Hofmann: "Bei ServusTV Dream Team gefunden"

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Die Motorrad-WM zieht die Fans seit Jahren in ihren Bann. Spannung in allen Klassen, Dramatik pur bis zur letzten Kurve sowie die Nähe der Fans zu ihren Idolen gilt nicht nur der "Formel fad" als Vorbild.

Die MotoGP ist aktuell wohl das attraktivste TV-Programm in Sachen PS-Spektakel. Mittendrin statt nur dabei ist an den Rennwochenenden Österreichs Privat-Sender ServusTV, der immer mehr Zuseher vor den TV-Schirm lockt.

Mit ein Grund für die kurzweiligen Übertragungen ist Experte Alex Hofmann. Der 39-jährige gebürtige Schwabe bestritt zwischen 1997 und 2007 über 100 Rennen in der Motorrad-WM und ist bereits seit über zehn Jahren bei den diversen TV-Sendern als geschätzter Experte im Einsatz.

Die Rennen in Mugello ("Flair, Fans und Atmosphäre in der italienischen Toskana sind kaum zu übetreffen") sowie auf Philip Island in Australien zählen zu den Lieblingsveranstaltungen des ehemaligen Kawasaki- und Ducati-Piloten.

Auf den Deutschen und sein Team bei ServusTV warten in den nächsten Wochen mit den Rennen auf dem Sachsenring (Freitag bis Sonntag), dem Grand Prix von Tschechien in Brünn (2. bis 4. August) und dem Event in Spielberg (9. bis 11. August) quasi drei Heimrennen.

Im LAOLA1-Interview spricht Alex Hofmann über die Faszination seines Sports, die Entwicklung bei ServusTV, verrät warum Marquez Weltmeister wird und analysiert den harten Weg von KTM in der MotoGP.

LAOLA1: Wie erlebst du die dramatischen MotoGP-Rennen in der Kommentatorenkabine?

Alex Hofmann: In erster Linie zeigen mir die Veranstaltungen, wie geil mein Job ist. Die Rennen rufen in mir die Leidenschaft hervor, die ich selber gelebt habe. Es ist ein harter Sport, der sehr viel Speed, Gefahr und Verletzungen mit sich bringt. Aber auch viele faszinierende Geschichten über charismatische Sieger, die bewegen, wie beispielsweise der Erfolg des Italieners Danilo Petrucci in Mugello, der einst wie ich als Testfahrer sein Geld verdiente, oder zuletzt jener von Maverick Vinales. Da lebe ich als Ex-Fahrer natürlich extrem mit.

LAOLA1: Fühlst du dich während deiner Arbeit vor dem Mikrofon eigentlich noch als Fahrer, oder ist das ganz weg?

Hofmann: Das ist weg, da bist du schnell draußen, auch wenn du extrem mitfühlen kannst. Ich fahre seit zwölf Jahren keine Rennen mehr, bin aber bis vor drei Jahren noch als Testfahrer unterwegs gewesen.

LAOLA1: Siehst du die Rennen also nun aus der Sicht des Fahrers oder ausschließlich aus jener des Experten?

Hofmann: Schon aus Sicht des Fahrers. Das ist ja auch mein Job. Ich versuche das Rennen aus der Sicht eines Fahrers rüberzubringen. Weil ich will ja nicht, dass dieser verrückte Sport einmal nüchtern betrachtet wird. Das kann ich auch gar nicht, weil ich ja erlebt habe, wie taff und schwierig dieser Sport ist und wie bei vielen Piloten da ja ein echter Traum dahintersteckt, einmal ein MotoGP-Rennen zu gewinnen. Da können sich mutige Burschen noch einen echten Lebenstraum erfüllen. Jemand wie Petrucci in Mugello, der alles in seinem Leben riskiert – auch seine Knochen – um ein Ziel zu erreichen. Das sind schöne Stories. Und wenn man das - wie ich selber ja auch - versucht hat, dann kann man da natürlich auch anders mitfiebern und mitleben.

Hofmann (r.) mit Kollege und Ersatz-Pilot Bradl
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LAOLA1: ServusTV liefert in Österreich und Deutschland eine umfassende Berichterstattung von der Motorrad-WM ab – wie haben sich die Übertragungen beim Sender aus Salzburg für dich entwickelt?

Hofmann: Echt super. Ich habe jetzt zehn Jahre Erfahrung als TV-Experte, habe ja auch bereits den einen oder anderen Sender erlebt. In Deutschland und auch in Österreich aber ich kann behaupten, dass das, was wir derzeit auf ServusTV abliefern, aus meiner Sicht das Beste ist. Wenn du eine Begeisterung für Motorsport besitzt und mit der ganzen Familie dir die Übertragungen anschauen und tollen Motorradsport erleben willst, dann macht ServusTV diesbezüglich momentan sehr, sehr viel richtig. Besser geht immer, aber da kommt dann durch die Erfahrung noch einmal eine Entwicklung dazu. Über die Jahre ist also noch einiges drinnen. Aber ich bin extrem froh, Teil dieser Truppe zu sein und mein eigenes Dream Team gefunden zu haben. Auch die Mannschaft im Hintergrund ist großartig, das passt einfach.

LAOLA1: Daten, jede Menge Grafiken und zahlreiche auf den Bikes montierte Kameras bereichern die TV-Bilder – hast du zusätzliche Ideen für die Übertragungen?

Hofmann: Was diese Art von TV-Bildern betrifft sind wir erst am Anfang. Wir haben jetzt zum ersten Mal die Möglichkeit bekommen, diese Dinge auszuprobieren. Ich setzte dieses Jahr die 360-Grad-Kamera bei der Strecken-Vorstellung ein. Da haben wir auch weltweit Maßstäbe gesetzt, da jagen momentan die Bilder rund um den Erdball, da gucken alle drauf und sagen: Wow, wie geht das? In der Analyse fängt es für mich jetzt gerade an, dass wir diese tollen Möglichkeiten besitzen. Da kann man natürlich jedes Wochenende noch einmal darüber nachdenken, was macht man noch mehr. Andererseits muss man aber sagen, dass wir in ein normales TV-Programm eingebunden sind. Wir sind kein reiner Sportsender, der dann nach einem Rennen noch einmal eine Stunde füllen muss und ewig analysieren kann. Manchmal würde ich bei ServusTV schon gerne aus meiner Expertensicht noch einmal zehn Minuten nehmen und sagen: Ach, das Überholmanöver und guck mal da – da muss ich mich schon ein wenig einschränken, aber es ist trotzdem eine tolle Art und Weise, wie wir alles aufbereiten können. Ich traue mich zu sagen, dass bei uns kein Zuschauer irgendetwas verpasst, was wichtig ist.

LAOLA1: Wie nahe ist dein Bike, mit dem du die Strecke vorstellst, an den Rennbikes dran?

Hofmann: Das ist extrem weit von den Rennmaschinen weg. Das ist für mich aber auch okay. Es geht ja darum, die Strecke vorzustellen und während der Fahrt auch zu reden. Ich bin ehrlich, das fällt mir wirklich nicht schwer. Aber ich bin ja auch immer wieder einmal auf dem Rennbike KTM RC 16 gesessen und da hatten wir auch den Traum, einmal die Streckenvorstellung auf der Rennmaschine zu drehen. Wenn du die aber am Limit fährst, dann wird es knapp mit dem reden. Ich habe das ausprobiert bei Testfahrten. Das geht so schnell und ist so körperlich, dass du größte Probleme hast, Worte zu finden. Auch auf den Geraden dazwischen geht das so schnell, dass ich richtig froh bin, auf einer Super Duke von KTM - sprich einem Straßen-Motorrad, das für die Rennstrecke ein wenig umgebaut ist - zu sitzen. Das gibt mir nämlich die Möglichkeit zu erklären, was in dieser Kurve los sein kann und was in jener Ecke zu beachten ist.

LAOLA1: Ist deine Arbeit also mit jener vergleichbar, die Hans Knauß beim ORF rund um die Weltcup-Abfahrten vollbringt?

Hofmann: Ja, genau. Das war 2009 auch mein Zugang, als wir das in Deutschland mit DSF (Anm.: jetzt Sport1) zum ersten Mal gemacht haben. Wir haben das damals als erste TV-Station beim Veranstalter angefragt, ob wir es machen dürfen und jetzt ist es Standard. Die Idee haben wir damals angeschoben. Ja, es ist wohl ein wenig so wie bei der Kamerafahrt von Hans Knauß auf der Streif (lacht).

LAOLA1: Zum Sportlichen: Was ist mit KTM los? Der Franzose Johann Zarco hat große Probleme – wie ist diesbezüglich deine Einschätzung?

Hofmann: KTM macht einen Top-Job. Die Ungeduld ist natürlich da, weil es sich bei KTM um ein Unternehmen handelt, das immer nur geradlinig nach vorne läuft – auch in der Vorstandsebene. Die Firma ist vom Erfolg verwöhnt. Das hier aber ist jetzt der Mount Everest, den man sich ausgesucht hat. Da muss man schon ab und zu im letzten Camp auch noch einmal verweilen und auf das richtige Wetter und die richtigen Möglichkeiten warten.

LAOLA1: Will KTM zu schnell zu viel?

Hofmann: Die machen das schon richtig. Pol Espargaro hat sich nicht nur zur Nummer 1 bei KTM, sondern zu einem Top-Fahrer entwickelt. Er ist in seinen drei Jahren bei KTM auch als Fahrer noch einmal besser geworden. Ich würde ihn mit Petrucci und Dovizioso auf eine Stufe stellen. Er ist ein Top-Fahrer und gibt das mit seinen Fahrkünsten her. Dass es aber nicht so leicht ist zwischen den verschiedenen Bikes und Marken hin- und herzuspringen, zeigt ja auch Jorge Lorenzo. Auch er hat den Sprung von Ducati zu Honda nicht so geschafft, wie man sich das erwarten durfte.

LAOLA1: Gilt das auch für Johann Zarco?

Hofmann: Zarco macht gerade ein ähnliches Schicksal durch. Das dauert ein wenig. Letztes Jahr hat er sich auf seiner Rakete wohlgefühlt und dann traust du dir alles zu. Das ist so wie ein Panzer an Selbstbewusstsein. Wenn du den hast, dann gelingt dir alles, dann hast du auch keinen Respekt vor den großen Namen und hälst einfach rein. Momentan hat Zarco aber weder das Vertrauen zu sich noch zum Bike – die KTM macht nicht hundertprozentig was er will, dann fehlt das Vertrauen, dann ist der Panzer nicht da und du fährst tendenziell etwas zurückhaltender. Das ist die berühmte Negativ-Spirale in der sich Zarco aktuell befindet. Da muss er versuchen rauszukommen. Zusammen mit KTM, das heißt er muss auf das Bike zugehen und KTM muss versuchen, ihm vom Bike her entgegenzukommen. Aber das benötigt seine Zeit, das geht nicht von heute auf morgen.

LAOLA1: Wer wird MotoGP-Weltmeister?

Hofmann: Ganz klar Marc Marquez. Der Spanier wird sich den nächsten Titel schnappen. Der hält sich nicht zurück. Jetzt kommen zwei, drei Strecken, die ihm und seinem Bike sehr gut liegen. Der Titel geht ganz klar nur über Marquez. Aber wir wissen, wenn noch Rennen mit null Punkten kommen – er ist aufgrund seines Temperaments immer gut für einen Stürz – oder ein technisches Problem auftritt, dann kommt vielleicht ein Gegner clean durch und macht das WM-Rennen noch spannend.

Textquelle: © LAOLA1.at

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