Die Rückperspektive ändert aber nichts an der Einschätzung. "Wenn mir jemand sagt, dass er das nicht gemacht hätte: Derjenige hat keine Ahnung. Was ich mir am Radio anhören musste. Und vor dem Rennen hatten wir nicht über die Situation gesprochen."
Im Gegenteil: Im Jahr zuvor schenkte Barrichello noch den zweiten Platz her. Und fragte schließlich bei den Ferrari-Chefs, ob diese Bitte auch im Kampf um einen Sieg gekommen wäre. Die Antwort: "Wenn du führst, würden wir nie danach fragen."
Der Sitz sitzt noch
Es ist Vergangenheit. Aber Barrichello darf am Sonntag einen Teil dieser Geschichte in die Gegenwart hieven - den guten Part.
Bei der schon traditionellen "Legend's Parade" wird er noch einmal den F2002 um den Ring jagen. Den Hauptprotagonisten dieses Tages vor 24 Jahren.
"Am glücklichsten war ich, als ich noch in meinen Sitz gepasst habe. Es ist zwar ein bisschen eng geworden, aber es ist immer noch gut", strahlt "Rubinho".
Und ist damit Teil eines Events, das viele Epochen verbindet. Beim Ferrari 312T von Niki Lauda wird der Brasilianer in seine eigene Kindheit versetzt. Am liebsten würde er dort einsteigen.
V10-Power vom Kritiker der neuesten Autos
Es wird vor allem die jüngeren Fans in eine vergangene Epoche entführen, während um die neueste bekanntlich Diskussionen herrschen. Da muss auch Barrichello kritisch sein.
Seit seinem Karriereende 2011 habe sich die Formel 1 stets weiterentwickelt, nach dem "Peak" vor zwei Jahren sei für ihn nun Nachbesserungsbedarf gegeben.
"Ich habe es wirklich nicht gemocht, als sie bei der 130R in Suzuka statt mit 350 nur mit 330 durch sind, weil der Motor nicht mehr mitmacht. Highspeed-Kurven müssen Highspeed-Kurven bleiben", ist er Traditionalist genug, auf ein Comeback der V8-Motoren zu hoffen: "Ich würde ja sofort wieder einen V10 reinwerfen!"
Aber: "Nigel Mansell hat 1989 das semi-automatische Getriebe probiert und es hat zehn Jahre gedauert, bis das auf die Straße kam. Also vielleicht ist es ja ein gutes Experiment für die Straßenautos von morgen."
Eine verhinderte Hollywood-Karriere
Auch die Zugänglichkeit der Formel 1 im Social-Media-Zeitalter gefällt Barrichello: "Wenn es Netflix 2002 schon gegeben hätte, wäre ich in Hollywood gelandet!"
Schließlich gehe es am Ende des Tages darum, Leidenschaft und Emotion zu transportieren.
"Etwa die Emotionen in den Augen der Mechaniker, als sie mich gesehen haben. Darum geht es im Leben."
Auch das will er mit seinen Runden im Nostalgie-Ferrari vermitteln. Sie seinen Söhnen weiterzugeben, hat schließlich auch geklappt: Eduardo und Fernando sind Rennfahrer, Zweiterer sogar in Spielberg unterwegs - in der Formel 3.
Und schließlich, zum Abschluss, hat Barrichello auch der Spielberg-Affäre etwas Gutes abzugewinnen: "Die Radio-Konversationen werden dank dieses Tages jetzt übertragen, also hat sich auch etwas positiv geändert."