Zeit für Zidane
Und was das für eine letzte Etappe war. Nicht nur aufgrund des letzten Spiels, bei dem Deschamps am liebsten acht statt nur vier Spieler in der Halbzeit ausgewechselt hätte. Die WM wurde auch vom Tod seiner Mutter überschattet. "Meine persönliche Situation, die ich niemandem wünsche, hat mich viel Energie gekostet", erklärte Deschamps.
Der "Auswähler der Mannschaft Frankreichs", wie der Nationaltrainer in Frankreich wörtlich übersetzt heißt, verabschiedete sich in den Urlaub mit seiner Familie. Sein Nachfolger ist offiziell bisher nicht verkündet worden. Doch es ist ein offenes Geheimnis, dass nun die Zeit von Zinédine Zidane gekommen ist.
Seit fünf Jahren ist der neben Michel Platini begabteste Spieler der französischen Fußball-Geschichte inzwischen ohne Job. Damals hatte Zidane bei Real Madrid aufgehört, die er zu drei Triumphen in der Champions League geführt hatte. Seitdem ist er im Wartestand, schlug lukrative Angebote aus - und hatte dabei offenbar stets die Nachfolge von Deschamps im Sinn.
Deschamps und die Schlüssel
Doch der Feingeist aus der rauen Hafenstadt Marseille hat nie öffentlich gegen seinen früheren Mitspieler geschossen. Stets äußerte er sich unterstützend. Aus dem Amt drängen wollte Zidane ihn nicht. Am 1. September, so schreibt nun die gut informierte "L'Équipe", soll der Weltmeister von 1998 seinen ersten Arbeitstag als Selectionneur haben. Einen Vertrag über vier Jahre soll der 54-Jährige erhalten.
Die Nachfolge hat auch mit Blick auf die Spielerkarriere eine ganz eigene Note. Hier der nimmermüde Deschamps, technisch nicht gesegnet, dafür mit einer herausragenden Spielintelligenz versehen. Er hat Zidane im defensiven Mittelfeld immer den Rücken freigehalten. Dort der Virtuose, dem alles so leicht zu scheinen fiel, nachdem ein eigener Trick benannt ist.
Nun muss Zidane beweisen, dass er auch in der Karriere nach der Karriere auf Augenhöhe mit Deschamps ist. Einen WM-Titel hat der scheidende Coach vorzuweisen und seiner Ansicht nach ist die Mannschaft bereit für mehr. "Alle Schlüssel sind da für das französische Team, um weitere Titel zu gewinnen und neue Höhen zu erreichen", sagte Deschamps. Worte, an denen sich Zidane wie auch an Deschamps' Erfolgen messen lassen muss.