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Bailen: "Warum sollte man spielen, wenn man nicht gewinnen will?"

Der Königstransfer der Wiener startet mit hohen Erwartungen in die Saison. Dabei dachte er vor gut einem Jahr noch ans Karriereende.

Bailen: "Warum sollte man spielen, wenn man nicht gewinnen will?" Foto: © Vienna Capitals/Manfred Szieber
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Es ist nicht lange her, da stand die Karriere von Nick Bailen an einem Scheidepunkt.

Bevor der US-Amerikaner im Dezember 2024 zu den Graz99ers gewechselt ist, stand Bailen in Diensten der Kölner Haie. Dort hatte der Verteidiger zum Ende seiner Zeit mit Verletzungen zu kämpfen, fiel mehrmals aus.

Ihm sei es "gar nicht gut" gegangen, große Schmerzen hätten ihn geplagt, erzählte der 36-Jährige der "Krone" im April. "Wenn ich mit meinen Kindern auf dem Fußboden gespielt habe, musste mir meine Frau aufhelfen, weil ich es alleine nicht geschafft habe."

Auch nach seiner Ankunft in der Murstadt verpasste Bailen viele Spiele. Deshalb dachte er im Sommer 2025 sogar an ein Karriereende. Letztlich dürfte der offensivstarke Defender froh sein, sich dagegen entschieden zu haben.

Rekordsaison mit Happy End

Bailen hat hart gearbeitet, damit er gesund in die abgelaufene Saison starten kann. Zwar verpasste er aufgrund einer schweren Armverletzung neuerlich einige Spiele. Wenn der Rechtsschütze aber am Eis stand, vermochte er den Unterschied auszumachen.

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Bailen gewann in Graz seine erste Meisterschaft als Profi.
Foto: ©GEPA

Mit 50 Scorerpunkten im Grunddurchgang stellte Bailen einen neuen Vereinsrekord auf und hatte maßgeblichen Anteil am ersten Meistertitel der Grazer Klubgeschichte.

Eine unfassbare Spielzeit mit dem Championnat gekrönt zu haben, zaubert ihm heute noch ein Lächeln auf die Lippen. "Es war das erste Mal, dass ich als Profi eine Meisterschaft gewonnen habe", sagt Bailen im Gespräch mit LAOLA1.

An den Meistertitel werde er sich immer erinnern. So bleibe er zusammen mit seiner Familie in besonderer Weise "mit dieser Stadt, dieser Mannschaft und der Vereinsführung" verbunden. Doch alle guten Dinge würden irgendwann zu Ende gehen, meint Bailen.

Warum die Wahl auf Wien fiel

Dass seine Reise an der Mur keine Fortsetzung findet, war bereits im Februar klar. Während der dreiwöchigen Olympia-Pause hatte Bailen seine Unterschrift unter einen Einjahresvertrag bei den Vienna Capitals gesetzt.

Der Transfer-Coup wurde im Mai schließlich offiziell kommuniziert. Warum sich der Amerikaner aus dem US-Bundesstaat New York gemeinsam mit seiner Familie für Wien entschieden hat? "Es ist eine der schönsten Städte der Welt", meint Bailen.

Die Hauptstadt Österreichs sei familienfreundlich, es gebe viel zu erleben. Er gehe gerne an neue Orte, um Teams dabei zu helfen, sich weiterzuentwickeln, erzählt Bailen. Diese Gelegenheit hätte sich in Wien-Kagran geboten.

Bailen: "Es hat für mich und meine Familie einfach perfekt gepasst."

Beinahe schon früher in Wien

Beinahe wäre der US-Verteidiger in einem frühen Stadium seiner Karriere in Wien gelandet. Die Capitals wollten ihn bereits im Sommer 2013 unter Vertrag nehmen, doch Bailen zog Tappara Tampere als seine erste Europa-Station vor.

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Bailen nahm während seiner Zeit in Minsk die belarussische Staatsbürgerschaft an und nahm an zwei Weltmeisterschaften teil.
Foto: ©imago images / Bildbyran

Bailen wurde prompt ins All-Star-Team der finnischen Liiga gewählt, wechselte im folgenden Jahr in die KHL zu Dinamo Minsk. Für das belarussische Aushängeschild lief er bis 2017 auf, nahm auch die belarussische Staatsbürgerschaft an und absolvierte 25 Länderspiele.

Insgesamt verbrachte der Routinier acht Jahre in der KHL, wurde zwei Mal ins All-Star-Team gewählt und 2022 als Verteidiger des Jahres ausgezeichnet. Dies gelang ihm ein Jahr später in Deutschland erneut.

Offensivdrang als Markenzeichen

Egal, für welchen Klub Bailen spielte: Er hat abgeliefert.

"Ich bin kein Defensiv-Spezialist", sagt Bailen über sich selbst. Er stehe für schnelles, offensives und kreatives Eishockey, wolle sich in den Dienst der Mannschaft stellen, Schüsse blocken und seine defensiven Aufgaben bestmöglich erfüllen.

"Ich möchte meiner Mannschaft nicht schaden, wenn ich auf dem Eis stehe. Offensiv werde ich einfach versuchen, viel Zeit in der Angriffszone zu verbringen, Chancen zu kreieren, gute Pässe zu spielen und hoffentlich ein paar Tore zu schießen", so Bailen.

Er wolle seinen Teil dazu beitragen, dass die Capitals viele Spiele gewinnen.

Gewinnen als einziges Ziel

Die Capitals haben die vergangenen drei Jahre den Sprung ins Viertelfinale verpasst.

Wenn das Ziel nicht lautet, zu gewinnen - warum sollte man dann überhaupt spielen?

Nick Bailen geht mit hohen Erwartungen in die Saison.

Entsprechend hoch sind die Erwartungen. "Wenn das Ziel nicht lautet, zu gewinnen - warum sollte man dann überhaupt spielen?", sagt der 36-Jährige. Natürlich könne man nicht alle 52 Grunddurchgangsspiele für sich entscheiden.

"Aber wenn man 35 bis 40 gewinnen kann, ist man vor den Playoffs in einer wirklich guten Position."

Der amtierende Meister blickt optimistisch auf den neu zusammengestellten Kader. "Neue Gesichter bringen viel Energie ins Team. Und die bekannten Gesichter helfen dabei, die Mannschaft zusammenzuführen. Ich denke, das ist eine sehr gute Kombination."

Dankbar für jedes weitere Jahr

Ob die Capitals heuer wieder den Sprung ins Playoff schaffen, werden die nächsten Monate zeigen. Mit Bailen ist jedenfalls ein dicker Fisch im Netz der Wiener gelandet.

Nicht zuletzt aufgrund seiner jüngeren Verletzungshistorie ist es nicht selbstverständlich, dass der Verteidiger die Schwarz-Gelben auf ihrer Viertelfinal-Mission unterstützen wird.

"Ich dachte, ich würde ein paar Jahre als Profi spielen - nicht 14", ist Bailen dankbar, "dass ich mit 36 immer noch diesen Sport ausüben kann, den ich so liebe."

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