Vienna-Trainer Peter Hlinka: Vorbild Stöger!

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Schon als Spieler war Peter Hlinka kein Mann der Kompromisse.

Der Slowake war schon immer fokussiert, hatte ein Ziel vor Augen - egal, ob bei Bregenz, Rapid, Augsburg, Sturm, Austria, Wacker oder im slowakischen Nationalteam.

Mittlerweile ist Hlinka kurz vor seinem 40. Geburtstag plötzlich Cheftrainer, die Wahl fiel auf den First Vienna Football Club, in der 2. Landesliga.

Eine "Wunschlösung", wie sich General-Manager Gerhard Krisch freute. Doch die Entscheidung ist Hlinka nicht leicht gefallen.

Lieber Chef in der 2. Landesliga, als Co in der 2. Liga

Nach seiner aktiven Karriere sammelte der langjährige Österreich-Legionär Erfahrungen als Sportdirektor in Tschechien bei Dukla Prag, dann zeigte er vergangene Saison als Co-Trainer beim Zweitligisten SC Wiener Neustadt an der Seite von Roman Mählich auf.

Dann stellte sich plötzlich die Zukunftsfrage: Weiterhin das Beiwagerl sein oder ab sofort selbst die erste Geige spielen? Hlinka entschied sich dafür, zum Chefbetreuer aufzusteigen, die Geschicke vollends in seine Hände zu nehmen und mit der Vienna einem Traditionsverein in Nöten zu helfen.

Dass er dafür einen Rückschritt von der zweithöchsten Spielklasse in die 2. Landesliga riskierte, stellte für den Slowaken kein großes Thema dar. Im Gegenteil, er erinnerte sich an die Anfänge der Trainerkarriere von Peter Stöger, der auch mit kleinen Schritten sich immer weiter nach oben arbeitete und unter anderem bei der Vienna oder dem GAK seine Zelte aufgeschlagen hatte, ehe ihm bei der Austria und dem 1. FC Köln der absolute Durchbruch gelang.

"Das hat mich immer gereizt und angezogen"

Deshalb begründet auch Hlinka: "Für mich spielt das keine Rolle. Peter Stöger hat selber einmal gesagt, dass es keine Rolle spielt, ob man eine Mannschaft in der deutschen Bundesliga zu betreuen hat oder in der Regionalliga in Österreich. Man hat nach wie vor 25 Spieler zur Verfügung und die musst du halt führen können. Das ist auch das, was mich immer gereizt und angezogen hat. Es war immer mein Traum, nach meiner aktiven Karriere als Trainer zu arbeiten."

Die Erwartungshaltung in Döbling ist groß. Nach der Insolvenz und dem damit verbundenen Zwangsabstieg träumen die treuen Anhänger bereits wieder von einem Durchmarsch zu altem Glanz. Hlinkas bisherige Bilanz: 6 Spiele, 5 Siege, 1 Niederlage - Tabellenzweiter mit einem Punkt Rückstand auf die FAC-Amateure. (Anm.: das 4:2 gegen den 1. Simmeringer SC wurde vom Strafausschuss des WFV am 05.09.2018 mit 0:3 strafverifiziert. Bei der Spielermeldung im Online-System unterlief ein Fehler, ein Spieler wurde technisch nicht erfasst).

Im LAOLA1-Interview spricht Hlinka über seine Gründe für den Neuanfang als Cheftrainer, was er an der Vienna schätzt, wie schnell der Traditionsverein wieder hinauf gehört und was er sich selbst für Ziele setzt.

LAOLA1: Peter, dein Weg führte dich von Wr. Neustadt zurück nach Wien. Warum hast du dich für die Vienna entschieden?

Peter Hlinka: In erster Linie war meine Entscheidung mit Wr. Neustadt verbunden, da wir den Aufstieg in die Bundesliga nicht geschafft haben. Wenn wir das geschafft hätten, hätte ich stark überlegt – das muss ich schon betonen. Aber was mich so angezogen hat, ist die Tatsache, dass mich die Leute, die am Ruder sitzen und das Sagen haben im Verein – wie Gerhard Krisch (Geschäftsführer), Kurt Svoboda (Vizepräsident) oder auch Markus Katzer als sportlicher Leiter - überzeugt haben und ein Garant sind, dass die Vienna eine sehr gute Zukunft haben kann. Natürlich hängt das mit der Arbeit zusammen, um die Vienna wieder in den höheren Ligen zu sehen. Der Anfang ist natürlich schwer, wir sind in der 2. Landesliga, was natürlich nicht viele interessiert – was ich auch verstehen kann. Wir haben die Hoffnung gehabt, dass wir vielleicht in die Stadtliga kommen, das ist uns leider nicht gelungen. Andererseits ist so ein Re-Start gar nicht so schlecht und der Verein kann wieder von Null aufbauen und alle Strukturen neu setzen. Auch sportlich, wir haben die Liga auch im letzten halben Jahr dominiert, auch wenn sie im Herbst noch in der Regionalliga gespielt haben. Das Wichtigste ist, den Verein zu stabilisieren – in jeder Hinsicht, auch sportlich, damit die sportlichen Erfolge, die sich die Vereinsführung wünscht, auch zustande kommen. Ich bin mit Markus Katzer für das Sportliche verantwortlich und es ist eine Aufgabe, die mich von Anfang an sehr gereizt hat. Auch die Tatsache, dass ich hier mit den jungen Spielern arbeiten kann. Die Mannschaft hat natürlich ihre Qualität und will hoch hinaus, aber es muss einfach gut gearbeitet werden, um das zu schaffen. Das ist auch mein Ziel. Ich sehe darin eine Challenge für mich – ich bin ein junger Trainer, das ist meine zweite Station. Von dem her sehe ich es nicht so negativ, dass wir in der 2. Landesliga spielen. Man hat Möglichkeiten, man hat Optionen, ist aber auch verantwortlich dafür, dass wir mit dem Verein wieder höher spielen werden.

LAOLA1: War es für dich eine Grundsatzentscheidung für deinen weiteren Weg? Also lieber Chef in der fünften Liga als weiterhin Assistent in der 2. Liga?

Hlinka: Natürlich spielte das eine Rolle, das gebe ich schon zu. Aber man kann es nicht verallgemeinern, es hängt auch mit anderen Faktoren zusammen. Man muss immer demütig und bescheiden bleiben. Ich habe selber gewusst, dass ich einfach meine Praxis und Erfahrungen brauche. Das ist in Wr. Neustadt passiert, es hat wunderbar funktioniert. Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen. Wir hatten große Erfolge gefeiert. Wr. Neustadt hat auch gezeigt, dass es möglich ist etwas zu schaffen, wenn man trotz schwieriger Bedingungen gut arbeitet – auch wenn schlussendlich das Ziel nicht erreicht wurde. Aber auch wenn viele Leute Wr. Neustadt negativ sehen, muss man ein bisschen hinter die Kulissen blicken, um das richtig beurteilen zu können. Das Ende war nicht so angenehm, aber im Grunde genommen haben alle Verantwortlichen hervorragende Arbeit geleistet. Das geht ein bisschen verloren aufgrund der Geschichte mit dem Lizenzierungsverfahren und dem Protest gegen St. Pölten. Aber die tatsächliche Arbeit dort hat mir schon getaugt, das war wunderbar für meine Erfahrung. Nachdem ich ein Jahr in Tschechien als Sportdirektor gearbeitet habe, wollte ich immer mehr Nähe zur Mannschaft haben und es ist einfach passiert in den letzten Monaten. Dafür bin ich dankbar, auch für die Aufgabe, die ich momentan mit Vienna zu meistern habe. Für mich spielt das keine Rolle. Peter Stöger hat selber einmal gesagt, dass es keine Rolle spielt, ob man eine Mannschaft in der deutschen Bundesliga zu betreuen hat oder in der Regionalliga in Österreich. Man hat nach wie vor 25 Spieler zur Verfügung und die musst du halt führen können. Das ist auch das, was mich immer gereizt und angezogen hat. Es war immer mein Traum, nach meiner aktiven Karriere als Trainer zu arbeiten.

LAOLA1: Die Vienna hat auch knapp den Aufstieg verpasst – so wie Wr. Neustadt. Was stimmt dich positiv, dass es dieses Jahr klappt und wie schnell muss bzw. soll die Vienna wieder rauf?

Hlinka: Man darf nicht vergessen, dass die Vienna erst ein halbes Jahr dort gespielt hat. Rene Fischer, der jetzt auch mein Co-Trainer bleibt, hat großartige Arbeit mit der Mannschaft geleistet. Sie haben im Frühjahr alle Spiele gewonnen und dominiert. Die Qualität der Mannschaft war auch gut genug, um die Liga zu gewinnen. Ich bin ein Fan vom Status quo, ich gehe immer von der Realität aus. Es bringt nichts, wenn man Träume hat, die unrealistisch sind. Das heißt: Vienna befindet sich in der 2. Landesliga, wir wollen einfach aufsteigen und hoch hinaus. Aber ich weiß auch, wie schwer es ist, ein Spiel zu gewinnen. Deshalb mag ich die Step-by-Step-Theorie, wenn man alles mit kleinen Schritten gestaltet. Für jeden Spieler, Funktionär und Trainer hier gilt es, alles daran zu setzen, die Spiele zu gewinnen, durch die Siege kommst du weiter und das wollen wir. Wir sind keinem extremen Druck ausgesetzt, aber UNIQA als großer Partner bei uns ist sicher auch der Meinung, dass die Vienna woanders hingehört. Es liegt an uns, das zu schaffen.

LAOLA1: Die Mannschaft ist sehr jung, aber es sind noch immer Spieler wie Mensur Kurtisi, Jiri Lenko oder Katzer da, die in die 2. Landesliga mitgegangen sind. Wie wichtig sind diese Stützen?

Hlinka: Auf jeden Fall sind sie wichtig. Das sind Spieler, die in ihrem Fußballerleben schon viel erlebt haben. Das sind einfach Führungsspieler, die jeder Trainer gerne hat. Natürlich kann der Trainer viel gestalten, aber auf dem Spielfeld befinden sich nur die Spieler. Jeder Trainer wäre froh, wenn er einen Lenko oder Kevin Krisch, der Erfahrungen in Deutschland gesammelt hat, oder Kurtisi, der überragende Qualitäten in der Offensive hat, hätte. Natürlich haben wir auch Spieler verloren, die den Weg gewählt haben, in höhere Klassen zu gehen, wie Andrej Todoroski, der ein Angebot vom FAC bekommen hat. Das kann ich auch verstehen, wenn man das Angebot von einem Profi-Verein bekommt. Wir haben auch den Tormann verloren, aber die Lücken ganz gut nachbesetzt. Die Namen sagen den Fans vielleicht nicht viel, aber das sind Spieler, die in höheren Klassen gespielt haben. Wir haben Stephan Rauchecker bekommen, der in der Regionalliga gespielt hat oder Martin Demic, der mit Leobendorf den Aufstieg in die Regionalliga geschafft hat, der die Austria-Ausbildung hat und den ich noch ganz gut aus meiner Austria-Zeit kenne. Das sind Spieler, die natürlich arbeiten müssen, weil ich nichts dem Zufall überlassen will. Aber auf die kann man sich verlassen. Wir haben auch 16-, 17-Jährige bei uns im Kader, die sehr großes Potenzial haben. Wir haben gewisse Qualität, aber für alle gilt es, das zu bestätigen. Die Wahrheit liegt am Platz, ohne gewisse Klischees geht es im Fußball nicht. Jeder muss Gas geben und sich anstrengen, um der Mannschaft zu helfen. Das ist meine Philosophie.

LAOLA1: Du hast Markus Katzer angesprochen, mit dem du früher sogar noch zusammengespielt hast, jetzt ist er Sportdirektor. Wie klappt diese Zusammenarbeit?

Hlinka: Das hat auch ganz gut in Wr. Neustadt mit Andreas Schicker funktioniert, obwohl ich mit ihm nie zusammengespielt habe. Aber mit Markus verbinden mich die Rapid-Zeiten, wo wir große Erfolge gefeiert haben. Wir waren ständig in Kontakt, wir beide leben in Wien. Das hilft schon, wenn man jemanden gut kennt aus früheren Zeiten. Die Philosophie, die wir beide pflegen, ist relativ ähnlich. Deshalb hat das von Anfang an sehr gut funktioniert, auch die Kommunikation und Verhandlungen. Alles lief sehr professionell und sehr anspruchsvoll. Von dem her kann ich mich gar nicht beklagen. Ich bin sehr froh, dass Markus den Verein auch von innen sehr gut kennt, weil ich hier noch ein Neuling bin und weder hier gespielt habe noch andere Erfahrungen mit der Vienna gemacht habe. Ich bin sehr froh, dass er mir zur Seite steht, auch wenn ich ihn als Chef oder Vorgesetzten bezeichne. Wir schauen, ob er noch fähig ist auch noch Fußball zu spielen, aber das ist ein anderes Thema. Markus ist ein überragender Spieler gewesen, der lange Zeit für Rapid gespielt hat und auch im Nationalteam ein paar Einsätze gehabt hat. Diese Erfahrungen, auch als Spielerberater, kann er sehr gut in die Mannschaft einbringen.

LAOLA1: Die Vienna hat sehr große Sponsoren präsentiert, ist der Konkurrenz in der Hinsicht wohl überlegen, zudem hat man noch einen guten Ruf. Wie professionell wird bei der Vienna gearbeitet und die Pflichten erfüllt?

Hlinka: Wir versuchen alles, so professionell wie möglich zu arbeiten. Gerhard Krisch ist ein Garant für sehr gute Menschenführung, für ein Management, das gut funktioniert. Ich denke schon, dass wir gut aufgestellt sind. Aber auf der anderen Seite ist es für uns eine gewisse Pflicht, den Menschen, die hinter dem Verein stehen, zu geben, was sie verdient haben. Die Vienna ist kein unbekannter Verein, die Vienna kennt man, die Vienna ist der älteste Verein Österreichs und jeder würde sie gerne höher sehen. Wir haben eine gewisse Fan-Gemeinde, das ist großartig, aber nicht selbstverständlich in der 2. Landesliga. Das sind Faktoren, die eine sehr starke Rolle spielen. Mit professioneller Arbeit kann man das erreichen. Im Amateurbereich musst du gewisse Dinge beachten, die im Profi-Bereich überhaupt keine Rolle spielen. Die Spieler arbeiten, studieren, das muss man auch bei der Trainingsplanung, Dosierung und Intensität einplanen. Auch ich muss das erst richtig gestalten, aber es gelingt uns bisher ganz gut. Ich bin guter Dinge, dass wir auf einem sehr guten Weg sind. Aber es haben schon viele Vereine davor probiert, wenn ich an den GAK, Vorwärts Steyr oder Vienna denke, die schon vor ein paar Jahren vielleicht den Aufstieg in die 2. Bundesliga schaffen wollten und es hat trotzdem aus irgendeinem Grund nicht geklappt. Das ist mir schon bewusst und deshalb bin ich immer ein Fan der Bescheidenheit. Ich greife immer lieber von unten an.

LAOLA1: Du stehst noch am Anfang deiner Trainerkarriere. Wo siehst du dich in ein paar Jahren? Was ist dein persönliches Ziel als Coach?

Hlinka: Ich habe diese Diskussion um die UEFA-Pro-Lizenz mit vielen Trainern mitbekommen. Das ist, was ich früher oder später anstreben werde. Aber im Grunde genommen geht es mir in erster Linie um die Erfahrung. Ich bin noch ein junger Trainer, der vor zwei Jahren noch aktiv Fußball gespielt hat, der in den letzten zwei Jahren sehr viel gesehen hat – aus Sicht eines Sportdirektors von einem tschechischen Erstligisten und als Co-Trainer bei Wr. Neustadt, wo wir um den Aufstieg gekämpft haben. Der Weg geht einfach weiter. Ich denke jetzt nicht an die nächsten zwei, drei Jahre, ich habe hier meine tägliche Arbeit zu erledigen und denke vielleicht über das Ziel diese Saison nach. Aber mehr ist es nicht. Was kommt, kannst du selber gestalten. Du kannst dich durch die Arbeit definieren und das ist mein Ziel. Ich denke nicht daran, wo ich in drei Jahren bin, vielleicht bin ich dann nicht mehr Trainer oder im Ausland. Ich will die Aufgabe so gut wie möglich erfüllen und der Vienna helfen. Wenn es mir gelingt, ist das eine wunderbare Geschichte. Warum sollte die Vienna nicht in fünf, sechs Jahren in der 2. Bundesliga spielen, wo man auch einen ganz anderen Status hat? Das gilt nicht nur für mich, sondern alle Mitarbeiter und die jungen Spieler mit viel Potenzial. Sie sind zwar nicht bei Rapid, Austria, Admira, aber bei uns. Wir wollen die richtigen Impulse setzen, aber alles braucht seine Zeit. Deshalb gehört eine gewisse Geduld und Beharrlichkeit auch dazu.

Textquelle: © LAOLA1.at

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