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Weltmeister-Fluch? So performten die letzten 10 Titelverteidiger

Seit 1962 ist es keinem Land mehr gelungen, seinen Fußball-WM-Titel zu verteidigen. Tatsächlich scheiterten die meisten Titelträger auf eher peinliche Art.

Weltmeister-Fluch? So performten die letzten 10 Titelverteidiger Foto: © IMAGO/Marca/Ulmer/PUX/Sven Simon/KI

Einen WM-Titel zu holen, ist bereits schwierig genug. Diesen vier Jahre später auch noch zu verteidigen, scheint oftmals eine unlösbare Aufgabe zu sein.

Einige Länder waren knapp dran, für andere Titelverteidiger endete die folgende WM wiederum in einem Desaster.

Mit Italien (1934, 1938) und Brasilien (1958, 1962) schafften es zwei Länder, ihren WM-Titel bei der folgenden Endrunde zu wiederholen - somit liegt die letzte erfolgreiche Titelverteidigung aber bereits 64 Jahre zurück.

Kein gutes Omen also für Österreichs WM-Gruppengegner Argentinien? Wir haben die letzten zehn WM-Titelverteidigungen genauer unter die Lupe genommen.

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Italien

1982: Weltmeister

1986: Out im Achtelfinale

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Ein veraltetes Italien verzweifelt in Mexiko
Foto: ©IMAGO / Sven Simon

Die "Squadra Azzurra" setzt vier Jahre nach ihrem dritten WM-Titel auch 1986 in Mexiko beinahe auf den identischen Kader.

Allerdings haben viele Spieler bereits ihren Zenit überschritten. Den Denkzettel dafür bekommt Italien schonungslos verpasst.

Mit viel Minimalismus und nur einem mühsamen Sieg in der Gruppenphase gegen Südkorea (3:2) zieht Italien ins Achtelfinale ein. Einzig ein 1:1 gegen den späteren Weltmeister Argentinien ist respektabel.

Ziemlich chancenlos scheidet Italien danach aber im Achtelfinale aus. Im Aztekenstadion in Mexiko-Stadt unterliegt man Frankreich mit 0:2.


Argentinien

1986: Weltmeister

1990: Finale

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Maradona und Co. scheitern erst im Finale an der Titelverteidigung
Foto: ©IMAGO / Norbert Schmidt

Für die "Albiceleste" beginnt die WM 1990 in Italien mit einem Schock. Eine sensationelle 0:1-Niederlage im Eröffnungsspiel gegen Kamerun sorgt sofort für großen Druck.

Dank eines 2:0-Erfolgs über die Sowjetunion und einem 1:1 gegen Rumänien retten sich Maradona und Co. als Gruppendritter aber ins Achtelfinale.

Auch der folgende 1:0-Sieg im Achtelfinale gegen Dauerrivale Brasilien ist eher schmeichelhaft. Äußerst glücklich und mit großem Fokus auf die Defensive gelingt Argentinien nach zwei Elfmeterkrimis gegen Jugoslawien und Italien allerdings erneut der WM-Finaleinzug.

Im Endspiel trifft Argentinien, wie bereits 1986, auf Deutschland. Diesmal hat man den Deutschen jedoch nicht entgegenzusetzen. Nach zwei legendären Platzverweisen für Pedro Monzón und Gustavo Dezotti unterliegt die "Albiceleste" nach einer blassen Vorstellung 0:1.


Deutschland

1990: Weltmeister

1994: Out im Viertelfinale

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Deutschland blamiert sich in den USA auf und neben dem Platz
Foto: ©IMAGO / Sven Simon

Deutschland reist 1994 erstmals seit der Wiedervereinigung als Gesamt-Deutschland zu einer WM - neben den Weltmeistern von 1990 umfasst der DFB-Kader vier Jahre später also auch DDR-Topspieler wie Matthias Sammer.

Dass Ex-Teamchef Franz Beckenbauer seinen Posten mit den Worten räumt, dass Deutschland nach der Wiedervereinigung "über Jahre hinaus nicht zu besiegen" sei, erleichtert die Aufgabe für seinen Nachfolger Berti Vogts nicht wirklich.

Interne Unruhen, die mit dem "Stinkefinger" von Stefan Effenberg ihren Höhepunkt erreichen, helfen dem Unterfangen Titelverteidigung ebenso wenig.

Bei der WM in den USA startet Deutschland mit zwei eher behäbigen Leistungen und knappen Siegen gegen Bolivien (1:0) und Südkorea (3:2) in die Vorrunde. Dennoch führt ein 1:1 gegen Spanien zum Gruppensieg.

Ein weiterer knapper 3:2-Sieg über Belgien bringt die DFB-Elf zwar ins Viertelfinale, doch dort blamiert sich Deutschland gegen den großen Außenseiter aus Bulgarien mit 1:2 und scheidet aus.


Brasilien

1994: Weltmeister

1998: Finale

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Brasilien verpasst erst im Finale die Titelverteidigung
Foto: ©IMAGO / Norbert Schmidt

Brasilien reist 1998 mit einem womöglich besseren Kader zur WM nach Frankreich als jenem, der vier Jahre zuvor Weltmeister wurde.

Der Topstar der "Selecao" ist Ronaldo, der mit seinen 21 Jahren bereits der beste Stürmer der Welt ist und der große Hoffnungsträger Brasiliens.

Gegen Schottland (2:1) und Marokko (3:0) startet die Mission Titelverteidigung mit zwei Siegen, auch wenn das letzte Gruppenspiel gegen Norwegen (1:2) verloren geht, gibt es wenig Unruhe.

Ein souveräner 4:1-Sieg im Achtelfinale über Chile, bei dem Ronaldo zwei Tore beisteuert, bringt Brasilien ins Viertelfinale. Mit etwas Glück und Geschick zittert man sich im Anschluss mit 3:2 gegen Dänemark ins Halbfinale, wo dann auch die Niederlande im Elfmeterschießen bezwungen wird.

Mit der Titelverteidigung wird es trotzdem nichts: Im Finale setzt es für Brasilien eine überraschend deutliche 0:3-Niederlage gegen Gastgeber Frankreich.

Ein großes Fragezeichen ist bis heute die Situation um Ronaldo, der vor dem Finale aufgrund eines nicht näher definierten Anfalls ins Krankenhaus muss, zwar zum Einsatz kommt, im Endspiel aber nur wie ein Schatten seiner selbst wirkt.


Frankreich

1998: Weltmeister

2002: Out in Gruppenphase

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Ohne ein einziges Tor scheitert Frankreich in der Vorrunde
Foto: ©IMAGO / Ulmer

Frankreich erlebte um die Jahrtausendwende die beste Zeit seiner Nationalteam-Historie, wird nach dem Weltmeistertitel 1998 auch Europameister 2000. Die folgende WM-Endrunde verläuft allerdings blamabel.

Zunächst wird die "Equipe Tricolore" von Senegal beim Eröffnungsspiel mit einer 0:1-Pleite geschockt.

Nach einer kampfbetonten Partie und einem frühen Platzverweis von Thierry Henry schafft es Frankreich im zweiten Gruppenspiel gegen Uruguay nicht über ein 0:0 hinaus.

Somit ist Frankreich im letzten Gruppenspiel gegen Dänemark zum Siegen verdammt. Zinedine Zidane kann dabei erstmals nach auskuriertem Muskelfaserriss in das Turnier eingreifen. Trotzdem muss sich der amtierende Weltmeister nach einer 0:2-Niederlage bereits in der Vorrunde aus der WM in Südkorea und Japan verabschieden.

Die Franzosen bleiben dabei in allen drei Gruppenspielen ohne einen eigenen Torerfolg. Somit ist auch Trainer Roger Lemerre nach der WM Geschichte.


Brasilien

2002: Weltmeister

2006: Out im Viertelfinale

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Der große Favorit verzweifelt ohne Teamgeist
Foto: ©IMAGO / Sven Simon

Mit großer Zuversicht reist Brasilien 2006 zur WM-Endrunde nach Deutschland.

Die "Selecao" ist der absolute Topfavorit auf den Titel. Die Erwartungshaltung ist klar: Das "magische" Viereck mit Ronaldinho, Kaká, Ronaldo und Adriano soll für den dritten WM-Titel binnen zwölf Jahren sorgen.

Ohne den nötigen Teamgeist agiert Brasilien aber über weite Strecken des Turnierverlaufs uninspiriert und ideenlos. Trotzdem sichert sich das Star-Ensemble nach Pflichtsiegen über Kroatien (1:0), Australien (2:0) und Japan (4:1) den erwartbaren Gruppensieg.

Im Achtelfinale lässt Brasilien beim 3:0-Sieg gegen Ghana aber plötzlich einmal die große individuelle Klasse aufblitzen.

Es ist jedoch nur ein kurzes Aufflackern: Im Viertelfinale enttäuscht Brasilien gegen Frankreich (0:1) und muss den Titeltraum begraben.


Italien

2006: Weltmeister

2010: Out in Gruppenphase

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Das WM-Drama der Italiener nimmt seinen Lauf
Foto: ©imago sportfotodienst

Wie 1986 vertraut auch Marcello Lippi (Weltmeister-Trainer 2006) bei der Mission Titelverteidigung auf altbewährte Kräfte. Doch erneut scheitert Italien daran kläglich.

Bereits zum WM-Auftakt in Südafrika muss sich Italien mit einem mühsamen 1:1 gegen Paraguay abfinden. Zudem fällt Star-Torhüter Gianluigi Buffon ab der zweiten Hälfte des ersten Gruppenspiels wegen eines Bandscheibenvorfalls für das restliche Turnier aus.

Es folgt einer der blamabelsten Auftritte eines WM-Titelverteidigers: Nur ein verwandelter Strafstoß von Vincenzo Iaquinta verhindert beim 1:1 gegen Neuseeland eine absolute Sensation.

Daher muss zum Abschluss der Gruppenphase gegen die Slowakei unbedingt ein Sieg her. Dabei wacht Italien erst nach einem 0:2-Rückstand auf. Letztlich verliert die "Squadra Azzurra" gegen den WM-Neuling mit 2:3 und scheitert als Gruppenletzter in einer vermeintlich leichten Gruppe.


Spanien

2010: Weltmeister

2014: Out in Gruppenphase

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Die Dominanz der Spanier bricht in Brasilien
Foto: ©imago / Marca

Spanien prägte den Weltfußball in den späten 2000ern und frühen 2010ern mit seinem unschlagbaren Ballbesitz-Fußball, wird 2008 Europameister, 2010 Weltmeister und 2012 abermals Europameister - bei der WM-Endrunde 2014 in Brasilien wird der "Tiki-Taka"-Stil aber gebrochen.

Obwohl man über dutzende Weltklasse-Spieler verfügt, geht Spanien im Auftaktmatch gegen die Niederlande - in der Neuauflage des WM-Finals von 2010 - mit 1:5 unter.

Nur fünf Tage danach ist das Ausscheiden der "Furia Roja" bereits besiegelt: Gegen ein gewohnt aggressives Chile verliert man 0:2.

Mit einem bedeutungslosen 3:0-Sieg über Australien verabschiedet sich Spanien einigermaßen versöhnlich aus Brasilien.

Kurz nach der WM treten unter anderem Xavi und Xabi Alonso aus dem Nationalteam zurück.


Deutschland

2014: Weltmeister

2018: Out in Gruppenphase

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Der WM-Traum der Deutschen endet in einem Debakel
Foto: ©imago / Contrast

Nach den enttäuschenden Leistungen von Italien und Spanien als WM-Titelverteidiger gelingt es auch Deutschland nicht, den "Weltmeister-Fluch" zu brechen - stattdessen schlittert man in ein ähnliches Debakel.

Bundestrainer Joachim Löw vertraut beim Kader für 2018 auf seine teilweise formschwachen WM-Helden von 2014 und gibt einigen jungen Spielern keine Chance.

Dazu kommt, dass Mesut Özil und Ilkay Gündogan noch vor WM-Start in Deutschland in die Kritik geraten, nachdem sie für Fotos mit Türkei-Präsident Recep Tayyip Erdogan posieren.

Auch sportlich läuft es nicht: Nachdem man sich Österreich im vorletzten WM-Testspiel in Klagenfurt 1:2 geschlagen geben muss, geht auch der WM-Auftakt 0:1 gegen Mexiko verloren.

Kurz macht Toni Kroos mit seinem Freistoßtreffer in der Nachspielzeit zum 2:1-Sieg gegen Schweden nochmal Hoffnung, nach einer uninspirierten 0:2-Niederlage gegen Südkorea ist das vorzeitige Aus in der Gruppenphase jedoch perfekt.

Kurz nach der WM tritt Özil aus der Nationalmannschaft zurück.


Frankreich

2018: Weltmeister

2022: Finale

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Der Traum der „Equipe Tricolore“ platzt erst im Final-Drama
Foto: ©IMAGO / Bildbyran

Keine andere Mannschaft war in den vergangenen 60 Jahren näher an der Titelverteidigung dran als Frankreich.

Die Star-Truppe um Kylian Mbappé zählt auch vier Jahre nach dem WM-Triumph in Russland zu den heißesten Eisen auf den Titel.

Mit einem 4:1 gegen Australien und einem 2:1-Sieg über Dänemark löst die "Equipe Tricolore" schon nach zwei Partien vorzeitig das Achtelfinal-Ticket.

Im Achtelfinale ist Polen mit einem 3:1-Sieg keine große Hürde. Ein 2:1-Sieg im ewigen Klassiker gegen England ebnet den Weg ins Halbfinale, wo der sensationelle Lauf Marokkos mit einem 2:0-Sieg gestoppt wird.

Damit steht Frankreich als erste Nation seit Brasilien 2002 in zwei aufeinanderfolgenden WM-Endspielen.

Im Finale heißt der Gegner Argentinien. Zwar liegt man zwischenzeitlich 0:2 bzw. 2:3 in Rückstand, Mbappé stemmt sich mit seinem Dreierpack jedoch gegen die Niederlage. Im Elfmeterschießen hat Frankreich letztlich doch das Nachsehen und verliert dieses mit 2:4.

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