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20 Jahre internationale Eishockey-Liga: Ein Kommen und Gehen

Vor zwei Jahrzehnten öffnete sich Österreichs Eishockey-Liga. Viele Klubs stiegen ein und fielen wieder raus. Wie geht es weiter? Eine Bestandsaufnahme.

20 Jahre internationale Eishockey-Liga: Ein Kommen und Gehen Foto: © GEPA

Wieder einmal geht die win2day ICE Hockey League in eine Offseason, in der die Teilnehmeranzahl für das nächste Jahr ungeklärt ist.

Heuer waren es 20 Jahre, in der ausländische Teams das Teilnehmerfeld auffüllen bzw. eine internationale Liga ausgespielt wurde.

Ein Blick auf die Liga-Ein- und Aussteiger in dieser Zeit von LAOLA1-Scout Bernd Freimüller:

2005/06 gab es nur mehr sieben österreichische Teilnehmer, in der Saison darauf wurde Jesenice als achtes Team eingeladen. Schon ein Jahr später folgten Ljubljana und Szekesfehervar als neue Standorte, die Erste Bank Eishockey-Liga (die "Erste" war seit 2003 Namenssponsor) wurde dadurch endgültig international.

Was folgte, waren Ausstiege und (Wieder-)Einstiege, wechselnde Teilnehmerzahlen und Spielmodi, die Liga kam so gut wie nie zur Ruhe.

Einige Eckdaten der Liga-Historie von EBEL und ICE Hockey League (Name seit 2020/21):

- Immer in den letzten 20 Jahren dabei: Red Bull Salzburg, KAC, VSV, Vienna Capitals, Graz99ers und die Black Wings Linz.

- Zehn Teilnehmer hielten sich von 2007 bis 2011. In dieser Zeit löste nur Medvescak Zagreb den HC Innsbruck ab.

- Über sieben Jahre – von 2012 bis 2019 – betrug das Teilnehmerfeld zwölf Teams, diese Konstanz wurde vorher und nachher nie erreicht. Das waren auch die Zeiten der Pick- und Hoffnungsrunde, Letztere als Gehhilfe für fußschwache Teams.

- Der Liga-Höchststand war 14 Teams zu Beginn der Spielzeit 2021/22. Der hielt allerdings nur 14 Spiele lang, ehe sich die Bratislava Capitals mitten unter der Saison zurückzogen. Die Gründe dafür waren die Todesfälle von Spieler Boris Sadecky und Sportmanager Dusan Pasek jr.. Das für die nächste Saison angekündigte Comeback wurde im Sommer wieder zurückgezogen, seitdem beträgt die Teilnehmeranzahl 13.

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Jesenice war 2006 erster internationaler Liga-Beitrag
Foto: ©GEPA

- Capitals Bratislava – von so manchem Klubvertreter bei der Aufnahme mit dem großen Stadtrivalen Slovan verwechselt – war mit einer kompletten und einer Teilsaison am kürzesten dabei, wenn man von FTC Budapest (erst im letzten Sommer aufgenommen) absieht. Asiago wurde nach dem Probestatus von drei Jahren wegen nichterfüllter Versprechungen wieder vor die Tür gesetzt.

- Vier Teams nahmen in zwei Tranchen teil:

Medvescak Zagreb verabschiedete sich nach der Teilnahme von 2009 bis 2014 in die KHL, kam von dort finanziell gebeutelt 2017 wieder zurück. Die Wiederaufnahme war keine weise Entscheidung: 2020 war noch vor der Hoffnungsrunde Ende, die Spiele zuvor bestritt nur mehr ein zusammengewürfelter Kader.

Das Gründungsmitglied von 2006, der HC Innsbruck, ging 2010 eine Stufe tiefer, um sich drei Jahre später – im Tandem mit Liga-Neuling Dornbirn – wieder zurückzumelden.

Znojmo war von 2011 bis 2020 ein sportlich guter, vom Funktionärsauftreten aber herausfordernder Partner. Nach einem Jahr Pause (Corona war der offizielle Grund) folgte noch eine Spielzeit 2021/22.

Ljubljana – unter Zusätzen wie "HDD" und "HK SZ" im Vereinsnamen – sah auch zweimal EBEL- bzw. ICE-Hockey im Tivoli: Von 2007 bis 2018 und 2021 bis heute, wo sie finanziell so solide wie noch nie dastehen.

- 2021/22 war das Jahr der größten Fluktuation – neben den Comebacks von Ljubljana und Znojmo stieg auch der HC Pustertal erstmals ein.

Die Teilnehmerzahlen im Überblick

7 x 12 Teams

4 x 13 Teams

4 x 10 Teams

3 x 11 Teams

1 x 8 Teams, 1x 14 Teams – die Mindest- und Höchstzahlen hielten also nie lange

Was wurde eigentlich aus den Teams, die endgültig ausschieden?

Jesenice und Asiago kehrten in die Zweitklassigkeit der AlpsHL zurück. Asiago ist dort eine finanziell gestandene Organisation, auf die angekündigte neue Halle wartet man weiterhin. Jesenice – nie auf Rosen gebettet – stand im letzten Sommer nach dem Rückzug des langjährigen Sponsors Acroni vor dem endgültigen Aus. Der heurige zwölfte Tabellenplatz war die schlechteste Platzierung in dieser Spielklasse für sie.

Medvescak Zagreb hörte auf zu existieren, heute spielen drei Teams aus Zagreb (darunter KHL Medvescak) in der kroatischen bzw. "International Hockey League". Für die Bratislava Capitals war der Liga-Ausstieg auch gleichbedeutend mit dem Ende der Existenz.

Orli Znojmo nutzte eine geparkte Lizenz zum Einstieg in die dritte tschechische Liga. Der Aufstieg gelang gleich anschließend, allerdings folgte der Wiederabstieg auch prompt. In der heurigen Saison reichte es nicht einmal mehr für die Halbfinali, der Zuschauerschnitt hat sich mittlerweile bei ungefähr 1.000 eingependelt.

Der Dornbirner EC pausierte nach zehn Jahren EBEL/ICE eine Saison, ist seit 2023 unter neuer Führung in der ÖEL (=dritte Leistungsstufe) aktiv.

Wie geht es heuer weiter?

Die Pioneers Vorarlberg werden in den nächsten Tagen endgültig den Ausstieg aus der ICE bekanntgeben. Ob und auf welchem Level in Feldkirch in den nächsten Jahren überhaupt Eishockey gespielt wird, ist derzeit unklar.

Der Einstieg einer Organisation aus Mailand wird in den nächsten Wochen behandelt, die Skepsis bei den elf stimmberechtigten Teams (FTC hat noch kein Stimmrecht) ist jedoch groß. Noch nie gab es einen Bewerber mit weniger Grundlagen: Es besteht zur Stunde keine Halle, keine Mannschaft (egal ob im Erwachsenen- oder Juniorenbereich) oder Funktionärsstab, dazu kommt mit "House of Doge" ein Krypto-Anbieter als Geldgeber. Weite Reisen für die Teams aus dem Osten stünden ungeachtet all dieser Fragen an, die Aussage "Jetzt oder nie!" macht auch keine freundlichen Nasenlöcher bei den bestehenden Teams.

Der Grund, warum sich die Liga sich mit solchen von Ligamanager Christian Feichtinger immer optimistisch aufbereiteten Gesuchen überhaupt befassen muss, liegt eben in der oben dargestellten Historie: Von Jahr zu Jahr besteht die Gefahr, dass ein oder mehrere Teams wegbrechen. Dazu kommt noch, dass neue Organisationen nicht nur eine Aufnahmegebühr, sondern auch weitere finanzielle Garantien erlegen müssen, was die mangelnden Sponsor- und TV-Gelder aufwiegen muss. So wurde zuletzt etwa die Zusammenarbeit der Liga mit dem Red Bull Media House nach nur kurzer Zeit wieder stillschweigend beendet. In diese Bresche könnte eben Mailand springen, müsste für die Probezeit von drei Jahren 900.000 Euro an Garantien erbringen.

Zum Vergleich: Die DEL hatte auch ihre Sorgenkinder, fand in den letzten 10-15 Jahren aber Stabilität wie noch nie. Nur während Corona wurde der Abstieg sistiert, die stabile Teilnehmeranzahl stieg hier von 14 (seit 2010) für zwei Jahre auf 15 an.

Das einzige Team, das in dieser Zeit aus finanziellen Gründen ausschied, waren die Hamburg Freezers und das im Sommer 2015. Welche ein Unterschied zum Teilnehmerkarussell der ICE...

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