Lienhart nimmt mit Freiburg ersten EL-Titel in Angriff
Die Deutschen gehen gegen Aston Villa als Außenseiter in das Finale. Vor allem der Trainer der Engländer gilt als Spezialist für internationale Bewerbe.
Philipp Lienhart hat die Chance, die Vorbereitung für die Fußball-WM im Sommer in den USA, Kanada und Mexiko als Europa-League-Sieger in Angriff zu nehmen.
Dazu muss für den SC Freiburg am Mittwoch (ab 21.00 Uhr im LIVE-Ticker) im Endspiel gegen Aston Villa im Besiktas Park von Istanbul ein Sieg her.
Der 29-Jährige dürfte in der Innenverteidigung gesetzt sein. Er könnte als zweiter ÖFB-Kicker nach Kevin Danso 2025 mit Tottenham bei einem Gewinn des zweitwichtigsten Europacup-Bewerbs mitwirken.
Hinteregger und Ilsanker erlebten Sieg von Bank
Die Europa League gewonnen haben auch Martin Hinteregger und Stefan Ilsanker 2022 mit Eintracht Frankfurt, beide spielten aber im Finale nicht.
Dass Lienhart so ein "Schicksal" erfährt, ist nicht zu erwarten. Dem Abwehrspieler machten zwar während der Saison Verletzungsprobleme zu schaffen, in den beiden Halbfinalduellen mit dem SC Braga und dem letzten Saisonspiel in der deutschen Bundesliga gegen RB Leipzig (4:1) am Samstag war er aber über die volle Distanz im Einsatz.
"Wir wollen auch diesen letzten Schritt machen und uns nicht damit zufriedengeben, ins Finale gekommen zu sein", betonte Freiburg-Trainer Julian Schuster.
Lienhart und Co. erstmals in Europacup-Finale
Der 41-Jährige ist am Ende seiner zweiten Saison als Nachfolger von Langzeitcoach Christian Streich am Höhepunkt seiner Trainerkarriere angelangt. Auch für viele Spieler ist das Endspiel das Highlight, darf sich doch Freiburg erstmals in einem Europacup-Finale versuchen.
"Es ist ein sehr, sehr großes Zeichen, wie sich der Verein die letzten Jahrzehnte entwickelt hat. Es gilt jetzt diese Hemmschwelle der titellosen Zeit zu überwinden und das Endspiel als kleinen Startschuss zu sehen", sagte Matthias Ginter.
Abwehrkollege Lukas Kübler hofft darauf, dass der SC unterschätzt wird. "Ich habe gehört, sie kennen fast gar keinen aus unserem Team. Vielleicht können wir ihnen auf dem Platz zeigen, wer wir sind."
Emery Spezialist auf internationaler Bühne
Aston Villa hat auch keine große Erfahrung in Spielen um den Titel, die besten Zeiten liegen länger zurück. Der einzige große Triumph gelang 1982 im Meistercup, es war auch die einzige Finalteilnahme.
Ihr Trainer hat allerdings eine ganz andere Bilanz, die imposant ist. Unai Emery stand fünfmal im EL-Endspiel, dreimal mit dem FC Sevilla (2014 bis 2016) und einmal mit Villarreal (2021) holte er den Titel. Nur 2019 mit Arsenal gegen Chelsea gab es kein Happy End.
"Ich habe Erfahrungen in diesem Wettbewerb gesammelt, befinde mich jetzt aber wieder in einer anderen Situation. Im Fußball ist alles, was man zuvor geleistet hat - auch wenn es fantastisch war - vorbei", erläuterte der seit November 2022 tätige 54-Jährige. Ziel sei es aber natürlich, der eigenen Erfolgsgeschichte ein weiteres "Kapitel" hinzuzufügen.
Die Saison kann sich unabhängig davon sehen lassen, haben sich die "Villans" doch am Freitag auch dank ihrer guten Mischung aus Offensivkraft und taktischer Disziplin mit einem 4:2-Erfolg gegen Liverpool zum zweiten Mal in den vergangenen drei Jahren über die Liga einen Startplatz für die Champions League gesichert.
Freiburg auch um CL-Startplatz und Millionenregen
Auch Freiburg hat noch die Chance auf die "Königsklasse", da der Europa-League-Champion fix dafür qualifiziert ist. Auch finanziell steht für die Deutschen viel auf dem Spiel. Sechs Millionen Euro als Siegprämie, vier Millionen Euro für die Teilnahme am UEFA-Supercup sowie ein CL-Startgeld von mehr als 18 Millionen Euro warten bei einem Erfolg am Mittwoch.
"In einem Spiel kann alles passieren, manchmal schlägt der Underdog den Favoriten", unterstrich Ginter. Auch Schuster ist sich der Schwere der Aufgabe bewusst. "Wir haben ein klares Bild von Aston Villa. Viele ihrer Spieler sind im goldenen Fußballalter. Sie haben die Ruhe weg im eigenen Ballbesitz und vorne drin ein Duo, das sich blind versteht", analysierte der Freiburg-Coach.
Der englische Topstürmer Ollie Watkins traf in 53 Saison-Pflichtspielen 19 Mal (5 Assists), sein kongenialer Offensivpartner Morgan Rogers steuerte in 54 Matches 13 Tore und elf Assists bei.
Beide hoffen darauf, den Fans den ersten Titel seit dem Triumph im englischen Ligacup 1996 zu schenken. Geht es nach den Buchmachern, wird es dazu kommen, die sehen den Club aus Birmingham klar in der Favoritenrolle.