So sah der LAOLA1-Scout den EBEL-Auftakt

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Das erste EBEL-Wochenende ist vorbei – viel zu früh für ein Zwischenfazit, aber ein Blick auf einige Tendenzen und personelle Auffälligkeiten ist schon möglich.

Die Black Wings Linz gegen die Vienna Capitals, die Wiener dann zuhause gegen Fehervar AV19 – so sah mein erstes Wochenende aus. Im Gegensatz zu vielen Fans gehen mir die Donnerstag-Spiele ab, dauert es so doch länger, bis ich durch die Liga durch bin.

Mein Hauptaugenmerk in dieser Saison-Anfangsphase: Die neuen Spieler sowie Teams mit neuen Coaches.

Die Neuigkeiten in Wien unter der Lupe

In Wien ist in erster Linie interessant: Wie verwendet Coach Dave Cameron sein Personal?

In Linz etwa setzte er in Unterzahl nur vier Stürmer (Holzapfel, Tessier, Vause, Nödl) ein, am Sonntag durften dann auch DeSousa und Wukovits aufs Eis. In Überzahl setzt er auf jeweils vier gelernte Stürmer und einen Defender, wobei Marc-Andre Dorion und Kurt Davis vor Alex Wall gesetzt sind.

Der aus Norwegen gekommene Wall hat sich in der EBEL gut eingelebt, findet mit schnellen Antritten Wege aus engen Situationen und kann die Scheibe gut nach vorne transportieren. Sein größtes Manko: In Banden-Zweikämpfen, wo es auf rohe Muskelkraft ankommt, hat er Probleme.

Nicht so große allerdings wie Kollege Davis, der in Linz etwa drei schwere Checks einstecken musste, einen davon von Stefan Gaffal, der nicht gerade als schwerer Hitter bekannt ist. Ich habe Davis als wesentlich mobileren und schnelleren Verteidiger in Erinnerung, derzeit wirkt er klein und träge.

Dorion spielt wie bekannt gute Aufbau-Pässe und gerät nur selten in Panik, definiert sich aber ebenso wenig über das Körper-Spiel. So kam es in beiden Spielen zu relativ vielen Scrambles in und um den Torraum herum. J.P. Lamoreux bereinigt viele solcher Situationen, muss sich seiner Haut hier aber zu oft alleine erwehren.

Apropos Lamoureux: Im Spiel gegen Fehervar standen sich mit ihm und Mac Carruth nicht nur zwei der absoluten Top-Goalies der EBEL gegenüber. Mich würde auch nicht überraschen, wenn beide die Marathon-Männer der heurigen Saison werden, sinken doch die Chancen ihrer Teams mit den jeweiligen Backups gewaltig.

Ward überrascht mich

Während keine von Camerons Personal-Entscheidungen richtig überraschend war, schockierte mich Troy Ward in Linz.

Was ich in Augsburg noch als Vorbereitungs-Maßnahme abgetan hatte, war zum Saison-Auftakt doch sensationell: Jon D'Aversa kam erst in der Overtime zu seinem ersten Powerplay-Shift, obwohl er in der letzten Saison gerade in diesen Situationen vor Spezialist Sebastien Piche gereiht war. Dass seine Schussstärke aber weiter gefragt sein wird, bewies er am Sonntag in Dornbirn mit einem Überzahl-Treffer.

Zwei Linzer Niederlagen (eine im Shootout, eine drei Sekunden vor Schluss) sind kein Grund zur Panik, verstärken bei mir aber die Fragezeichen aus der Pre-Season: Sind die Linzer über den Sommer wirklich stärker geworden?

Dragan Umicevic etwa agiert sehr unauffällig, mit Corey Locke, der wie letztes Jahr etwas Anlaufzeit brauchen dürfte, haben die Black Wings schon einen ähnlich Pass-first-Player in ihren Reihen. Und Defender Troy Rutkowski wirkt weiter sehr behäbig und auch trotz seiner Körpergröße ohne Physis.

Unschärfe bei der neuen Regelauslegung

Zurück zum Spiel in Wien und den Goalies: Sowohl Lamoureux und Carruth holten sich jeweils eine Strafe wegen Spielverzögerung ab, als sie die Scheibe blockierten.

Wer die beiden letzten Regelbücher (2014 und 2018) miteinander vergleicht, muss bei den entsprechenden Regeln (214, 220, 221) schon sehr genau hinschauen, um Unterschiede zu finden, auch das EBEL-Casebook schweigt sich hier aus.

Wann sind die Refs also heuer dazu angehalten, Strafen auszusprechen? Wenn Goalies die Chance nicht wahrnehmen, den Puck gleich mit dem Schläger zu spielen (Lamoureux, der danach aber sehr wohl bedrängt wurde) oder ihren Vorderleuten eine Ruhepause oder eine Chance zum Wechseln geben wollen (Carruth). Das wird sich aber schon in den nächsten Wochen wieder einpendeln...

Rundblick über den Rest der Liga

Hauptverantwortlich für den (allerdings nicht überraschenden) perfekten Start von Meister HC Bozen: Goalie Leland Irving und die Paradelinie Catenacci-Findlay-Blunden, die bei allen sechs erzielten Treffern am Eis stand.

Die Brennerstraße hinab war der Saison-Auftakt wenig gelungen: Zwei Heimspiele gegen Dornbirn und Graz ergaben nur einen Punkt für den HC Innsbruck und satte zehn Gegentore. Wie so oft bei den Tirolern: Kein Vorsprung ist zu groß, um ihn nicht herzugeben, kein Rückstand zu groß, um ihn nicht aufholen zu können. Doch für Erfolge braucht es einen besseren Einser-Goalie, als es Matt Climie (derzeit) ist.

Umgekehrt dagegen die Lage in Dornbirn: Fünf Punkte, ein Overtime-Sieg und einer mit einem Siegestreffer drei Sekunden vor Schluss. Dabei sind noch zwei Stürmer-Ppositionen offen, wenig überraschend, dass der bereits abgeschriebene Defender Antonin Boruta noch gar nicht angemeldet wurde.

Zum ersten Mal seit langem starteten die Bulldogs die Saison mit einer Nummer eins im Kasten (Rasmus Rinne), die auch eine solche ist.

Guter Saisonstart auch für den VSV: Zwei Heimspiele, zwei Overtimes, in beiden blieb der Zusatzpunkt in Villach. Mit Jason DeSantis (Verletzung gegen Znojmo) fehlt aber bereits der erste Stammspieler.

Wie der VSV konnte auch Vizemeister Red Bull Salzburg mit zwei Heimspielen starten, ohne daraus punktemäßig Kapital schlagen zu können: Auch wenn die Schuss-Bilanz beim 2:4 gegen den KAC und 1:2 gegen Bozen für die Roten Bullen sprachen – es droht ein ähnlicher Fehlstart wie in der letzten Saison. Mit Linz folgt jetzt das dritte Heimspiel in Serie.

Dass einige Teams nur daheim oder auswärts agierten, ist der derzeitigen Situation in der EBEL gestundet: 25 Prozent der Heim-Arenen sind nicht verfügbar.

Der KAC tritt überhaupt neunmal auswärts an, die Adler aus Znojmo können frühestens am 28. September gegen Zagreb ihr Heimdebüt feiern. Die Kroaten wiederum treten erstmals am Samstag gegen Dornbirn in ihrer Ausweichhalle in Sisak an.

Textquelle: © LAOLA1.at

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