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HC Milano: Der nächste große Vertrauensvorschuss

Der HC Milano ist aktuell vor allem eines: ein Projekt. Warum die ICE Hockey League dennoch erneut bereit ist, einen großen Vertrauensvorschuss zu gewähren.

HC Milano: Der nächste große Vertrauensvorschuss Foto: © GEPA

Der HC Milano ist ein Verein mit großer Geschichte.

15 italienische Meistertitel, zwei Spengler-Cup-Siege und ein Name, der im italienischen Eishockey noch immer Gewicht besitzt. Seit Montag ist der Klub auch offiziell Teil der win2day ICE Hockey League.

Die Herausforderung dabei: Die Geschichte spielt für die Gegenwart kaum eine Rolle.

Denn jener HC Milano, der künftig in der multinationalen Liga antreten soll, verfügt derzeit weder über eine fertige Organisation noch über eine Mannschaft. Eine geeignete Heimstätte befindet sich noch im Bau, ein Vorstand muss erst zusammengestellt werden.

Die Frage lautet deshalb nicht, ob Mailand Potenzial besitzt. Die Frage lautet, warum die Liga erneut bereit ist, einem Projekt einen derart großen Vertrauensvorschuss zu gewähren.

Zwischen Mut und Leichtsinn

Natürlich gibt es gute Argumente für die Aufnahme.

Mailand ist eine europäische Metropole. Die Olympischen Winterspiele haben dem Eishockey in der Lombardei neue Aufmerksamkeit verschafft.

Internationale Unternehmen versprechen wirtschaftliches Potenzial, die Liga erhält zusätzlich eine Aufnahmegebühr sowie garantierte Sponsorleistungen, die sich mittlerweile auf 200.000 Euro pro Jahr belaufen sollen.

All das klingt verlockend. Doch genau dort beginnt das Problem. Denn die Verantwortlichen bewerten derzeit vor allem das, was sein könnte – und deutlich weniger das, was bereits ist.

Der HC Milano ist aktuell kein etablierter ICE-Klub. Er ist eine Idee.

Die Vergangenheit sollte Mahnung genug sein

Nun wäre das weniger bemerkenswert, wenn die Liga in der Vergangenheit nicht bereits mehrfach ähnliche Wetten abgeschlossen hätte.

Die Bratislava Capitals wurden aufgenommen, haben sich jedoch aus diversen - teils tragischen Gründen - nicht lange gehalten. Der Klub existiert gar nicht mehr. Auch Jesenice und Zagreb erwiesen sich langfristig nicht als nachhaltige Lösungen.

Als letztes Team sorgte Asiago Hockey für erhebliche Diskussionen. Die Aufnahme erfolgte 2023 unter klaren Auflagen hinsichtlich der Infrastruktur, die getätigten Versprechungen wurden jedoch nie eingehalten. Als im letzten Jahr auch noch schleppende Gehaltszahlungen dazu kamen, setzte die Liga endlich den Rotstift an.

Keiner dieser Fälle ist mit Mailand eins zu eins vergleichbar. Gemeinsam haben sie allerdings, dass die Liga wiederholt bereit war, Risiken einzugehen, deren Bruchstellen bereits früh sichtbar waren.

Ein Blick auf das Fundament

Dabei zeigt ein Blick auf bestehende Standorte, wie anspruchsvoll die Realität mittlerweile geworden ist.

Die Pioneers Vorarlberg kämpfen ums wirtschaftliche Überleben. An allen anderen Standorten steigen Reise- und Betriebskosten seit Jahren kontinuierlich an.

Gerade deshalb überrascht es, dass die Liga erneut einem Projekt eine Chance gibt, das derzeit vor allem aus Versprechen besteht.

Vielleicht wird Mailand in fünf Jahren als Musterbeispiel für eine gelungene Expansion gelten. Vielleicht entwickelt sich der Standort tatsächlich zu jenem wirtschaftlichen und sportlichen Gewinn, den sich die Verantwortlichen erhoffen. Möglich ist das.

Doch wer in der Vergangenheit mehrfach auf dünnes Eis geraten ist, sollte sich beim nächsten Schritt besonders genau ansehen, wie tragfähig die Oberfläche tatsächlich ist.

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