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Formel-1-Saison 2026: Verlieren McLaren und Red Bull Anschluss?

Während bei McLaren nach dem erfolgreichen Jahr 2025 alles beim alten bleibt, geht Red Bull Racing neue Wege. Hievt sie das zurück auf den F1-Thron?

Formel-1-Saison 2026: Verlieren McLaren und Red Bull Anschluss? Foto: © GETTY

Die Formel 1 ist zurück!

Am Sonntag startet die Königsklasse des Motorsports mit dem Großen Preis von Melbourne (Australien). Das Rennen beginnt bereits um 5 Uhr (MEZ) im LIVE-Ticker >>>

2026 startet die Formel 1 in eine neue Ära, die Umstellung ist so groß wie nie. Die Autos werden kleiner, leichter und wendiger. Zudem verändern sich die Antriebseinheiten deutlich. Außerdem heißt es Abschied nehmen vom DRS-System. Alle Änderungen 2026 >>>

Pünktlich zum Saisonstart hat sich LAOLA1 alle Teams angesehen und eine erste Prognose und Einschätzung gewagt. In diesem Teil geht es um Titelverteidiger McLaren und Red Bull Racing.

Teil 2: Ferrari und Mercedes als Benchmark? >>>

Teil 3: Alpine und Williams - in Mercedes we trust >>>

Teil 4: Enges Mittelfeld - Kann Audi überraschen? >>>

Teil 5: Chaos-Zustand bei Cadillac und Aston Martin >>>

Verleiht der eigene Motor Red Bull Racing wieder Flügel?

Red Bull steht 2026 vor der größten Bewährungsprobe seit der Übernahme von Jaguar Racing im Jahr 2005. Während die Formel 1 insgesamt in eine neue Ära startet, muss sich auch der Rennstall aus Milton Keynes neu erfinden.

Erstmals seit der Übernahme werden nicht mehr Christian Horner und Dr. Helmut Marko beim österreichisch-britischen Rennstall die Geschicke lenken. Horner wurde bereits im Juli 2025 durch Laurent Mekies ersetzt, Marko beendete mit Ende der vergangenen Saison offiziell seine Karriere.

Es ist ein Neustart – und er fällt radikaler aus, als es auf den ersten Blick scheint. Zum ersten Mal tritt Red Bull mit einem vollständig eigenen Antrieb an. Nach vier Fahrertiteln und zwei Konstrukteurstiteln in der Ground-Effect-Ära steht der Rennstall vor dem größten strukturellen Einschnitt seiner Geschichte.

Die entscheidende Frage lautet daher: Ist 2026 der Beginn einer neuen Dominanzphase – oder der Auftakt zu einer Übergangszeit?

Die Eckdaten:

  • Gegründet: 2005

  • Rennen: 417 (113 Siege)

  • Konstrukteurstitel: 6 (zuletzt 2023)

  • Fahrertitel: 8 (zuletzt 2024)

  • Letzter Sieg: Abu Dhabi 2025

  • Motor: Ford RBPT V6 Hybrid ("DM01")

  • Chassis: Red Bull Racing RB22

Neuer Partner für das Aushängeschild

Neuer Partner für das Aushängeschild
Beim RB22 setzt Red Bull wieder auf glänzende Elemente.
Foto: ©Red Bull Content Pool

Sportlich bleibt das Fundament klar: Max Verstappen führt das Team weiterhin an. Der vierfache Weltmeister ist das konstanteste Element im gesamten Projekt und die Benchmark in der Königsklasse des Motorsports.

Neu im zweiten Cockpit sitzt Isack Hadjar. Der Franzose kommt vom Ausbildungsteam Racing Bulls und steht vor seiner bislang größten Herausforderung. Als Ersatzfahrer steht Yuki Tsunoda zur Verfügung.

An der Spitze des Teams agiert Laurent Mekies als Teamchef, technisch ziehen Pierre Wache und Paul Monaghan die Fäden. An der Boxenmauer bleiben Gianpiero Lambiase und Strategin Hannah Schmitz wichtige Konstanten – ein Faktor, der in engen Rennen den Unterschied ausmachen kann.

Saison

Punkte

Platzierung

2025

391

3.

2024

589

3.

2023

860

1.

2022

759

1.

2021

585,5

2.

2022 und 2023 waren Jahre der Überlegenheit. Vor allem 2023 kam der Perfektion nahe: 22 Siege in 23 Rennen, 860 Punkte und Platz eins und zwei in der Fahrer-WM. Strategisch, technisch, fahrerisch nahezu fehlerfrei.

Doch danach folgte ein klarer Knick. 2024 und 2025 reichte es nur noch für Rang drei in der Konstrukteurs-WM. Die Konkurrenz – insbesondere McLaren und Ferrari – hat aufgeholt, teilweise überholt. Red Bull verlor seinen aerodynamischen Vorsprung. Die Weiterentwicklung wirkte nicht mehr so präzise wie in der Hochphase.

Erst in der zweiten Saisonhälfte 2025 fand Red Bull wieder Stabilität. Verstappen fuhr nach der Sommerpause in jedem Rennen aufs Podest, gewann sechs Mal und hielt den WM-Kampf bis ins Finale offen.

Der größte Einschnitt: Der eigene Motor

2026 markiert den radikalsten Wandel der Teamgeschichte. In Partnerschaft mit Ford Motor Company entwickelte Red Bull Powertrains erstmals einen eigenen Antrieb. Zu Ehren von Dietrich Mateschitz trägt er den Namen "DM01".

Motorprojekte sind in der Formel 1 hochkomplex. Selbst etablierte Hersteller benötigen Jahre, um Effizienz, Zuverlässigkeit und Performance auf Spitzenniveau zu bringen. Gerade in einer Reglementphase, in der Energierückgewinnung, Software-Management und Hybrid-Effizienz über Sieg oder Niederlage entscheiden, ist Erfahrung ein kaum ersetzbarer Faktor. Auch deshalb holte man Ford als technologischen Partner ins Boot.

Das neue Chassis wurde schmaler, kürzer und leichter konzipiert. Die Aerodynamik soll vor allem in schnellen Kurven wieder einen Vorteil bringen. Optisch setzt man auf ein glänzenderes Design – fast wie ein symbolischer "Back-to-the-roots"-Moment.

So liefen die Testfahrten

So liefen die Testfahrten
Max Verstappen ist von den neuen Regeln noch nicht überzeugt.
Foto: ©GEPA

Die Testfahrten in Bahrain hinterließen ein differenziertes Bild.

Im Lager von Mercedes war früh von möglichen Motorvorteilen Red Bulls die Rede. Danach zog sich das Team auffällig zurück: keine aggressiven Longruns, keine offensichtlichen Qualifying-Simulationen am Limit.

Die Rennsimulationen bewegten sich etwa auf Augenhöhe mit McLaren. Verstappens schnellste Runde lag allerdings rund 1,1 Sekunden hinter der absoluten Bestzeit von Charles Leclerc.

Das Auto wirkte ausbalanciert, stabil, ohne akute Zuverlässigkeitsprobleme. Aber es wirkte nicht wie das Maß der Dinge.

Verstappens Kommentar, die neuen Autos fühlten sich an wie "Formel E auf Steroiden", ließ zudem aufhorchen. Begeisterung klingt anders.

Die zentrale Frage bleibt: Hat Red Bull bewusst Karten zurückgehalten – oder spiegelt das Testbild die tatsächliche Hierarchie wider?

Prognose

Red Bull startet 2026 voraussichtlich nicht als Favorit. Vieles deutet derzeit auf die Rolle der vierten Kraft hinter McLaren, Ferrari und Mercedes hin.

Sollte der neue Antrieb schneller zünden als erwartet, kann sich das Kräfteverhältnis rasch verschieben. Doch Stand jetzt wäre alles andere als Rang vier in der Konstrukteurs-WM eine Überraschung.

Mit Verstappen verfügt der österreichisch-britische Rennstall aber weiterhin über den wohl besten Fahrer im Paddock. Allein deshalb wird Red Bull um Rennsiege kämpfen. Ob es jedoch für den Titel reicht, bleibt abzuwarten.

2026 wird zur Nagelprobe – nicht nur sportlich, sondern auch strukturell.


Scheitert die Mission Titelverteidigung für McLaren?

Als Titelverteidiger geht McLaren in die diesjährige Formel-1-Saison, zum ersten Mal seit vielen Jahren sowohl in der Fahrer-, als auch in der Konstrukteurswertung.

Bis zum Saisonende lieferte sich die Fahrerpaarung Lando Norris/Oscar Piastri einen heißen Kampf um den jeweils ersten Weltmeistertitel, den letztlich der Brite für sich entschied.

Zudem gewann man wie schon im Jahr zuvor die Teamwertung, und das in souveräner Manier.

Titel möchte wohl jeder verteidigen, dazu gehört auch McLaren. Außerdem wird Oscar Piastri auf eine Revanche an seinem Teamkollegen brennen. Aber hat McLaren heuer überhaupt das Zeug dazu?

Die Eckdaten:

  • Gegründet: 1965

  • Rennen: 994

  • Konstrukteurstitel: 10 (zuletzt 2025)

  • Fahrertitel: 13 (zuletzt 2025)

  • Letzter Sieg: Großer Preis von Brasilien 2025 (Lando Norris)

  • Motor: Mercedes-AMG F1 M17 E Performance

  • Chassis: McLaren MCL40

Weiter Vertrauen auf junges Erfolgsduo

Weiter Vertrauen auf junges Erfolgsduo
Im MCL60 will der Rennstall die Titel von 2025 verteidigen.
Foto: ©McLaren

Wie gehabt werden auch 2026 mit Weltmeister Lando Norris und Oscar Piastri zwei "junge, hungrige" Fahrer für McLaren auf Punktejagd gehen. Als Ersatzfahrer fungiert neben IndyCar-Fahrer Pato O'Ward auch Formel-2-Champion Leonardo Fornaroli.

An der Spitze gibt es ebenfalls keine Veränderungen. Zak Brown agiert nach wie vor als CEO des Teams, während Andrea Stella die Rolle des Teamchefs bekleidet.

Peter Prodromou fungiert als technischer Direktor im Bereich der Aerodynamik, Neil Houldey im Bereich des Engineering und Mark Temple im Abteil Performance. Chef-Designer ist Rob Marshall.

Saison

Punkte

Platzierung

2025

833

1.

2024

666

1.

2023

302

4.

2022

159

5.

2021

275

4.

Bei dem britischen Rennstall zeigte die Entwicklungskurve in den vergangenen Jahren stetig nach oben. Hier zwar nicht tabellarisch aufgeführt: Der aus McLaren-Sicht doch katastrophale 9. Platz in der Saison 2017.

In den Jahren 2021 bis 2023 versuchte man dann, sich wieder an die Spitze heranzutasten. Zwischenzeitlich gelang dies auch schon ganz gut.

Der große Durchbruch, der Goldgriff erfolgte aber im Jahr 2024, als das Team erstmals seit 1998 wieder über den Gewinn der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft jubeln durfte. Dieser Erfolg ging mit viel Fleiß und harter Arbeit des gesamten Teams einher.

2025 verteidigte man den Titel dann sogar souverän, betrug der Vorsprung auf Vizeweltmeister Mercedes fast satte 400 Punkte.

Vom Gejagten zum Jäger

Doch 2026 beginnt bekanntlich ein neues Kapitel in der Formel 1. Mit dem neuen, überarbeiteten Reglement rücken Effizienz sowie elektrische Leistung und Energie-Management stärker in den Fokus. Genau das stellt auch die große Unbekannte dar.

McLaren bleibt weiterhin Kundenteam von Mercedes. Ein Vorteil? Mit dem scheinbaren Motorenvorsprung der Silberpfeile definitiv. Die entscheidende Phase wird jene der Weiterentwicklung sein.

Trotzdem findet sich der einst Gejagte heuer wohl in der Jägerrolle wieder. Bei den "Papayas" glaubt man, dass "Ferrari und Mercedes einen Schritt voraus sind".

So liefen die Testfahrten

So liefen die Testfahrten
Lando Norris geht 2026 als Titelverteidiger an den Start. Oscar Piastri wird der Herausforderer.
Foto: ©GETTY

Nicht Fisch, nicht Fleisch, könnte man sagen, wenn man es streng nimmt.

McLaren hat in Barcelona und Bahrain brav Runden abgespult und auch alles andere als schlechte Rundenzeiten dargeboten. Die Aussagekraft dieser ist aber wie immer mit Vorsicht zu genießen.

In den Rennsimulationen gab Mercedes den Ton an, während Ferrari bei den absoluten Rundenzeiten zu überzeugen wusste. Die Abstände hielten sich aber in Grenzen.

Dennoch ist für das Team selbst und auch Experten klar, dass McLaren zumindest zu Saisonbeginn nicht die erste Geige spielen wird. Danach wird es zu einem Entwicklungsrennen mutieren.

Prognose

Alles ist drinnen! Zwar mögen Mercedes und Ferrari derzeit die Nase noch minimal vorne haben, aber wir wissen doch alle, wie schnell sich das Blatt in der Formel 1 wenden kann.

Zudem ist die Pace nicht alles, es kommt auch auf taktisch kluge Schachzüge der Pitwall und möglichst fehlerfreie Auftritte der Fahrer an, um das optimale Gesamtpaket zu erzielen.

Im Laufe einer Saison kann auf Entwicklungsebene ohnehin viel passieren. Es kann also gut sein, das McLaren seine Jägerrolle bald wieder an die Konkurrenz verteilt. Oder auch nicht. Wir sind gespannt!

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