L.A. Rams: Das NFL-Mysterium im La La Land

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Was ist das eigentlich mit der NFL und Los Angeles?

Eine Romantic Comedy sicher nicht, dann schon eher ein Liebesdrama. Vielleicht ein bisschen Horrorfilm. Elemente eines Roadmovies lassen sich nicht verleugnen.

Ganz sicher hat sich der Drehbuch-Autor hier eine Geschichte voller Missverständnisse ausgedacht. Eine Geschichte, die am Sonntag zumindest ein temporäres Happy End finden könnte, wenn die Los Angeles Rams in Super Bowl LIII die New England Patriots fordern.

Auch die Storylines dieses NFL-Endspiels weisen diverse Hollywood-Elemente auf - allen voran den Showdown der jung-wild-innovativen Newcomer aus der kalifornischen Metropole mit den etablierten Helden aus New England, deren Dynastie-Blockbuster auch nach der x-ten Fortsetzung zu begeistern weiß.

Im Mittelpunkt der Handlung soll und muss der Sport stehen. Das Spiel. Das Generationen-Duell.

Aber darüber schwebt sehr wohl der Umstand, dass es für die Rams als Organisation um ein klein wenig mehr geht als den ultimativen Triumph bei der größten Football-Show auf Erden.

City of Stars, Stadt der Engel - egal wie man Los Angeles auch nennen mag, eines ist diese vielschichtige und spannende Stadt mit unheimlicher Promi-Dichte sicher nicht: Ein Ort, an dem Loser einen leichten Stand haben. Dafür gibt es zu viele Ablenkungen.

Tauchen wir also ein in die komplizierte Geschichte der NFL in Los Angeles. Mit den Rams als Hauptdarstellern dieser Episode.

La La Land 22 Jahre lang als NFL-Brachland

Eines ist das La La Land gewiss: Die selbsternannte Entertainment Capital of the World.

Folglich ist es nicht gerade die revolutionärste Erkenntnis, dass in L.A. auch Sport-Franchises quasi eine Verpflichtung zum Entertainen haben. Am meisten Spaß macht nunmal der Erfolg - und für die Rams war selbiger nach ihrer Rückkehr 2016 geradezu alternativlos.

1994: Rams-Star Jerome Bettis im Stadion in Anaheim
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Es gehört zu den Mysterien der jüngeren Football-Geschichte, dass ein ebenso riesiger wie wichtiger und einflussreicher Markt wie Los Angeles zwischen 1994 und 2016 NFL-Brachland war.

In der Zwischenzeit war es schon ein Running Gag jeder Super-Bowl-Woche geworden. Wenige Tage vor jedem NFL-Finale gibt Commissioner Roger Goodell seine ebenso traditionelle wie vielsagend-nichtssagende Pressekonferenz zur Lage der Liga. Jedes Jahr stand der Vertreter der Los Angeles Times auf, um beim NFL-Boss zu erkunden, wie es denn um eine Rückkehr der Liga nach L.A. stünde. Über viele Jahre hieß es für Goodell eher zu vertrösten.

Der brutale heilige Abend 1994

Es war der Heilige Abend 1994, als die NFL Abschied von Los Angeles nahm. Sowohl die damaligen Los Angeles Raiders als auch die Los Angeles Rams hatten am 24. Dezember Heimspiele. Beide verloren. Beide entschieden sich in der Folge, ihr Glück andernorts zu suchen.

Der ebenso legendäre wie eigenwillige Owner Al Davis ging mit seinen Raiders zurück nach Oakland. Rams-Besitzerin Georgia Frontiere siedelte ihr Team in ihre Heimatstadt St. Louis um.

Schon vor einem Vierteljahrhundert ein großes Thema: Die Stadion-Frage. Die Raiders spielten im Memorial Coliseum, das schon damals mehr altehrwürdig als zeitgemäß war. Aktuell dient es den Rams als Übergangs-Stadion und im Vergleich zu dieser Anlage darf man das Ernst-Happel-Stadion tatsächlich als Fünf-Sterne-Stadion bezeichnen.

Das Coliseum war schon von 1946 bis 1979 Heimstätte der Rams. Ihre letzten 15 Jahre in L.A. verbrachte die Franchise gar nicht so richtig in L.A., sondern in der Nachbarschaft in Anaheim in einem für die Baseball-Spiele der Angels konzipierten Stadion.

Du willst bei der Super-Bowl-Party mitreden? LAOLA1 stellt dir die Stars der Los Angeles Rams und New England Patriots vor:

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Die Los Angeles Rams haben als NFC-Champion offiziell Heimrecht, also machen sie auch bei uns den Anfang:

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JARED GOFF - Quarterback - 24 Jahre

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Die Rams schickten beim Draft 2016 ein Königreich nach Tennessee, um Goff an Nummer 1 zu wählen. Angesichts seiner entsetzlich schwachen Debüt-Saison schien dies ein schwerer Fehler zu sein, doch unter der Anleitung von Head Coach Sean McVay ging für Goff die Sonne auf. Das starke Rams-Laufspiel ist zwar eine große Hilfe, doch auch der 24-Jährige hat einen mehr als fairen Anteil, dass die Rams-Offense eine der unterhaltsameren der Liga ist. Steht unter den QB-Shootingstars vielleicht ein wenig im Schatten von Chiefs-Phänomen Patrick Mahomes, doch Goff könnte auf Jahre hinaus zu den besseren NFL-Spielmachern zählen.

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TODD GURLEY - Running Back - 24 Jahre

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Wenn wir über den Totalausfall im Championship Game den Mantel des Schweigens hüllen, gibt es wenig Zweifel daran, dass Gurley derzeit einer der besten Running Backs der Liga ist, wenn nicht der beste. Wobei: Selbst gegen die Saints gelang ihm ein Touchdown. Und davon gelangen ihm in seinen ersten vier Karriere-Jahren viele - 56 um genau zu sein, fantastische 21 alleine in dieser Regular Season. Der dynamische Playmaker ist am Boden eine Macht, aber jederzeit auch ins Passspiel einzubinden. Das Herz und die Seele der Rams-Offense.

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C.J. ANDERSON - Running Back - 27 Jahre

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Dass das Laufspiel funktioniert, wird ein großer Faktor gegen die Patriots. Lange Zeit war Gurley in dieser Saison eine One-Man-Show im Rams-Laufspiel. Kurz vor dem Ende der Regular Season verletzte er sich jedoch und die Rams reagierten, indem sie Anderson vom Arbeitsamt holten. Der 27-Jährige schlug voll ein. Anderson, der als Läufer mehr unter die Kategorie Wuchtbrumme fällt, ist alles, nur kein Unbekannter. 2016 gewann er mit Denver die Super Bowl, danach bei Carolina klappte es weniger. Als gebürtiger Kalifornier wäre ein Titel mit L.A. ein netter Randaspekt.

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ROBERT WOODS - Wide Receiver - 26 Jahre

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Woods ist endlich und völlig zurecht aus dem - gar nicht mal so großen - Schatten von Sammy Watkins getreten. Bei den Buffalo Bills war er drei Jahre lang der Nummer-2-Receiver hinter dem vermeintlichen Generationen-Talent - so richtig durchgestartet sind beide nicht. 2017 schnappten sich die Rams das Duo und Woods war wieder mehr das fleißige Bienchen in der zweiten Reihe. Vor dieser Saison trennten sich die Wege, Watkins ging nach Kansas City und Woods emanzipierte sich als einer der verlässlichsten Top-Receiver der Liga. Mit 1219 Receiving-Yards durchbrach er erstmals die 1000-Yards-Schallmauer.

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BRANDIN COOKS - Wide Receiver - 25 Jahre

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Man sieht sich im Leben immer zwei Mal! Cooks wurde 2014 in Runde 1 von den New Orleans Saints gedraftet, 2017 jedoch nach New England getradet. Mit den Patriots verlor er die letztjährige Super Bowl. In der Offseason nahm New England das Angebot der Rams an und tradete ihn nach Los Angeles. Das Wiedersehen mit den Saints im Championship Game verlief bereits siegreich. In der Super Bowl wartet nun das zweite Ex-Team. Mit seinem Speed bestens für tiefe Pässe geeignet, aber keineswegs eindimensional. Sicher doppelt motiviert, nicht die zweite Super Bowl in Folge zu verlieren.

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JOSH REYNOLDS - Wide Receiver - 23 Jahre

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Normalerweise vervollständigt Cooper Kupp ein schlagkräftiges Receiver-Trio mit Woods und Cooks. Der zog sich jedoch einen Kreuzbandriss zu, weshalb Reynolds die Chance auf mehr Spielzeit bekam und selbige auch mit einigen Talentproben nutzte. Könnte in der Super Bowl ein X-Faktor werden, sollten die Patriots versuchen, Extra-Ressourcen für Woods und/oder Cooks aufzuwenden.

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TYLER HIGBEE - Tight End - 26 Jahre

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Okay, man kann sich wohl einstimmig darauf einigen, dass die Rams über keinen Superstar-Tight-End verfügen, schon gar nicht im Vergleich mit den Patriots. Aber hin und wieder wird auch die Nummer von Higbee, ansonsten ein wertvoller Blocker, aufgerufen. So zum Beispiel auch im Championship Game bei den Saints, in dem er einen wichtigen Touchdown erzielte.

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GERALD EVERETT - Tight End - 24 Jahre

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Ein ähnlich gelagerter Fall wie Starter Higbee, wenngleich nicht ganz. Everett wurde 2017 in der 2. Runde gedraftet und verfügt, zumindest am Papier, über die besseren offensiven Skills als Higbee. So richtig ist dem 24-Jährigen der Knopf jedoch noch nicht aufgegangen (keine Seltenheit bei jungen Tight Ends), wobei er immer wieder andeutet, dass er im Passspiel eine Waffe sein kann. Die Super Bowl findet in seiner Heimatstadt Atlanta statt, vielleicht zeigt er auch zu Hause auf.

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ANDREW WHITWORTH - Left Tackle - 37 Jahre

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37 Jahre alt musste Whitworth werden, ehe er im Laufe dieser Postseason seinen allerersten Playoff-Sieg in der NFL erleben durfte. In diesem jugendlichen Alter hatte Tom Brady schon gefühlte 128. Erfolg ist in dieser Liga keine Selbstverständlichkeit, schon gar nicht wenn man (fast) seine ganze Laufbahn bei den notorischen Playoff-Losern Cincinnati Bengals verbringt. 2017 entschloss er sich im Spätspätspät-Herbst seiner Karriere doch noch, ein neues Abenteuer zu wagen und in L.A. zu unterschreiben. Eine Entscheidung, die sich für beiden Seiten bezahlt machte. Der Oldie ist immer noch einer der besten Quarterback-Beschützer der Liga.

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RODGER SAFFOLD - Left Guard - 30 Jahre

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Darüber, welches Team wirklich die beste O-Line der Liga hat, lässt sich meistens streiten. Die Rams bekommen in dieser Saison jedenfalls diverse Stimmen - und stellvertretend für die übrigen Mitglieder dieser selten im Rampenlicht stehenden Formation sei Saffold genannt. Dieser ist nämlich das derzeit längstdienende Kadermitglied. Seit 2010 spielt er für die Rams und musste in diesem Jahrzehnt, zumeist noch in St. Louis, diverse schlechte Rams-Teams erleben.

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AARON DONALD - Defensive Tackle - 27 Jahre

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Okay, wer noch nie von ihm gehört hat, sollte sich schnell mal umhören. In der Super Bowl wird er zu den wichtigsten Spielern gehören. Als Quarterback-Jäger ist er ein Genie, tendenziell ist er derzeit der beste Defense-Spieler der NFL. Legte eine Saison mit 20,5 Sacks hin - die Schallmauer von 20 Sacks wurde zuvor erst elf Mal durchbrochen. Tom Brady liegt es nicht unbedingt, wenn er unter Druck gesetzt wird. Donald ist zuzutrauen, dass er selbst das Konzept der besonders schnellen Pässe stören kann. Wird er in der Super Bowl zu Bradys größtem Feind, wäre dies ein großer Trumpf für L.A.

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NDAMUKONG SUH - Defensive Tackle - 32 Jahre

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Wenn man die Bad-Boy-Allüren von Suh außer Acht lässt, ist er ein sehr guter Football-Spieler. Vielleicht nicht mehr das Generationen-Talent von einst und in diesem Rams-Sonderfall wegen Donald sogar nur die teaminterne Nummer zwei auf seiner Position, aber dass zwei solche Kaliber von innen Jagd auf ihn machen werden, ist keine gute Nachricht für Tom Brady und wird Schwerstarbeit für seine O-Line. Nach vielen Jahren der sportlichen Erfolglosigkeit mit Detroit und Miami machte es sich für den bereits 32-Jährigen bezahlt, auf die Rams zu wetten und vor dieser Saison einen Einjahres-Vertrag zu unterschreiben.

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MICHAEL BROCKERS - Defensive End - 28 Jahre

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Wer in einer D-Line mit Superstars wie Donald und Suh spielt, steht schnell mal ein wenig im Schatten. Aber Rams-intern hat das Wort von Brockers durchaus Gewicht. Er ist selbst ein früherer Erstrunden-Draft-Pick, ist das längstdienende Mitglied der Defense (seit 2012) und ist als einer der Team-Captains fraglos ein Leader.

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DANTE FOWLER - Outside Linebacker - 24 Jahre

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Wer beim Fight zwischen seiner Freundin und der Mutter seines Kindes als Referee auftritt (und blöderweise dabei gefilmt wird), hat... - sagen wir mal einen zweifelhaften Charakter. Bei den Jacksonville Jaguars hatte man im Laufe der Saison genug von seinen Eskapaden, die bisweilen auch von juristischer Relevanz waren (zwei Verhaftungen). Die Rams gingen das Risiko ein, schließlich benötigten sie einen Edge Rusher. Fowler wurde nach dem Trade bereits der siebente Spieler der Rams-Defense, der in Runde 1 gedraftet wurde (2015 sogar an Nummer 3). Mit Fowler, Gurley und Marcus Peters haben sie inzwischen drei Erstrunder des 2015-Jahrgangs.

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AQIB TALIB - Cornerback - 32 Jahre

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Dass ein bald 33-jähriger Cornerback zu den Besseren der Liga zählt, ist keine Selbstverständlichkeit. Talib, der in dieser Saison wegen einer Knöchelverletzung zweieinhalb Monate pausieren musste, ist aus diversen Gründen ein interessanter Bestandteil dieser Super Bowl. Erstens spielte er 2012 und 2013 für die Patriots. Zweitens zählt er wie etwa auch Suh zu den Schlüssel-Neuzugängen der Rams-Defense. Drittens darf man gespannt sein, wie der alte DC-Fuchs Wade Phillips ihn einsetzt. Als die beiden noch gemeinsam in Denver waren, stellte er Talib vor drei Jahren im AFC-Championship-Game immer wieder für Rob Gronkowski ab. Dies funktionierte gut und die Broncos eroberten in der Folge die Super Bowl.

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MARCUS PETERS - Cornerback - 26 Jahre

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Und gleich der nächste Neuzugang der so aggressiven Rams-Offseason. Peters kam per Trade von den Kansas City Chiefs zu den Rams, bei denen er sich nicht in jener Pro-Bowl-Form präsentierte wie vor allem in den ersten beiden Karriere-Jahren - 2015 wurde er zum Defensive Rookie der NFL gewählt, übrigens als Nachfolger eines gewissen Aaron Donald, 2010 hatte mit Suh ein weiterer nunmehriger Rams-Spieler die Ehre. Dass er dem Potenzial nach zu den guten Spielern auf seiner Position gehört, steht aber außer Frage.

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CORY LITTLETON - Inside Linebacker - 25 Jahre

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Die Tackle-Maschine der Rams, mit deren 125 führte er das Team an. Als Special Teamer auch in die Pro Bowl gewählt - nicht schlecht für einen ungedrafteten Spieler in seinem dritten Karriere-Jahr, in dem er mit Alec Ogletree einen namhaften Vorgänger ersetzen musste.

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MARK BARRON - Inside Linebacker - 29 Jahre

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Ebenfalls ein Erstrunden-Pick und zwar 2012 von den Tampa Bay Buccaneers. Spielt bereits seit 2014 bei den Rams. Kam ursprünglich als Strong Safety in die Liga, wurde von den Rams jedoch zum Linebacker umgeschult. Interessant könnte es werden, wenn es Barron und Littleton mit Gronkowski zu tun bekommen, sollte dieser von den Patriots wieder mehr im Passspiel forciert werden.

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JOHN JOHNSON - Strong Safety - 23 Jahre

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In seinem zweiten Karriere-Jahr avancierte der 23-Jährige zu einem der besten Tackler der Rams (118). In der Super Bowl wird Johnson wohl als "Mädchen für alles" gefragt und speziell gegen das Laufspiel um Sony Michel und die kurzen Pässe auf James White gefordert sein.

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LAMARCUS JOYNER - Free Safety - 28 Jahre

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Joyner, der öffentlich weniger im Blickpunkt steht als so mancher Kollege, aber zu den besseren Spielern auf seiner Position gehört, rundet eine gute Secondary der Rams ab. In der vergangenen Offseason hielten ihn die Rams via Franchise Tag. Sollte er diesmal Free Agent werden, dürfte es an Angeboten nicht mangeln.

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GREG ZUERLEIN - Kicker - 31 Jahre

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"Greg, the Leg" machte im Championship Game seinem Spitznamen alle Ehre. Ein 57-Yarder will unter dieser nervlichen Belastung erst einmal vewertet werden - noch dazu in der Overtime. Es kommt nicht übertrieben oft vor, dass ein Kicker gedraftet wird. Die Rams wählten Zuerlein 2012 in der 6. Runde und bereuten es seither nicht. Stabilität auf dieser Position ist sehr viel wert.

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JOHNNY HEKKER - Punter - 28 Jahre

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Auch der Wert von Puntern sollte nicht unterschätzt werden, aber - zugegeben - in dieser Auflistung tauchen sie normal nicht auf. Aber auf Hekker gilt es bei jedem Punt ein Auge zu werfen und im Hinterkopf zu haben: Puntet er überhaupt? Seit Jahren lassen die Rams ihn immer wieder mal einen "Fake Punt" versuchen, weswegen auch sein Pass im Championship Game kein Zufall war. 2012 gelang ihm sogar ein TD-Pass. Auch in seinem "Brotberuf" kein Schlechter und immerhin vierfacher Pro Bowler.

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SEAN MCVAY - Head Coach - 33 Jahre

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Wenn selbst Amerikaner zu deutschen Begriffen greifen, muss es sich wirklich um ein "Wunderkind" handeln. Erst Ende Jänner wurde er 33 Jahre und ist der jüngste NFL-Head-Coach der Geschichte und der Jüngste, der sein Team in eine Super Bowl führte. Gilt als einer der innovativsten Playcaller der Liga, sein Talent war schon als Offensive Coordinator bei den Washington Redskins ersichtlich. Großer Vorteil: Da sein Großvater als Head Coach der New York Giants und langjähriger GM der San Francisco 49ers werkte, durfte er quasi von Kindesbeinen an NFL-Luft schnuppern. Es wird einer der wichtigsten Aspekte der Super Bowl, wie er sich strategisch gegen den Guru unter den NFL-Coaches, Bill Belichick, schlägt.

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Weiter geht es mit den Stars von AFC-Champion New England Patriots. Wer hier den Anfang macht, versteht sich nicht nur wegen seiner Position irgendwie von selbst.

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TOM BRADY - Quarterback - 41 Jahre

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Ihn muss man wohl nicht extra vorstellen. Falls ihn jemand nicht kennt, auf Google finden sich zwei, drei Artikel. Das Match "Tom vs. Time" kennt derzeit einen eindeutigen Sieger. Irgendwie schließt sich in dieser Super Bowl auch der Kreis, schließlich gewann Brady seine erste von 17 Jahren gegen die Rams (damals noch in St. Louis beheimatet). Dass er in der Regular Season nicht immer auf Top-Niveau spielte, ist so. Dass er daraufhin mancherorts abgeschrieben wurde, war wohl die beste Motivation überhaupt. Seine mal mehr mal weniger subtilen (Social-Media-)Antworten nach den Playoff-Siegen lassen darauf schließen. Aber den G.O.A.T provoziert man halt auch nicht.

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SONY MICHEL - Running Back - 23 Jahre

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Es ist ja nur bedingt so, dass der konstante Erfolg der Patriots auf großartigen Drafts beruhen würde. Aber mit Michel ist ihnen im Draft 2018 in Runde 1 ein Volltreffer gelungen. Vor allem, wie er in den Playoffs die Chargers und Chiefs überlaufen hat, war großartig - fünf Touchdowns in beiden Spielen sprechen Bände. Dies ist natürlich eine wertvolle Hilfe für Brady. Netter Randaspekt: Michel ist ein College-Teamkollege von seinem Rams-Gegenüber Todd Gurley, 2014 spielten sie ein Jahr zusammen für Georgia. Sich dann in der Super Bowl gegenüberzustehen, ist auch eher eine Seltenheit.

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JAMES WHITE - Running Back - 26 Jahre

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"Running Back" ist in diesem Fall tendenziell etwas irreführend, denn meistens steht er am Feld, wenn Brady ihn mit kurzen Pässen füttern will. Unvergessen seine 14-Catch-Performance vor zwei Jahren beim Super-Bowl-Triumph gegen Atlanta, als er in der Overtime auch den siegbringenden Touchdown beisteuerte - sein dritter Score der Partie. In den diesjährigen Playoffs fing er gegen die Chargers 15 Pässe, hatte aber nicht einen einzigen Lauf. Irgendwie der prototypische Patriots-Rollenspieler: Wird er gebraucht, ist er voll da. Wenn nicht, dann halt nicht - große Aufregung erzeugt dies keine. White feiert am Tag der Super Bowl übrigens seinen 27. Geburtstag. Das "originellste" Geschenk liegt auf der Hand...

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REX BURKHEAD - Running Back - 28 Jahre

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Ebenso ein typischer Patriots-Spieler: Andernorts verkannt, bei New England sinnstiftend integriert. Kam 2017 von den Cincinnati Bengals, wo er vier Jahre lang nur spärlich zum Zug kam. Bei den Patriots stellt seine Vielseitigkeit in Lauf- und Passspiel eine ideale Ergänzung zu Michel und White dar. Wird so sehr geschätzt, dass er in dieser Saison auf der Verletztenliste mit Rückkehrrecht landete. Bedankte sich für dieses Vertrauen nach seiner Genesung mit drei TDs in der laufenden Postseason.

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CORDARRELLE PATTERSON - Wide Receiver/Running Back - 27 Jahre

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Schließen wir die Running Backs mit Patterson ab. Wobei Running Back? Eigentlich ist er ja ein Receiver. Aber als einige RBs ausfielen, machte sich Belichick die Athletik von Patterson zu Nutze und stellte ihn auch als Ballträger auf. Apropos Athletik: Die ist so gut, dass er Minnesota 2013 sogar einen Erstrunden-Pick wert war. Da nicht der stärkste Route-Runner, wusste man ihn trotz unglaublicher Dynamik nie wirklich sinnvoll einzusetzen. Selbiges geschah in Oakland. Genau solche Spieler sind ein gefundenes Fressen für die Patriots, wo wenig Druck auf ihm lastet, aber immer wieder einzelne Spielzüge auf seine Hybrid-Fähigkeit ausgerichtet sind. Über die Gefahr, die er als Returner ausstrahlt, muss man zudem nicht streiten.

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ROB GRONKOWSKI - Tight End - 29 Jahre

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Gut, wer ihn im Fantasy-Football früh gedraftet hat, wurde in dieser Saison enttäuscht, da "Gronk" nicht die üblichen Zahlen ablieferte. Ihm deswegen zu stark nachlassende Fähigkeiten zu unterstellen, ist allerdings ein Fehler - man frage nach bei den Chiefs. Zuletzt vertrauten die Patriots - und das mit Erfolg - verstärkt auf seine starken Fähigkeiten als Blocker. Und alleine seine Präsenz reicht, dass man ihn nie ganz aus den Augen lassen kann. Da die Rams nicht allzu viele Kandidaten haben, um ihn zu decken, ist ein Statement-Game in der Super Bowl nicht auszuschließen, zumal es ob der hartnäckigen Rücktritts-Gerüchte (wieder mal) sein letztes Spiel sein könnte. Ließe er es wirklich bleiben, würde die NFL einen ihrer großartigsten Typen verlieren.

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JULIAN EDELMAN - Wide Receiver - 32 Jahre

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Jerry Rice! Nur der (mit Abstand) beste Receiver aller Zeiten hat mehr Playoff-Catches zu Buche stehen als Edelman - derzeit steht es 151:105. Nicht schlecht für jemanden, der seine Karriere als Siebtrunden-Draftpick und "Wes Welker für Arme" begonnen hat. Der 32-Jährige ist der Lieblings-Receiver von Brady und präsentierte sich in der bisherigen Postseason als beinahe unstoppbar, speziell bei kürzeren und mittellangen Pässen. Dass er die vergangene Saison wegen eines Kreuzbandrisses verpasste, war kaum spürbar. Spürbar war sein Fehlen jedoch in der letztjährigen Super Bowl.

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CHRIS HOGAN - Wide Receiver - 30 Jahre

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Der Routinier war auf der Patriots-Bildfläche fraglos schon präsenter als in dieser Saison, aber nachdem nicht einmal New England das traurige Receiver-Kapitel Josh Gordon in den Griff bekommen hat, ist in den letzten Wochen wieder mehr Raum für die übrigen Receiver. Dass der 30-Jährige Heldentaten in sich hat, ist kein Geheimnis. Nur als exemplarische Erinnerung: In der letzten Super Bowl fing er sechs Pässe für 128 Yards und einen Touchdown. Damals wurde es jedoch nicht belohnt.

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PHILLIP DORSETT - Wide Receiver - 26 Jahre

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Siehe Hogan. Dorsett hat die frei gewordenen Receiver-Kapazitäten vielleicht am effektivsten genützt, schließlich fing er in jedem der letzten drei Spiele einen Touchdown-Pass. Und auch, wenn es redundant ist: Ebenfalls ein Spieler, der andernorts scheiterte und den New England sinnstiftend einsetzt. Kam 2015 als Erstrunden-Pick in die Liga, konnte sich aber bei den Indianapolis Colts nicht behaupten. Zumindest als Rollenspieler taugt er angesichts seines Talents aber allemal und genau das machen sich die Patriots zu Nutze.

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JAMES DEVELIN - Fullback - 30 Jahre

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Die Lorbeeren streifen so gut wie immer andere ein, aber auch Fullbacks können wichtig sein. Es ist nicht gerade eine Trend-Position in der NFL, aber die Patriots zählen zu jenen Teams, die sich massiv auf die Dienste eines solchen verlassen, da sie mit Develin auch eine gute Besetzung haben. Das zuletzt so starke Laufspiel hat auch viel mit seiner Arbeit als Vorblocker zu tun. Selbst bekommt er eher selten den Ball, aber wenn, dann weiß er durchaus etwas damit anzufangen.

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TRENT BROWN - Left Tackle - 25 Jahre

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Die Patriots verloren nach der letzten Saison ihren langjährigen Left Tackle Nate Solder in Richtung New York Giants. Der in der ersten Runde gedraftete Tackle Isaiah Wynn zog sich in der Preseason einen Achillessehnenriss zu. Umso wichtiger war es daher, dass der einzige Neuzugang der O-Line zumindest mit der Zeit funktionierte. Brown kam recht günstig (manche behaupten als Dankeschön für den Garoppolo-Trade) von den San Francisco 49ers, wo er stets als Right Tackle zum Einsatz kam. Der Wechsel nach links funktionierte, Brady wurde zuletzt bestens beschützt.

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SHAQ MASON - Right Guard - 25 Jahre

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Mason sei stellvertretend für eine sehr gute O-Line genannt, der neben Brown auch David Andrews, Joe Thuney und Marcus Cannon als Starter angehören. Bis auf Brown sind die übrigen bestens eingespielt, stehen sie doch schon seit zumindest 2016 bei New England unter Vertrag. Egal ob im Pass- oder Laufspiel, zuletzt ermöglichte auch die Arbeit der O-Line die jeweils guten Leistungen. Mason hat sich dabei den Ruf als einer der ligaweit besten Blocker im Laufspiel erarbeitet.

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STEPHON GILMORE - Cornerback - 28 Jahre

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Gerade einmal zwei Pro Bowler stellt New England in dieser Saison. Neben Brady kam Gilmore als einzigem Patriots-Spieler diese Ehre zu, und das zurecht. Die Patriots schmeißen in der Free Agency selten mit Geld um sich, aber dass sie den Cornerback 2017 von AFC-East-Rivalen Buffalo verpflichteten, machte durchaus Sinn. Er ist einer der besten Passverteidiger der Liga. In diesem ersten Patriots-Jahr wurde der Super-Bowl-Triumph verpasst, diesen gilt es nun nachzuholen.

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DEVIN MCCOURTY - Free Safety - 31 Jahre

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Nicht nur einer der besten Safetys der Liga, sondern auch im Lockerroom der Patriots eine wichtige Führungsfigur und nicht umsonst einer der Captains. McCourty bringt inzwischen die Routine von neun Saisonen bei New England mit und weiß daher, so nebenbei bemerkt, kaum, wie es sich anfühlt, in einer Saison nicht zumindest bis ins Championship Game zu kommen. Selbiges hat New England nur in seinem Rookie-Jahr nicht erreicht.

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JASON MCCOURTY - Cornerback - 31 Jahre

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McCourty? Das hatten wir doch gerade! Ja, seit dieser Saison spielt auch Devins Zwillingsbruder Jason bei den Patriots. Den ertradete sich New England von den Cleveland Browns, nachdem er zuvor lange Jahre für Tennessee spielte. Von einer 0-16-Saison in die Super Bowl - auch nicht schlecht. Jason ist zwar nicht das Kaliber wie Devin, aber Letzterer scherzte über viele Jahre über seinen Traum, dass die beiden Brüder vereint bei den Patriots spielen sollten. Als es tatsächlich so weit war, rief Devin die Frau Mama an, um die erfreuliche Kunde zu überbringen. Die stand jedoch gerade in die Küche, glaubte an einen erneuten Scherz und war nur mit viel Mühe davon zu überzeugen, nicht sofort aufzulegen und sich wieder dem Festmahl zu widmen.

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PATRICK CHUNG - Strong Safety - 31 Jahre

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Sieht man von seinem 2013er-Seitensprung zu den Philadelphia Eagles ab, geht Chung längst als Urgestein bei den Patriots durch. Seit 2009 steht der 31-Jährige in der Secondary seinen Mann. Letzte Saison ging die Super Bowl ausgerechnet gegen sein Ex-Team verloren. Dies gilt es wieder gut zu machen.

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TREY FLOWERS - Defensive End - 25 Jahre

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Wenn es um klassische Pass Rusher geht, sind die Patriots eher dünn aufgestellt. Meist braucht es gute Schemata, um den gegnerischen Quarterback unter Druck zu setzen. Flowers ist ein wenig die Ausnahme. Er ist ein guter Quarterback-Jäger. Seine 7,5 Sacks führten die Patriots in dieser Saison an, wenngleich diese Zahl natürlich nicht mit den Werten eines Aaron Donald vergleichbar ist. Auch wie er zu Jared Goff durchkommt, wird ein entscheidender Faktor dieser Super Bowl.

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KYLE VAN NOY - Outside Linebacker - 27 Jahre

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Einst sehr günstig aus Detroit losgeeist, ist der Linebacker in seiner dritten Patriots-Saison längst eine Konstante in der Defense der Patriots. In dieser Spielzeit der Leading Tackler (89). Seine großartige Leistung im Championship Game ist noch gut in Erinnerung. Ein sehr vielseitig einsetzbarer Spieler. Seine Qualitäten in der Verteidigung des Laufspiels werden gegen Gurley/Anderson und die starken Lauf-Blocker der Rams definitiv gefragt sein.

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DONT'A HIGHTOWER - Outside Linebacker - 28 Jahre

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Hightower ist fraglos eines der namhaftesten Mitglieder der Patriots-Defense. Nach seiner Rückkehr von einer schweren Verletzung, die ihm weite Teile der vergangenen Saison gekostet hat, war er in dieser Saison vielleicht nicht so stark wie gewohnt. Aber Belichick weiß, wie man ihn ihn einsetzt und dank seiner Erfahrung sicherlich gefährlich für die Rams.

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STEPHEN GOSTKOWSKI - Kicker - 35 Jahre

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Seit 2006 Kicker der Patriots und "erst" zweifacher Super-Bowl-Champion - irgendetwas macht der gute Herr falsch. Nein, ernsthaft: Gostkowski trat nach Adam Vinatieri kein leichtes Erbe an, konnte die großen Fußstapfen jedoch verlässlich ausfüllen und ist inzwischen einer der längstdienenden und am besten verdienenden Kicker der Liga. Nun wartet seine sechste Super Bowl, womit er einen neuen Kicker-Rekord aufstellt - und somit endgültig an Vinatieri vorbeizieht.

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BILL BELICHICK - Head Coach - 66 Jahre

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Ein Genie! Ihm werden einmal viele Denkmäler gebaut werden. Dies steht außer Frage. Die Konstanz und vor allem Konsequenz, mit der er das Patriots-Projekt auf Top-Level hält, ist beeindruckend und in der NFL-Geschichte einzigartig. Man darf gespannt sein, wie sehr ihn der jugendliche Elan von Sean McVay in der Super Bowl herausfordert. Denn bei allem verdienten Lob: Unbesiegbar sind auch die Belichick-Patriots nicht. Aber dank ihm sind sie eben schwer besiegbar.

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Beide Stadion-Lösungen waren natürlich erstens für eine Metropole unwürdig und zweitens auch nicht rentabel. Für diejenigen, die es nicht am Schirm haben: 1A mag in der NFL der Sport sein, aber zumindest 1B ist das Business. Es soll Owner geben, für die diese Reihenfolge nicht in Stein gemeißelt ist.

Entsprechend weh tat es der NFL natürlich auch, dass Südkalifornien einen derartigen Kahlschlag erlitten hat und in den folgenden Jahrzehnten nur noch noch südlicher mit den San Diego Chargers besetzt war - eine Franchise, die in dieser Geschichte noch zum Nebendarsteller avancieren wird.

An dieser Stelle sei eine Produktempfehlung erlaubt. Wer mehr über den Exodus der NFL aus Los Angeles 1994 erfahren möchte, dem sei die Doku-Reihe "Timeline" ans Herz gelegt. Eine sehenswerte Folge beschäftigt sich vollinhaltlich mit dieser Thematik.

Rams und Chargers: Der harte Kampf um "Kunden"

Und dabei wird durchaus auch die ambivalente Beziehung zwischen der NFL und Los Angeles angedeutet. In der Show-Metropole schlechthin nicht mit der größten US-Sport-Show vertreten zu sein, ist eigentlich Wahnsinn. Vor allem aus geschäftlicher Perspektive.

Dem gegenüber steht, dass in Los Angeles und Umgebung zwar viele, viele, viele, viele potenzielle Kunden leben. Diese aber auch tatsächlich zu erreichen, vor allem ihre Herzen, ist jedoch gar nicht so einfach.

Das Coliseum beim Playoff-Heimspiel gegen Dallas
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Man frage nach bei den Chargers, die den Rams 2017 nach Los Angeles folgten und sich vorübergehend im Fußball-Stadion der L.A. Galaxy eingemietet haben. Dies ist mit einer Kapazität von 27.000 für die NFL eigentlich viel zu klein, aber von 27.000 eigenen Fans können die Chargers ohnehin nur träumen.

Im Prinzip bestreiten sie seit zwei Jahren nur Auswärtsspiele. Eine eigene Fanbase ist bisher kaum existent. Dass das Stadion trotzdem meist gut gefüllt ist, liegt am Umstand, dass Los Angeles natürlich wie ein Magnet auf Bürger aus allen Teilen der USA wirkt. Die Gelegenheit, das Lieblingsteam aus der alten Heimat vor der neuen Haustür zu sehen, ist eine besonders günstige.

Da hatten die Rams ob ihrer Vergangenheit in Los Angeles natürlich eine viel bessere Ausgangsposition, wenngleich es durchaus immer noch Stimmen gibt, die behaupten, dass nach wie vor die Raiders die meisten Fans in L.A. hätten.

Einen gewaltigen Heimvorteil haben sich die Rams in den bisherigen drei Saisonen seit der Rückkehr auch nicht aufgebaut, die Zahl der Gäste-Fans ist auch im Coliseum bisweilen keine geringe. Irgendwo nachvollziehbar, denn schließlich kann eine komplette Generation im College-Alter oder jünger mit der alten Rams-Tradition in L.A. genau gar nichts mehr anfangen.

Gewaltige innerstädtische Konkurrenz

Umso aggressiver musste man vorgehen, um die zuletzt in St. Louis zu notorischen Losern oder bestenfalls den Inbegriff des Durchschnitts verkommenen Rams möglichst flott sportlich generalzusanieren und zu einem Top-Team aufzupeppen.

Alle 32 NFL-Teams wollen in die Super Bowl, für die Rams war dies schon alleine aus Marketing-Gründen ein Muss. Denn innerstädtisch gegen die Konkurrenz aufzufallen, ist gar nicht so einfach. Alleine schon das Sport-Angebot betreffend, von den sonstigen Freizeit-Verlockungen ganz zu schweigen.

Das Coliseum befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft der University of Southern California. Das Football-Programm der USC ist der beste Beweis dafür, dass Los Angeles alles andere als für Desinteresse an dieser Sportart steht, sondern die Probleme der NFL in dieser Stadt eher der wenig verlässlichen Wir-sind-mal-weg-wir-sind-mal-da-Attitüde zuzuschreiben sind.

Rund zweieinhalb Meilen die South Figueroa Street hinauf schlägt das Sport-Herz von L.A. Im Staples Center, eingebettet in den Entertainment-Complex L.A. Live, sind die NBA-Teams Los Angeles Lakers und Los Angeles Clippers sowie das NHL-Team Los Angeles Kings beheimatet.

Die Clippers wissen, wie es sich anfühlt, ein Schattendasein zu führen. Die Kings holten in diesem Jahrzehnt immerhin zwei Mal den Stanley Cup in eine Region, die nicht per se für Eishockey-Enthusiasmus steht, in der sich dieses Team aber anständig etabliert hat.

Die Lakers und der Glamour-Faktor

Und die Lakers sind die Lakers. Das Musterbeispiel für gelungene Relocation (ihre ersten 14 Jahre verbrachte die Franchise in Minneapolis, wo auch der Name mehr Sinn ergibt) verkörpert die Kombination von Sport und Glamour wie kaum eine andere Sport-Organisation in den USA.

Das Duell Los Angeles vs. Boston hat Tradition
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Unter Ikonen wie Magic Johnson, Shaquille O'Neal, Kobe Bryant oder neuerdings LeBron James macht man es ungern. Die selbst in sportlichen Dürrezeiten gesalzenen Eintrittspreise wollen schließlich gerechtfertigt werden. Der Show-Faktor beim 16-fachen NBA-Champion stimmt definitiv.

Wiederum ein paar Meilen weiter, also gerade für weitläufige L.A.-Verhältnisse in der Nähe, findet sich das charmante Dodger Stadium, Heimat der Los Angeles Dodgers, die in der MLB zwar schon seit drei Jahrzehnten auf einen Titel warten, aber in den letzten beiden Saisonen mit zwei World-Series-Teilnahmen laut anklopften.

Wer auch die Anaheim Ducks (NHL) und die Angels (MLB) im benachbarten Anaheim zu den Sport-Teams in Los Angeles rechnet, kann erahnen, dass es nicht so leicht ist, um die Gunst des Publikums zu buhlen. Vertreter einer Randsportart wie Fußball, sprich die L.A. Galaxy, müssen schon einen Weltstar wie Zlatan Ibrahimovic aufbieten, um Aufmerksamkeit zu ergattern.

Die Los-Angeles-Boston-Rivalität

Aus sportartenübergreifendem Blickwinkel ist es übrigens sehr reizvoll, dass der Super-Bowl-Gegner der Rams ausgerechnet aus Boston kommt, verbindet diese beiden Städte doch eine der besten Rivalitäten im US-Sport überhaupt.

Satte zwölf Mal duellierten sich die Lakers in den NBA Finals mit den Boston Celtics um den Titel. In der World Series 2018 wiederum zogen die Dodgers im Duell von zwei der traditionsreichsten Franchises gegen die Boston Red Sox den Kürzeren.

Gelingt es Los Angeles im NFL-Endspiel, den Spieß umzudrehen? Dass die Rams relativ kurz nach ihrer Rückkehr dem Liga-Gipfel ganz nah sind, ist aus historischem Kontext alles, nur kein Zufall. Das Phänomen, dass selbst längere Zeit auf Schonkost dahindarbende Franchises nach ihrer Relocation "plötzlich" gut werden, ist in Wahrheit keines.

Schließlich gilt es, an neuer Wirkungsstätte flott einen neuen Kundenstamm zu generieren. Oder, um es etwas romantischer auszudrücken: Die Herzen neuer Fans zu erobern. Auch wenn dies bedeutet, die Herzen der alten Fans zu brechen.

Erfolgreiche Relocations

Exemplarisch seien folgende Heldentaten genannt: Die Colorado Avalanche gewannen 1996 den Stanley Cup, in der Saison davor traten sie noch als Quebec Nordiques in Kanada an. Im Hockey-verrückten Quebec City wartet man heute noch darauf, ein NHL-Team zurückzubekommen. Eine geeignete Halle täte schon bereitstehen.

Ob die Cleveland Browns jemals die Super Bowl gewinnen werden? Der aktuelle Neuaufbau macht Hoffnung. Ein richtiger Heartbreaker war jedoch, dass die nicht gerade erfolgsverwöhnte Franchise 2001 nur wenige Jahre nach dem Abschied aus Ohio als Baltimore Ravens den Titel holte. Cleveland hat sein Team wenigstens via Expansion zurückbekommen.

Diese Liste ließe sich fortsetzen, und ja, irgendwie sind auch die Rams ein Teil dieser Geschichte. 2000 eroberten die St. Louis Rams mit der "Greatest Show on Turf", die von ihrer Herangehensweise nur allzu gut ins verspielte Los Angeles gepasst hätte, die Super Bowl - powered by einer Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Story rund um Kurt Warner und unter der Anleitung von Head Coach Dick Vermeil, einem Kalifornier, wie er im Buche steht.

Es soll diesen Städten gegenüber keineswegs respektlos klingen, aber sich in St. Louis oder Baltimore zu etablieren, ist zumindest am Papier einfacher als in Los Angeles. Gerade Baltimore zum Beispiel erlebt nicht gerade seine Blütezeit, da ist man als ortsansässiges NFL-Team schnell einmal der Stolz der Stadt und die zumindest acht Heimspiele der Saison zählen zu den wichtigsten Events des Jahres.

Owner Kroenke und seine Stadion-Gelddruckmaschine

Richtige Events sollen ab 2020 auch die Heimspiele der Rams werden, wenn sie gemeinsam mit den Chargers als Untermieter in Inglewood unweit des International Airports ihr neues Stadion beziehen. Wobei "Stadion" in diesem Fall eine verniedlichende Funktionsbeschreibung für einen einige Milliarden Dollar teuren Sport-Palast zu sein scheint.

Selbiger wird zumindest sicherstellen, dass die NFL-Teams diesmal gekommen sind, um über viele Jahre in Los Angeles zu bleiben. Dieser Palast will jedoch auch bespielt und von möglichst vielen zahlenden Kunden besucht werden.

Owner Kroenke mit Lakers-Superstar LeBron James
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Auftritt Stan Kroenke. Der 71-jährige Geschäftsmann ist der Kopf hinter dem neuen Stadion und als nunmehriger Owner der Rams auch jener hinter der Rückkehr nach Los Angeles. Böse Zungen würden behaupten, dass der Milliardär dabei eher Money, Money, Money im Sinn hatte, als die Sehnsüchte der Fans in Los Angeles nach einem NFL-Team zu befriedigen.

Kroenke ist in der Sport-Welt kein Unbekannter. Schließlich scheint er Sport-Teams zu sammeln, der Milliardär steht unter anderem auch hinter den Denver Nuggets (NBA), Colorado Avalanche (NHL) und dem FC Arsenal. Für den ganz großen - sportlichen - Erfolg steht er bislang nicht.

Sein Premier-League-Engagement brachte ihm in einem Artikel unlängst das wenig schmeichelhafte Attribut ein, einer der wenigen Owner von Sport-Teams zu sein, der auf mehreren Kontinenten eine geringe Zustimmungs-Rate erzielt - drücken wir es einmal so aus.

Es soll Owner geben, die aus sportlicher Leidenschaft das Geschäft ein wenig aus den Augen verlieren. Kroenke gehört dem Vernehmen nach nicht dazu. Die Chance auf den Business-Coup in Los Angeles konnte er sich kaum entgehen lassen, nur um in St. Louis Stadt und Fans nicht zu enttäuschen.

So bauten die Rams einen Super-Bowl-Roster

Damit dieses Investment in Los Angeles die gewünschten Rendite bringt, ist sportlicher Erfolg unabdingbar - diese Message sollte inzwischen angekommen sein. Dafür wiederum waren die Rams zu einem ziemlichen Poker gezwungen.

2016 in ihrer ersten Saison nach der Rückkehr nach L.A. gewannen sie nur vier ihrer 16 Saison-Spiele - ganz so, als hätten sie die Durchschnittlichkeit aus St. Louis mit nach Kalifornien übersiedelt. Dies ist natürlich keine Bilanz, mit der man in der neuen Heimat gewinnbringend registriert wird oder mit der man eine über die tatsächlichen Football-Anhänger hinausgehende Fan-Base aufbauen kann.

Wie hat es General Manager Les Snead, der seinen Job schon 2012 in St. Louis angetreten hat, also hingekriegt, nur zwei Jahre später über einen Super-Bowl-tauglichen Roster zu verfügen?

Mit einer Kombination aus kontrolliertem Risiko und gutem Auge im Draft.

Noch in St. Louis legte er mit den Erstrunden-Picks von Defensive Tackle Aaron Donald und Running Back Todd Gurley den Grundstein - die beiden sind auf ihren Positionen die Elite der Liga. 2016 tradete er im Draft aggressiv nach oben, um mit dem ersten Pick Jared Goff zu wählen - neue Stadt, neuer Quarterback quasi.

Schließt sich das Zeitfenster der Rams?

Das Willkommensgeschenk an die neuen Fans ging nach katastrophaler Rookie-Saison im zweiten Jahr auf - nach der Verpflichtung des nächsten wichtigen Puzzle-Teils.

Sean McVay, der jüngste Head Coach der NFL-Geschichte, machte seinem ihm vorauseilenden Ruf als Offensiv-Genie alle Ehre und hob die Rams gerade im Angriff von Beginn an auf ein neues Level - vor allem für Goff ging die Sonne im Westen endlich auf, er wirkte wie ein anderer Spieler.

Der neue Tempel in Inglewood befindet sich im Bau
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Landet man im Draft derartige Volltreffer, eröffnet dies in der NFL unter dem aktuellen Kollektivvertrag ein günstiges Zeitfenster. Mit Betonung auf günstig. Goff, Gurley und Donald spielten in dieser Saison noch unter ihren Rookie-Verträgen, also vor der ersten Vertragsverlängerung und zu finanziell wesentlich bescheideneren Konditionen.

Dieser Umstand hat natürlich ein Ablaufdatum. Die Verträge von Donald und Gurley sind bereits verlängert, bei Goff steht dies wohl spätestens nach der Saison 2019 an. 7,6 Millionen Dollar kostete der QB in dieser Saison gegen die Salary Cap - unter 25 Millionen Dollar pro Saison wird er es in Zukunft mit einiger Sicherheit nicht machen, wahrscheinlich wird es eher mehr.

Alleine diese Differenz zwischen einem handelsüblichen QB-Veteranen-Gehalt und einem Salär zu Beginn der Spielmacher-Karriere erlaubt es, einige gute bis sehr gute Spieler mehr anzustellen.

Entsprechend aggressiv ging Snead in der vergangenen Offseason vor, nachdem man 2017 große sportliche Schritte nach vor gemacht und sich für die Playoffs qualifiziert hat. Mit Ndamukong Suh leistete man sich einen Bad Boy und sportliche Urgewalt in Personalunion für ein Jahr und ein Gehalt von 14 Millionen Dollar.

Mit Trades für die namhaften Cornerbacks Aqib Talib und Marcus Peters wurde die Secondary aufgemotzt, mit Brandin Cooks von Final-Gegner New England ein neuer Einser-Receiver in die Stadt geholt. Während der Saison legte man mit Dante Fowler von den Jacksonville Jaguars einen Pass Rusher nach.

Im Poker "All-in"

Dies nennt man wohl "All-in gehen" von Snead. Oder war es in der Stadt der Engel eine höhere Macht?

"Gottes Plan, einige Jungs für ein Jahr zu verpflichten und in die Super Bowl zu kommen, ist vollauf aufgegangen", sagt Gurley.

GM Snead mit seinen Stars Donald und Goff
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Wie auch immer, für die Rams wird es angesichts der Gehaltsobergrenze nicht leichter, einen derart potenten Kader auf die Beine zu stellen. Donald zählt 2020 25 Millionen Dollar gegen die Salary Cap (2018: 8,8 Millionen) und Gurley für einen Running Back recht heftige 17,2 Millionen (2018: 7,2 Millionen).

Kombiniert man dies mit der anstehenden Gehaltserhöhung von Goff, wird man von diversen Leistungsträgern Abschied nehmen müssen.

In manchen US-Medien heißt es deshalb, dass es für die Rams in dieser Super Bowl "now or never" heißt. Dies mag übertrieben sein - "never" ist in der NFL ein Fremdwort, außer bei den Detroit Lions vielleicht.

Hollywood liebt Fortsetzungen - auch diese?

Superhelden wie Donald, Gurley und Goff sollten dafür garantieren, dass die Rams auch im neuen Stadion kompetitiv sind. Die Frage ist nur: Wie kompetitiv? Aber es passt eben mehr zu Hollywood, dieses One-Shot-Szenario gegen den großen Giganten aus New England zu konstruieren.

Eines steht in diesem Plot aber fest: Hollywood liebt Fortsetzungen - und wie erfolgreich die Fortsetzung der Rams-Geschichte in Los Angeles wird, hängt sehr wohl auch von diesem einen Spiel ab.

Diese Super Bowl kann nicht nur für ein temporäres Happy End sorgen, sondern auch die Basis dafür sein, dass dieses neue NFL-Kapitel ins Los Angeles ein nachhaltig erfreuliches wird.

Im La La Land liebt man schließlich strahlende Sieger - und am Rams-Bandwagon ist noch genügend Platz.

Textquelle: © LAOLA1.at

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