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Formel-1-Saison 2026: Enges Mittelfeld - Kann Audi überraschen?

Fünf Teams werden sich um den Titel "Best of the Rest" matchen. Mit Audi ist ein Debütant dabei - aber auch Haas konnte in den Tests auf sich aufmerksam machen.

Formel-1-Saison 2026: Enges Mittelfeld - Kann Audi überraschen? Foto: © GETTY

Die Formel 1 ist zurück!

Am Sonntag startet die Königsklasse des Motorsports mit dem Großen Preis von Melbourne (Australien). Das Rennen beginnt bereits um 5 Uhr (MEZ) im LIVE-Ticker >>>

2026 startet die Formel 1 in eine neue Ära, die Umstellung ist so groß wie nie. Die Autos werden kleiner, leichter und wendiger. Zudem verändern sich die Antriebseinheiten deutlich. Außerdem heißt es Abschied nehmen vom DRS-System. Alle Änderungen 2026 >>>

Pünktlich zum Saisonstart hat sich LAOLA1 alle Teams angesehen und eine erste Prognose und Einschätzung gewagt. In diesem Teil geht es um "Neuling" Audi, Farmteam Racing Bulls und Haas.

Teil 2: Ferrari und Mercedes als Benchmark? >>>

Teil 3: Verlieren McLaren und Red Bull Anschluss? >>>

Teil 4: Alpine und Williams - in Mercedes we trust >>>

Teil 5: Chaos-Zustand bei Cadillac und Aston Martin >>>

Audi macht im Mittelfeld auf sich aufmerksam

Endlich ist es so weit: Audi geht in der Formel 1 an den Start. Nach dem Übergangsjahr ist nun die Übernahme von Sauber vollständig abgeschlossen.

Die Ambitionen sind groß, gehören doch "die vier Ringe" im Motorsport zur Creme de la Creme der Ingenieurs-Kunst. Bis 2030 will man Meisterschaften gewinnen. Ein enger Zeitplan, aber nicht unrealistisch: Konkurrenz Mercedes hat es im selben Zeitraum geschafft, ein Weltmeister-Team zu formen.

Während Audi in den Testfahrten recht solide aussieht, dürfte man sich sogar Hoffnungen auf einen Platz im Mittelfeld machen – speziell weil die Konkurrenz schwächelt.

Die Eckdaten

  • Gegründet: 2026 (Zuvor Sauber)

  • Rennen: 0

  • Bestes Ergebnis Konstrukteurs-WM: keine

  • Bestes Ergebnis Fahrer-WM: keine

  • Letzter Sieg: keiner

  • Motor: Audi AFR 26 Hybrid

  • Chassis: Audi R26

Neues Team, alte Gesichter

Neues Team, alte Gesichter
Jonathan Wheatley und Mattia Binotto sollen Audi bis 2030 als Doppelspitze zum Weltmeister-Team formen - im selben Zeitraum wie es einst Mercedes vorgemacht hat.
Foto: ©GETTY

Trotz der vielen Änderungen setzt man bei Audi auch auf Kontinuität. Während sich am Erscheinungsbild nahezu alles geändert hat, sitzen auf den wichtigen Positionen noch dieselben Leute.

Ex-Red-Bull-Sportdirektor Jonathan Wheatley (Teamchef) führt den Rennstall gemeinsam mit Mattia Binotto (Audi-F1-Chef) als Doppelspitze an, James Key ist für die technischen Angelegenheiten zuständig.

Auch auf Fahrerseite setzt man auf Kontinuität: Wie im Vorjahr sitzen Nico Hülkenberg und Gabriel Bortoleto in den Cockpits. Die perfekte Mischung aus Erfahrung und "jugendlicher" Unbekümmertheit.

Hülkenberg fährt – mit Unterbrechung – seit 2010 in der Formel 1. In Silverstone hat er 2025 seinen ersten, längst überfälligen, Podestplatz eingefahren.

An seiner Seite fährt eines der größten Talente im Fahrerfeld: Der 21-jährige Brasilianer hat in seiner Rookie-Saison durchaus zu überzeugen gewusst. Was nicht sonderlich überraschend kommt: Immerhin hat Bortoleto davor hintereinander erst die Formel 3 und anschließend die Formel 2 jeweils in seiner ersten Saison gewonnen.

Saison

Punkte

Platzierung

2025

92

6.

2024

46

8.

2023

25

8.

2022

35

9.

2021

142

6.

In den vergangenen Jahren ist Sauber zumeist am Ende des Feldes zu finden gewesen. Vier Mal ist man in den letzten fünf Saisonen im Endklassement nicht über Platz neun hinausgekommen – einzige Ausnahme stellt 2022 dar.

Da hat man die Regelrevolution gut hinbekommen. Am Ende ist man starker Sechster bei den Konstrukteuren geworden. Danach ist man aber wieder etwas abgefallen. Immerhin hat Sauber 2025 die meisten Punkte seit 2012 gesammelt.

Zero-Pod-Konzept

Audi überrascht bei seinem Boliden in manchen Belangen: Die Seitenkästen erinnern vorne ein wenig an das Zero-Pod-Konzept von Mercedes im Jahr 2022, allerdings geht dieser weiter hinten in die Breite. Zudem schwimmt man bei den Flügelverstellungen etwas gegen den Strom.

Bei der Aufhängung hat man sich dagegen sowohl vorne als auch hinten für Push-Rods entschieden.

Gespannt darf man auch schon auf den Motor sein: Die "Horch"-Autos gehen mit einem eigens gefertigten Aggregat an den Start. Motoren von neuen Herstellern sind nicht selten eine Wundertüte. Allerdings nimmt Audi viel Erfahrung aus anderen Rennserien mit – speziell was Hybrid-Motoren betrifft.

So liefen die Testfahrten

So liefen die Testfahrten
"Die vier Ringe" liefern solide Tests vor Saisonstart ab - im Mittelfeld scheint man um Punkte fahren zu können.
Foto: ©GETTY

Perfekt gelaufen sind die Testfahrten nicht, im Gegensatz zur Konkurrenz aber doch recht erfolgreich.

In Barcelona hat man beim Shakedown an den ersten beiden Testtagen insgesamt nur 95 Runden abgespult. Während Williams gar nicht und Aston Martin am letzten Drücker aufgetaucht ist, haben "die vier Ringe" am letzten Tag 148 Runden gedreht.

Bei den offiziellen Tests in Bahrain hatte Audi zu Beginn noch Probleme beim Handling, hat das aber in Woche zwei in den Griff bekommen. Außerdem scheint auch die Zuverlässigkeit des Wagens mitzuspielen. Einzig der Start bereitet dem Team noch Kopfzerbrechen.

Die Rundenzeiten können sich absolut sehen lassen: Am Ende klassiert man sich genau im Mittelfeld – Cadillac, Aston Martin und Williams dürfte man definitiv hinter sich lassen, mit dem restlichen Mittelfeld scheint man auf Augenhöhe zu sein.

Prognose

Die Testfahrten sind nicht fehlerlos über die Bühne gegangen, am Ende scheint man aber auf Augenhöhe mit Alpine und Haas im vorderen Mittelfeld zu liegen. Damit sollte man sogar um Punkte fahren können. Podestplätze scheinen aber eher außer Reichweite zu liegen.

Dass man im Mittelfeld liegt, hat aber auch etwas damit zu tun, dass die Konkurrenz schwächelt. Speziell Williams und Aston Martin haben keinen guten Eindruck hinterlassen.


Racing Bulls: Mehr als nur ein Farmteam?

Der ganz große Wurf blieb bislang aus. Vier Mal Rang sechs in der Konstrukteurs-WM markierten bisher das höchste der Gefühle.

Das Visa Cash App Racing Bulls Formula One Team geht 2026 in seine bereits 21. Saison. Seit der Gründung 2006 hat sich das Team mehrfach umbenannt, von Scuderia Toro Rosso, über Alpha Tauri bis zu den heutigen Racing Bulls.

Die Idee aber blieb immer dieselbe: Talente für Red Bull Racing ausbilden.

Für Max Verstappen und Sebastian Vettel war das Team einst das Sprungbrett zu Weltmeister-Karrieren. Doch genau darin liegt auch das strukturelle Spannungsfeld: Wer ausbildet, denkt langfristig – nicht zwingend in Podestserien.

In bislang 398 F1-Rennen gelangen nur zwei Siege – der letzte durch Pierre Gasly 2020 in Monza. Bis heute eine Sternstunde.

Die Eckdaten

  • Gegründet: 2006

  • Rennen: 398

  • Bestes Ergebnis Konstrukteurs-WM: Viermal Platz 6 (zuletzt 2025)

  • Bestes Ergebnis Fahrer-WM: Platz 7 (2019)

  • Letzter Sieg: Monza 2020 (Gasly)

  • Motor: Red Bull Ford 1.6 V6 Hybrid

  • Chassis: Racing Bulls VCARB 03

Einziger Rookie im Fahrerfeld

Einziger Rookie im Fahrerfeld
Der VCARB 03 besticht wieder in schönem weiß.
Foto: ©Red Bull Content Pool

Im Cockpit heißt es weiter "Jugend forscht". Nach dem Aufstieg von Isack Hadjar übernimmt Liam Lawson die Führungsrolle. Er gilt intern als reif genug für den nächsten Schritt – Konstanz wird nun zur entscheidenden Währung.

Neben ihm erhält Arvid Lindblad seine große Chance. Der 18-Jährige überzeugte in der Formel 2 und gewann in Jeddah das Sprintrennen – als jüngster Sieger der F2-Geschichte. Talent ist reichlich vorhanden.

An der Spitze des Teams agiert weiter der Österreicher Peter Bayer als Geschäftsführer. Teamchef ist seit dem Abgang von Laurent Mekies der Brite Alan Permane. Technisch ziehen Jonathan Eddolls und Ben Butler die Fäden, Marco Perrone ist der Teammanager.

Saison

Punkte

Platzierung

2025

70

9.

2024

4

10.

2023

16

9.

2022

55

6.

2021

13

9.

Nach einem deutlichen Rückschritt 2022 und 2023 gelang zuletzt wieder ein klarer Aufwärtstrend. 92 Punkte und Rang sechs 2025 waren ein Schritt in Richtung Stabilität – auch wenn der Abstand zu den Topteams weiterhin deutlich blieb.

Technischer Neustart mit Fragezeichen

Wie das Schwesternteam gehen die Racing Bulls 2026 ebenfalls mit dem neuen Red-Bull-Ford-Antrieb an den Start.

Das Auto überzeugte bei den Testfahrten mit hoher Laufzeit und geringen Zuverlässigkeitsproblemen. Speziell in einem neuen Motorzyklus ein enorm positives Signal.

Das Auto wirkte fahrerisch anspruchsvoller als sein Vorgänger. Instabilität beim Anbremsen langsamer Kurven sowie Schwierigkeiten im Energiemanagement der neuen Antriebseinheit kosteten Rundenzeit. Gerade im Hybrid-Zeitalter kann saubere Energierückgewinnung entscheidend sein – hier besteht noch Feinarbeit.

So liefen die Testfahrten

So liefen die Testfahrten
Arvid Lindblad ist 2026 der einzige Rookie im Fahrerfeld.
Foto: ©GEPA

Mit 1.052 absolvierten Runden befand sich der Racing Bull nach den Barcelona- und Bahrain-Tests im Mittelfeld.

In Bahrain spulte Lindblad mit 654 Runden nach George Russell die meisten aller Piloten ab. Dabei ging es primär um die Stabilität beim Bremsen und das Energiemanagement.

Auf eine Runde ließ sich das Team nicht wirklich in die Karten schauen. Der Rookie war mit seiner schnellsten Zeit knapp zwei Sekunden langsamer als Charles Leclerc. Teamkollege Liam Lawson war gar nochmal vier Zehntel dahinter.

Prognose

Racing Bulls dürften sich erneut im dichten Mittelfeld wiederfinden. Der Aufwärtstrend aus 2025 ist erkennbar, doch die direkte Konkurrenz – etwa von Alpine, Haas oder Williams– schläft nicht.

Der Rookie-Faktor kann beflügeln – oder wertvolle Punkte kosten. Entscheidend wird sein, wie schnell Lindblad das Niveau adaptiert und wie konstant Lawson als Teamleader performt.

Realistisch erscheint derzeit Rang sieben in der Konstrukteurs-Wertung.

Kein großer Wurf, aber ein weiterer stabiler Schritt für ein Team, dessen eigentliche Aufgabe nicht Dominanz, sondern Entwicklung ist.


Haas: Zeit für den nächsten Schritt?

"Ich glaube nicht, dass derzeit jemand genau weiß, wo er steht", sagte Haas-Teamchef Ayao Komatsu im Rahmen der Testfahrten in Bahrain. Der Saisonauftakt ist für fast alle ein Start ins Ungewisse, vor allem im Mittelfeld geht es sehr eng zur Sache.

Seit der Japaner im Jahr 2024 das Ruder beim amerikanischen Rennstall übernommen hat, geht es kontinuierlich bergauf.

Mit dem mittlerweile erfahrenen Esteban Ocon und Ferrari-Youngster Oli Bearman verfügt Haas über ein stabiles Duo, zudem wirkt der Motor von Ferrari nach den Tests stark.

2026 will das Team nun den nächsten Schritt machen und endlich konstant punkten.

Die Eckdaten

  • Gegründet: 2016

  • Rennen: 214

  • Bestes Ergebnis Konstrukteurs-WM: Fünfter (zuletzt 2018)

  • Bestes Ergebnis Fahrer-WM: Neunter (zuletzt 2018)

  • Letzter Sieg: Keiner

  • Motor: Ferrari 1.6 V6

  • Chassis: Haas VF-26

Youngster versus Erfahrung

Youngster versus Erfahrung
Der VF-26 erstrahlt wie gewohnt in weiß.
Foto: ©Haas F1

Auch bei Haas herrscht wie oben erwähnt Stabilität im Cockpit. Ocon geht in seine zweite Saison beim amerikanischen Rennstall und in seine insgesamt elfte F1-Saison.

Neben ihm darf sich erneut Youngster Bearman beweisen, der bereits in der Vorsaison auf Augenhöhe mit seinem Teamkollegen agierte und diesen am Ende sogar um drei Punkte schlagen konnte.

An der Spitze des Teams geht Teamchef Ayao Komatsu in seine dritte Saison. Der Nachfolger von Günther Steiner macht seit seinem Antritt einen sehr guten Job und hat Haas konstant nach vorne entwickelt. Technischer Direktor ist Andrea de Zordo.

Saison

Punkte

Platzierung

2025

79

8.

2024

58

7.

2023

12

10.

2022

37

8.

2021

0

10.

Die Entwicklung zeigt konstant nach oben. Während man 2021 noch punktelos blieb, holte man im vergangenen Jahr sogar 79 Punkte. Setzt sich der Trend so fort, wird Haas 2026 erneut regelmäßig in den Punkten zu finden sein.

Der nächste Schritt?

Nach Jahren des Hinterherfahrens will Haas endlich den nächsten Schritt in der Königsklasse des Motorsports setzen.

Mit Toyota Gazoo Racing hat der Rennstall seit dieser Saison auch einen neuen Titelpartner an der Seite. Der VF-26 präsentiert sich dadurch noch weißer – im Fokus stand aber mehr eine Evolution als eine Revolution.

Für zusätzlichen Auftrieb sorgt die Power Unit von Ferrari, die bei allen Kundenteams in den Testfahrten einen starken Eindruck hinterlassen hat.

So liefen die Testfahrten

So liefen die Testfahrten
Haas vertraut auch 2026 auf Esteban Ocon und Oli Bearman.
Foto: ©GEPA

Das Team hinterließ bei den Tests einen positiven Eindruck, agierte aber noch zurückhaltend und verzichtete auf spektakuläre Rundenzeiten.

Besonders in Sachen Zuverlässigkeit sei ein klarer Fortschritt gelungen, ebenso beim Verständnis fürs Energie-Management und Set-up.

Tatsächlich spulte Haas beinahe so viele Kilometer wie Mercedes ab – es fehlten lediglich 84 Kilometer auf die Spitze der Laufleistungs-Wertung. In den Zeitenlisten bewegte man sich konstant im Mittelfeld. Der Fokus lag klar auf dem Sammeln von Daten.

Prognose

Haas wirkt 2026 zuverlässig, unspektakulär – und strukturell gefestigt. In einem Feld, in dem viele Teams neue Konzepte integrieren, könnte genau diese Stabilität zum Vorteil werden.

Die Ferrari-Power-Unit scheint stark, das Fahrerduo ausgewogen, die Arbeitsweise klar. Ein fünfter Platz in der Konstrukteurswertung wäre ambitioniert, aber nicht völlig unrealistisch, sollte das Mittelfeld eng zusammenbleiben.

Realistischer erscheint jedoch Rang acht – mit Außenseiterchancen, sich zeitweise an die Spitze der Verfolgergruppe zu setzen.

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