Lampards Trainerlaufbahn verlief bis zu seinem Engagement bei Coventry in Wellen. Ein vielversprechender Beginn bei Zweitligist Derby County, wo er junge Spieler entwickelte und bis ins Championship-Playoff-Finale führte, brachte ihm 2019 den Trainerposten bei seinem Ex-Klub Chelsea ein.
Dort trat er die Nachfolge von Maurizio Sarri an und arbeitete unter schwierigen Voraussetzungen: Transferverbot, Umbruch und trotzdem enorme Erwartungshaltung. Lampard setzte in dieser Phase gezwungenermaßen auf die eigene Akademie und machte Spieler wie Mason Mount, Tammy Abraham und Reece James zu Stammkräften.
Die erste Saison endete mit Platz vier und einem FA-Cup-Finale durchaus erfolgreich. Doch nach hohen Transferausgaben folgte in der darauffolgenden Saison sportlicher Rückschritt: Lampard wurde nach 19 Spieltagen auf Platz neun entlassen – sein Nachfolger Thomas Tuchel gewann wenige Monate später die Champions League.
Rückkehr mit Schrecken
Im Jänner 2022 übernahm Lampard den kriselnden FC Everton. Mit den "Toffees" gelang ihm zunächst der Klassenerhalt, doch während seiner gesamten Amtszeit kämpfte der Traditionsklub aus Liverpool gegen den Abstieg. Die Zusammenarbeit endete nach rund einem Jahr.
Lampards kurze Rückkehr als Interimstrainer bei Chelsea im April 2024 verschlechterte den Gesamteindruck zusätzlich: In elf Spielen unter ihm kamen die "Blues" auf einen Punkteschnitt von 0,45 Zählern pro Partie.
Als Coventry Lampard wenige Monate später im November 2024 verpflichtete, war das Urteil vieler Beobachter längst gefällt. Der ehemalige Premier-League-Star galt als weiteres Beispiel dafür, dass große Spieler nicht automatisch große Trainer werden.
So krempelte Lampard Coventry um
Der Wechsel in die Championship wirkte für Lampard nach mehreren Stationen in der besten Liga der Welt wie ein großer Schritt zurück.
Die zweite englische Liga gilt zwar ebenfalls als eine der wohl stärksten Ligen der Welt, das Leistungsniveau ist aber dementsprechend hoch. Hier tummeln sich zahlreiche Traditionsklubs, gefallene Giganten und Teams mit Unsummen an Geld, die in die Premier League drängen.
Doch trotz starker Konkurrenz schaffte es Lampard schnell, Coventry zu stabilisieren. Dabei revolutionierte er den Klub aber nicht. Er gab keine großen Millionensummen für Transfers aus und implementierte keinen radikal neuen taktischen Ansatz. Stattdessen setzte er auf ein stabiles Gerüst und klare Rollenverteilungen.
Ein vielversprechender Start
Meist ließ er seine Mannschaft in einem 4-2-3-1 oder 4-3-3 auflaufen, taktisch flexibel, aber ohne große Experimente. Wenn Coventry dominieren wollte, schoben die Außenverteidiger hoch und breit, um Räume für Flügelspieler und Stürmer zu öffnen.
In defensiveren Phasen agierte die Viererkette kompakter, die Außenverteidiger weniger hoch. Wenn es der Gegner verlangte, lief Coventry situativ auch schon einmal in einer Dreierkette auf. Dazu setzte Lampard auf klare Disziplinregeln auf und neben dem Platz.
Der Erfolg stellte sich prompt ein: Coventry kletterte noch in Lampards erster Saison auf Platz fünf – und durfte dank des Einzugs in die Aufstiegsrelegation sogar von der Premier League träumen. Erst in der Verlängerung des Playoff-Halbfinals scheiterte das Team am späteren Aufsteiger Sunderland. Den Lauf der Sky Blues sollte dies aber nicht stoppen.
Offensive als Prunkstück
In der Saison 2025/26 knüpfte Coventry nahtlos an die Leistungen der Vorsaison an. 13,60 Millionen Euro gab man für neue Spieler aus, rangiert im ligainternen Ranking damit im Mittelfeld. Zum Vergleich: Ipswich Town zahlte 62 Millionen Euro für neue Spieler, der FC Southampton 60 Millionen und Drittliga-Aufsteiger AFC Wrexham blechte 39 Millionen Euro für Neuverpflichtungen.
Lampards Mannschaft entwickelte sich dennoch schnell zu einem der besten und vor allem konstantesten Teams der Liga, ohne dabei von Einzelstars abhängig zu sein. Sieben Spieler erzielten mindestens sieben Tore, die offensive Last verteilt sich also auf mehrere Schultern.
Vom gescheiterten Coach zu "Super Frankie Lampard"
Vor allem aber das Offensivtrio aus dem schon als gescheitert abgestempelten Ex-Schalke-Talent und mittlerweile US-Nationalspieler Haji Wright, dem langjährigen Viertliga-Angreifer Brandon Thomas-Asante und dem 25-jährigen Ellis Simms, sorgt für Durchschlagskraft.
Sie kommen zusammen auf 38 Tore. Herzstück des Teams ist Kapitän Matt Grimes, langjähriger Spieler des walisischen Klubs Swansea City, der im Jänner 2025 – auch auf Wunsch Lampards – für fünf Millionen Euro nach Coventry wechselte.
Die Stammviererkette mit Bobby Thomas, Liam Kitching sowie den Außenverteidigern Milan van Ewijk und Jay Dasilva bildet gemeinsam mit Torhüter Carl Rushworth eine der stabilsten Defensivreihen der Championship. Daraus resultiert nach 41 Spieltagen eine Bilanz von 25 Siegen, neun Remis und sieben Niederlagen. Lampard selbst wird von den Fans mittlerweile als "Super Frankie Lampard" gefeiert.
Coventry vor Rückkehr in die Premier League
Fünf Spieltage vor Saisonende steht Coventry City mit einem Bein in der Premier League. Als souveräner Tabellenführer haben die Sky Blues mit einer Ausbeute von 84 Zählern zwölf Punkte Vorsprung auf die Verfolger Ipswich Town, Middlesbrough und Millwall. Seit 25 Jahren wartet der Klub, einst Gründungsmitglied der Premier League, auf die Rückkehr ins englische Oberhaus.
Nun ist der direkte Aufstieg greifbar nah. Auch, weil man das auf dem Papier einfachste Restprogramm hat.
Am kommenden Spieltag empfängt Coventry den abgeschlagenen Tabellenletzten Sheffield Wednesday, dann geht es gegen die abstiegsbedrohten Klubs Blackburn Rovers (19.) und FC Portsmouth (21.). Die letzten beiden Partien bestreitet die Lampard-Elf gegen den AFC Wrexham (6.) und den FC Watford (10.).
"Ich will allen ständig das Gegenteil beweisen – das ist eine gute Triebfeder", sagte Lampard im November 2025 dem britischen "Guardian". Er wolle allen beweisen, dass sie falsch liegen.
Lange schien es, als sei Frank Lampard im englischen Fußball im übertragenen Sinne nach Coventry geschickt worden: ignoriert, abgeschrieben, aus dem Blickfeld verschwunden. Nun wird aber ausgerechnet dieser Ort zum Symbol seiner Wiederauferstehung als Fußballtrainer.