Dort gab der ehemalige Abwehrspieler nicht ausschließlich mit Schläger und Puck den Takt vor, sondern gerne auch mit den Fäusten. Der knapp 1,90 Meter große und über 90 Kilogramm schwere Stewart knöpfte sich bei Gelegenheit auch seine Gegenspieler vor. Capitals-Legende Phil Lakos rankte ihn einst unter die drei härtesten Fights seiner Laufbahn.
In der Liga war Stewart für seine Härte gefürchtet, im Laufe seiner Karriere hat er über 1.000 Strafminuten gesammelt und verdiente sich den Spitznamen "Iron Mike".
Doch nicht nur für den VSV hat er seine Knochen hingehalten. 2005 nahm Stewart die österreichische Staatsbürgerschaft an und bestritt drei Weltmeisterschaften, davon zwei in der Top-Division, für Rot-Weiß-Rot.
14 Jahre in Deutschland
Nach seinem Karriereende im Jahr 2010 wechselte Stewart in Villach direkt auf die Trainerbank.
2012 ereilte ihn der Ruf aus Deutschland, dort war der frühere NHL-Erstrundenpick in den letzten 14 Jahren als Cheftrainer in Bremerhaven, Augsburg, Köln und zuletzt fünf Jahre in Wolfsburg tätig.
Auf diese Erfahrung setzen die Capitals nun. Der Auftakt war außergewöhnlich - bei Temperaturen nahe der 40-Grad-Grenze pilgerten 1.300 Fans in die Steffl Arena.
Stewart war vom Andrang überwältigt: "Draußen ist es so schön, es hat über 30 Grad, da kann man auch andere Dinge machen, als in eine Eishalle zu kommen. Dass die Fans dennoch so zahlreich hergekommen sind, um uns zu unterstützen, das bedeutet etwas."
Aufbruchstimmung diesmal berechtigt?
Aufbruchstimmung herrschte zwar auch in den vergangenen Jahren immer wieder, diesmal scheint sie aber besser begründet. Mit dem neuerlich höchsten Spielerbudget der Vereinsgeschichte sind die Erwartungen entsprechend hoch.
Der bereits "sehr starke" Stamm wurde unter anderem mit Star-Verteidiger Nick Bailen, dem langjährigen Nationalteam-Spieler Konstantin Komarek und Ex-NHL-Angreifer Jakob Lilja ergänzt.
Damit soll wieder der Anschluss an die Spitzenteams gelingen. "Wir haben unsere Ziele intern schon angesprochen", sagt Stewart. Für ihn ist der Prozess "verdammt wichtig" – begonnen hat er mit dem ersten offiziellen Eistraining, enden soll er erst nach der Saison.
"Ich weiß, dass wir an Siegen und Niederlagen gemessen werden", so Stewart, "doch von Saisonbeginn bis zum Schluss geht es nie steil bergauf. Es wird Auf und Abs geben, trotzdem wollen wir uns konstant verbessern".
Wenn die Entwicklung in die richtige Richtung verläuft, hätte man am Saisonende ein Team, in dem sich jeder füreinander einsetzt. "Mit dieser Einstellung kann man etwas bewegen."
Boss, kein Diktator
Zu seinen Grundprinzipien zähle zudem Leidenschaft. Man könne immer verlieren, doch es gehe um das "Wie".
"Hat uns der Gegner gespürt? Haben wir bis zum Schluss alles gegeben?", will der neue Trainer vollen Einsatz bis zur letzten Sekunde sehen. "Wir wollen die Mentalität haben, dass wir jeden Abend gewinnen können. Auch das ist Teil der Entwicklung."
Ich bin der Boss, aber kein Diktator.
Auf dem Weg will Stewart stets ein offenes Ohr für seine Spieler haben, seine Bürotür stünde offen. "Ich bin der Boss, aber kein Diktator", betont Stewart. Die Cracks würden wissen, dass sie jederzeit zu ihm kommen könnten - in guten wie in schlechten Zeiten.
Stewart: "Diskussionen müssen nicht immer schön und blumig sein. Durch diese offene Kommunikation können wir uns verbessern." So würde auch er von seinen Spielern lernen.
Emotionale Heimkehr im Oktober
In den nächsten Wochen und Monaten liegt es an ihm, aus den schon bestehenden und neuen Puzzlesteinen eine Mannschaft zu formen, die für seine Tugenden steht. Dabei soll der Spaß nicht zu kurz kommen.
Den österreichischen Schmäh hat der 54-Jährige nach seiner langen Zeit in Deutschland jedenfalls nicht verloren. Genauso wenig wie seinen unverkennbaren Kärntner Akzent, den er sich in seiner Villacher Zeit angeeignet hat.
Deshalb ist ein Datum in seinem Kalender fett markiert: Der 4. Oktober. Da gastieren die Wiener beim VSV. "Ich bin jetzt durch und durch ein 'Capital', aber das wird ein schöner Moment", meint Stewart.
Und stellt die Emotionen hinten an: "Letztendlich wollen wir gewinnen."