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Formel-1-Saison 2026: Mercedes und Ferrari als Benchmark?

Nicht nur die Buchmacher sehen Mercedes vor dem Start in die neue F1-Saison als neue Nummer eins. Auch Ferrari zeigte sich in den Tests von seiner besten Seite. Die große LAOLA1-Saisonvorschau.

Formel-1-Saison 2026: Mercedes und Ferrari als Benchmark? Foto: © GETTY

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Pünktlich zum Saisonstart hat sich LAOLA1 alle Teams angesehen und eine erste Prognose und Einschätzung gewagt. In diesem Teil geht es um die Titelfavoriten Mercedes und Ferrari.

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Teil 5: Chaos-Zustand bei Cadillac und Aston Martin >>>

Wie 2014? Mercedes geht als Favorit in die neue Wagen-Generation

Die vergangene Regelrevolution ist nicht nach Wunsch für Mercedes verlaufen. Bis auf ein paar wenige Rennsiege ist dem erfolgsverwöhnten Rennstall wenig gelungen – speziell mit den WM-Kämpfen in der Ground-Effect-Ära hatte das Team von Toto Wolff nichts zu tun. Das könnte sich heuer aber ändern.

Wie bereits vor zwölf Jahren gehen die Silberpfeile als Favorit in die neue Wagen-Generation – erneut scheint der Motor das Zünglein an der Waage zu sein. Dass Mercedes aber genauso wie damals Rennen für Rennen nach Belieben dominiert, scheint ausgeschlossen zu sein. Immerhin fährt Weltmeister-Team McLaren mit denselben Aggregaten, jene von Ferrari und Red Bull scheinen zudem ebenfalls nicht weit dahinter zu liegen.

Der Hunger beim Rennstall aus Brackley ist groß auf den ersten Titel seit 2021 (Konstrukteurs-WM) – aber sind George Russell und Kimi Antonelli auch bereit für ihren ersten Titel-Fight?

Die Eckdaten:

  • Gegründet: 1954

  • Rennen: 341

  • Konstrukteurstitel: 8 (zuletzt 2021)

  • Fahrertitel: 9 (zuletzt 2020)

  • Letzter Sieg: Singapur 2025

  • Motor: Mercedes-AMG F1 M17 E Performance

  • Chassis: Mercedes-AMG F1 W17 E Performance

Russell bereit für ersten Titel-Kampf

Russell bereit für ersten Titel-Kampf
Der neue Mercedes-AMG F1 W17 E Performance überzeugte in den Tests alle.
Foto: ©Mercedes AMG F1

Die Fahrerpaarung beim designierten Favoriten bleibt bestehen: Wie bereits vergangene Saison sitzen wieder George Russell und Kimi Antonelli hinter den Lenkrädern.

Der Brite geht für die Buchmacher als Top-Favorit auf den Fahrertitel in die neue Saison. Nach Jahren der Überperformance in einem unterlegenen Williams, den er dennoch "viel zu oft" ins Q3 getragen hat, schließt sich der mittlerweile 28-Jährige Mercedes just in dem Moment an, an dem der Rennstall seine Dominanz verloren hat.

Trotz fünf Siegen ist ihm ein Titel-Kampf bisher verwehrt geblieben – ein solcher wird nun auf ihn warten. Aber kann Russell auch WM-Fights? Der letzte ist bereits acht Jahre her (Formel 2). Den hat er jedoch für sich entscheiden können.

Das wird von seinem Teamkollegen nicht erwartet. Antonelli benötigt wohl noch Zeit, um in Sachen Konstanz auf Russell aufschließen zu können. Der Grund-Speed ist dem Italiener jedoch definitiv nicht abzusprechen. Auch wenn ein Kampf um den WM-Titel wohl noch zu früh kommt, der Premieren-Sieg ist dem 19-jährigen Youngster heuer aber zuzutrauen. Ersatzfahrer ist der Däne Frederik Vesti.

An der Führungsspitze hat sich ebenso wenig wie bei den Fahrern getan: Toto Wolff fungiert weiterhin als Teamchef, James Allison ist weiterhin Technischer Direktor.

Saison

Punkte

Platzierung

2025

469

2.

2024

468

4.

2023

409

2.

2022

515

3.

2021

613,5

1.

Nach Jahren der Dominanz endete der Siegeszug von Mercedes 2021 mit der verlorenen Fahrerweltmeisterschaft. Mit den Ground-Effect-Fahrzeugen waren die Silberpfeile plötzlich nur noch dritte Kraft in der Formel 1. Seitdem pendelte man zwischen dem zweitbesten Auto und Platz vier in der Konstrukteurs-WM.

Bis auf sieben Rennsiege (fünf Mal Russell, zwei Mal Hamilton) gab es für Mercedes nichts zu holen. In einen Titelkampf konnte man seit 2021 nicht mehr eingreifen. Und das, obwohl man in der Zwischenzeit sogar zwei Mal Platz zwei bei den Konstrukteuren holte.

Die Wunderwaffe und ein Motoren-Trick

Die Stärke des Mercedes beruht einmal mehr auf dem Motor. Speziell was das Energie-Management anbelangt, scheinen die Silberpfeile ihre Hausaufgaben gemacht zu haben.

Wie bereits 2014 bildet der Motor somit das Herzstück des Boliden. Allerdings scheint das Werksteam dieses Mal auch die Aerodynamik des Fahrzeuges besser hinbekommen zu haben. Einzige Sorge bei den neuen Aggregaten hat man bei der Zuverlässigkeit – und, dass man etwas Schwierigkeiten beim Start hat.

Dass die Wunderwaffe summa summarum aber so gut zündet, hat möglicherweise auch mit einem Verdichtungstrick zu tun: In Betrieb wird das Verhältnis über den Grenzwert (16:1) gesteigert, bisher hat die FIA diesen allerdings nur im Stand gemessen.

Diesen Vorteil darf Mercedes allerdings nicht lange genießen. Ab 1. Juni wird die Verdichtung nämlich auch bei Betrieb gemessen werden – in einem engen Titel-Fight könnte der kleine Vorteil vom Saisonstart jedoch entscheidend sein.

So liefen die Testfahrten

So liefen die Testfahrten
Kimi Antonelli und George Russell gehen in ihre zweite Saison als Teamkollegen.
Foto: ©GETTY

Während beim Shakedown in Barcelona noch alles nach Plan verlaufen ist, haben sich in Bahrain die ersten Probleme eingeschlichen. In Woche eins ist Antonelli nur 94 Runden gefahren, in der zweiten hat den jungen Italiener die Motor-Pneumatik gestoppt.

Trotz der Probleme sind die Testfahrten erfolgreich für das Team aus Brackley verlaufen. Mehrmals liegen die Silberpfeile am Ende des Tages vorne – speziell mit den Long-Runs scheint man sehr zufrieden gewesen zu sein.

Alles gezeigt hat man, wie zu den besten Zeiten, nicht. Allerdings hat der W17 über die unterschiedlichsten Füllmengen, so man das beurteilen kann, eine gute Figur gemacht und sieht auch in Sachen Anbremsen und Traktion sehr kontrolliert aus.

Abschließend bleibt nur die Frage: Wie viel Power steckt noch im neuen Mercedes-Motor?

Prognose

Mercedes geht als wohl heißestes Eisen in die neue Saison. Die Dominanz aus dem letzten Jahrzehnt dürfte es dieses Mal nicht werden, bei den Buchmachern gilt George Russell aber nicht umsonst als absoluter Titel-Kandidat.

Der Brite zählt nun bereits seit längerem zu den schnellsten Fahrern im Feld. Nun kann er beweisen, dass auch er das Zeug zum Weltmeister hat. Für seinen Teamkollegen kommt das wohl noch zu früh. Sollen jedoch beide Titel nur über Mercedes gehen, muss der junge Italiener ebenfalls liefern.

Ein weiteres Jahr ohne Titel wäre nach heutigem Stand aber wohl eine Enttäuschung.


Bricht Ferrari 2026 endlich den Bann?

Lange, lange ist es her, dass Ferrari zuletzt einen Weltmeistertitel in der Formel 1 bejubeln durfte. Zuletzt war dies 2008 der Fall, als die Italiener die Konstrukteurswertung gewinnen konnten. Den letzten Fahrertitel holte Kimi Räikkönen im Jahr 2007.

Mit Charles Leclerc und Lewis Hamilton hat man im Jahr 2026 jedenfalls eine Fahrerpaarung am Start, die um Titel mitkämpfen kann – im Falle des Briten auch schon erfolgreich, ist er doch siebenfacher Weltmeister. Doch auch Leclerc, der von den Tifosi nach den Siegen in Spa und Monza 2019 bereits früh "Il Predestinato" (italienisch für der Vorherbestimmte) getauft wurde, hat in den vergangenen Jahren bereits bewiesen, dass er das Potenzial zum Champion hat.

Warum dann die jahrelange Flaute? Nun, da muss sich die Mannschaft vor allem selbst an der Nase nehmen. Oftmals griff man mit den Boliden daneben oder entwickelte ein eigentlich vielversprechendes Auto (siehe Anfang der Saison 2022) im Laufe der Saison in die falsche Richtung. Zudem bekleckerte man sich in puncto Strategien oder Boxenstopps des Öfteren nicht unbedingt mit Ruhm, individuelle Fehler der Fahrer bildeten meistens nur die "cherry on top".

Mit den neuen Regularien gibt es für Ferrari aber jetzt eine vielversprechende Chance. Gelingt es den Roten nach 18 Jahren wieder, das beste Gesamtpaket zu liefern und endlich einen Titel nach Maranello zu holen?

Die Eckdaten:

  • Gegründet: 1929

  • Rennen: 1121

  • Konstrukteurstitel: 16 (zuletzt 2008)

  • Fahrertitel: 15 (zuletzt 2007, Kimi Räikkönen)

  • Letzter Sieg: Großer Preis von Mexiko 2024, Carlos Sainz

  • Motor: Ferrari 067/6

  • Chassis: Ferrari SF-26

Leclerc will sich den WM-Traum endlich erfüllen

Leclerc will sich den WM-Traum endlich erfüllen
Der SF-26 kommt im klassischen Rot und mit weißen Elementen.
Foto: ©GETTY

Wie bereits erwähnt, setzt die Scuderia auch 2026 auf die Fahrerpaarung Charles Leclerc/Lewis Hamilton. 2025 gewann der Monegasse, der bereits seit 2019 im Cockpit von Ferrari sitzt und seit seiner Kindheit von einem Titel mit Ferrari träumt, das teaminterne Duell mit dem siebenfachen Weltmeister klar.

Nun ist Hamilton aber nicht mehr der "Neuling", kennt die Teamatmosphäre und bekommt zudem einen neuen Renningenieur, nachdem die Kommunikation mit Riccardo Adami nicht optimal vonstattengegangen war. Ex-Formel-1-Pilot Antonio Giovinazzi ist Ersatzfahrer.

Fred Vasseur agiert auch in diesem Jahr als Teamchef der Italiener, Loic Serra ist als technischer Direktor für die neuen Chassis verantwortlich. Enrico Gualtieri ist führender Mitarbeiter im Bereich der Power Unit. Im Jänner dieses Jahres stieß der Franzose Guillaume Dezoteux von den Racing Bulls zu Ferrari und übernimmt dort die Leitung des Performance-Abteils.

Saison

Punkte

Platzierung

2025

398

4.

2024

652

2.

2023

406

3.

2022

554

2.

2021

323,5

3.

2021 erholte sich Ferrari vom schweren Rückschlag im Jahr 2020 – man beendete die Saison auf dem sechsten von zehn Plätzen in der Konstrukteurswertung – und wurde immerhin Dritter. 2022 schien der erste Triumph nach jahrelanger Durststrecke nach einem fulminanten Saisonbeginn nahe, im Laufe der Saison zeigte die Entwicklungskurve aber nach unten und Titelträume zerplatzten.

2023 musste man sich erneut nur mit dem dritten Platz im Endklassement begnügen, 2024 kämpfte man lange um den Teamweltmeistertitel mit, den aber McLaren einheimste.

Jüngst wurde man im vergangenen Jahr doch enttäuschender Vierter, hatte man während der Saison doch auf Kurs Vizeweltmeister gelegen.

Einzigartige Innovation

Im Rahmen der Testfahrten in Bahrain sorgte die Scuderia mit einer technischen Innovation für staunende Gesichter: Der verstellbare Bereich des Heckflügels klappt nämlich nicht nur auf, sondern legt eine Drehung um 180 Grad hin. Ein echter Hingucker, der auch effizient ist.

Denn durch die Umdrehung schafft man es, den Luftwiderstand des Boliden zu verringern und somit das Auto in weiterer Folge schneller zu machen.

Optisch gesehen setzt Ferrari bei der Lackierung des Autos auf mehr weiße Elemente, die für mehr Kontrast zum glänzenden Rot sorgen sollen. Ebenfalls neu ist die Positionierung der Spurstange an der Vorderachse, die diesmal hinter dem schmalen, unteren Querlenker sitzt. Die Vorderräder sind hingegen leicht nach vorne gewandert, sodass mehr Platz zwischen den Rädern und den Seitenkästen liegt.

Allgemein geht man heuer bei den Roten nicht auf nur mehr sicher, sondern traut sich etwas. Ob sich das aber auch lohnen wird?

So liefen die Testfahrten

So liefen die Testfahrten
Lewis Hamilton und Charles Leclerc wollen 2026 über Siege jubeln.
Foto: ©GETTY

Bei den Testtagen in Barcelona sowie Bahrain wusste Ferrari mit Bestzeiten zu überzeugen. Gerade bei den Qualifying-Simulationen konnte Charles Leclerc glänzen und setzte mit einer 1:31,992 ein großes Ausrufezeichen. Die Konkurrenz zog aber nicht mit dem Monegassen mit, der aber auch auf dem härteren C3-Reifen schnellster Mann war.

Für McLaren Teamchef Andrea Stella war klar: "Dieser Test hat bestätigt, dass Ferrari und Mercedes die sind, die es zu schlagen gilt."

Da aber etwa Ferrari und Mercedes keine Rennsimulationen in der zweiten Testwoche in Bahrain abspulten, erscheint eine Einordnung schwer. In der Wüste wirkten die Italiener stärker, da sie etwa mehr preisgaben, als es die Silberpfeile taten – was die Leistungen nicht schmälern soll.

Prognose

Die Scuderia ist für den Saisonauftakt also durchaus als Mitfavorit anzusehen, wenn doch die Favoritenrolle weiterhin dem Team von Toto Wolff zugeschoben wird. Der Abstand zu den Silberpfeilen dürfte aber alles andere als utopisch sein.

Somit ist über eine Saison hinweg viel möglich für Ferrari, das Potenzial bei Auto und Fahrern ist da. Es gilt, nicht wieder in alte, schlampige Muster zu verfallen, sondern konzentriert, kontinuierlich in die richtige Richtung zu arbeiten.

Sollte das gelingen, könnte die Titeldurststrecke tatsächlich nach 18 Jahren ihr Ende finden.

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