Vom 19-jährigen Jungen auf den Schafsinseln, ein ungeschliffener Diamant, ein Rotzbua, pflegt man in Wien zu sagen, zum 37-Jährigen Altstar im modernsten Stadion der Welt, Rekord-Teamspieler, Rekordtorschütze, eine lebende ÖFB-Legende.
Der Weg des Marko Arnautovic im österreichischen Team-Trikot endet hier. Er endet auf der Bühne, die er sich immer erhofft, immer erträumt hat.
Eine bewegende Rede in der Kabine
Er endet mit einer bewegenden Rede in der Kabine nach dem 0:3 gegen Spanien.
"Ich habe gerade zu der Mannschaft gesprochen. Bis zum Ende meines Lebens werde ich immer ein großer Bruder für sie sein. Hinter den Kulissen werde ich weiterhin unterstützen und anfeuern. Aber es tut sehr weh, dass es das letzte Mal war", sagt der Wiener unter Tränen.
Als er sprach, blieb kein Auge trocken. "Seine Worte waren sehr emotional, es sind Tränen geflossen", sagt David Alaba, seit mehr als eineinhalb Jahrzehnten sein Wegbegleiter, sein Freund.
Umarmungen für alle
"Ein besonderer Moment", meint Rangnick.
Arnautovic umarmt in der Kabine jeden einzelnen, Mitspieler und Staff. "Ein Gänsehautmoment. Traurig", sagt Romano Schmid, "es war ein Riesenprivileg mit Marko spielen zu dürfen."
"Ich habe hier am Anfang Kameraden gehabt, die sind zu meiner Familie geworden"
Ein oft missverstandener Schmähbruder, lange Zeit als Problemboy betrachtet. Doch in den vergangenen Jahren hat Arnautovic in der öffentlichen Wahrnehmung den Turnaround geschafft, ist "everybody‘s darling".
Ein Unikat
Ein Unikat in einer Fußball-Welt, in der fast nur noch Floskeln gedroschen werden, spricht er stets aus, was ihm wirklich durch den Kopf geht.
Wie es sich anfühle, das letzte Mal das ÖFB-Trikot getragen zu haben? "Katastrophe! Ich möchte mich bei allen bedanken, bei der ganzen Nation. Auch bei denen, die mich schon lange raushaben wollten", sagt Arnautovic.
Der Stürmer weiter: "Ich habe sehr viele schöne Momente erlebt, auch nicht so schöne Momente erlebt. Jetzt tut es umso mehr weh. Ich habe hier am Anfang Kameraden gehabt, die sind zu meiner Familie geworden. Und wenn ich Familie sage, meine ich das auch so."
Respekt für einen Leader
Längst war er ein Leader in der Mannschaft, Wortführer. "Er ist ein überragender Spieler, aber ein noch überragenderer Mensch", sagt Stefan Posch.
Konrad Laimer ergänzt: "Er hat immer alles gegeben, ist immer vorangegangen. Dafür gibt es nur größten Respekt von meiner Seite."
137 Länderspiele, 49 Tore, drei Europameisterschaften, eine Weltmeisterschaft. Eine unvergleichliche Nationalteam-Karriere ist zu Ende.