Das Projekt "HC Milano" wurde der Öffentlichkeit per Pressekonferenz am 31. März vorgestellt, Details zu Team oder Funktionären mussten aufgrund der Kürze der Zeit noch ausbleiben.
Über die verpasste Meldedeadline (30.1.) wurde wieder einmal generös hinweggesehen. Einige Teams bestehen jedoch auf der Rechtsauffassung, dass eine Abstimmung über eine Neuaufnahme bis zum 15. März hätte stattfinden müssen, was die Ligaführung naturgemäß anders sieht. Wird das noch zu einer Sache für Anwälte?
Keine Organisation, sondern ein Projekt
Bratislava Capitals, Asiago, Jesenice oder Zagreb: Es gab über die Jahre schon genug Teilnehmer, deren Bruchstellen schon bei der Aufnahme ersichtlich waren. Sie hatten aber alles eines gemein: Sie wickelten zuvor einen Spielbetrieb in ihren jeweiligen Ligen ab und brachten eine bestehende Halle mit.
Davon kann in Mailand keine Rede sein und an dieser Tatsache stoßen sich einige Vereinsvertreter: "Wir stimmen inzwischen nicht mehr über Organisationen ab, sondern über Projekte", so ein skeptischer Manager. Ein anderer: "Warum spielen sie nicht einmal ein Jahr in der AlpsHL mit und präsentieren sich auf diese Weise?"
Bei den ersten Gesprächen war noch die Rede davon, dass der HCM in der kleineren Olympia-Halle Rho spielen würde. Das sollte sich aber als Fehlinformation herausstellen, durchgehender Eisbetrieb war dort nach Olympia nie geplant, eine Möbelmesse folgte.
Hier soll gespielt werden
Die Alternative: Die bestehenden Elemente (Eisaufbereitungsanlage, Banden, Bänke, Belüftung) werden in eine neue Halle ebenfalls am Messgelände verfrachtet, lediglich die Zuschauerränge werden neu gebaut. Dieser Komplex soll danach nicht nur dem Eishockey zur Verfügung stehen, lediglich die Größe des Zuschauerraums (Maximum 4.000) ist von einem ICE-Engagement abhängig. Dass diese Halle wie versprochen in drei Jahren durch eine zentralere Spielstätte abgelöst wird, ist ein weiteres Versprechen.
Auf dem Messegelände wird auch schon gebaut, Leitner gibt als Bezugstermin den 30. September an. Das wäre noch kein großes Problem, Vorbereitung und Saisonbeginn müssten auswärts stattfinden. Aber Bauverzögerungen – und da war ja gerade Mailand vor Olympia in aller Munde – würden nicht überraschen. Wie die Halle dann wirklich aussieht, ist derzeit eben nur auf Plänen ersichtlich, Leitner spricht aber von einer für die Liga schönen Spielstätte in Stahlkonstruktion, dementiert Meldungen über eine Tragflügelhalle und ein Zeltdach.
Als Sportmanager soll Ex-Fehervar-Manager Viktor Szelig fungieren, nach langer Tätigkeit in Szekesfehervar im Frühjahr freigestellt. Seine Hauptaufgabe derzeit: Seine Kollegen durchzutelefonieren und für eine Aufnahme die Werbetrommel zu rühren.
Das Team steht dem Vernehmen nach schon zu 90 Prozent, Verträge mit Spielern wie Randy Gazzola oder Giordano Finoro sind längst schon durchgesickert. Leitner versichert hoch und heilig: "Wir haben keine Spieler aus Pusteral und Bozen abgeworben."
Die Stimmung vor der Abstimmung
Ein solches Versprechen ist auch nötig, Milano braucht acht Stimmen für ein "Ja".
Die internationalen Teams stimmen in solchen Sachen immer wieder im Block ab - auch heuer? Welches Interesse kann eigentlich Fehervar haben, die 1.000 Kilometer Anreise hinzulegen? Man stelle sich nur eine Playoff-Serie Milano – Fehervar vor, die erst wenige Tage vorher festgelegt wird und die dann über sieben Spiele geht. Der Hinweis auf Flugreisen hört sich in der finanziell angespannten ICE wie die Version von "Sollen sie doch Kuchen essen" an.
Bozen und Pustertal? Wenn der – wie gerade bei der WM gesehen – eh schon überschaubare Spielermarkt statt auf zwei auf drei Teams aufgeteilt wird, gehen die Preise unweigerlich nach oben, was vor allem Agenten glücklich macht. Pikant: zwei Südtiroler Teams entscheiden über ein italienisches – ein gravierender Unterschied, Leitner ist hier auch eine Art Bindeglied zwischen den Regionen.
Zumindest eine Mehrzahl der ausländischen Stimmen pro Milano sind doch wahrscheinlich, noch dazu soll Ferencvaros Budapest in einer Wahl vor der Wahl zu einem ordentlichen Mitglied gemacht werden (regulär erst ab 2027) und damit auch ein Stimmrecht erhalten. Auch diese Nachricht stieß so manchen Vereinsvertreter vor den Kopf.
Skepsis bei den österreichischen Teams
Bei den österreichischen Teams herrschte von Grund auf Skepsis. Vor allem die Vereinsmanager, die ja im Gegensatz zu ihren Präsidenten mit den administrativen und sportlichen Problemen täglich konfrontiert werden, wollten ursprünglich mit diesem Projekt gar nichts zu tun haben.
Das Problem dabei ist natürlich nicht die Stadt Milano oder die beteiligten Personen, selbst die großen Distanzen wären nur für einige Teams der Dealbreaker. Allerdings fragt man sich an dem einen oder anderen Ort schon: "Wo liegt jetzt eigentlich die geografische Grenze in der Liga?"
Die Skepsis rührt daher, dass Milano den Teams bei einem Liga-Meeting im März unangekündigt einfach die Pistole auf die Brust setzte, nach dem Motto "Jetzt oder nie" agierte. Ein Vereinsvertreter dazu: "Das wäre schon ein ambitioniertes Projekt für 2027/28, aber wie soll das in dieser Kürze funktionieren?"
Leitner versteht auch diese Skepsis, wendet aber ein: "Wir müssen jetzt die Olympia-Euphorie und das Interesse der Stadt ausnutzen. In einem Jahr ist das alles wieder abgeebbt. Und ein Spielen in der AlpsHL wäre hier nicht zu verkaufen."
Immerhin kann er sich der Unterstützung von Liga-Manager Christian Feichtinger und Präsidiumsmitglied Johannes Schwaiger sicher sein, die mit Leitner die Werbetrommel rührten. Vereinsvertreter waren über diese Schlagseite erstaunt, doch es gibt gute Gründe für diese Anschübe.
Geld und Teams müssen her
Die sind natürlich finanzieller Natur: Seit dem Ausstieg der Erste Bank ist die Finanzlage angespannt, die Einnahmen durch Sponsoren und TV/Streaming überschaubar und der Ligabetrieb, der in den letzten Jahren immer aufgeblähter wurde, muss finanziert werden.
Jedes Meeting endet mit dem Motto: "Wir müssen uns marketingtechnisch besser aufstellen." Weder Präsidium noch Ligaführung boten hier Auswege an, die Partnership mit dem zugezogenen Red Bull Media House endete mit einem negativen Ergebnis und wurde stillschweigend beendet.
Das neue Geschäftsmodell der Liga heißt damit "Expansion Fees" - im Gegensatz zur NHL kein nettes Zubrot, sondern fast schon lebenswichtig. Letztes Jahr Ferencvaros und heuer eben Milano, immerhin im Gegensatz zu Asiago Großstädte und keine Dörfer.
Neben der Aufnahmegebühr von 150.000 Euro musste Milano für die drei Jahre Probezeit jährlich 150.000 Euro an Sponsorleistungen garantieren. Diese Summe wurde zuletzt sogar auf 200.000 erhöht, darunter ein "mittelgroßer Ligasponsor", so Leitner.
Das könnte natürlich auch einige Teams aus dem Österreicher-Block erweichen. Die Stimmen von Salzburg und dem KAC hat Mailand ohnehin sicher, schließlich winkten deren Vertreter (Rene Dimter bzw. Schwaiger) als Präsidiumsmitglieder Milano bereits durch, sodass es überhaupt erst zu einer Abstimmung unter den Teams kommt. Das Zünglein an der Waage dürften die Stimmen aus Graz und Innsbruck werden. Ob es überhaupt noch eine Stimme von den Pioneers gibt, soll ebenfalls Montag behandelt werden.
Ein weiterer Grund, warum in den letzten Jahren immer mehr ausländische Teilnehmer aufgenommen wurden: Es braucht eben einen Puffer, um nicht eines Tages mit zu wenig Teilnehmern dazustehen. Die Liga setzt dabei immer auf eine Art Team-Vorratskammer.
Gibt es irgendwelche Aufnahmekriterien?
Die Ligafunktionäre sprechen immer von einem abzuarbeitenden Maßnahmenkatalog bei der Aufnahme von neuen Teams, aber wie sieht der in der Realität wirklich aus? Finanziell konnten Bankrotteure wie Jesenice, Zagreb oder Laibach nie verhindert werden, Über-Nacht-Ausstiege wie bei Bratislava, Dornbirn oder Znojmo (wenigstens in der Off-Season) ebenfalls nicht.
Mindeststandards für die Hallen? Inzwischen braucht man wie in Asiago gar kein Auge mehr zuzudrücken. In Ermangelung einer Halle im Mailand muss die Inspektion ausbleiben und man geht nur noch nach vorgelegten Plänen vor.
Die Positiva des Projekts HC Milano
Eine Großstadt mit einer gewissen, in den letzten Jahren allerdings abgerissenen Eishockey-Tradition. Zuseher aus der Lombardei sollen die Liga auch nach dem Ausscheiden Asiagos via DAZN verfolgt haben.
Internationale Firmen (z. B. Unicredit), die wenigstens Hoffnung auf Sponsorleistungen versprechen.
Pläne, die aus Mailand abgesiedelte Jugendarbeit (noch 140 Kinder) als Sportförderzentrum wiederzubeleben.
Wenn auch nach Bauchweh und mit Verspätungen, die Spiele bei Olympia in den beiden Hallen zogen keine Beschwerden nach sich, vor allem bezüglich der Eisqualität.
Zu einer Krypto-Firma wie "House of Doge" kann man stehen, wie man will, aber exotisch ist diese Sparte inzwischen auch nicht mehr. Das Eishockey-Engagement in Sierre endete mit dem Meistertitel in der Swiss League. Im Fußball ist CEO Marco Margiotta im September 2025 beim Drittligisten Triestina eingestiegen. Finanzielle Verwerfungen sollen aus der Zeit zuvor bestehen, Chris McSorley, der sich in der Schweiz vom Coach zum Sport- und dann Generalmanager hinaufgearbeitet hat und solche Projekte wie das Licht die Motten anzieht, soll als Klammer zwischen den Teams herhalten.
Elementar dabei jedoch: Alle Summen müssen natürlich abgesichert sein, bloße Absichtserklärungen werden nicht genügen.
Das Buhlen um die "Ja"-Stimmen hinter den Kulissen hat die ursprünglich strikte Ablehnung des Projekts etwas aufgeweicht. Es geht weiter darum, ob eine Organisation ohne bestehende Halle und Erfahrung im Spielbetrieb in die ICE aufgenommen werden soll.
Was in jeder anderen Liga mit einem freundlichen, aber ablehnenden Zweizeiler per E-Mail schon vor Monaten geendet hätte, könnte Montag zur spannendsten Wahl der Ligageschichte werden...