Prödl: Watford-Situation eine Sorge für ÖFB-Team?

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Sebastian Prödl ist beim FC Watford derzeit nur Reservist.

Betrachtet man alleine die Situation im Verein, ist der Steirer noch denkbar entspannt. Etwas mehr Sorgenfalten bringt die mangelnde Spielpraxis im Hinblick auf das Nationalteam mit sich, zumindest mittelfristig gesehen.

"Aktuell beeinträchtigt es mich noch nicht - mit Betonung auf noch nicht", erklärt der ÖFB-Abwehrchef, "aber natürlich kann so etwas zur Beeinträchtigung führen. Das ist im Fußball so, und das hat der Teamchef vor seinem Amtsantritt auch angekündigt. Mein Anspruch und mein nächstes großes Ziel mit der Nationalmannschaft ist die Qualifikation für die EURO 2020 - dem will und dem werde ich einiges unterordnen, weil ich Teil dieser Mannschaft sein will. Wenn sich die Situation nicht verbessert, muss man sich etwas überlegen."

Auf Dauer nicht tragbar für das Nationalteam

"Ich bin nicht mehr in der Situation, dass ich 24 bin und sage, ein halbes Jahr oder ein Jahr nicht zu spielen, beeinträchtigt mich nicht großartig. Ich bin jetzt 31, habe einiges gesehen, habe Routine gesammelt und bin noch relativ gelassen, werde auch nicht herumraunzen und mir keine Negativszenarien ausmalen. Ich bin in der Lage, sicherlich Wochen, auch Monate zu kompensieren, aber auf Dauer ist so eine Situation persönlich nicht tragbar für die Nationalmannschaft", so Prödl weiter.

Teamchef Franco Foda hatte zuletzt betont, dass ihm fehlende Spielpraxis von Kadermitgliedern zum aktuellen Zeitpunkt kein Kopfzerbrechen bereitet, da die Spieler allesamt noch die Vorbereitung inklusive diverser Testspiele in den Beinen hätten.

Dass Prödl auch ohne Liga-Einsatz für das bisherige Premier-League-Sensationsteam Watford gut in Schuss ist, hat er im Freundschaftsspiel gegen Schweden bewiesen.

Kein Wechsel geplant

Seine Gedanken, dass er der EURO 2020 einiges unterordnet und er sich etwas überlegen müsste, wenn sich seine Situation nicht verbessert, möchte er allerdings keinesfalls so verstanden wissen, dass er bereits darüber nachdenkt, im Winter die Reißleine zu ziehen.

"Ich beschäftige mich noch mit keiner Reißleine und auch mit keinem Vereinswechsel. Es werden Verletzungen und Sperren kommen. Wenn ich dann derjenige bin, der spielt und wir haben so einen Run, kann sich so etwas schnell ändern."

Sebastian Prödl

"Ich beschäftige mich noch mit keiner Reißleine und auch mit keinem Vereinswechsel. Es werden Verletzungen und Sperren kommen. Wenn ich dann derjenige bin, der spielt und wir haben so einen Run, kann sich so etwas schnell ändern", verdeutlicht der 31-Jährige, der seinen Stellenwert bei Watford unverändert hoch einschätzt:

"Aktuell denke ich weiterhin, dass ich einen sehr guten Status bei Watford habe, den ich mir über drei Jahre intensiv aufgebaut habe. Wenn sich die Situation verschlechtert, sprich wenn Verletzungen kommen und ich bin dann nicht so weit, dass ich spiele, dann muss man sich etwas überlegen. Aber aktuell nach vier Spielen denke ich nicht daran, die Reißleine zu ziehen."

Kein Trainer wechselt nach vier Siegen

Prödl verweist darauf, dass er in Watford ein Mal zum Spieler der Saison gewählt wurde, im Kampf gegen den Abstieg seine Verdienste hätte und vor allem in diesem Kalenderjahr stets performt hätte:

"Wenn man 2018 nimmt, habe ich ein super Jahr gehabt. Ohne dass ich mich auf irgendeinen Thron setzen will, aber ich kann mich an kein schlechtes Spiel bei Watford oder in der Nationalmannschaft erinnern. Das war einfach die persönliche Entscheidung unseres Trainers, der gesagt hat, er würde gerne einmal mit den anderen beiden starten. Wenn ich am Ende der vergangenen Saison nicht krank gewesen wäre, wäre ich wahrscheinlich gar nie rausrotiert. Meine Konkurrenten haben damals genauso profitiert von meiner Lebensmittelvergiftung, von dem her: So what? So W(h)atford?"

"Wir haben sechs Innenverteidiger im Kader und alle haben die Qualität zu spielen. Wir sind in England und haben einen 25-Mann-Kader, in dem jeder diesen Anspruch hat. Da gibt es nicht 14 Spieler, die Stammspieler sind, vier Perspektivspieler und acht Junge."

Sebastian Prödl

De facto ist es so, dass Christian Kabasele und Craig Cathcart Watford-Coach Javi Gracia auch keinen Grund gegeben haben, sie aus der Mannschaft zu nehmen. Mit vier Siegen in den ersten vier Spielen gelang ein wahrer Traumstart.

"Wir haben sechs Innenverteidiger im Kader und alle haben die Qualität zu spielen. Wir sind in England und haben einen 25-Mann-Kader, in dem jeder diesen Anspruch hat. Da gibt es nicht 14 Spieler, die Stammspieler sind, vier Perspektivspieler und acht Junge. Wir haben einen brutal ausgeglichenen Kader. Der Trainer hat sich am Anfang für andere entschieden. Wir haben vier Spiele gewonnen. Zeigt mir einen Trainer, der dann wechselt!", verdeutlicht Prödl.

"Zweites Leicester" ein Blödsinn

So unzufriedenstellend die persönliche Situation ist, so zufriedenstellend ist die Lage selbstredend aus Vereinssicht. Nach dem Traumstart ist die Euphorie riesig:

"Einfach top! Auf Social Media wird schon wie verrückt vom zweiten Leicester berichtet. Das ist aber alles Blödsinn! Wir haben einen super Start hingelegt. Meiner Meinung nach haben wir drei Spiele gewonnen, die du gewinnen solltest, wenn du in der Premier League bleiben willst, also Brighton, Burnley und Crystal Palace. Tottenham war das Sahnestückchen, das Bonusspiel, das wir on top gewonnen haben, weil wir einen guten Lauf haben. Jetzt haben die Gegner Respekt. Zwölf Punkte sind ein Traum und geben einige Sicherheit und die nötige Ruhe für den ganzen Herbst. Wenn wir jetzt weiterhin so Punkte sammeln, haben wir relativ früh eine Stressfreiheit und können wirklich irgendwo anders angreifen."

Grinsender Nachsatz: "Vielleicht werde ich ja für die großen Spiele geschont."

Richtige Einordnung

Generell geht es Prödl aber durchaus auch um die richtige Einordnung, wenn ein ÖFB-Legionär in einer Topliga zumindest vorübergehend nicht zum Zug kommt. Als Beispiel nimmt er seine Kollegen in der Innenverteidigung her:

"'Hinti' bei Augsburg, 'Drago' in Leverkusen, 'Ilse' bei Leipzig, Kevin Wimmer in Hannover - alle spielen auf einem Toplevel, und wir alle haben Konkurrenzkampf im Verein. Wir alle werden mal über der Kante sein und mal unter der Kante, wir alle werden uns auch einmal hinten anstellen müssen. 'Drago' hat das jetzt zwei Jahre lang gehabt, 'Ilse' ist in Leipzig auch kein unumstrittener Stammspieler. Dieser ständige Konkurrenzkampf wird uns aber als Team stärker machen, dieses ständige Streben nach Verbesserung wird der Nationalmannschaft gut tun. Aktuell bin ich derjenige, der sich dieser Diskussion stellen muss - nicht nur öffentlich, sondern auch mit mir persönlich. Aber noch bin ich relativ entspannt."

Textquelle: © LAOLA1.at

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