Baumgartlinger & Dragovic: Plötzlich 10 Jahre ÖFB

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Der abgelaufene Lehrgang war auch einer der Jubiläen für die vier besonders langgedienten Nationalspieler im aktuellen Aufgebot Österreichs.

Marko Arnautovic erzielte zwischenzeitlich sein 25. Länderspiel-Tor, David Alaba bestritt gegen Lettland sein 70. Länderspiel, Aleksandar Dragovic beim 6:0 gar sein ÖFB-Match Nummer 75.

Ein besonders gutes Timing erwischte Julian Baumgartlinger. Sein 70. Länderspiel fiel gegen Polen exakt auf den Jahrestag seines Nationalteam-Debüts. Am 9. September 2009 lief er beim 1:1 in Rumänien erstmals für das A-Team auf.

"09.09.09 - das ist leicht zu merken", war ihm dieser Fakt nach dem Match natürlich bewusst, "das ist ein lustiges Jubiläum. Dass es sich wirklich in genau zehn Jahren ausgegangen ist, 70 Spiele zu machen, ist großartig."

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Baumgartlinger: "Auf einmal sind es zehn Jahre..."

Ein Blick auf die damalige von Didi Constantini nominierte Startelf in Rumänien: Payer; Schiemer, Scharner, Dragovic, Fuchs; Baumgartlinger, Pehlivan; Hölzl, Beichler, Jantscher; Hoffer.

Wie die Zeit vergeht.

"Irgendwann ist man bei der U21, und das ist schon so was Großes. Step by step kommt dann das erste Match im Nationalteam - und auf einmal sind es zehn Jahre und so viele Spiele."

Julian Baumgartlinger

Obwohl einige aus der damals recht jungen Anfangsformation noch aktiv sind, sind Baumgartlinger und sein Leverkusen-Kollege Dragovic die einzigen, die auch ein Jahrzehnt später in Polen auf dem Feld standen.

Alaba und Arnautovic? Die A-Team-Karriere des Bayern-Stars begann erst einen Lehrgang später im Oktober 2009, der damalige Inter-Legionär Arnautovic wiederum fand keine Aufnahme in den Kader.

Der Debütant Baumgartlinger ist inzwischen längst zum Kapitän der Nationalmannschaft gereift. "Wenn man die ersten Male in der Bezirks- oder Landes-Auswahl spielt, denkt man sich, man möchte irgendwann einmal in eine U-Auswahl. Irgendwann ist man bei der U21, und das ist schon so was Großes. Step by step kommt dann das erste Match im Nationalteam - und auf einmal sind es zehn Jahre und so viele Spiele", schwelgt der 31-Jährige in Erinnerungen.

So lange wie möglich im Nationalteam

Natürlich hätte es auf diesem Weg auch Verletzungen gegeben: "Aber in erster Linie bin ich dankbar, dass mein Körper das mitmacht, zehn Jahre auf diesem Nievau spielen zu dürfen. Schaumamal, wie viele sich noch ausgehen."

Der zentrale Mittelfeldspieler gehört inzwischen zu den Routiniers in einem Kader, in dem zuletzt immer wieder Youngsters aufzeigten. Zudem gingen ihm gerade in den vergangenen drei Jahren doch einige langjährige Weggefährten verloren.

"Das ist natürlich ein Prozess, den ich mitverfolge. Mit Anfang 30 merkt man, dass von den Kollegen, mit denen man selbst in der U21 gespielt und viele Jahre im A-Team bestritten hat, viele nicht mehr da sind", erläutert der Salzburger.

Im Hinblick auf die nachrückende Generation lacht Baumgartlinger: "Die haben auf einmal andere Themen als man selbst. Aber das ist auch das Schöne am Nationalteam, dass man immer wieder verschiedene Eindrücke bekommt oder aus vielen Dingen Kraft beziehen kann. Für mich ist das bereichernd und ich fahre immer wieder sehr gerne hierher."

Nachsatz: "Ich werde so lange ich kann im Nationalteam spielen." In einer Phase, in der so mancher Familienvater mit Anfang 30 seine ÖFB-Karriere freiwillig beendet, muss man dies wohl betonen.

Ein aktiver Kapitän

Auch wenn sich mit Konrad Laimer, Xaver Schlager oder Florian Grillitsch potenzielle Erben längst in Stellung gebracht haben, Teamchef Franco Foda würde wohl auch nur ungern auf seinen Spielführer verzichten.

"Julian ist als Kapitän für alle Spieler da. Er hat eine klare Meinung, aber er ist auch extrem hilfsbereit und unterstützt jeden."

Franco Foda

Schließlich dient dieser intern als Vorbild. Diesbezüglich erzählt der Deutsche eine Beobachtung von nach dem Polen-Match: "Wir sind spät ins Hotel gegangen, haben noch gegessen. Ich bin dann irgendwann um 1:30 Uhr auf mein Zimmer und habe gesehen, dass Julian noch auf der Massagebank liegt. Das spricht für ihn, er ist eben ein absoluter Vollprofi."

Der Körper ist das Kapital eines Fußball-Profis, den es zu pflegen gilt. Baumgartlinger ist aber fraglos auch das Hirn dieser Mannschaft. Er gilt als sehr aktiver Kapitän, der bei allem stets verbindlich-freundlichen Auftreten - im positivsten Sinne - auch lästig werden kann, wenn ihm Entwicklungen nicht gefallen oder er Interessen der Mannschaft gefährdet sieht.

Der Begriff "lästig" gefällt Foda weniger, er umschreibt die Herangehensweise seines Spielführers so: "Er ist als Kapitän für alle Spieler da. Er hat eine klare Meinung, aber er ist auch extrem hilfsbereit und unterstützt jeden. Er bildet mit Marko Arnautovic, David Alaba und Martin Hinteregger den Spielerrat. Mit diesen Jungs ist man immer in Kommunikation, das funktioniert sehr gut."

Aller Anfang unter Foda war schwer

Während Baumgartlinger schon in relativ jungen Jahren als eines der Sprachrohre des Nationalteams auffiel, tut sich Dragovic trotz seiner 76 Länderspiele ein wenig schwerer, als Führungsspieler wahrgenommen zu werden.

Vielleicht auch, weil er nicht mit Nachdruck in diese Rolle drängt. Dabei fällt seit einigen Monaten auf, dass sich der 28-Jährige bemüht, entsprechend seiner Erfahrung auch Inputs abseits des Platzes zu geben.

Ein Beispiel: Nach dem Juni-Lehrgang, bei dem übrigens er sein zehnjährigens A-Team-Jubiläum feierte, war es der Abwehrspieler, der einen Denkanstoß in Sachen Nationalstadion und Trainingszentrum gab, inzwischen ist diese Thematik "eskaliert". Gleichzeitig richtete er einen charmanten Gruß in Richtung ÖFB-Präsident Leo Windtner wegen dessen Schülermannschafts-Spruchs aus.

Sein "Deckel-Sager" zu Startelf-Debütant Stefan Posch deutet nun an, dass er auch die Rolle des Mentors annimmt. Posch jedenfalls lobte, wie sehr man sich Dragovic zum Vorbild nehmen kann.

Dies ist jedoch alles nur Beiwerk zum viel wichtigeren Umstand: Nachdem Dragovic gerade in der Anfangsphase der Teamchef-Ära von Foda um Anerkennung zu kämpfen schien, ist er derzeit einer der absoluten Leistungsträger und strahlt dies auch aus. Seine Performance in Warschau beschrieb nicht nur Foda als "überragend".

"Abwehrchef" gibt es nicht im Wortschatz von Dragovic

"Ich bin immer einer, der sagen wird, die Mannschaft steht über dem einzelnen Spieler. Aber natürlich ist es schön und ein bisschen eine Genugtuung, dass ich jetzt zwei Mal meine Leistung gebracht habe. Dennoch hätte ich lieber die drei Punkte geholt", meint Dragovic.

"Ich glaube, Drago wird reifer, hat sich weiterentwickelt - auch vom Denken her und in seiner Persönlichkeit."

Franco Foda

Dass für ihn Mannschaftsdienlichkeit eine hohe Priorität hat, zeigt, wie entschieden er sich dagegen wehrt, in einer Innenverteidigung mit Youngster Posch der "Abwehrchef" gewesen zu sein:

"Es gibt keinen Abwehrchef! Das schreiben nur die Medien. Jeder muss Verantwortung übernehmen. 'Abwehrchef' gibt es in meinem Wortschatz überhaupt nicht."

Zusätzlich bemerkenswert macht die Performance von Dragovic gegen Polen, dass er über eher überschaubar viel Spielpraxis verfügt. Nach 90 Minuten im DFB-Pokal und 45 Minuten am 1. Spieltag der deutschen Bundesliga drückte er in den vergangenen beiden Runden die Leverkusener Ersatzbank.

Foda: "Dragovic wird reifer"

Foda setzt darauf, dass sich dies im intensiven Herbst ändert: "'Drago' ist ein Spieler mit großem Potenzial, hat es aber im Verein nicht immer leicht gehabt. Normal ist es immer wichtig, dass ein Spieler einen Rhythmus hat. Zuletzt hat er zwar auch nicht regelmäßig gespielt, aber ich hoffe, dass er in Leverkusen mehr zum Einsatz kommt, wenn die Champions League beginnt, denn er braucht Spielpraxis. Aber man hat gesehen, welche Qualitäten er hat. Diese Leistung muss er weiter bestätigen, dann kann er absoluter Führungsspieler werden."

Interessant ist, was Foda zum Thema Persönlichkeitsentwicklung bei Dragovic feststellt: "Ich glaube, er wird reifer, hat sich weiterentwickelt - auch vom Denken her und in seiner Persönlichkeit."

Ob er ihm diesbezüglich Hinweise mit auf dem Weg gegeben habe?

Der Teamchef schmunzelt und holt weit aus: "Generell rede ich immer mit meinen Spielern. Bis auf zwei, drei Spieler, bei denen es die Zeit nicht hergegeben hat, habe ich auch bei diesem Lehrgang mit allen besprochen, was ich mir vorstelle, aber auch um Feedback zu geben, was ich in den Vereinen sehe. Ich versuche sie auch in schwierigen Situationen zu unterstützen. Unterstützung ist gerade in einer nicht so guten Phase im Verein wichtig, damit die Spieler wissen, dass sie für das Nationalteam trotzdem wichtig sind. Vielleicht hat 'Drago' da etwas mitgenommen."

Egal, ob Hinweise von Foda halfen, oder Dragovic selbst proaktiv an manchen Dingen arbeitet: Wenn dabei Leistungen wie jene in Warschau herauskommen, sollte eigentlich auch Leverkusen kaum auf ihn verzichten können.

Highlights: Die vielen ÖFB-Chancen gegen Polen!

Textquelle: © LAOLA1.at

G-E-I-L! Bei Polens Nationalstadion kommt ÖFB-Neid auf

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