Sabitzer: Österreicher sind mir nicht gut gesinnt

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Was viele vielleicht schon vergessen haben: Es war Marcel Sabitzer, der das erste Länderspiel-Tor der Teamchef-Ära von Franco Foda erzielt hat.

Beim 2:1-Sieg gegen Uruguay traf er bereits nach fünf Minuten zum 1:0. Warum dies womögich in Vergessenheit geriet? Seither kam im ÖFB-Dress nicht mehr viel vom Steirer. Konnte es auch nicht.

Denn bis zu seiner Einwechslung am Donnerstag gegen Schweden versäumte er verletzungsbedingt alle Länderspiele, auch am Ende der Amtszeit von Marcel Koller stand er mehrmals nicht zur Verfügung.

Dass dies Gerede mit sich bringt, ist dem 24-Jährigen bewusst: "Ja klar. Wir brauchen nicht drumherumreden, dass mir die ganzen Österreicher nicht unbedingt gut gesinnt sind. Das ist einfach so."

Das beste Rezept gegen die Kritiker: Leistung

Sein Rezept dagegen: "Ich muss irgendwie probieren, die Leute auf meine Seite zu bringen, indem ich im Spiel Leistung zeige. Ich probiere in den Spielen für Österreich immer alles zu geben. Das ist das Einzige, was mir übrigbleibt. Was die Leute reden, wie sie mich sehen und wie sie mich kritisieren, liegt in deren Hand, denn sie schreiben das ja hauptsächlich immer wieder. Es ist, wie es ist."

"Wenn du weißt, dass du eben schon sehr kritisch gesehen wirst, ist es irgendwo im Hinterkopf. Vielleicht ist da unbewusst ein bisschen eine Blockade drinnen."

Marcel Sabitzer

Im konkreten Fall gehen zwei Problemfelder Hand in Hand. Einerseits die oftmaligen Absagen für Nationalteam-Lehrgänge, andererseits die bisweilen mäßigen Leistungen im ÖFB-Dress, was wiederum gar nicht zur steil nach oben gehenden Vereins-Laufbahn des Leipzig-Legionärs passt.

Ende des vergangenen Jahres bezeichnete er seine ÖFB-Karriere bis dahin als "durchwachsen". Ob er sich selbst zu viel Druck auferlegt, wenn er für Österreich spielt?

"Nein, Druck würde ich nicht sagen. Aber wenn du weißt, dass du eben schon sehr kritisch gesehen wirst, ist es irgendwo im Hinterkopf. Vielleicht ist da unbewusst ein bisschen eine Blockade drinnen. Wie gesagt: Ich probiere immer das Beste: Manchmal geht es besser, manchmal geht es schlechter. Ich habe bislang 30 Spiele für Österreich gemacht, dabei fünf Tore geschossen - ganz so schlecht ist das ja nicht. Ich probiere weiterzumachen, will immer meine Leistung bringen. Darauf konzentriere ich mich."

Eine Verletzung jagt die andere

Dass 2018 bislang erst ein Länderspiel dazugekommen ist und er den leistungstechnischen Eindruck somit nicht korrigieren konnte, liegt an einer unheimlichen Verletzungsmisere.

In der Schlussphase der vergangenen Saison legte ihn eine Schulterverletzung lahm, weshalb er die Tests gegen Russland, Deutschland und Brasilien versäumte. Den März-Lehrgang mit den Spielen gegen Slowenien und Luxemburg verpasste er wegen eines Bänderrisses im Sprunggelenk.

Eine Zahn-OP verhinderte im Oktober 2017 Einsätze bei den letzten beiden Koller-Matches gegen Serbien und Moldawien. Beim Lehrgang davor spielte er beim Showdown in Wales, erlitt dabei jedoch einen Bluterguss und musste für das wenige Tage später folgende Spiel gegen Georgien absagen. Das vorentscheidende Duell mit Irland im Juni 2017 verpasste er wegen seines inzwischen berühmten "Wohnzimmer-Unfalls", bei dem er sich am Arm verletzte.

Viel mehr Pech geht kaum.

"Zuversichtlich, dass ich bald wieder der Alte bin"

Man kann nicht behaupten, dass dies nicht an Sabitzer nagt: "Es ist vieles zusammengekommen. Ich sage einmal, das letzte Jahr war vielleicht ein bisschen verseucht. Ich habe lange Zeit gefehlt. Das tut weh und ist schwierig für den Kopf. Wenn du immer wieder absagen musst, dann weißt du, dass wieder was kommt. Dann heißt es: 'Jetzt sagt er wieder ab.' Aber gerade die letzte Verletzung war eine, für die ich nichts konnte."

Tiefpunkt eines "zachen letzten Jahres", wie es der Steirer bezeichnet, war jene Schulterverletzung, die eine Zwangspause von vier Monaten nach sich zog: "Das ist schon eine lange Zeit. Da brauchst du auch eine gewisse Zeit, bis du wieder reinkommst."

"Es ist immer ärgerlich, wenn du nicht bei der Nationalmannschaft dabei sein kannst, denn es ist ja das Größte, was du in Österreich erreichen kannst. Ich bin immer stolz, dabei zu sein, immer stolz, wenn ich zum Einsatz komme. Deshalb tut das einfach weh."

Marcel Sabitzer

Das Wichtigste, neben dem großen Wunsch fit zu bleiben, ist daher, so schnell wie möglich wieder auf 100 Prozent zu kommen. Sabitzer ist zwei Wochen vor dem offiziellen Trainingsauftakt von RB Leipzig wieder eingestiegen, um seine Reha fortzusetzen. Seit eineinhalb Monaten steht er wieder voll im Mannschaftstraining und sieht sich körperlich in einem guten Zustand. Bei wie vielen Prozent er sich derzeit selbst einordnet, sei schwer zu sagen:

"Einmal geht es besser, einmal geht es schlechter. Du brauchst wieder das Raumgefühl - auf dem Platz ist es halt immer etwas anderes, wenn du die Gegenspieler um dich hast. Es heißt einfach, sich wieder daran zu gewöhnen und dann möglichst schnell in jedem Spiel bei 100 Prozent sein. Es funktioniert noch nicht immer, aber ich fühle mich gut und die Schulter hält. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass ich bald wieder der Alte bin."

Sabitzer muss nicht erst in der Foda-Ära ankommen

Es wäre logisch, wenn er im Nationalteam nicht der "alte Sabitzer", sondern der "neue Sabitzer" sein will, der seine Kritiker verstummen lässt. Das Gefühl, dass er nach der langen Auszeit erst in der Foda-Ära ankommen muss, hat der 24-Jährige jedoch nicht:

"Eigentlich überhaupt nicht. Ich weiß, was der Trainer will, damit tue ich mir nicht schwer. Er will auch viel Pressing und Gegenpressing. Das erste Spiel unter ihm war für mich persönlich positiv mit dem Tor und dem Sieg. Es freut mich, dass ich wieder da sein kann. Wenn ich am Dienstag zum Einsatz komme, probiere ich dort anzuknüpfen, wo ich damals reingestartet bin."

Man darf getrost davon ausgehen, dass Sabitzer auch seine ÖFB-Karriere in die richtige Richtung lenken will, denn das Fehlen bei den letzten Länderspielen war nicht nur wegen der Verletzungen eine Leidenszeit:

"Es ist immer ärgerlich, wenn du nicht bei der Nationalmannschaft dabei sein kannst, denn es ist ja das Größte, was du in Österreich erreichen kannst. Ich bin immer stolz, dabei zu sein, immer stolz, wenn ich zum Einsatz komme. Deshalb tut das einfach weh. Und wenn du dann von Haus aus weißt, dass du lange draußen bist, eh schon beim Verein zuschauen musst und dann auch noch solche Spiele wie gegen Deutschland und Brasilien verpasst, dann nagt das schon."


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Textquelle: © LAOLA1.at

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