Hintergrund

Haudums Traumstart in Finnland: Woher der McDavid-Vergleich kommt

Lukas Haudum hat sich bei TPS Turku eindrucksvoll vorgestellt. Finnische Medien sehen im Österreicher bereits den "McDavid der Liiga". Er selbst winkt aber ab.

Haudums Traumstart in Finnland: Woher der McDavid-Vergleich kommt Foto: © IMAGO / All Over Press Finland

Einen noch besseren Eindruck hätte Lukas Haudum bei seinen ersten Auftritten in der finnischen Liiga kaum hinterlassen können.

Der Oberösterreicher hat bei seinem Debüt am vergangenen Dienstag direkt sein Premierentor im Dress von TPS Turku erzielt, zusätzlich einen Assist verbucht. Am Samstag hat der 29-Jährige zwei Torvorlagen nachgelegt.

Vier Scorerpunkte aus zwei Spielen können sich in einem neuen Umfeld sehen lassen. "Es läuft sehr gut", klingt der Playoff-MVP der win2day ICE Hockey League im Gespräch mit LAOLA1 zufrieden.

Über 2.000 Kilometer mit dem Auto zurückgelegt

Ende Juli ist Haudum gemeinsam mit seiner Verlobten Lena und ihrem Hund Charly mit dem Auto in die neue Heimat gereist. Auf den über 2.000 Kilometern nach Turku wurden Zwischenstopps in Warschau, Riga und Tallinn eingelegt. "Es war überraschend gemütlich", lacht er.

In der Stadt mit über 200.000 Einwohnern im Südwesten Finnlands haben sich die Haudums bereits gut eingelebt. In einem Vorort wurde das neue Zuhause bezogen, zur Halle bzw. ins Stadtzentrum sind es nur zehn bis 15 Minuten.

Am Fuße der eigenen Terasse erstreckt sich ein kleiner Wald. "Es gibt tausend verschiedene Wege, die Wälder hier sind echt cool zum Spazieren gehen", erzählt der Alkovener.

Einzig das Wetter ließ keine "Sommer-Feelings" zu. Anders als in Österreich, wo das ganze Land unter einer langen Hitzewelle stöhnte, wurde Haudum in Finnland mit eher kühleren Temperaturen empfangen. "Für die Finnen war das eigentlich ganz schön", schmunzelt er.

Erinnerungen an Schweden

Allgemein erinnert ihn das Leben in Finnland an seine Zeit in Schweden. "Es ist sehr ähnlich", sagt der ÖEHV-Star. Zwischen 2014 und 2019 hat Haudum im Land des elffachen Eishockey-Weltmeisters gespielt, die schwedische Sprache gelernt.

Das kommt ihm jetzt zugute. Haudum: "In Finnland lernt jeder in der Schule schwedisch." Das ist für ihn von Vorteil, da die finnische Sprache "sehr schwierig" sei.

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Mit Coach Toni Söderholm kann sich Haudum auch auf Deutsch austauschen.
Foto: ©IMAGO / All Over Press Finland

In der Kabine werde jedoch ohnehin vorwiegend Englisch gesprochen, mit Trainer Toni Söderholm kann er sich zudem auf Deutsch unterhalten. Der Finne war einst deutscher Bundestrainer und Head Coach des EHC Red Bull München.

Schwieriger Start

Der Start in das neue Abenteuer ist sportlich gar nicht so beschwerdefrei verlaufen, wie man das zunächst vermuten würde.

Anfang August zog sich Haudum beim "Pitsiturnaus", einem traditionellen Vorbereitungsturnier in Rauman, eine Muskelzerrung in den Rippen zu und fiel für eine Woche aus.

Eine Woche nach seiner Rückkehr erlitt der Mittelstürmer beim Testspiel gegen den HC Lugano nach einem Check von Mirko Müller eine leichte Gehirnerschütterung. "Ein 'Kübel', der meinte, er müsste von hinten kommen", kann Haudum heute darüber ein Lächeln verlieren.

Danach hätte er zwar über drei Tage leichte Symptome gehabt, diese seien aber rasch wieder verschwunden.

Center der Top-Reihe

Bei TPS - auch "Tepsi" genannt - nimmt der Oberösterreicher direkt eine große Rolle ein.

Haudum führt die erste Linie als Center an, hat mit Lukas Wernblom und Lars Bryggman zwei schwedische Flügelstürmer an seiner Seite. "Wir harmonieren extrem gut, die beiden haben auch extreme Qualitäten", sagt er.

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Haudum (#97) jubelt mit seinen Teamkollegen.
Foto: ©IMAGO / All Over Press Finland

Wernblom hat nach zwei Spielen bereits sieben Scorerpunkte erzielt, so viele wie keinem anderen Spieler seit 37 Jahren. Bryggman führt die Torschützenliste mit vier Treffern an. Haudum reiht sich in der Scorerwertung indes auf Rang fünf ein.

Gemeinsam war man die torgefährlichste Linie der ersten Liiga-Woche. Der Österreicher strahlt: "Es macht richtig Spaß."

"Super-Linie"

In finnischen Medien ist bereits von einer "Super-Linie" die Rede. Sie würden "wirklich vorbildliches Eishockey" zeigen, sagt Ex-Spieler Topi Nättinen dem Medium "Ilta Sanomat".

Ihr Spiel sei kein "fulminantes Kunststück", sondern bestehe aus durchwegs vernünftigen, kleinen Entscheidungen. Ihre Bewegung und das Zweikampfspiel seien auf hohem Niveau, dazu bringe jeder noch Kreativität und individuelles Können ein.

Während sich Wernblom und Bryggman bereits als Starspieler der Liiga etabliert hatten, sei Haudum hingegen eine "echte Überraschung".

Der "McDavid der Liiga"?

Die Rückennummer "97" hat ihm sogar Vergleiche mit Connor McDavid eingebracht.

Das ist natürlich schön zu hören. Aber wir wissen alle, wie viel das bedeutet.

Haudum über den Vergleich mit Connor McDavid

Der Österreicher hätte "zumindest nach dem ersten Eindruck" das Zeug dazu, so etwas wie der "McDavid der Liiga" zu werden. Haudum winkt zwinkernd ab: "Das ist natürlich schön zu hören. Aber wir wissen alle, wie viel das bedeutet."

Nättinen schwärmt jedenfalls über seine Qualitäten: "Ein wirklich geschmeidiger Schlittschuhläufer, der den Puck mutig hält, aber auch bereit ist, sich aggressiv in Spielsituationen zu stürzen. Er kann zudem mit dem Puck schnell laufen, das ist nicht selbstverständlich."

Wie Haudum zur "97" kam

Dass Haudum mit der "97" aufläuft, war nicht geplant. Seine Wunschnummer "21", die er zuletzt bei den Graz99ers trug und auch im Nationalteam am Jersey hat, war bereits an Joel Määtta vergeben.

Die "11" hatte der 29-Jährige beim KAC am Rücken, wird in Turku zu Ehren des langjährigen NHL-Spielers Saku Koivu aber demnächst unters Hallendach gezogen. Ebenso wie die "12" von Jukka Villander. Und die "22" hatte sich bereits Bryggman ausgesucht.

Also blieb ihm in Anlehnung an sein Geburtsjahr 1997 nur mehr die "97" übrig. "Ich wollte nicht gleich zu eingebildet wirken", lacht Haudum. "Aber es ist eine geile Nummer."

Größter Unterschied zur ICE

Den größten Unterschied im Vergleich zur ICE Hockey League sieht Haudum im Tempo. "Es gibt hier im Durchschnitt sicher bessere Eisläufer. Wir haben im Team über alle vier Reihen verteilt extrem gute Eisläufer. Das Spiel ist sehr schnell", erklärt er.

Dem Oberösterreicher kommt dies gelegen. Er hätte nicht nur keine Probleme, sondern könne eine seiner größten Stärken auch ausspielen, etwa als Puckträger im Überzahlspiel oder beim Forechecking.

Sofort aufgefallen ist ihm auch die Intensität, schon beim ersten Training sei es "voll rundgegangen." Dennoch traut er den Top-Mannschaften der ICE zutrauen, in der Liiga durchaus eine gute Figur abgeben zu können.

Eishockeyverrückte Finnen

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Im Gatorade Center haben knapp 12.000 Zuschauer Platz.
Foto: ©IMAGO / Just Pictures

Angetan zeigt sich Haudum vom Gatorade Center, der Heimstätte von TPS. Bei den ersten beiden Heimspielen gegen KooKoo und HIFK waren 5.360 bzw. 6.708 Zuschauer. In der Multifunktionsarena haben knapp 12.000 Zuseher Platz.

Der ÖEHV-Spieler schwärmt: "In unserer Halle herrscht eine geile Atmosphäre zum Spielen, weil es wie ein riesiges Kolosseum ist. Das hat den Flair einer WM-Halle."

Allgemein würde man erkennen, dass Finnland ein "eishockeyverrücktes Land" sei. "Wenn wir uns Videos oder die Highlights der anderen Teams ansehen, sind überall ziemlich viele Leute in den Hallen. Es kommen sicher einige geile Auswärtsspiele auf uns zu."

Traditionsduelle mit besonderer Brisanz

Die Begegnung mit HIFK war bereits ein frühes Highlight in der Saison, das Team aus der finnischen Hauptstadt Helsinki zählt zu den Rivalen Turkus.

Haudum erzählt: "Sie haben den Ruf, in den 2010er-Jahren richtig Dreck gespielt zu haben. Diese Mentalität wollen sie ein bisschen beibehalten." Deshalb gelte HIFK ligaweit nicht unbedingt als der beliebteste Gegner.

In der finnischen Eishockey-Historie sind außerdem Duelle mit Jokerit Helsinki tief verankert. Beide teilen eine ausgeprägte Rivalität, in dieser Saison treffen beide Mannschaften erstmals seit dem Liiga-Ausstieg Jokerits vor zwölf Jahren wieder aufeinander.

Gelungener Start ins neue Abenteuer

Für Haudum steht nun aber erst einmal der Liga-Alltag im Mittelpunkt.

Die ersten beiden Spiele haben angedeutet, dass der Schritt nach Finnland sportlich genau der richtige gewesen sein könnte.

Noch ist die Saison jung, doch der Oberösterreicher liefert bereits erste Antworten darauf, warum ihm der Sprung in eine der stärksten europäischen Ligen zugetraut wurde.

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