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French Open: Die Rollen haben sich verschoben

Österreichs Tennis zeigt sich bei den French Open so breit wie seit Jahren nicht mehr. Besonders bei den Frauen entsteht neue Hoffnung. Ein Kommentar:

French Open: Die Rollen haben sich verschoben Foto: © GEPA

Roland Garros steht für Tradition, Sandplatzgeschichte und sportliche Legenden. Nach Wimbledon ist es für viele Spielerinnen und Spieler das prestigeträchtigste Turnier der Saison.

French Open ist dabei untrennbar mit einem Namen verbunden: Rafael Nadal. Der Spanier prägte Paris wie kein Zweiter und gewann 14 seiner 22 Grand-Slam-Titel im Stade Roland Garros – eine Ära, die das Turnier geprägt hat wie kaum eine andere.

Auch für Österreich hat Paris eine besondere Bedeutung. 1995 holte Thomas Muster als erster Österreicher dort einen Grand-Slam-Titel, 2018 und 2019 kämpfte sich Dominic Thiem bis ins Finale und war dem Triumph so nah wie seit Muster kein ÖTV-Spieler mehr. Momente, die sich tief in die heimische Tennisgeschichte eingebrannt haben.

Es entsteht wieder eine Breite

Von dieser Phase ist das österreichische Tennis heute ein Stück entfernt. Doch im Schatten der großen Erfolge entsteht wieder etwas, das lange gefehlt hat: Breite.

In diesem Jahr stehen mit Anastasia Potapova, Lilli Tagger, Julia Grabher und Sinja Kraus gleich vier ÖTV-Spielerinnen im Hauptfeld. Bei den Männern hält wie so oft Sebastian Ofner die Fahnen hoch. Zudem hat sich Jurij Rodionov stark durch die Quali gekämpft.

Schwere Auftaktlose für Ofner, Tagger und Potapova >>>

Sechs Österreicher:innen im Hauptfeld der French Open – das gab es zuletzt 2014. Damals waren bei den Männern Jürgen Melzer, Dominic Thiem und Andreas Haider-Maurer sowie bei den Frauen Yvonne Meusburger, Tamira Paszek und Patricia Mayr-Achleitner im Einsatz.

Potapova als Zugpferd, Tagger als Hoffnung

Potapova als Zugpferd, Tagger als Hoffnung
Lilli Tagger und Anastasia Potapova spielten in Linz gemeinsam im Doppel.
Foto: ©GEPA

Vor allem im Frauentennis zeigt sich eine Entwicklung, die über einzelne Ergebnisse hinausgeht. Potapova hat sich mit ihrer Konstanz im Bereich der erweiterten Weltspitze etabliert. Die Top-30-Platzierung ist kein Zufall, sondern Ausdruck eines stabilen Niveaus, das Österreich im Frauentennis lange nicht mehr hatte.

Dazu kommt mit dem Halbfinale beim 1000er in Madrid ein Ergebnis, das zeigt, welches Potenzial in dieser Entwicklung steckt.

An einem guten Tag kann sie Spielerinnen aus der absoluten Weltspitze schlagen – und genau diese Konstanz macht den Unterschied.

Dahinter steht mit Tagger ein Talent, das für die nächste Generation steht. Der Juniorinnentitel in Paris im Vorjahr war ein erstes Ausrufezeichen, der Übergang ins Profitennis ist längst vollzogen. Die 18-jährige Osttirolerin ist die große Hoffnung des ÖTV und ein Versprechen für die Zukunft.

Gemeinsam mit Grabher und Kraus, die sich erfolgreich durch die Qualifikation gekämpft hat, ergibt sich ein Bild, das es im österreichischen Frauentennis seit Jahren nicht mehr gegeben hat: mehrere Spielerinnen mit Perspektive gleichzeitig.

Ein neuer "Thiem" ist nicht in Sicht

Ein neuer "Thiem" ist nicht in Sicht
Sebastian Ofner ist aktuell die Nummer 112 der Welt.
Foto: ©GEPA

Bei den Männern zeigt sich ein anderes Bild. Seit dem Rücktritt von Dominic Thiem fehlt jene Ausnahmepersönlichkeit, die Österreich über Jahre an der Weltspitze repräsentiert hat. Sebastian Ofner ist aktuell die klare Nummer eins, kämpft aber selbst mit Formschwankungen und Verletzungsfolgen.

Und dahinter wird es dünn. Immerhin setzte Jurij Rodionov mit seiner erfolgreichen Qualifikation für den Hauptbewerb ein Ausrufezeichen. Joel Schwärzler und Lukas Neumayer hingegen konnten sich nicht für das Hauptfeld qualifizieren. Genau diese fehlende Konstanz verhindert derzeit eine größere Präsenz auf ATP-Ebene.

Dass Österreich in Paris wieder mit sechs Spieler:innen vertreten ist, ist aber mehr als eine Randnotiz. Es ist ein Hinweis darauf, dass sich das Kräfteverhältnis im heimischen Tennis langsam verschiebt.

Was bringt die Zukunft?

Zuletzt war eine vergleichbare Breite vor zwölf Jahren zu sehen, als drei Männer und drei Frauen im Hauptfeld standen. Davor gab es um die Jahrtausendwende und 2007 sogar noch größere Aufgebote.

Österreich kehrt also nach Paris zurück, so breit, wie schon lange nicht mehr.

Noch ist daraus kein Anspruch auf alte Erfolge geworden. Aber es ist ein Signal, dass sich im Hintergrund etwas bewegt – weg von der Abhängigkeit einzelner Spielerinnen und Spieler, hin zu mehr Substanz im gesamten System.

Die Entwicklung zeigt nach oben. Die entscheidende Frage ist nur, wohin sie am Ende führt.

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