ÖFB kämpft um Rapid-Talent Yusuf Demir

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Yusuf Demir ist Leistungsträger im ÖFB-U17-Team. Der 15-Jährige von Rapid Wien wurde mit der U19-Mannschaft der Hütteldorfer bei einem hochkarätig besetzten Turnier im Jänner zum besten Spieler gewählt.

Neben Klubs aus England und Italien hat auch der türkische Verband ein Auge auf den Stürmer geworfen. Der ÖFB kämpft um das Talent. "Alle unsere Trainer reden ständig mit ihm. Wir können ihm nur vermitteln, dass wir an sein großes Potenzial glauben und auch daran, dass er einmal in der Nationalmannschaft spielen kann. Aber natürlich spielen seine Familie und sein Berater eine große Rolle", erklärt Peter Schöttel.


Der Sportdirektor zeigt sich optimistisch, dass Demir dem heimischen Verband erhalten bleiben kann - so wie viele andere große Talente vor ihm. Einen echten Spitzenkicker hat der ÖFB nämlich noch nicht verloren. David Alaba, Marko Arnautovic oder Aleksandar Dragovic entschieden sich allesamt für Österreich.

Keine gute Erfahrung mit versuchten Einbürgerungen

Mit versuchten Einbürgerungen von potenziellen Teamspielern hat man beim ÖFB dafür in der Vergangenheit leidvolle Erfahrungen gemacht. Der Plan, Steffen Hofmann in Österreichs Nationalteam zu bringen, ging in die Hosen, diverse Brasilianer schafften es aus verschiedenen Gründen nicht in die heimische Auswahl und auch mit der Spielgenehmigung für den Deutschen Christian Lell klappte es nicht.

Zuletzt scheiterte die Einbürgerung von Ashley Barnes am Veto des Innenministeriums - sehr zum Leidwesen von Teamchef Franco Foda. Dennoch spricht sich Foda dafür aus, weiter nach hochkarätigen Kickern mit österreichischen Wurzeln Ausschau zu halten. "Wenn jemand Bezug zu Österreich, die sportliche Qualität und die Möglichkeit hat, eingebürgert zu werden, warum sollte man da darauf verzichten?", fragte der Deutsche.

Foda wies darauf hin, dass diese Vorgangsweise etwa in Balkan-Staaten oder in der Türkei gang und gäbe sei. "Alle anderen Länder machen es auch und man muss aufpassen, dass sie uns nicht überholen."

In diesem Zusammenhang befindet sich der ÖFB in einer prekären Situation. Viele hochtalentierte Spieler in den Nachwuchs-Nationalteams haben Migrationshintergrund und könnten daher theoretisch den Verband wechseln, sofern sie im Besitz beider Staatsbürgerschaften sind. "Man muss auf der Hut sein und die Fühler ausstrecken, damit man nicht zu viele Spieler an andere Länder verliert", warnte Foda.

Der Fall Sinan Bytyqi

Passiert ist das etwa bei Sinan Bytyqi, der die Junioren-Auswahlen im ÖFB durchlief und sich dann für den Kosovo entschied, ehe er seine Karriere als 22-Jähriger wegen einer Herzerkrankung beenden musste. Der in Wien geborene und aufgewachsene Rapid-Verteidiger Mert Müldür spielte in Nachwuchs-Nationalteams der Türkei und bestritt auch schon zwei A-Testmatches. Dessen Hütteldorfer Clubkollege Dejan Ljubicic ist österreichischer U21-Teamspieler, während sein ebenfalls in Wien zur Welt gekommener Bruder Robert zuletzt in die kroatische U20-Auswahl einberufen wurde.

Der österreichische U21-Internationale Arnel Jakupovic wird des öfteren vom bosnischen Verband angebohrt, der Kosovo zeigt Interesse am kürzlich von Wacker Innsbruck zu Red Bull Salzburg transferierten Albert Vallci. ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel weiß um die Gefahr, dass Spieler reihenweise abgeworben werden könnten. "Man muss sich dessen bewusst sein, dass man jemanden jahrelang fördert und der dann sagt, ich spiele für ein anderes Land."

Um dieses Szenario zu verhindern, suchen Schöttel und auch Foda regelmäßig das Gespräch mit den betreffenden Kickern - zum einen, um ihnen den Verbleib beim ÖFB schmackhaft zu machen, zum anderen, um ihnen ein ehrliches Feedback über ihre Chancen auf eine A-Team-Einberufung zu vermitteln.

"Macht keinen Sinn, einen 16-Jährigen ein paar Minuten einzusetzen"

Eine Möglichkeit gäbe es, Verbandswechsel zu verhindern: Der begehrte Kicker müsste einen Pflichtspiel-Einsatz auf A-Team-Ebene absolvieren. Für Foda kommt es aber nicht infrage, Teenager ohne Nationalmannschafts-Niveau in Bewerbsmatches zu bringen, um sie an den ÖFB zu binden. "Andere Verbände setzen Spieler drei Minuten ein, damit sie für kein anderes Land mehr spielen können. Aber das ist nicht meine Intention, weil man ihnen dadurch die Möglichkeit verbaut, für ein anderes Land zu spielen, wenn sie nicht die Qualität für das österreichische Team haben."

Außerdem meinte Foda zu diesem Thema: "Es macht keinen Sinn, einen 16-Jährigen ein paar Minuten einzusetzen und dann sieht man, wenn er 19 oder 20 ist, die Entwicklung stagniert und er schafft es nicht bei uns, hätte es aber vielleicht woanders geschafft."

Mit derartigen Aktionen würden er als Trainer und der gesamte ÖFB an Glaubwürdigkeit und Seriosität verlieren. "Wenn ich so etwas machen würde, dann nur, wenn ich zu 100 Prozent davon überzeugt bin, dass dieser Spieler langfristig im Nationalteam spielen kann. Alles andere wäre nicht fair und könnte ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren", erklärte Foda.

Textquelle: © LAOLA1.at/APA

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