Lauda über Rindt: "Wer ist der Irre?"

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Dass Jochen Rindt, dessen Todestag sich am Samstag zum 50. Mal jährt, als Mensch und Rennfahrer eine Ausnahmeerscheinung war, wird wohl von niemandem bezweifelt.

Aber warum machte der deutsche Staatsbürger, Ur-Steirer (seit seinem zweiten Lebensjahr) und Pilot mit österreichischer Lizenz derartigen Eindruck?

Einige der damals noch "jungen (oder jüngeren) Wilden", die den im Alter von 28 Jahren in Monza tödlich verunglückten Rindt begleiteten, erinnern sich noch genau an die viele Episoden.

Bernie Ecclestone, der spätere Alleinherrscher der Formel 1 von Ende der 1970er-Jahre bis 2017, hatte seine eigene Rennfahrerkarriere längst beendet, als er mehr und mehr zum Manager wurde. Und er galt allgemein als Betreuer und Partner von Rindt, war Miteigentümer des Formel-2-Teams.

"Jochen war ein sehr guter Freund und ein supernetter Typ", sagt der 89-Jährige. Und er überrascht auf die Frage nach seiner Einschätzung von Rindts Talent mit einer gewagten Hypothese: "Jochen hätte so viele Weltmeisterschaften wie Michael Schumacher gewinnen können."

In der gemeinsamen Arbeit hatten die beiden laut Ecclestone "ein Superverhältnis ohne irgendwelche Probleme". Und was von Jochen auf die Nachwelt weiterwirke, beschreibt er so: "Er war, wie Rennfahrer sein sollten: In Hochform unerreichbar."

Das größte Talent aller Zeiten?

Ron Dennis (73), Ex-McLaren-Gruppenvorstandschef mit einem Vermögen von 480 Millionen Euro und dem Orden des "Commander of the British Empire" dekoriert, war von 1966 bis 1968 Rindts Mechaniker bei Cooper und Brabham. "Zuallererst war Jochen ein extrem schneller Pilot, aufregend, fast furchterregend flott. Er war jedoch auch ein wenig arrogant. Nicht unfreundlich, eher erheiternd. Er wusste um seinen Stellenwert im Sport. Was mir am meisten in Erinnerung blieb, ist auf jeden Fall seine natürliche Schnelligkeit."

Und Dennis meint sogar: "Wenn Jochen persönlich in Hochform war, war er praktisch unerreichbar. Es ist nicht fair, Fahrer verschiedener Epochen zu vergleichen, aber man kann durchaus sagen: Jochen wäre in jeder Ära extrem erfolgreich gewesen."

Seine Gegner hatten jede Menge Respekt für Rindt. Der dreifache Weltmeister Jack Brabham (1926-2014), den Rindt 1970 in Monaco bei seiner Aufholjagd so unter Druck gesetzt hatte, dass der Australier den vermeintlich sicheren Sieg in der letzten Kurve wegschmiss, meinte: "Jochen war das größte Naturtalent, das mir je untergekommen ist."

Jochens "Cigarette Man"

In Rindts Lotus-Jahren (1969/70) war der Engländer Michael "Herbie" Blash (heute 71) Rindts Mechaniker bei Lotus. "Was mich am meisten beeindruckte: Jochen konnte in jedem Auto und auf jeder Strecke auf Anhieb schnell sein", sagt der langjährige FIA-Observer und F1-Sicherheitschef.

Und was ihm an Jochen noch auffiel: "Er war eine Spielernatur, er war auch im Pokern stark - das verband ihn mit Bernie. Aber Jochen war auch immer bodenständig, kein Star im heutigen Sinn. Für unseren Teamchef Colin Chapman war Rindt der ideale Pilot."

(Text wird unterhalb fortgesetzt)

Blash verheimlicht auch nicht seine Rolle als damaliger Jungspund bei Lotus: "Ich war Jochens cigarette man. Musste immer Zigaretten und Feuerzeug dabeihaben. Wenn er nach einem Test oder Training aus dem Auto stieg, war er kein technischer Tüftler. Er erklärte Colin (Teamchef Chapman, Anm.) und Maurice (Technikdirektor Philippe), was das Auto machte. Und dann setzte er sich in die Box und rauchte eine Zigarette."

Laudas beeindruckende Erinnerungen

Bemerkenswerte Erlebnisse hatte auch der junge Niki Lauda mit Rindt. Er erzählte einmal: "1968, ich war 19, fuhr ich meine ersten Bergrennen im Mini, war ein unbekannter Anfänger. Im Herbst machte Jochen in Wien-Aspern eine Präsentation für seine kommende Rindt-Show. Ich stand hinter dem Zaun unter Journalisten, als er auf mich zukam und mich ansprach. Dabei kannten wir einander bis dahin gar nicht. Aber er wusste schon Bescheid. Das hat mich schwer beeindruckt."

Als Rindt in Brands Hatch 1970 den britischen GP gewann, fuhr Lauda dort das Formel-3-Rennen. "Ich schaute beim F1-Training in einer Kurve zu. Da kam einer im Regen mit unheimlichem Speed völlig quer daher. Ich dachte mir nur: 'Wer ist der Irre?'. Es war Rindt. Ich sehe die Szene vor mir, als wäre sie gestern gewesen."

Textquelle: © LAOLA1.at

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