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These: Österreich wäre mit etwas Losglück im WM-Viertelfinale

Hätte es das ÖFB-Team der Schweiz nachmachen können? Wird Argentinien bevorzugt? Und kann überhaupt jemand Spaniens Defensive bezwingen? LAOLA1 debattiert:

These: Österreich wäre mit etwas Losglück im WM-Viertelfinale Foto: © IMAGO / EPA

In unserem Format "Ansichtssache" versuchen wir, Meinungen, Stimmungen, Überreaktionen oder sonstige Ansichten jeglicher Art in eine These zu packen und zu analysieren.

Das kann mal provokant sein, mal eine oft gehörte Meinung. Mal sehr strittig, mal weniger. Mal eine Prognose, mal eine simple Einordnung.

Die FIFA WM 2026 biegt auf die Zielgerade ein, acht Teams kämpfen noch um die begehrte Trophäe. In der aktuellen Ausgabe geht es um das bevorstehende Viertelfinale.

Das erste Viertelfinale geht am Donnerstag mit Frankreich gegen Marokko über die Bühne. Anpfiff ist um 22 Uhr. Zum LIVE-Ticker >>>

Passend dazu hat die Redaktion die beiden LAOLA1-Redakteure Vincent Öfner und Florian Gabriel mit vier Thesen konfrontiert:

These 1: Viele strittige Schiedsrichterentscheidungen zugunsten Argentiniens: Es ist augenscheinlich, dass die FIFA Messi bei seiner letzten WM unbedingt nochmal im Finale haben will.

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Die Partie zwischen Ägypten und Argentinien löste viele Diskussionen aus.
Foto: ©IMAGO / Xinhua

Vincent Öfner:

Die Geschichte, dass die FIFA oder die UEFA Messi bevorzugen, ist gefühlt älter, als die Karriere von Messi lang ist.

Natürlich gab es einige strittige Schiedsrichterentscheidungen zugunsten der Argentinier, aber es ist leider so, dass Topteams im Zweifelsfall meistens etwas bevorzugt werden. Das ist nicht nur bei Argentinien und Messi der Fall.

Zudem waren die Schiedsrichterleistungen bei der bisherigen WM generell alles andere als überzeugend. Nur bei den absoluten Topteams ist der Aufschrei aufgrund des größeren Interesses meistens etwas größer, gerade in knappen Spielen.

Dass sich die Topteams gerade in diesen knappen Spielen am Ende auch durchsetzen, liegt oft einfach an der höheren Klasse, die mit Fortlaufen der Partie immer mehr zum Tragen kommt.

Und etwas Glück hatte Argentinien sicher auch, aber wie man schon beim FC Bayern immer sagt: "Immer Glück ist Können!"

Florian Gabriel:

Ich halte es für den völlig falschen Ansatz, nach jedem Spiel zuerst den Schiedsrichter in den Mittelpunkt zu stellen. Mittlerweile wird jede noch so kleine Entscheidung auf die Goldwaage gelegt und tagelang diskutiert. Dabei gerät oft in Vergessenheit, worum es eigentlich gehen sollte: den Fußball.

Das beste Beispiel war das Spiel gegen Ägypten. Statt über Argentiniens beeindruckende Aufholjagd vom 0:2 zum 3:2 zu sprechen, drehte sich die Diskussion fast ausschließlich um einzelne Pfiffe. Natürlich gab es auch bei dieser WM strittige Entscheidungen – aber die gehören leider seit jeher zum Fußball. Irgendjemand wird sich nach einem engen Spiel fast immer benachteiligt fühlen.

Zur eigentlichen These: Nein, ich glaube nicht, dass die FIFA Lionel Messi oder Argentinien gezielt ins Finale bringen will. Dass Topteams und große Namen in Zweifelsfällen manchmal einen kleinen Bonus genießen, ist kein neues Phänomen und keines, das ausschließlich Argentinien betrifft.

Viel kritischer sehe ich organisatorische Entscheidungen abseits des Spielfelds – etwa wenn Sperren oder Platzverweise kurz vor einem Spiel plötzlich revidiert werden. Das wirft eher Fragen auf als einzelne Schiedsrichterpfiffe während einer Partie.

These 2: Mit dem Losglück der Schweiz hätte es Österreich auch bis ins WM-Viertelfinale geschafft.

These 2: Mit dem Losglück der Schweiz hätte es Österreich auch bis ins WM-Viertelfinale geschafft.
Europameister Spanien war für das ÖFB-Team eine Nummer zu groß.
Foto: ©IMAGO / Kyodo News

Florian Gabriel:

Dieser These muss ich (leider) widersprechen – zumindest in dieser Absolutheit. Auch wenn Österreich am Ende das "Minimal-Ziel" Sechzehntelfinale erreicht hat, konnte die ÖFB-Elf in keinem Spiel vollends überzeugen.

Die Pflichtaufgabe gegen Jordanien wurde mit etwas Bauchschmerzen erfüllt, gegen Argentinien zeigte man zwar phasenweise eine ordentliche Leistung, war offensiv aber zu harmlos und bekam die individuelle Qualität von Messi nur schwer in den Griff. Die Algerien-Partie war völlig verrückt, mit einem furiosen Ende. Gegen Spanien wiederum schied man sang- und klanglos aus.

Das Fehlen von Christoph Baumgartner war in jedem einzelnen Spiel zu spüren. Ralf Rangnick probierte vieles, ersetzen konnte ihn jedoch niemand. Deshalb glaube ich nicht, dass Österreich auf dem "Schweiz-Weg" automatisch ins Viertelfinale marschiert wäre.

Wer schon auf dem eigenen Weg nur phasenweise überzeugt, kann nicht davon ausgehen, auf einem vermeintlich leichteren Turnierpfad plötzlich zum Überflieger zu werden.

Ein Gruppensieg wie jener der Schweiz wäre für Österreich jedenfalls kein Selbstläufer gewesen. Vermutlich wäre es auf ein Duell mit Kanada um Platz eins hinausgelaufen. Blickt man auf deren mögliche Gegner im Sechzehntelfinale, wäre ein Weiterkommen durchaus realistisch gewesen. Spätestens im Achtelfinale hätten mit Marokko oder Kolumbien aber Gegner gewartet, gegen die Österreich erneut an seine Grenzen gestoßen wäre.

Daher: Ja, Österreich hätte auf dem "Schweiz-Weg" wahrscheinlich eine Runde mehr machen können. Aber das verpasste WM-Viertelfinale lag nicht an der Auslosung, sondern an der eigenen Performance.

Vincent Öfner:

Da kann ich meinem Kollegen nur zustimmen. Natürlich hatte Österreich gerade mit Blick auf die Schweiz Pech bei der Auslosung, aber das ÖFB-Team konnte in keinem Spiel überzeugen.

Dafür ist das Fehlen von Baumgartner ein Grund, aber im Großen und Ganzen kann man sagen, dass niemand bis auf Alex Schlager sein Leistungsmaximum abrufen konnte, geschweige denn übertreffen. So wäre es vermutlich auch am Schweizer Weg schwer geworden.

Mit Argentinien und Spanien hatte man aus österreichischer Sicht zumindest zwei absolute Hammergegner, mit denen man sich ja bei einer WM messen will. Wenn man sich gegen diese Gegner nicht eine gute Torchance herausspielen kann, dann hat man auch nichts in einem WM-Viertelfinale verloren.

Am Beispiel Kap Verde hat man auch gesehen, wie man sich gegen Spanien und Argentinien schlagen kann. Von der Leistung der Afrikaner war das ÖFB-Team weit entfernt.

Außerdem ist Österreichs K.o.-Bilanz in den vergangenen Jahren, egal gegen welchen Gegner, nicht gerade berauschend. Somit wäre der Weg ins Viertelfinale so oder so ein weiter gewesen.

These 3: Durch die Aufstockung hatten wir bislang kaum richtige Kracher-Duelle bei dieser WM. Eigentlich muss der Fußball-Fan im Viertelfinale Frankreich, Spanien, England und Argentinien die Daumen drücken, dass wir noch welche zu sehen bekommen.

These 3: Durch die Aufstockung hatten wir bislang kaum richtige Kracher-Duelle bei dieser WM. Eigentlich muss der Fußball-Fan im Viertelfinale Frankreich, Spanien, England und Argentinien die Daumen drücken, dass wir noch welche zu sehen bekommen.
Spanien setzte sich knapp mit 1:0 gegen Portugal durch.
Foto: ©IMAGO / ZUMA Press

Vincent Öfner:

Es ist wahr, dass es bisher noch nicht viele Kracher gegeben hat. Spanien gegen Portugal war bisher das einzige Spiel, das man im Vorfeld als klassisches Kracher-Duell bezeichnen konnte.

Dass es bisher noch nicht mehr Top-Spiele gab, liegt einfach auch daran, dass einstige Giganten nicht mehr auf dem früheren Niveau agieren. Sonst hätte es im Achtelfinale bereits Deutschland gegen Frankreich gegeben.

Im Viertelfinale hätten Frankreich gegen die Niederlande und England gegen Brasilien spielen können, aber das Niveau ist in der Breite höher geworden.

Und die Aufstockung hat bewiesen, dass die Spiele mit den "Kleinen" oft unterhaltsamer sind als das hundertste Duell zwischen zwei europäischen Top-Nationen. Kap Verde gegen Argentinien wird mir auf alle Fälle eher in Erinnerung bleiben als Spanien gegen Portugal.

Daher hoffe ich auch, dass sich mindestens ein Außenseiter im Viertelfinale durchsetzen wird.

Florian Gabriel:

Ich kann dieser These durchaus etwas abgewinnen. Mir haben bei dieser WM bislang ebenfalls die ganz großen Duelle gefehlt.

Gerade die "kleineren" Nationen haben gezeigt, dass sie längst mehr sind als bloße Statisten. Trotzdem sind es am Ende meist die Topspiele, die eine Weltmeisterschaft prägen.

An Frankreich gegen Argentinien 2022 oder zahlreiche WM-Klassiker der Vergangenheit erinnert man sich Jahre später noch – nicht nur wegen der Qualität, sondern auch wegen der Geschichte und den großen Persönlichkeiten auf dem Platz.

Deshalb hätte ich nichts gegen ein Halbfinale zwischen Frankreich und Spanien sowie England und Argentinien. Überraschungen gehören zwar zum Fußball und machen den Reiz eines Turniers aus.

Irgendwann möchte man als Fan aber auch die besten Mannschaften der Welt gegeneinander spielen sehen. Genau dafür ist eine Weltmeisterschaft schließlich da.

These 4: Defense wins Championships? Wenn sich der Sager bewahrheitet, kann der WM-Titel nur über Spanien gehen.

These 4: Defense wins Championships? Wenn sich der Sager bewahrheitet, kann der WM-Titel nur über Spanien gehen.
Noch konnte niemand Unai Simon bei diesem Turnier bezwingen.
Foto: ©IMAGO / ZUMA Press

Florian Gabriel:

Ja, Spaniens Defensive ist bislang beeindruckend und kassierte als einzige des gesamten Turniers noch kein Gegentor - sie allein macht die "Furia Roja" aber noch lange nicht zum Topfavoriten.

Der große Unterschied zur Europameisterschaft 2024 ist nämlich die Balance. Damals verteidigte Spanien nicht nur hervorragend, sondern entwickelte auch die nötige Durchschlagskraft in der Offensive. Genau diese fehlt bislang.

Lamine Yamal hat seine Topform noch nicht gefunden, Nico Williams hat Verletzungsprobleme. Einzig Mikel Oyarzabal konnte, wenn auch nur gegen eher kleinere Nationen, überzeugen.

Hinzu kommt, dass Spanien mit Ausnahme von Portugal bislang auf keine echte Offensivmacht getroffen ist. Die weiße Weste ist beeindruckend, wird aber erst gegen die absoluten Topnationen zum echten Gradmesser.

So stabil die Defensive aktuell auch wirkt: Über 90 oder gar 120 Minuten lässt sich eine Offensive der Qualität von Frankreich kaum komplett neutralisieren.

Deshalb gilt für mich: Spaniens Defensive macht die "Furia Roja" zu einem Titelkandidaten. Zum Topfavoriten wird sie aber erst wieder, wenn sie die Balance aus der EM 2024 zurückfindet.

Vincent Öfner:

Natürlich, die Balance ist bei diesem Turnier noch nicht ganz da, aber Spanien hatte bisher gerade im Abschluss oft auch Pech. Und dass ausgerechnet die Defensive das Herzstück der Spanier ist, kommt wohl für die meisten überraschend.

Gerade die Innenverteidigung aus dem jungen Pau Cubarsi und dem alten Aymeric Laporte wurde im Vorfeld des Turniers oft als die Schwachstelle ausgemacht. Doch der 19-Jährige Cubarsi ist einer der talentiertesten Verteidiger der Welt und das beweist er bei dieser WM.

Zudem zeigt Rodri wieder, dass er ein Ballon-d’or-Sieger ist und einmal der beste defensive Mittelfeldspieler der Welt war.

Natürlich fehlt den Spaniern bisher die Offensivpower, die sie bei der EURO 2024 über weite Strecken zeigten, aber man kann auch eine Weltmeisterschaft ohne viele Tore gewinnen, genau das hat die "Furia Roja" schon einmal gezeigt.

Beim WM-Titel 2010 schoss das Team rund um Iniesta und Xavi gerade mal acht Tore in sieben Spielen. Jedes K.o.-Spiel gewann man mit 1:0. Mit jetzt schon neun Toren sind die Iberer bei diesem Turnier fast schon eine Offensivmacht.

Portugal war bisher der einzige große Gegner, das stimmt, aber das sieht bei den anderen Spitzenmannschaften nicht anders aus. Von allen Topnationen, die noch im Turnier sind, hatte Spanien mit Portugal auf dem Papier sicher den stärksten Gegner und das Team rund um CR7 wurde im "iberischen Derby" komplett in Schach gehalten.

Aber für den ganz großen Wurf muss sich die Offensive natürlich nochmal steigern. Lamine Yamal muss langsam zu seiner gewohnten Form finden, aber der 18-Jährige hat in seiner bisherigen Karriere bewiesen, dass er sich mit der Größe der Aufgabe steigern kann. Wenn das gelingt, ist für Spanien alles möglich.

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