Was den KAC in dieser Saison so stark macht

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Eine Woche durfte der KAC auf seinen Finalgegner in der EBEL warten, neun Tage auf das erste Endspiel.

Am Sonntag (14 Uhr im LIVE-Ticker) treffen die Klagenfurter in Spiel 1 des EBEL-Finales auf die Vienna Capitals.

Was macht den KAC in diesem Jahr so stark? LAOLA1-Scout Bernd Freimüller nennt einige Gründe für eine erfolgreiche Saison, die ab Sonntag noch gekrönt werden kann:

Der "Microcore" des Teams:

Goalie, Top-Defender und zumindest ein starker Center oder ein verlässlicher Offensiv-Produzent – starke Teams ohne diese Achse funktionieren kaum. Mit Lars Haugen, den beiden Verteidigern Adam Comrie und David Fischer sowie dem wiedererstarkten Thomas Koch und Nick Petersen haben die Klagenfurter Spielträger, die über die Saison fast durchwegs fit geblieben sind und stets ihre Leistungen abriefen. Im Gegensatz zu den letzten Jahren, als oft der Durchschnitt regierte, heben sich die Spitzenspieler klar ab und gehören auch zur absoluten Ligaspitze.

Bessere Legionäre:

Der österreichische Teil des Kaders ist Jahr für Jahr leicht auszurechnen. Nicht unbedingt in den Einzelleistungen, aber als Gesamtpaket. Schumnig, Strong, die beiden Geier-Brüder (so fit), Hundertpfund, Harand, Koch sowie die noch etwas jüngeren Bischofberger, Richter, Kraus, Witting oder Neuzugang Unterweger bilden einen tiefen Österreicher-Kern. Der eine spielt eine schwächere Saison (Hundertpfund), andere trenden selbst im hohen Alter wieder nach oben (Koch, Harand), als Paket hat sich dieser Grundstock über die Jahre aber nicht viel gewandelt. Das Farmteam bildet zumindest Spieler aus, die sicherstellen, dass etwa die Geier-Brüder nicht um jeden Preis gehalten werden müssen.

Es brauchte immer Spitzenlegionäre, um vor allem scorermäßig über das Mittelmaß hinauszukommen und daran haperte es in den letzten Jahren. Brave Teamspieler wurden gesucht, heraus kam oft nicht einmal das. Mit Nick Petersen wurde schon früh (unter Dieter Kalt angestoßen) ein klares Statement zur Klasse gesetzt, mit Lars Haugen folgte dann noch ein Mann mit einem Pedigree in europäischen Spitzenligen. Dazu kam noch Adam Comrie: Ein bisschen eine Wundertüte, dessen Reputation in Nordamerika nicht die beste war, der Ruf eines schussstarken und harten Defenders eilte ihm aber voraus und Manager Oliver Pilloni konnte bei mehreren Match-Betrachtungen eigentlich keine Fehler finden.

Drei neue Spitzenleute also, nicht viel dahinter kommen die bereits unter Dieter Kalt verpflichteten David Fischer und Andrew Kozek. Robin Gartner, Mitch Wahl und der zurückgeholte Matt Neal wären dann die dritte Legionärs-Kategorie. In den letzten Jahren hätten Leute wie Mitja Robar, Jon Rheault, Julian Talbot, Mark Hurtubise oder Ziga Pance die Spielträger sein sollen, da stehen eben sogar Gartner und Wahl noch sehr gut da, die anderen Legionäre sind dieser Gruppe haushoch überlegen. Neal kann in einer guten Truppe seine Stärken einbringen, aber nicht unbedingt ein schwaches Team tragen.

Bezeichnend: Der KAC musste sich heuer von keinem Ausländer trennen, konnte sogar die Verlängerungen von Comrie und Haugen frühzeitig in Angriff nehmen. Comrie ist überhaupt ein Spielertyp, der zu den Raritäten in der EBEL gehört: Er vereint (wie Ryan McKiernan) Härte mit einem Schuss, der so manche enge Partie (wie etwa gegen Graz) entscheidet. Alle zehn Spiele musste man mit einem kleinen geistigen Aussetzer rechnen (seine einzige Sperre war aber ein lachhaftes Urteil), doch seine Reputation in der Liga ist mittlerweile die, dass man sich besser nicht mit ihm anlegt.

Ein gestandener Coach:

Ich habe nie ganz verstanden, warum das Duo Dieter Kalt und Oliver Pilloni auf der Coaching Position in den letzten Jahren Experimente unternahm und zwei Assistant Coaches zu Heads beförderte. Natürlich sind von den Hunderten an Trainern, die jedes Jahr auf dem Markt sind, nur wenige wirklich interessant, aber der KAC hat doch genug Reputation und Mittel, um einen gestandenen Coach an Land zu ziehen. Die letzten Jahre brachten mit Mike Pellegrims einen sicher fachlich guten Mann, dessen Stachelschwein-Persönlichkeit aber eine Rolle in vorderster Front unmöglich machte. Mit Steve Walker folgte ihm ein ungleich besserer Mensch, der aber wiederum seinen Cracks eine zu lange Leine ließ.

Mit Petri Matikainen und seinem fast gleichgestellten Co Jarno Mensonen stehen jetzt zwei gestandene Coaches hinter der Bande. Sind sie die Hauptfiguren beim Finaleinzug oder profitieren sie von einem sehr guten Kader? Schwer zu sagen, aber Matikainen kann für sich in Anspruch nehmen, eine klare Sprache zu sprechen. Er macht auf mich den Eindruck, Dinge auf den Punkt zu bringen (im Gegensatz zu Walker), ohne über das Ziel hinauszuschießen (im Gegensatz zu Pellegrims).

Etwas wusste er wohl noch aus seiner Spielerkarriere, die beim KAC zu Ende ging: Es geht in Klagenfurt immer ums Siegen, da kann noch so viel von Farmteams, Jugendförderung und Nachwuchstiteln schwadroniert werden. Sein jüngster Stammspieler ist der 22-jährige Niki Kraus, jüngere Spiele wie David Obersteiner sind bestenfalls Einspringer. Und bevor Matikainen auf seine Defender 7-12 zurückgreift, zieht er lieber den 35-jährigen Patrick Harand wieder zurück.

Überhaupt coacht der Finne fast kanadisch: Die Capitals-Stürmer können im Finale damit rechnen, sich fast immer entweder Fischer oder Comrie gegenüberzusehen, beide nehmen eine Unmenge an Eiszeit. Gerade Fischer, dessen leichtfüßiges Eislaufen kaum Energie zu verbrauchen scheint (Ryan Glenn war in jüngeren Jahren ein ähnlicher Typ), verträgt das ohne Probleme. Im Angriff wird es davon abhängen, ob und wie sehr Bischofberger und Richter belastbar sind. Ich erwarte bei beiden Teams aber eher regelmäßige Eiszeit für drei denn für vier Linien.

Die Goalie-Position managte die finnische Troika, zu der noch Torhütertrainer Juha Suronen gehört, über die Saison hinweg gut: Haugen war die klare Nummer eins, das stand nie in Frage, David Madlener kam aber zu genug Einsätzen, um nicht einzurosten. Die Rotation des letzten Jahres stand nie zur Debatte, auch dadurch, dass Haugen seinen wenigen schwächeren Spielen sofort wieder sehr gute folgen ließ.

Ruhe im Verein:

Die wird es in Klagenfurt nie zu hundert Prozent geben, zu volatil ist das Umfeld, das stets von alten Rekordmeister-Zeiten schwärmt. Dieter Kalt stieß noch einen Umbruch in modernere Zeiten an, was ihn nicht davon abhielt, nach dem Viertelfinal-Ausscheiden ein Messer in den Rücken gerammt zu bekommen. Der kurzen Episode mit Joe Reichel folgte das x-te Comeback von Oliver Pilloni an vorderster Front, doch gerade er weiß es am besten: Selbst der Meistertitel würde nur Ruhe bis zum ersten Spieltag der nächsten Saison bringen.

Doch gemessen an den Ereignissen früherer Jahre verlief die heurige Spielzeit fast paradiesisch ruhig, an Stelle von Großfeuern waren bestenfalls Glutnester auszutreten, was darauf hinweist, dass Hellmuth Reichel endgültig in den Hintergrund verschwunden ist.

Der Finaleinzug und die Tatsache, dass der Kern des Teams auch in der Zukunft beisammen sein wird (ein spielstarker Center steht aber auf Pillonis Einkaufsliste), sollten eigentlich einen ruhigen Sommer bedeuten, doch diese endgültige Voraussage traue ich mir noch weniger zu wie die über den kommenden Meister...

Textquelle: © LAOLA1.at

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