Flo Hager:
Das sehe ich anders. Aston Villa steht aktuell auf Rang drei der Premier League und ist in Normalbesetzung qualitativ klar zwei bis drei Stufen über Salzburg einzuordnen.
Wenn man verliert und die Mini-Chance auf das Weiterkommen verpasst, hat man die K.o.-Phase nicht in diesem Spiel verspielt, sondern in den Partien vor der Winterpause, wo man manchmal leichtfertig Punkte liegen gelassen hat. Man muss bei einem Sieg ohnehin zusätzlich auf Schützenhilfe der Konkurrenz hoffen.
Wie Aston Villa auftreten wird und ob angesichts des dichten Spielplans sowie des bereits fixierten Achtelfinaleinzuges rotiert wird, wird sich zeigen – darüber lässt sich ohnehin nur spekulieren.
Johannes Hofer:
Diese Ansage ist komplett vermessen. Unai Emery hat mit, vergleichsweise bescheidenen Mittel ein Ergebnismonster erschaffen, das Verletzungssorgen trotzt, fix im EL-Achtelfinale steht und aktuell Dritter in der Premier League ist.
Gegen so einen Klub kann es schon allein aufgrund dieser Fakten keine Siegpflicht für ein österreichisches Team geben. Villa wird gewisse Positionen rotieren, aber auch nicht übermäßig. Das ist nicht Unai Emerys Art. Und ich stimme Flo zu: Die realistische Aufstiegschance haben die Salzburger im Herbst verspielt. Trotzdem bleibt diese kleine 1%-Chance.
Der Auftritt gegen Basel war ermutigend, erinnerte an längst vergessene, europäisch aufregende Zeiten und war vielleicht ein Weckruf zur richtigen Zeit. Kitschig wärs allemal.
These: Der SK Sturm ist es Österreich und der Fünfjahreswertung schuldig, die Europa-League-Saison mit drei Punkten abzuschließen.
Johannes Hofer:
Ein Sieg wäre wünschenswert. Der offensiv harmlose Auftritt vergangene Woche in Rotterdam gibt mir allerdings wenig Grund zum Optimismus. Sturm hat bei Feyenoord bestenfalls brav mitgespielt.
Das wird auch gegen Brann Bergen nicht reichen. Vom angekündigten "All-In" war wenig zu erkennen. Ob Sturms Sturm in einer Woche offensiv Zähne gewachsen sind, wird sich zeigen. Denn die wird es gegen strukturierte Norweger brauchen. Sonst gibt es auch gegen Brann Bergen wenig zu holen.
Bleibt es bei den vier Punkten, so war es eine erwartbar bescheidene Saison gegen großteils bessere und finanzkräftigere Teams. Der Überraschungsfaktor und das unbändige Aufbäumen gegen größere Teams fehlen dem Meister aktuell.
Aber vielleicht gelingt es ihnen ja gegen zumindest auf dem Papier ebenbürtige Skandinavier. Im Gegensatz zu den Grazer steht Brann aber vor dem Einzug in die K.o.-Playoffs, was für mich wiederum zeigt, dass auch für Sturm mehr möglich gewesen wäre.
Flo Hager:
Ein "es ist eh schon wurscht" wäre der komplett falsche Ansatz. In erster Linie wird das Spiel gegen Brann ein wichtiger Test, bevor es im Cup gegen Altach und in der Bundesliga in die entscheidende Phase des Grunddurchgang geht. Ein Sieg wäre wichtig fürs Selbstvertrauen und für den Weg mit Neo-Trainer Ingolitsch.
Nach der auch in der Höhe gerechten Niederlage gegen Feyenoord sehe ich Sturm nicht als Favorit, aber traue ihnen durchaus einen Sieg zu. Und ja: Sturm könnte Österreich durchaus in der Fünfjahreswertung helfen. Viele Punkte konnten die österreichischen Teams in dieser Europa-Saison ja nicht sammeln. Es Österreich schuldig zu sein, finde ich aber zu hoch gegriffen.
These: 18 Spiele gleichzeitig sind einfach viel zu viel! Wer soll da noch den Überblick behalten?
Flo Hager:
Konferenzen sind dafür umso spannender. Wenn – wie am letzten Spieltag der Bundesliga oder anderer Ligen – alle Partien gleichzeitig angepfiffen werden, entfacht das eine ganz eigene Dynamik.
Das sind jene Abende, an denen Entscheidungen fallen, an denen Freud und Leid so nahe beieinander liegen. Spannung entsteht nicht nur durch einzelne Spiele, sondern durch das große Ganze, das sich parallel auf mehreren Plätzen entfaltet. Genau für diese Momente schaut man Fußball.
Zudem wäre es unfair manche Teams früher spielen zu lassen, denn dann könnten andere taktieren.
Ich empfinde es letzendlich positiv. Aber ich empfinde tendenziell sehr viel im Leben positiv, man kann auch gerne anderer Meinung sein.
Johannes Hofer:
Dein Positivismus in Ehren, aber vollumfänglich nachvollziehbar sind 18 Parallelspiele natürlich nicht. Der Modus lässt jedoch keine andere Variante zu und so heißt es an jedem letzten Spieltag: Spiele und Tabelle beobachten. Was mehr Spaß macht, ist Geschmackssache.
Aber übersichtlich geht anders. Gegen die Konferenz an sich habe ich nichts, die macht mir sowohl aktiv als auch passiv Spaß. Aber eben in Maßen. Bei mehr als 6 Spielen ist für mich ein Second Screen Pflicht, um das Gesehene einzuordnen.