Thierno Ballo - Das ÖFB-Talent bei Chelsea

Thierno Ballo - Das ÖFB-Talent bei Chelsea
 

Thierno Ballo ist erst 19 Jahre alt. Dennoch ist der Offensivspieler den meisten Fußball-Fans in Österreich schon länger ein Begriff. Immerhin hat er im Alter von nur 14 Jahren bereits in der U17 des ÖFB gespielt. Das LAOLA1-Portrait aus dem Jahr 2016 hier nachlesen >>>

Inzwischen ist der Youngster, dessen Vater von der Elfenbeinküste und Mutter aus Guinea stammt, seit dreieinhalb Jahren im Nachwuchs des FC Chelsea aktiv. Und in der österreichischen U21-Nationalmannschaft angekommen.

Bei seinem Londoner Arbeitgeber kickt der Dribblanski in der Reserve und wurde mit den "Blues" in der Premier League 2 Vizemeister. Gelegentlich darf er auch schon bei den Profis, die unlängst die UEFA Champions League gewonnen haben, mittrainieren. "Wenn man da das erste Mal zu den Profis kommt, ist es schon etwas Besonderes, wenn man die Spieler alle vor sich sieht", erzählt er im LAOLA1-Interview.

Das Talent spricht zudem über seinen Alltag an der Stamford Bridge, seine Pläne und die ÖFB-U21.

LAOLA1: Ihr seid mit einem 10:0 gegen Saudi-Arabien, einem 2:0 gegen Polen und einem 2:1 gegen die Slowakei in eure Zeit als U21-Team gestartet. Wie erlebst du die Mannschaft?

Ballo: Es ist eine geile Truppe. Wir verstehen uns nicht nur auf, sondern auch neben dem Platz gut. Hier will jeder gewinnen, jeder Spieler hat seine Qualitäten. Ich denke, wir haben Österreich bisher gut repräsentiert. Wir wollen uns wegen dieser Ergebnisse aber nicht zu viel Druck machen, wir gehen das Schritt für Schritt an, fokussieren uns immer nur auf das nächste Spiel.

LAOLA1: Was sind deine ersten Eindrücke von Werner Gregoritsch?

Ballo: Er führt viele Einzelgespräche und motiviert uns richtig gut. Er macht das sehr gut.

"Ich habe viele Kräftigungsübungen gemacht, oft alleine mit dem Athletiktrainer gearbeitet"

LAOLA1: Du bist inzwischen seit dreieinhalb Jahren in London bei Chelsea. Wie fällt deine Bilanz aus?

Ballo: Am Anfang war es ein bisschen schwer, ich musste mich erst an alles gewöhnen, die Leute kennenlernen. Aber ich wurde gut aufgenommen. Ich habe mich vor allem mit den französischsprachigen Kollegen schnell angefreundet. Nach einem halben Jahr habe ich mich dann wirklich als Chelsea-Spieler gefühlt.

LAOLA1: Und sportlich?

Ballo: Ich musste mich an das Spielsystem gewöhnen. Und körperlich war es am Anfang schwer, ich bin ja eher ein kleiner Spieler. Ich habe viele Kräftigungsübungen gemacht, oft alleine mit dem Athletiktrainer gearbeitet.

(Interview wird unter dem Video fortgesetzt)

LAOLA1: Ist es immer noch so, dass du mehr Zeit im Kraftraum verbringst als einige deiner Kollegen?

Ballo: Ja, ich mache in diesem Bereich mehr als die anderen. Aber es wird immer besser, ich nehme immer mehr Muskelmasse zu. Es gibt auch einen Ernährungsberater, der mir da sehr hilft.

LAOLA1: Wie ist es dir mit der Sprache gegangen?

Ballo: Wenn die Engländer schnell gesprochen haben, war es schwierig. Und die Spieler aus Nordirland und Schottland habe ich gar nicht verstanden. Aber ich bin dort ja auch in die Schule gegangen, das hat mir geholfen. Inzwischen habe ich auch schon einen Londoner Einschlag, wenn ich Englisch spreche.

"Meine Stärken sind Dribbling und Pässe, meine größte Schwäche ist das Kopfballspiel"

LAOLA1: Was hat dich nach deinem Wechsel nach England am meisten überrascht?

Ballo: Die Aggressivität in den Spielen. Außerdem wird hier mehr trainiert als ich das aus Deutschland gewohnt war.

LAOLA1: Wie sieht so dein klassischer Trainingstag aus?

Ballo: Wegen Covid-19 wurde da ein bisschen etwas geändert. Aber ursprünglich war es so, dass wir uns um 8:30 Uhr getroffen haben, um 9 Uhr gab es Frühstück, um 10:30 Uhr war Training, um 12 Uhr Pause, dann Mittagessen, danach hatten wir eine Stunde Freizeit, anschließend gab es Krafttraining und dann hat jeder an seinen individuellen Stärken und Schwächen gearbeitet. Da hat jeder seine persönliche Liste, auf der Stärken und Schwächen stehen. Um 17:30 Uhr war der Trainingstag dann normalerweise zu Ende.

LAOLA1: Was steht denn auf deiner Liste ganz oben und ganz unten?

Ballo: Meine Stärken sind Dribbling und Pässe, meine größte Schwäche ist das Kopfballspiel.

LAOLA1: Wie lebst du in London?

Ballo: Am Anfang war ich bei einer Gastfamilie, zunächst waren wir zu zweit, dann zu dritt. Die haben sich um alles gekümmert – gekocht, die Wäsche gewaschen… Jetzt habe ich eine eigene Wohnung. Mit dem Kochen tue ich mir noch schwer, meistens nehme ich mir Essen aus der Akademie mit.

LAOLA1: Ihr seid mit der zweiten Mannschaft von Chelsea in der Premier League 2 Zweiter hinter Manchester City geworden. Du hast in 21 Spielen sieben Tore geschossen und vier Assists geliefert. Wie zufrieden bist du?

Ballo: Es wäre schöner, wenn wir Erster geworden wären. Mit mir selbst bin ich zufrieden, aber natürlich geht es immer besser. Wir haben nach jeder Halbsaison mit dem Trainerteam eine Besprechung – da wurde mir gesagt, dass ich mich körperlich und spielerisch sehr weiterentwickelt habe.

Foto: © GEPA

LAOLA1: Auf welcher Position kommst du zum Einsatz?

Ballo: Ich spiele Zehner. In den letzten Partien habe ich auf der Acht gespielt, weil einige Spieler verletzt waren. Am wohlsten fühle ich mich aber als Zehner.

LAOLA1: Du bist österreichischen Fußball-Fans schon länger ein Begriff, wurdest als Wunderkind und Juwel bezeichnet. Wie ist es dir damit gegangen?

Ballo: Ich habe mich immer auf mich selbst fokussiert, auf meine Aufgaben auf dem Platz. Ich habe mir darüber keinen Kopf gemacht. Für mich zählt, dass ich meine Leistung bringe.

LAOLA1: Du hast bei Chelsea auch schon bei den Profis mittrainiert.

Ballo: Richtig, ich habe noch unter Frank Lampard und dann auch unter Thomas Tuchel mittrainiert. Wenn man da das erste Mal zu den Profis kommt, ist es schon etwas Besonderes, wenn man die Spieler alle vor sich sieht. Auf dem Platz liegt der Fokus dann aber auf den Aufgaben.

"Wenn eine Leihe eine Option wäre, würde ich das schon machen, um mich weiterzuentwickeln"

LAOLA1: Wie ist es dir sportlich bei den Profis gegangen?

Ballo: Das Tempo ist viel schneller, das ist am Anfang schwer. Ich glaube aber, wenn man dort ein, zwei Wochen am Stück mittrainieren würde, könnte man da schon mithalten.

LAOLA1: Wie wurdest du als junger Spieler von den Profis aufgenommen?

Ballo: Einige von den jüngeren Spielern kannte ich ja aus dem Nachwuchs. Am Anfang kommt auch jeder von den Profis, um dich zu begrüßen. Sie helfen und unterstützen dich.

LAOLA1: Von wem kannst und willst du dir am meisten abschauen?

Ballo: Mateo Kovacic und Mason Mount.

LAOLA1: Wie sehen Chelseas Pläne mit dir aus? Hältst du es für möglich, dass dich Chelsea verleiht?

Ballo: Wir werden das erst nach den U21-Länderspielen besprechen. Wenn eine Leihe eine Option wäre, würde ich das schon machen, um mich weiterzuentwickeln.

LAOLA1: Wie hast du die Entwicklung des Chelsea-Teams nach dem Trainerwechsel von Lampard zu Tuchel erlebt?

Ballo: Der Unterschied war gar nicht so groß. Natürlich waren die Trainingseinheiten ein wenig anders. Aber ich denke, die Spieler waren motiviert, zu zeigen, dass sie auch gewinnen können. Jeder wollte den neuen Trainer überzeugen.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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