Red Bulls gezüchtete Erfolgs-DNA

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Red Bull steht in sportlicher Hinsicht in Österreich für Erfolg. Misserfolg wird missbilligt, von den Fans und innerhalb der Organisation - und in Salzburg wird schnell etwas als solcher gewertet.

"Ein Jahr wie dieses wünsche ich keinem Team, keinem Spieler", kommentierte der jetzige RBS-Kapitän Thomas Raffl Mitte März in einem Interview mit der "Kronen Zeitung" die Saison seiner Mannschaft. Wichtig zu wissen: Zu diesem Zeitpunkt stand RB Salzburg unmittelbar vor dem Serien-Gewinn im Playoff-Viertelfinale der EBEL gegen Fehervar, zudem erreichte man wenige Wochen zuvor das Halbfinale der Champions Hockey League.

Dies verdeutlicht, wie hoch die Trauben in der Mozartstadt hängen. Bereits seit drei Jahren wartet man auf den nächsten Titelgewinn. Dieser ist nun unter dem neuen Head Coach, Matt McIlvane, das ganz große Ziel.

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Druck verspüre der 33-jährige US-Amerikaner keinen. "Das ist eher ein Begriff für die Medien", erklärt er im Gespräch mit LAOLA1. Denn: "Die Herausforderung, den Titelgewinn öffentlich als Ziel auszugeben, ist nicht neu für uns und mich. Das wurde mir so beigebracht und ich habe auch keine Angst davor, das zu sagen."

Don Jackson als Mentor

Für den in Naperville im Bundesstaat Illinois geborenen McIlvane ist es eine Art Heimkehr. Bereits in der Saison 2013/14 war er als Co-Trainer von Don Jackson beim damaligen Vizemeister aus Salzburg tätig. Jackson war es auch, der ihn nach diesem Jahr nach München mitnahm.

"In Don Jackson hatte ich einen großartigen Mentor, vermutlich den erfolgreichsten Coach weltweit im Moment", streut McIlvane seinem um 30 Jahre älteren Amtskollegen Rosen.

In den gemeinsamen fünf Spielzeiten in der Münchner RB-Filiale holten sie dreimal den DEL-Meistertitel (2016, 2017, 2018). Vergangene Saison scheiterten die Bullen im Finale an den Adler Mannheim.

Jackson gab seine Visionen und Ideen an McIlvane weiter, der betont: "Jeder von uns ist eine eigenständige, andere Persönlichkeit und hat Fähigkeiten, die ihn einzigartig machen. Aber die Basis, wie das Endprodukt am Eis aussehen soll, ist dieselbe."

Eine regelrechte "Jagd nach dem Puck" solle sein Team praktizieren. In Scheibenbesitz würde McIlvane dann sehr viel Wert auf ein gepflegtes Kombinationsspiel legen, das aufgrund der Klasse seiner Spieler auch möglich sein müsse.

Die Red Bulls demonstrierten in den ersten beiden Saisonspielen bereits, wie dies aussehen kann. Neuzugang Chad Kolarik erzielte den ersten RBS-Treffer der Saison beim 5:1 in Bozen, nachdem er Tim Daly zu einem Fehler zwang. Beim 5:0 in Dornbirn agierte er im perfekten Zusammenspiel mit Alexander Rauchenwald als Vorbereiter des zweiten Treffers.


VIDEO: Rauchenwald und Kolarik vor dem 2:0 im Zusammenspiel

(Text wird unter dem Video fortgesetzt)


"Trattnig nicht einfach so ersetzbar"

Salzburg scheint damit vor einem Schicksal gefeilt zu bleiben, dass RB München in den vergangenen Saisonen oftmals ereilte. Nämlich, eine schwächere Phase zu Saisonbeginn, bis die taktischen Vorgaben bezüglich des aggressiven Forecheckings richtig greifen.

Auch eine weitere Sorge scheint sich als unbegründet herauszustellen - jener der fehlenden Führungspersönlichkeiten. Mit Ryan Duncan und vor allem Kapitän Matthias Trattnig verloren die Eis-Bullen im Sommer zwei der prägendsten Figuren des vergangenen Jahrzehnts.

"Man ersetzt einen Matthias Trattnig nicht einfach so. Er war ein Star und hatte innerhalb der Mannschaft und Organisation eine besondere Stellung", spricht McIlvane die Herausforderung an, die Lücke zu füllen, der der ehemalige "Ober-Bulle" hinterließ.

Zusätzlich wächst die Verantwortung der Führungsspieler, da Salzburg sein Legionärskontingent auf sieben reduzierte.

"Mit dem jüngeren Kern der Mannschaft müssen wir uns noch mehr auf unsere Führungsspieler verlassen können", betont auch McIlvane.

Und am Auftakt-Wochenende war tatsächlich Verlass auf Thomas Raffl und Co. Neun der zehn Treffer erzielten die Routiniers, sechs davon gingen auf das Konto von Langzeit-Salzburgern - Hughes, Heinrich, Pallestrang, Rauchenwald (2x), Herburger. Dazu trugen sich die Neuzugänge Chad Kolarik (2x) und Derek Joslin in die Schützenliste ein.

Jungspund auf der Cheftrainerbank

Einige davon sind nicht viel jünger als ihr jetziger Coach. McIlvane musste seine Karriere bereits mit 26 verletzungsbedingt - Kreuzbandrisse, Gehirnerschütterungen - beenden und stieg nahtlos ins Trainergeschäft ein.

Unabhängig vom Alter geht es für einen Trainer darum, Leitlinien zu bilden, Standards zu setzen, die Leute in die Verantwortung zu nehmen und eine Vision zu haben, die man verfolgt.

McIlvane über die Herausforderung als Coach

Als Kurzzeit-Head-Coach bei den Danville Dashers in der niedrigsten US-amerikanischen Profiliga, wie er sich mit einem Schmunzeln zurückerinnert: "Das war eine wunderbare Erfahrung, ist aber schon sehr lange her."

Genau genommen neun Jahre. Auch deshalb verspürt McIlvane bei seiner ersten "richtigen" Cheftrainer-Aufgabe wenig Nervosität.

"Es fühlt sich alles ziemlich normal an. Die taktischen Überlegungen, das Videostudium, das Training - das alles war bereits in München ein großer Teil meiner Arbeit. Der größte Unterschied ist wahrscheinlich, dass ich jetzt derjenige bin, der den Coaching Staff managen und im Hintergrund viel erledigen muss", schildert er.

Diesem gehören Andreas Brucker, Niklas Hede, Matt Smaby, Kris Sparre als Co-Trainer sowie Markus Kerschbaumer als neuer Goalie-Coach an.

"Dass es leicht ist, wäre eine Übertreibung", gesteht McIlvane, "es ist sozusagen eine Art von learning by doing. Da hilft es natürlich, ein Trainer-Team um sich zu haben, mit dem man gut arbeiten kann".

Einen Nachteil aufgrund seines jungen Alters sieht der zweifache Familienvater nicht.

"Unabhängig vom Alter geht es für einen Trainer darum, Leitlinien zu bilden, Standards zu setzen, die Leute in die Verantwortung zu nehmen und eine Vision zu haben, die man verfolgt", stellt er klar.

Stabilität innerhalb der RB-Organisation

Seine Vision lässt sich scheinbar mit der Philosophie der Red-Bull-Organisation gut vereinbaren. McIlvane geht bereits in seine siebente Saison mit einem der beiden Bullen-Teams.

"Für mich ist es einfach eine komfortable Situation. Als Coach versucht man Stabilität zu finden und das ist mir bis zu einem gewissen Grad gelungen", erläutert er seine Beweggründe.

Bei den Kollegen mit dem runden Leder hat der Schachzug mit der hauseigenen Beförderung von Jesse Marsch bislang hervorragend funktioniert. Mit der Fußball-Abteilung sei er nicht wirklich vertraut, muss McIlvane zugeben. Warum dieses Konzept funktioniert, kann er sich aber durchaus erklären: "Innerhalb der Red-Bull-Organisation herrschen einfach gewisse Ideale vor, die an jedem Standort gleich bleiben und die jeder intus hat."

Und alle laufen im wichtigsten Faktor zusammen: Erfolg!

"Wir starten jetzt die Reise, während der wir jeden Tag besser werden wollen, um am Ende das große Ziel zu erreichen“, beschreibt der US-Amerikaner die Jagd nach dem ersten Titelgewinn seit 2016.

Und erst wenn das geschafft ist, würde man in Salzburg wohl über eine Saison rekapitulieren, die man auch den anderen Teams und Spielern wünschen würde.

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Textquelle: © LAOLA1.at

Eishockey: Die Feinheiten der neuen EBEL-Regeln 2019/20

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