoffen, dass über den Sommer etwas Ruhe einkehrt, den Teufel stets mit dem Beelzebub auszutreiben, ist nicht nur in Villach kein Erfolgsrezept.

Von der heurigen Mannschaft wird der eine oder andere Legionär bleiben, ein Großreinemachen ist nicht unbedingt angesagt. Immerhin dürfte man realisiert haben: Die Zeiten, als der VSV als Selbstversorger über einen tiefen Nachwuchsbetrieb verfügte, sind vorbei.

Um es klar zu sagen: Etwa drei Viertel der in Österreich spielenden Top-Nachwuchskräfte sind in den Akademien in Salzburg, Klagenfurt und Wien engagiert, der Rest teilt sich dann auf den Rest Österreichs (darunter Villach) auf. Punktuell wird der VSV immer interessante Cracks herausbringen (Martin Urbanek, Johannes Tschurnig, Lanzinger II), aber halt nicht mehr in rauen Mengen. Immerhin: Von den finanziellen Mitteln sollte der VSV etwas besser aufgestellt sein als die Mitstreiter aus Graz, Dornbirn oder gar Innsbruck.

Diese Mittel jetzt überlegt und ohne große Hast einzusetzen, wird über das Schicksal in der nächsten Saison entscheiden. Große Hoffnungen oder Vergleiche mit der ruhmreichen VSV-Zeit zu erwecken, ist aber wenig angebracht und würde nur wieder einmal für übergroße Hektik sorgen…

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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