Potapova als Zugpferd, Tagger als Hoffnung
Vor allem im Frauentennis zeigt sich eine Entwicklung, die über einzelne Ergebnisse hinausgeht. Potapova hat sich mit ihrer Konstanz im Bereich der erweiterten Weltspitze etabliert. Die Top-30-Platzierung ist kein Zufall, sondern Ausdruck eines stabilen Niveaus, das Österreich im Frauentennis lange nicht mehr hatte.
Dazu kommt mit dem Halbfinale beim 1000er in Madrid ein Ergebnis, das zeigt, welches Potenzial in dieser Entwicklung steckt.
An einem guten Tag kann sie Spielerinnen aus der absoluten Weltspitze schlagen – und genau diese Konstanz macht den Unterschied.
Dahinter steht mit Tagger ein Talent, das für die nächste Generation steht. Der Juniorinnentitel in Paris im Vorjahr war ein erstes Ausrufezeichen, der Übergang ins Profitennis ist längst vollzogen. Die 18-jährige Osttirolerin ist die große Hoffnung des ÖTV und ein Versprechen für die Zukunft.
Gemeinsam mit Grabher und Kraus, die sich erfolgreich durch die Qualifikation gekämpft hat, ergibt sich ein Bild, das es im österreichischen Frauentennis seit Jahren nicht mehr gegeben hat: mehrere Spielerinnen mit Perspektive gleichzeitig.
Ein neuer "Thiem" ist nicht in Sicht
Bei den Männern zeigt sich ein anderes Bild. Seit dem Rücktritt von Dominic Thiem fehlt jene Ausnahmepersönlichkeit, die Österreich über Jahre an der Weltspitze repräsentiert hat. Sebastian Ofner ist aktuell die klare Nummer eins, kämpft aber selbst mit Formschwankungen und Verletzungsfolgen.
Und dahinter wird es dünn. Immerhin setzte Jurij Rodionov mit seiner erfolgreichen Qualifikation für den Hauptbewerb ein Ausrufezeichen. Joel Schwärzler und Lukas Neumayer hingegen konnten sich nicht für das Hauptfeld qualifizieren. Genau diese fehlende Konstanz verhindert derzeit eine größere Präsenz auf ATP-Ebene.
Dass Österreich in Paris wieder mit sechs Spieler:innen vertreten ist, ist aber mehr als eine Randnotiz. Es ist ein Hinweis darauf, dass sich das Kräfteverhältnis im heimischen Tennis langsam verschiebt.
Was bringt die Zukunft?
Zuletzt war eine vergleichbare Breite vor zwölf Jahren zu sehen, als drei Männer und drei Frauen im Hauptfeld standen. Davor gab es um die Jahrtausendwende und 2007 sogar noch größere Aufgebote.
Österreich kehrt also nach Paris zurück, so breit, wie schon lange nicht mehr.
Noch ist daraus kein Anspruch auf alte Erfolge geworden. Aber es ist ein Signal, dass sich im Hintergrund etwas bewegt – weg von der Abhängigkeit einzelner Spielerinnen und Spieler, hin zu mehr Substanz im gesamten System.
Die Entwicklung zeigt nach oben. Die entscheidende Frage ist nur, wohin sie am Ende führt.