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Wenn nicht jetzt, wann dann?

Die Schweiz hat WM-Gold verpasst – schon wieder. Warum diese Final-Niederlage besonders lange nachhallen dürfte.

Wenn nicht jetzt, wann dann? Foto: © IMAGO / Bildbyran

Ein Schuss, ein Tor - ein Stich ins patriotische Schweizer Herz.

Alles war angerichtet für die große Weltmeister-Party. Nicht nur die 10.000 rot-weißen Fans in der Zürcher Swiss Life Arena waren bereit, die Nacht zum Tag zu machen. Sogar die Stadt Zürich hatte angekündigt, im Falle von WM-Gold die Sperrstunde auszusetzen.

Im ganzen Land waren die Euphorie und die Vorfreude auf dieses Endspiel riesig. Noch größer ist jetzt aber die Ernüchterung, dass es schon wieder nicht gereicht hat. Im dritten Jahr in Folge.

Der Traum vom Heim-Titel schien greifbar

Die Schweiz hat ein überragendes Heim-Turnier gespielt. Das war nach dem Corona-Drama um Ex-Teamchef Patrick Fischer, das die Vorbereitung bestimmt hatte, nicht selbstverständlich.

Doch die Gruppenphase wurde dominiert. Nicht nur Österreich oder Ungarn landeten auf der "Schlachtplatte", auch die USA, Deutschland und der spätere Final-Gegner Finnland wurden überzeugend bezwungen.

Die "Nati" wirkte reif für den großen Schuss, hatte im Viertelfinale gegen Angstgegner Schweden das (Schiedsrichter-)Glück auf seiner Seite. Auch das braucht es, um letzten Endes Spiele zu gewinnen, geschweige denn Weltmeister zu werden.

Norwegen stellte im Halbfinale keine Hürde dar, mit einem 6:0 wurde nochmal ordentlich Selbstvertrauen getankt,, das ohnehin nicht mehr enden wollend schien.

Als die Bühne für den großen Triumph bereitet war

Und dann waren es die "Löwen", die es sich im Endspiel zur Aufgabe machten, der große Spielverderber zu sein. Die Kerzen auf der Torte vor dem Geburtstagskind auszupusten.

Und die Schweiz? Wirkte nicht angestachelt, sondern nervös. Der Druck war unermesslich, die Beine und der Kopf zunächst schwer.

Doch je länger das Finale dauerte, desto besser fand die Schweiz im Spiel. Die Hoffnung einer ganzen Nation stellte zunehmend keine Hemmung mehr dar, die Fesseln waren gelöst.

Ein Moment, der alles veränderte

Die "Nati" brannte plötzlich für dieses Endspiel. Und wurde von einem 20-jährigen, kühlen Finnen eiskalt erloschen.

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Pure Ekstase bei Finnlands Konsta Helenius nach dem Goldtor.
Foto: ©IMAGO / ABACAPRESS

Mucksmäuschenstill war es in der gesamten Schweiz, als Konsta Helenius die Eidgenossen von der Klippe stieß und die stolze Schweiz ins tiefe Tal der Tränen stürzte.

Finnland hat den Weltmeister-Titel verdient. "Suomi" spielte eine nicht minder exzellente WM, hätte das Finale bei etwas mehr Glück sogar in der regulären Spielzeit gewinnen können.

Trotzdem machte sich aus Schweizer Sicht das Gefühl breit: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Die Frage, die nun über allem schwebt

Immer wieder wird von der "Goldenen Generation" gesprochen, den Roman Josis, Nino Niederreiters und Co. Die Gefahr wächst, dass sie zu einer "Silbernen Generation" verkommt.

Und: Sie werden alle älter. Es wird von Jahr zu Jahr schwieriger, sie für eine WM zu motivieren, wenn die Familie nach einer kräftezehrenden Saison sich nichts sehnlicher wünscht, als dass der Papa endlich nach Hause kommt.

Zwar wird der Zusammenhalt im Schweizer Team stets groß geschrieben, sehen es auch die NHL-Stars als Privileg an, für ihr Heimatland auflaufen zu dürfen. Doch diese Final-Pleiten lösen etwas in Sportlern aus.

Sie sind die bittersten Momente einer Karriere. Waren die Niederlagen 2024 und 2025 schon schwer zu verkraften, ist diese die mit Abstand schmerzvollste - vielleicht sogar in der gesamten Verbandsgeschichte.

Wie geht es nach diesem Rückschlag weiter?

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Die Spieler verabschieden sich unter großem Beifall von den Fans.
Foto: ©IMAGO / Bildbyran

Sich davon wieder zu erholen, wird unfassbar schwierig sein.

Welche Schlüsse soll man aus einem Turnier, das bis auf einen Schuss perfekt war, denn ziehen – außer, dass einen im Finale die Nervosität eingeholt hat? Die Schweizer Eishockey-Spieler sind nämlich auch nur Menschen.

Die Spieler wieder aufzurichten, wird die große Aufgabe von Jan Cadieux und den Verantwortlichen sein. Der 46-Jährige hat ohnehin ein schweres Erbe angetreten, sollte das Nationalteam eigentlich erst nach dieser WM von Fischer übernehmen.

Nun liegt es an ihm, den Erfolgsweg der "Nati" fortzuführen. Dazu wird es viele Gespräche mit den Spielern brauchen, damit 2027 in Deutschland der nächste Anlauf auf das "unerreichbare" Gold genommen werden kann.

Der Eindruck, dass die Schweiz ein Finale einfach nie gewinnen wird, darf sich nicht manifestieren. Weder in der Öffentlichkeit, und schon gar nicht erst im Team.

Vielleicht bekommt die Schweiz noch einmal eine solche Chance. Vielleicht aber auch nicht. Genau deshalb dürfte diese Niederlage noch lange nachhallen.

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