NEWS

These: Dortmund braucht Sabitzer eigentlich gar nicht

Wie wichtig ist Sabitzer wirklich für Dortmund? Muss Glasner der Conference League alles unterordnen? Und überrascht "Mou" Real? LAOLA1 und CANAL+ debattieren:

These: Dortmund braucht Sabitzer eigentlich gar nicht

In unserem Format "Ansichtssache" versuchen wir, Meinungen, Stimmungen, Überreaktionen oder sonstige Ansichten jeglicher Art in eine These zu packen und zu analysieren.

Das kann mal provokant sein, mal eine oft gehörte Meinung. Mal sehr strittig, mal weniger. Mal eine Prognose, mal eine simple Einordnung.

In der aktuellen Ausgabe behandeln wir den Start der K.o.-Phase in den internationalen Wettbewerben.

CANAL+ überträgt das Duell zwischen Olympiakos Piräus und Bayer Leverkusen am Mittwoch (21:00 Uhr) live und exklusiv >>>

Passend dazu hat die Redaktion Johannes Hofer, Kommentator bei Canal+, und Florian Hager, Redakteur bei LAOLA1, mit vier Thesen konfrontiert:

These 1: Real Madrid binnen weniger Wochen mehrmals zu besiegen und aus der Champions League zu eliminieren, wäre Jose Mourinhos größte Coaching-Leistung seit zehn Jahren.

test
Mourinho trainiert seit September den portuguiesischen Traditionsklub
Foto: ©GETTY

Flo Hager:

Ein Weiterkommen wäre zwar bemerkenswert und würde Mourinho sicherlich Anerkennung bringen, aber vom größten Erfolg seit zehn Jahren zu reden, finde ich zu hochgegriffen.

Auch wenn es stimmt, dass Mourinho in den letzten Jahren nicht mehr an vergangene Leistungen anknüpfen konnte, stehen doch zwei internationale Titel (Europa League 2017, Conference League 2022) und ein Vizemeistertitel in der Premier League (2017/18) zu Buche.

Dem Team aus Lissabon traue ich durchaus zu, Real zu fordern, vorausgesetzt, die Offensive rund um Mbappe kann kontrolliert und die anfällige Madrider Defensive clever unter Druck gesetzt werden.

Und wer weiß, vielleicht wagt Goalie Trubin wieder einen Ausflug nach vorne.

Johannes Hofer:

Jose Mourinho hat mit der Roma den ersten internationalen Titel der Vereinsgeschichte geholt. Ein Weiterkommen in einem Champions-League-Playoff damit gleich zu setzen, finde ich ebenfalls etwas hochgegriffen.

Vielmehr wäre ein Erfolg über einen seiner vielen Ex-Vereine ein Beweis dafür, dass er es noch immer drauf hat.

Real ist spanischer Tabellenführer, Benfica hinkt in der Liga hinterher - die Favoritenrolle ist klar verteilt. Dennoch traue ich den Portugiesen unter Anleitung des Großmeisters eine Überraschung zu.

Unterschätze niemals K.o.-Phasen-Jose!

These 2: Läuft auch ohne Marcel Sabitzer: So hart es klingt, aber eigentlich braucht Borussia Dortmund den ÖFB-Routinier gar nicht.

These 2: Läuft auch ohne Marcel Sabitzer: So hart es klingt, aber eigentlich braucht Borussia Dortmund den ÖFB-Routinier gar nicht.
Sabitzer feierte am vergangenen Wochenende sein Comeback nach einmonatiger Verletzungspause
Foto: ©GETTY

Johannes Hofer:

Moment!

Bleiben wir bei den Fakten. Wenn Marcel Sabitzer fit ist, spielt er auch. Zwar startet er nicht immer, aber Niko Kovac setzt zu 100 Prozent auf ihn. Denn bislang hat er in dieser Saison ganze drei Spiele von der Bank aus verfolgt. Reservistendasein schaut anders aus.

Je länger die Saison dauert, desto wichtiger wird Marcel Sabitzer für den BVB. Seine Erfahrung, seine Ballsicherheit und seine Fähigkeit das Tempo zu bestimmen - diese Qualitäten wird Kovac im Saisonfinish nicht missen wollen.

Und eines dürfen wir auch nicht vergessen: Im Hinblick auf die WM habe ich lieber einen Sabitzer im Spielrhythmus, als einen überspielten Sabitzer.

Flo Hager:

Marcel Sabitzer zeigt sich in dieser Spielzeit wieder wesentlich stabiler in seinen Leistungen. Gegen Bremen gelang ihm auch endlich wieder ein Treffer, mit dem er seinen positiven Trend bestätigte.

Auf der ohnehin dünn besetzten Position bei Borussia Dortmund nach dem Abgang von Pascal Groß ist der ÖFB-Legionär für Trainer Niko Kovač extrem wichtig. Mit seiner Erfahrung wird er gerade im Saison-Endspurt eine zentrale Rolle im Team einnehmen.

Auch die zahlreichen Abgangsgerüchte und Kritiken aus dem vergangenen Frühjahr sind inzwischen verstummt. Diese Entwicklung hat er sich durch starke und konstante Auftritte in den vergangenen Monaten erarbeitet.

These 3: Trotz 0:2-Niederlage: Die Begegnung im Jänner hat gezeigt, dass Olympiakos keine Hürde für Leverkusen sein darf. Die Werkself kann sich nur selbst schlagen.

test
Leverkusen möchte wie im Vorjahr ins CL-Achtelfinale einziehen
Foto: ©GETTY

Flo Hager:

Am Papier ist Leverkusen definitiv der Favorit, auch wenn das Spiel in der Ligaphase verloren wurde. Seit dieser Niederlage gewann die Werkself fünf der folgenden sechs Partien, einzig gegen Gladbach gab es beim 1:1 einen Punktverlust.

Die Mannschaft hat viel Qualität, und so langsam findet das neu zusammengewürfelte Team auch zueinander. Dennoch ist Leverkusen längst nicht mehr die dominante Mannschaft, die 2024 den Meistertitel holte – von einem Selbstläufer kann also keine Rede sein.

Die Griechen werden hochmotiviert auftreten. Ein Ausscheiden der Werkself wäre zwar eine Überraschung, aber auch keine riesige.

Johannes Hofer:

Die Ergebnisse täuschen etwas über die aktuellen Probleme der Leverkusner hinweg. Die Dominanz der Xabi-Ära ist verflogen. Sie bekommen ihre Intensität nicht mehr so auf den Platz.

Gegen spielerisch unterlegene Teams können sie dank Ausnahmekönnern wie Ibrahim Maza oder Malik Tillman glänzen. Aber sobald ein Gegner sie hoch presst und stresst, schaut's schon ganz anders aus. Und genau das erwartet B04 im Karaiskakis-Stadion.

Olympiakos wird das Europacup-Gesicht zeigen und den Deutschen das Leben gehörig schwer machen. Das 0:2 in der Ligaphase muss für den ehemaligen deutschen Meister Warnung genug sein. Denn da machte das Team von Kasper Hjulmand so überhaupt keinen Stich.

These 4: Oliver Glasner hat immer noch die Chance, sich mit einem Knall zu verabschieden. Bei Crystal Palace gehört im weiteren Saisonverlauf alles dem Conference-League-Titel untergeordnet.

test
Glasner bekommt es mit dem bosnischen Verein Mostar zu tun
Foto: ©GETTY

Johannes Hofer:

Das wäre brandgefährlich, ja fast schon fahrlässig! Palace hat bei 12 verbleibenden Partien aktuell acht Punkte Vorsprung auf die Abstiegsränge. Solange dieses Thema nicht erledigt ist, wird Oliver Glasner wenig Gedanken an die Conference League verschwenden.

Die Premier League ist lebensnotwendig für die Eagles. Glasner ist ein Cup-Spezialist und nimmt Erfolge in Europa gewiss gerne mit. Aber nicht zum Preis des sportlichen Überlebens - Klassenerhalt!

Bislang haben die Südlondoner in Europa stets mit der B-Elf gespielt. Genau das sollte auch gegen Mostar reichen, um ins Achtelfinale zu kommen.

Wenn der Polster in der Liga größer wird und die Eagles in der heißen Phase der Conference League noch dabei sind, spätestens dann wird sich der Fokus voll auf Europa richten. Dann gilt der Titel der Aufstiegsdoku aus der Saison 12/13: "When Eagles dare" – Wenn Adler wagen.

Eine Statue bauen sie Oliver Glasner in Croydon irgendwann sowieso. Wenn er die Conference League nach all den Turbulenzen in dieser Saison auch noch gewinnt, wird sie vielleicht noch etwas größer.

Flo Hager:

Ich glaube nicht, dass Crystal Palace noch etwas mit dem Abstieg zu tun haben wird.

In der Liga ist man durch die schwache Phase im Dezember und Jänner zwar im tabellarischen Niemandsland, aber zwei Siege aus den verbleibenden zwölf Spielen sollten reichen (aktuell 32 Punkte).

Nur zwei Mal in den letzten 20 Jahren ist ein Team mit 38 oder mehr Punkten abgestiegen. 39 war das Punktemaximum eines Absteigers.

Ich gebe Johannes reecht: Solange die Konkurrenz in der Premier League in Schlagdistanz ist, muss der Klassenerhalt so schnell wie möglich fixiert werden. Nervosität und Unruhe im Saisonfinish braucht niemand.

Die Qualität für den Titel hat Crystal Palace, dennoch muss die Mannschaft nach einem ereignisreichen Winter-Transferfenster erst zusammenfinden.



Die ältesten Torschützen der Champions League


Kommentare