NEWS

Alex Wurz: "Mädchen und Buben können gleich schnell fahren"

Der Equal Racing Day soll Frauen im Motorsport mehr Sichtbarkeit verschaffen. Nachwuchshoffnungen wie Ivonn Simeonova zeigen das Potenzial – doch was fehlt zur ersten Formel-1-Weltmeisterin?

Alex Wurz: "Mädchen und Buben können gleich schnell fahren" Foto: © GEPA

"Mädchen und Burschen können an sich gleich schnell fahren", stellt der einstige Formel-1-Pilot und nunmehrige Experte Alexander Wurz klar.

Der 52-Jährige war einer der Special Guests beim Equal Racing Day am 1. Juni am Red Bull Ring in Spielberg - ein besonderes Event.

Der Equal Racing Day brachte zahlreiche Vertreter von Medien sowie Expertinnen und Experten zusammen. Das Thema: Frauen im Motorsport.

Frauen sind im Motorsport vetreten. Aber: Die Sichtbarkeit fehlt. Genau das sollte der Equal Racing Day ändern.

"More than equal" - Frauen mangelt es nicht an Voraussetzungen

Dr. Fran Longstaff ist eine Forscherin der Initiative "More than equal", die darauf abzielt, junge Rennfahrerinnen bei ihrer Entwicklung zu unterstützen.

Warum gibt es noch keine Formel-1-Weltmeisterin? Das ist die zentrale Frage, die man sich bei "More than equal" stellt. 2022 wurde die Bewegung gegründet, zudem wurde eine umfangreiche Studie mit über 70 Interviews durchgeführt.

Wie Fran Longstaff in einer Diskussion berichtet, ermittelte die Studie "viele strukturelle Barrieren" sowie "fehlendes Wissen über die Fähigkeiten von Rennsportlerinnen" als die beiden Hauptprobleme. Es gebe keine Forschung, die belege, dass es Frauen an physischen oder psychischen Skills mangele, um in der Formel 1 erfolgreich zu sein.

Wurz: "Abziehbild unserer Gesellschaft"

Ebenfalls Teil des Gesprächs ist Alex Wurz, der "ein Abziehbild unserer Gesellschaft" sieht. "Das können wir nicht schönreden. (...) Über die letzten Jahrhunderte oder Jahrzehnte war es so, dass ein Bub anders behandelt wird, als ein Mädchen. Das muss und soll es nicht. Aber wir leben es immer noch aus."

Unsere Gesellschaft sei im ständigen Wandel, so Wurz. "Die Plattform" wäre der Schlüssel, um auch in dieser Sparte eine Veränderung zu schaffen. Es gebe keinen Beleg, "dass Frauen und Männer nicht gleich gut Auto fahren können", meint auch Wurz, dessen Familie aus der Verkehrssicherheit kommt und zahlreiche Menschen beobachtet hat.

"Der Motorsport ist ein Mindgame", meint er. Hier gebe es keinen Unterschied. Allerdings mangele es an Möglichkeiten. Sieht man sich diverse Nachwuchsserien an, sind Fahrerinnen absolute Mangelware. Fran Longstaff spricht von einem Verhältnis von 1:10, Wurz nimmt dies als noch gravierender wahr.

Als Beispiel nennt er die Deutsche Claudia Hürtgen, gegen die Wurz in der Deutschen Formel 3 fuhr. "Sie war voll mit uns dabei", erzählt Wurz. 1993 musste sie ihre Formelsport-Karriere allerdings aufgrund der nach einem Unfall gebliebenen Beeinträchtigung beenden.

Das Problem beginnt früh

Ein weiteres bekanntes Gesicht am Red Bull Ring: Die einstige Rennfahrerin Corinna Kamper. Vor gut zwei Jahren sprach sie bereits mit LAOLA1 über das Standing von Frauen im Rennsport.

Für sie ist klar, dass die Problematik schon in der Kindheit liegt. Für viele Menschen läge es nach wie vor auf der Hand, eher mit dem Sohn als der Tochter auf eine Kartstrecke zu gehen. Zudem fehlt es aufgrund der mangelnden Sichtbarkeit an Vorbildern, denen junge Mädchen nachstreben können.

In Österreich fallen nur vier Prozent der Motorsportlizenzen auf Frauen - das ausgerechnet einer dieser geringen vier Prozent den richtigen Weg samt Management, Sponsoren und Co. einschlägt, ist denkbar gering.

Ivonn Simeonova: Eine rot-weiß-rote Nachwuchshoffnung

Ivonn Simeonova ist eine österreichische Nachwuchshoffnung im Motorsport. Die erst 15-Jährige ist eine der Fahrerinnen, die von der Initiative unterstützt wird.

Die junge Rennfahrerin ist durch ihre Familie - ihr Papa war selbst Rennfahrer in Bulgarien, ihre Oma Rallyefahrerin - zum Motorsport gekommen. Von klein auf hat sie sich "in den Sport verliebt".

Seit diesem Jahr testet und trainiert sie aktiv in Formel-4-Autos. In der zweiten Jahreshälfte soll sie dann ihr erstes Rennen bestreiten, nächstes Jahr soll eine ganze Saison folgen, erzählt sie.

Der Weg in die Formel 1 ist hart und steinig. Das Beispiel von Ivonn Simeonova zeigt, dass es an Talent nicht fehlt. Nachwuchsfahrerinnen wie sie sind sinnbildlich für das, wofür "More than equal" steht.

Kommentare