Andreas Herzog: "I love Austria"

Aufmacherbild Foto:
 

"Irgendwie schaut es so aus, als ob jeder nur wegen dir hier wäre und nicht wegen des Spiels morgen. Wie geht es dir damit?"

Es herrschte durchaus Trubel bei der Abschluss-Pressekonferenz Israels vor dem EM-Quali-Duell mit Österreich (Sonntag, 18 Uhr im LIVE-Ticker), vielleicht mehr als man gewohnt ist.

Also stellte ein israelischer Journalist mit dieser Frage Andreas Herzog zusätzlich ins Rampenlicht, als ob dies überhaut noch notwendig gewesen wäre.

Denn auch wenn es in diesem Showdown hauptsächlich um drei für beide Teams wichtige Punkte geht - über den gar nicht mal so heimlichen Hauptdarsteller des Duells muss man nicht lange diskutieren.

"Of course I love Austria, but on the other side I'm now responsible for Israel, the FA and my players. These players are now my family", antwortete Herzog unter anderem auf diese Frage.

Besser Englisch als Deutsch

Seine komplette Antwort auf Deutsch übersetzt: "Es ist ein spezielles Spiel für mich, aber es ist nur ein Spiel. Ich muss die Emotionen beiseite schieben und mein Team anführen. Ich bin hier als Teamchef von Israel. Natürlich liebe ich Österreich, aber andererseits bin ich für Israel verantwortlich, für den Fußballverband, für meine Spieler. Diese Spieler sind jetzt meine Familie. Wir müssen das Beste aus diesem Spiel herausholen. Ich will drei Punkte! Aber wir müssen morgen einen guten Job machen."

Je nach Fragesteller parlierte Herzog auf Englisch oder Deutsch und das souverän, gewohnt eloquent und voller spürbarer Entschlossenheit, den Sieg gegen sein Heimatland einzufahren. Auf seinen gewohnten Schmäh verzichtete er, meistens jedenfalls.

"Das war bis jetzt immer der... tricky part", fiel ihm der richtige deutsche Begriff nicht ein: "I kann scho besser Englisch wie Deutsch, tuat ma Lad!"

Tricky wird für den 50-Jährigen auch die emotionale Komponente in diesem Duell, dies lässt sich bei allen guten Vorsätzen wohl kaum verhindern. 103 Mal hörte der Rekordinternationale als Aktiver die Bundeshymne, im modernen 2014 eröffneten Sammy Ofer Stadion in Haifa nun zum zweiten Mal als Gegner.

Keine verbalen Ausrutscher

"Ich war in meiner aktiven Karriere und als Trainer schon öfter in der Situation, dass es ziemlich emotional ist. Aber das musst du einfach professionell zur Seite schieben."

"Ich war in meiner aktiven Karriere und als Trainer schon öfter in der Situation, dass es ziemlich emotional ist. Aber das musst du einfach professionell zur Seite schieben. Ich habe damals mit dem amerikanischen Nationalteam in Österreich gespielt und 0:1 verloren. Ich hoffe, dass wir das jetzt ändern können und zu Hause drei Punkte anschreiben."

Angesichts des Stellenwerts von Herzog in beiden Fußball-Ländern kann ein solches Frage-und-Antwort-Spielchen auch Gefahren verbaler Ausrutscher mit sich bringen. Diese leistete sich der Wiener mit all seiner medialen Routine keinesfalls.

Auch von kritischen Fragen israelischer Journalisten in Sachen Aufstellung ließ er sich nicht provozieren. Lediglich beim Hinweis eines Fragestellers, dass Franco Foda und Julian Baumgartlinger über Schwächen Israels bei Standardsituationen referiert hätten, konnte er sich im Nachsatz einen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen.

"Ich glaube, dass Österreich ebenso Schwächen beim Verteidigen von Standards hat", meinte er - wohl mit dem Siegtreffer der Polen am Donnerstag im Gedächtnis.

Israels Herausforderung

Österreichs Niederlage gegen Polen und Israels 1:1 gegen Slowenien bringt beide Teams in die unangenehme Lage, im Prinzip schon gewinnen zu müssen, um nicht von Anfang an einem möglicherweise erheblichen Rückstand in der Quali-Gruppe hinterherlaufen zu müssen.

"Österreich hat ein gutes Team. Sie haben gegen Polen auch gut gespielt, aber verloren. Das ist natürlich nicht der Start, der erwartet wurde. Bei uns ist es dasselbe. Ich habe gegen Slowenien auf drei Punkte gehofft. Aber wir haben in der ersten Halbzeit in verschiedenen Bereichen keinen guten Job gemacht, also war es am Ende nur ein Punkt. Natürlich, nach zwei Heimspielen willst du mehr als einen Punkt haben, also spielen wir gegen Österreich auf Sieg. Wir wissen jedoch, dass es gegen Österreich sicher noch schwerer wird als gegen Slowenien. Das ist sicher."

"Wir haben über Österreich genauso gesprochen wie über jeden anderen Gegner, beispielsweise Slowenien."

Dass Herzog das ÖFB-Team bestens kennt, sei natürlich "ein Vorteil, aber trotzdem muss man es erst auf das Spiel umsetzen können, und das ist eben die Herausforderung, vor der wir stehen. Wir haben über Österreich genauso gesprochen wie über jeden anderen Gegner, beispielsweise Slowenien. Es ist natürlich wichtig, dass wir auf die Stärken der Österreicher aufpassen, aber viel wichtiger ist mir, dass wir unsere Stärken ausspielen."

Seine Spieler auf Österreich genauso vorzubereiten wie auf jeden anderen Gegner, macht vermutlich Sinn. Denn für seine Schützlinge ist die emotionale Komponente natürlich geringer.

Wie viel Herzog steckt schon in Israel?

Wobei Kapitän Bibras Natcho darüber schwärmt, was sich unter Herzog alles getan hat: "Wir haben ein neues System, viele andere Dinge sind neu, wir haben viel Selbstvertrauen. Für uns ist es ein Spiel wie jedes andere, aber für den Trainer ist es speziell. Wir wollen auch für ihn einen Sieg."

Sieben Spiele hat Herzog bislang als Teamchef mit Israel absolviert. Die Bilanz ist mit je drei Siegen und Niederlagen beziehungsweise einem Unentschieden ausgeglichen. Wie viel Herzog bereits in der Mannschaft stecke, sei jedoch schwer zu beurteilen:

"Wenn du ein neues Team übernimmst, musst du dich ein bisschen an die Mannschaft anpassen. Natürlich habe ich meine eigene Philosophie, aber bevor ich hierher gekommen bin, habe ich noch nie mit Dreierkette gespielt. Aufgrund der Spieler, die ich hier zur Verfügung habe, war das aber die beste Variante. Ich stelle die Mannschaft auf, wie ich glaube, dass das Puzzle am besten zusammenpasst. Klar hat jeder seine Idee, jeder will einen Spieler fördern. Aber schlussendlich stelle ich die Mannschaft auf, von der ich glaube, dass sie am besten auf den Gegner hin passt und mit der wir am besten spielen können."

Auch bei diesem Medientermin musste sich Herzog die eine oder andere Frage gefallen lassen, warum er nicht auf diesen oder jenen Spieler setzen würde, obwohl er in der Liga so viele Tore und Assists liefert. Nationalteam-Journalismus funktioniert tendenziell überall gleich.

Herzog droht Spielern mit Auswechslung

Wen er aufstellen wird, verriet Israels Chefcoach natürlich nicht. Vor dem Match gegen Slowenien habe er schon einen Tag vorher die Startelf im Kopf gehabt. Diesmal habe er eine Idee, aber noch zwei, drei Optionen im Hinterkopf. Die "final solution" stünde noch aus.

Keinen Zweifel lässt Herzog jedoch daran, dass jene elf Auserwählten, die er gegen sein Heimatland von Beginn an aufs Feld schickt, mal besser performen sollten. Wer diesmal nicht nach seinen Vorstellungen arbeitet, könnte relativ flott vom Feld genommen werden, droht er ganz offen an:

"Wenn ich zwei oder drei Spieler sehe, die nicht in der Lage sind, unseren kompakten Block zu halten, dann werde ich sofort wechseln."

"Für Slowenien war es viel zu einfach, Chancen zu kreieren. Da geht es nicht um unsere Abwehr, sondern darum, dass das ganze Team verteidigen muss. Das habe ich meinen Spielern in der Analyse auch gesagt. Das will ich sehen! Wenn ich zwei oder drei Spieler sehe, die nicht in der Lage sind, unseren kompakten Block zu halten, dann werde ich sofort wechseln. Denn ich war mit unserer Performance in der ersten Halbzeit gar nicht zufrieden. Ich will gegen Österreich viel, viel mehr sehen."

Ab der ersten Minute müsse sein Team rauskommen, richtig dagegenhalten, aber auch die eigene spielerische Qualität zeigen: "Dann können wir das Spiel gewinnen."

Wie viel würde Sieg bedeuten?

Und damit Österreich eine Niederlage zufügen und verhindern, dass das ÖFB-Team das Sammy Ofer Stadion einnimmt. So hat nämlich ein israelischer Journalist die Aussage Fodas interpretiert, dass seine Elf auswärts ebenso aktiv auftreten soll wie zu Hause gegen Polen.

Für Herzog ist dies natürlich eine willkommene Motivations-Hilfe: "Das zeigt eine Menge Selbstvertrauen, wenn du in eine fremde Stadt kommst und es zu deinem eigenen Zuhause machen willst. Das müssen wir verhindern! Wir müssen von Beginn an da sein, um das Publikum hinter uns zu bringen."

Dass Herzog nun auf Österreich trifft, liegt auch daran, dass er bei der letzten Teamchef-Suche im Herbst 2017 - zum wiederholten Male - nicht zum Zug gekommen ist. Wie viel ihm ein Sieg angesichts dieser Vorgeschichte bedeuten würde?

"Drei Punkte. Drei ganz, ganz wichtige Punkte. Nach dem Unentschieden gegen Slowenien wären das drei Punkte, die wir brauchen. Mehr nicht."

Textquelle: © LAOLA1.at

Wechselt Lukas Hinterseer zum Hamburger SV?

Zum Seitenanfang »

LAOLA Meins - Tags folgen

COMMENT_COUNT Kommentare