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Zwischen Hype und Hitze - Wie in den USA auf die WM geblickt wird

Vier österreichische Auswanderer in den Vereinigten Staaten geben unmittelbar vor Turnierstart einen Stimmungscheck ab.

Zwischen Hype und Hitze - Wie in den USA auf die WM geblickt wird Foto: © IMAGO / Photo News

Endlich ist es so weit!

Die FIFA WM 2026 steht vor der Tür. Hierzulande wird dem Großereignis alleine schon wegen der ersten ÖFB-Teilnahme seit 28 Jahren entgegengefiebert, vereinzelt lassen sich aber auch skeptische Zwischentöne vernehmen.

Astronomische Ticketpreise, extrem hohe Temperaturen und nicht zuletzt die Sorge um politische Nebengeräusche im Haupt-Gastgeberland USA bewegten Fußball-Europa in den Wochen und Monaten vor der Endrunde.

Doch wie wird das vor Ort gesehen? LAOLA1 hat mit vier jungen Fußballern, die in den Vereinigten Staaten studieren und nebenbei kicken, über das anstehende Großevent und die Stimmung in ihrer Wahlheimat gesprochen.

Unsere Gesprächspartner:

Fabian Vyhnalek (25)

Fabian Vyhnalek (25)
Foto: ©GEPA

Macht momentan einen MBA in International Business an der Lynn University in Boca Raton, Florida, und spielt bei seinem Uni-Team, den Lynn Fighting Knights, College-Fußball. Für den SV Horn war der Niederösterreicher 26 Mal in der ADMIRAL 2. Liga im Einsatz.


Sebastian Zettl (24)

Sebastian Zettl (24)
Foto: ©GEPA

Schloss kürzlich sein BWL-Bachelorstudium an der Florida Atlantic University in Boca Raton, Florida ab und war gleichzeitig Kapitän seines Uni-Teams, den Florida Atlantic Owls. Für seinen Ausbildungsklub, den SK Sturm, lief er drei Mal in der ADMIRAL Bundesliga auf. Seit Anfang Juni versucht er sich als Profi in Australien.


Paul Sarac (24)

Paul Sarac (24)
Foto: ©GEPA

Ist PhD-Student in Kinesiology and Rehabilitation an der Old Dominion University in Norfolk, Virginia, und war bis vor einem Jahr in seinem Uni-Team, den Old Dominion Monarchs, aktiv. In Diensten der Kapfenberger SV machte der Steirer 20 Spiele in Österreichs zweithöchster Spielklasse.


Ljubomir Popovic (21)

Ljubomir Popovic (21)
Foto: ©GEPA

Absolviert ein Wirtschafts-Bachelorstudium an der University of Maryland in College Park, Maryland, und schnürt gleichzeitig die Schuhe für sein Uni-Team, die Maryland Terrapins. Der Vorarlberger war in Diensten des FC Dornbirn zwei Spielzeiten in LigaZwa aktiv.


Der Messi-Effekt

Generell muss betont werden, dass der Fußball in den USA am Kommen ist. Stichwort: Lionel Messi.

In Florida, wo der argentinische Superstar seit mittlerweile fast drei Jahren sportlich unterwegs ist, ist der Fußball aufgrund des großen Anteils an hispanischen Menschen in der Bevölkerung längst voll angekommen.

Das haben nicht zuletzt Fabian Vyhnalek und Sebastian Zettl mitbekommen, die in Boca Raton quasi Nachbarn waren, ehe es Zettl kürzlich nach Australien verschlug.

Gibt es einen Hype?

In Südflorida sei bereits ein gewisser Hype zu verspüren, "aber mit Europa, wenn ich die WM in Deutschland hernehme, kann man es nicht vergleichen", so Zettl.

Ähnliches berichtet Paul Sarac, der im Bundesstaat Virginia seinen PhD absolviert: "Es ist auf jeden Fall mehr Hype da als bei der Klub-WM letztes Jahr. Es kennt sich jeder ein bisschen mehr aus, man weiß, dass es bald kommt. Aber es ist nicht vergleichbar mit Europa, in meiner Uni-Bubble merkt man nicht so viel."

Ljubomir Popovic, Student an der University of Maryland, erlebt indes durchaus einen großen Hype: "Auch normale Studenten, die nichts mit Fußball zu tun haben, reden auf einmal über Fußball. Es ist schon ein Riesen-Thema, vor allem an den Unis, weil viele Mannschaften ein Camp an einer Uni haben."

Sein College habe sich darum bemüht, ähnlich wie zum Beispiel die University of California Santa Barbara, an deren Campus das ÖFB-Team gastiert, ebenfalls ein Nationalteam zu beherbergen. Dazu kam es schlussendlich nicht.

ÖFB-Spielort Dallas - "Schlimmere Hitze als dort gibt es nicht"

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Im AT&T Stadium in Dallas könnte das ÖFB-Team eine absolute Hitzeschlacht gegen Argentinien erwarten
Foto: ©IMAGO / EPA

Popovic studierte davor in Texas, an einem College unweit entfernt von Dallas, wo Österreich am 22. Juni zur lokalen Mittagszeit den Kracher gegen Argentinien spielen wird.

Er warnt: "Schlimmere Hitze und Luftfeuchtigkeit als dort gibt es eigentlich nicht."

Wirklich vorbereiten auf diese Bedingungen könne man sich nicht. "Man muss sich alles besser einteilen, darf nicht wild drauf los rennen", lautet Popovics Ratschlag.

"Ich würde den ÖFB-Kickern auf jeden Fall empfehlen, sehr, sehr viel zu trinken. Wenn du dehydriert bist, kann es schon mal sein, dass dir in der 60. ein 'Krampferl' einfährt, obwohl dir das normalerweise nicht passiert", gibt Vynhalek dem ÖFB-Team als Tipp mit.

Welche Mannschaft kann sich am schnellsten auf die Hitze einstellen?

"Gegen die Hitze hast du keine Chance. Das musst du gewohnt sein."

Sebastian Zettl

Während der Vorbereitungsphase seines College-Teams im August werde jeder Spieler drei bis vier Mal am Tag abgewogen, "da kommt es teilweise vor, dass ein Spieler während des Trainings so viel Flüssigkeit verliert, dass er danach zwei bis drei Kilo leichter ist. Also das ist echt nicht zu unterschätzen", schildert Vyhnalek.

Zettl, der immerhin drei Bundesliga-Spiele für den SK Sturm absolvierte, ergänzt: "Ich kann mich noch erinnern, als ich aus Österreich, wo ich voll im Saft gestanden bin, nach Florida gekommen bin. Die ersten zwei Wochen waren absoluter Horror."

Es ist also davon auszugehen, dass jene Nationalmannschaften bei der WM am erfolgreichsten abschneiden werden, die sich am besten auf die extremen Temperaturen und die hohe Luftfeuchtigkeit einstellen können.

"Gegen die Hitze hast du keine Chance. Das musst du gewohnt sein", so Zettl.

Hohe Ticketpreise "eher ein Thema außerhalb der USA"

Ein weiterer Kritikpunkt im Vorfeld des Turniers sind die hohen Ticketpreise, die die "dynamische Preisgestaltung" der FIFA bei vielen Spielen zur Folge hat.

"Das ist eher ein größeres Thema außerhalb der USA, hier habe ich nicht viel mitbekommen, dass sich Leute über die Preise beschweren", erzählt Popovic.

Ähnliches haben auch Vynhalek und Zettl wahrgenommen. Letzterer sagt zur Kritik an den Ticketpreisen: "Das kommt eigentlich mehr aus den Ländern, wo der Kapitalismus nicht so eine große Rolle spielt."

Soziale Selektion im Fußballstadion

"Dann sind nur Leute im Stadion, die halt einmal ein WM-Spiel gesehen haben wollen."

Sebastian Zettl

Zettl persönlich ist dieses Modell allerdings ein großer Dorn im Auge: "Du verlierst die wirklich leidenschaftlichen Fans, die sowieso schon nur kratzen, dass sie irgendwie ein Ticket kriegen. Dann sind nur Leute im Stadion, die halt einmal ein WM-Spiel gesehen haben wollen."

In den US-amerikanischen Sportstadien grassiert generell eine Art soziale Selektion. "Sogar im College-Sport sind Getränke und Essen im Stadion und auch die Tickets sehr teuer", weiß Sarac.

Er habe sehr wohl wahrgenommen, "dass die Amerikaner es auch extrem scharf sehen, wie hoch die Ticketpreise bei der WM sind", so Sarac, der bei den Österreich-Spielen gegen Jordanien und Algerien live im Stadion die Daumen drücken wird.

Die Vorfreude ist dennoch riesig

Bei all den negativen Aspekten, die bis jetzt aufgeführt wurden, gilt es zu betonen, dass all unsere Gesprächspartner beim zum Großteil in ihrer Wahlheimat ausgetragenen Großturnier von einem riesigen Fußballfest ausgehen.

"Fußball wird immer größer, das merkt man richtig. Die Leute im Land machen sich sehr große Hoffnungen und haben auch einen Hype um die eigene Mannschaft, weil fast der ganze Kader in Europa in den Top-Ligen spielt", erklärt Popovic in Bezug auf das US-Nationalteam.

Dieses sei bei der WM eine "Wundertüte", findet Vyhnalek: "Sie können Gruppenerster werden. Wenn du dann einen Run im eigenen Land hast, gehst du nochmal mit fünf, sechs Prozent mehr in jedes Spiel."

Nicht zuletzt die US-amerikanische Mentalität könnte dabei helfen: "In Amerika wird jedem eingetrichtert: 'The sky ist the limit.' Du kannst alles erreichen, wenn du Gas gibst."

"Mir fällt kein Land ein, wo mehr Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden"

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Ist die WM bei US-Präsident Trump in sicheren Händen?
Foto: ©IMAGO / UPI Photo

Bedenken bezüglich politischer Nebengeräusche oder mangelnder Sicherheit haben unsere Gesprächspartner nur wenige.

"Mir würde kein Land auf der ganzen Welt einfallen, wo mehr Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden", so Vyhnalek.

Einem US-amerikanischen Sommermärchen sollte also nichts im Wege stehen – wenngleich die Schattenseiten, wie die mancherorts gesundheitsgefährdende Hitze, die teils kaum leistbaren Tickets sowie der Umstand, dass sich der Hauptgastgeber in einem aktiven Krieg mit einem anderen Teilnehmerland befindet, nicht unerwähnt bleiben sollen.

Ranking: Die WM-Trikots der 48 Teilnehmer



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