In der Kabine werde jedoch ohnehin vorwiegend Englisch gesprochen, mit Trainer Toni Söderholm kann er sich zudem auf Deutsch unterhalten. Der Finne war einst deutscher Bundestrainer und Head Coach des EHC Red Bull München.
Schwieriger Start
Der Start in das neue Abenteuer ist sportlich gar nicht so beschwerdefrei verlaufen, wie man das zunächst vermuten würde.
Anfang August zog sich Haudum beim "Pitsiturnaus", einem traditionellen Vorbereitungsturnier in Rauman, eine Muskelzerrung in den Rippen zu und fiel für eine Woche aus.
Eine Woche nach seiner Rückkehr erlitt der Mittelstürmer beim Testspiel gegen den HC Lugano nach einem Check von Mirko Müller eine leichte Gehirnerschütterung. "Ein 'Kübel', der meinte, er müsste von hinten kommen", kann Haudum heute darüber ein Lächeln verlieren.
Danach hätte er zwar über drei Tage leichte Symptome gehabt, diese seien aber rasch wieder verschwunden.
Center der Top-Reihe
Bei TPS - auch "Tepsi" genannt - nimmt der Oberösterreicher direkt eine große Rolle ein.
Haudum führt die erste Linie als Center an, hat mit Lukas Wernblom und Lars Bryggman zwei schwedische Flügelstürmer an seiner Seite. "Wir harmonieren extrem gut, die beiden haben auch extreme Qualitäten", sagt er.
Wernblom hat nach zwei Spielen bereits sieben Scorerpunkte erzielt, so viele wie keinem anderen Spieler seit 37 Jahren. Bryggman führt die Torschützenliste mit vier Treffern an. Haudum reiht sich in der Scorerwertung indes auf Rang fünf ein.
Gemeinsam war man die torgefährlichste Linie der ersten Liiga-Woche. Der Österreicher strahlt: "Es macht richtig Spaß."
"Super-Linie"
In finnischen Medien ist bereits von einer "Super-Linie" die Rede. Sie würden "wirklich vorbildliches Eishockey" zeigen, sagt Ex-Spieler Topi Nättinen dem Medium "Ilta Sanomat".
Ihr Spiel sei kein "fulminantes Kunststück", sondern bestehe aus durchwegs vernünftigen, kleinen Entscheidungen. Ihre Bewegung und das Zweikampfspiel seien auf hohem Niveau, dazu bringe jeder noch Kreativität und individuelles Können ein.
Während sich Wernblom und Bryggman bereits als Starspieler der Liiga etabliert hatten, sei Haudum hingegen eine "echte Überraschung".
Der "McDavid der Liiga"?
Die Rückennummer "97" hat ihm sogar Vergleiche mit Connor McDavid eingebracht.
Das ist natürlich schön zu hören. Aber wir wissen alle, wie viel das bedeutet.
Der Österreicher hätte "zumindest nach dem ersten Eindruck" das Zeug dazu, so etwas wie der "McDavid der Liiga" zu werden. Haudum winkt zwinkernd ab: "Das ist natürlich schön zu hören. Aber wir wissen alle, wie viel das bedeutet."
Nättinen schwärmt jedenfalls über seine Qualitäten: "Ein wirklich geschmeidiger Schlittschuhläufer, der den Puck mutig hält, aber auch bereit ist, sich aggressiv in Spielsituationen zu stürzen. Er kann zudem mit dem Puck schnell laufen, das ist nicht selbstverständlich."
Wie Haudum zur "97" kam
Dass Haudum mit der "97" aufläuft, war nicht geplant. Seine Wunschnummer "21", die er zuletzt bei den Graz99ers trug und auch im Nationalteam am Jersey hat, war bereits an Joel Määtta vergeben.
Die "11" hatte der 29-Jährige beim KAC am Rücken, wird in Turku zu Ehren des langjährigen NHL-Spielers Saku Koivu aber demnächst unters Hallendach gezogen. Ebenso wie die "12" von Jukka Villander. Und die "22" hatte sich bereits Bryggman ausgesucht.
Also blieb ihm in Anlehnung an sein Geburtsjahr 1997 nur mehr die "97" übrig. "Ich wollte nicht gleich zu eingebildet wirken", lacht Haudum. "Aber es ist eine geile Nummer."
Größter Unterschied zur ICE
Den größten Unterschied im Vergleich zur ICE Hockey League sieht Haudum im Tempo. "Es gibt hier im Durchschnitt sicher bessere Eisläufer. Wir haben im Team über alle vier Reihen verteilt extrem gute Eisläufer. Das Spiel ist sehr schnell", erklärt er.
Dem Oberösterreicher kommt dies gelegen. Er hätte nicht nur keine Probleme, sondern könne eine seiner größten Stärken auch ausspielen, etwa als Puckträger im Überzahlspiel oder beim Forechecking.
Sofort aufgefallen ist ihm auch die Intensität, schon beim ersten Training sei es "voll rundgegangen." Dennoch traut er den Top-Mannschaften der ICE zutrauen, in der Liiga durchaus eine gute Figur abgeben zu können.
Eishockeyverrückte Finnen
Angetan zeigt sich Haudum vom Gatorade Center, der Heimstätte von TPS. Bei den ersten beiden Heimspielen gegen KooKoo und HIFK waren 5.360 bzw. 6.708 Zuschauer. In der Multifunktionsarena haben knapp 12.000 Zuseher Platz.
Der ÖEHV-Spieler schwärmt: "In unserer Halle herrscht eine geile Atmosphäre zum Spielen, weil es wie ein riesiges Kolosseum ist. Das hat den Flair einer WM-Halle."
Allgemein würde man erkennen, dass Finnland ein "eishockeyverrücktes Land" sei. "Wenn wir uns Videos oder die Highlights der anderen Teams ansehen, sind überall ziemlich viele Leute in den Hallen. Es kommen sicher einige geile Auswärtsspiele auf uns zu."
Traditionsduelle mit besonderer Brisanz
Die Begegnung mit HIFK war bereits ein frühes Highlight in der Saison, das Team aus der finnischen Hauptstadt Helsinki zählt zu den Rivalen Turkus.
Haudum erzählt: "Sie haben den Ruf, in den 2010er-Jahren richtig Dreck gespielt zu haben. Diese Mentalität wollen sie ein bisschen beibehalten." Deshalb gelte HIFK ligaweit nicht unbedingt als der beliebteste Gegner.
In der finnischen Eishockey-Historie sind außerdem Duelle mit Jokerit Helsinki tief verankert. Beide teilen eine ausgeprägte Rivalität, in dieser Saison treffen beide Mannschaften erstmals seit dem Liiga-Ausstieg Jokerits vor zwölf Jahren wieder aufeinander.
Gelungener Start ins neue Abenteuer
Für Haudum steht nun aber erst einmal der Liga-Alltag im Mittelpunkt.
Die ersten beiden Spiele haben angedeutet, dass der Schritt nach Finnland sportlich genau der richtige gewesen sein könnte.
Noch ist die Saison jung, doch der Oberösterreicher liefert bereits erste Antworten darauf, warum ihm der Sprung in eine der stärksten europäischen Ligen zugetraut wurde.