Der steinige Weg an die Spitze
Masazir ist eine Gemeinde mit knapp 19.000 Einwohnern im Bezirk Absheron, unmittelbar vor den Toren Bakus. Bekannt ist der Ort vor allem für den Masazirgöl, einen rund zehn Quadratkilometer großen Salzsee, der wegen seiner auffälligen Färbung auch "Rosa See" genannt wird.
Hier ist Sabah zuhause.
Als der Klub 2017 gegründet wurde, war von Champions League noch nicht ansatzweise die Rede. Sabah startete in der zweiten Liga und schaffte bereits in der Premierensaison den Aufstieg ins Oberhaus. Dort musste sich der junge Verein zunächst etablieren.
Der Weg nach oben verlief allerdings keineswegs geradlinig. Vor allem in den ersten Jahren nach der Vereinsgründung wurde Sabah von den heimischen Fans kritisch beäugt.
Laut Imran Huseynov, Redakteur beim aserbaidschanischen Sportmedium "Azerisport", seien in dieser Zeit viele neue Vereine in Aserbaidschan aufgetaucht, aber genauso schnell wieder von der Bildfläche verschwunden. Sabah sei dabei eine Ausnahme gewesen und habe sich den Respekt der Fans Schritt für Schritt erarbeitet.
2019/20 wurde der Klub in der Liga Sechster, danach zwei Mal Fünfter. Erst in der Saison 2022/23 gelang der große Sprung: Unter dem russischen Trainer Murad Musayev wurde man Vizemeister und qualifizierte sich erstmals für den Europacup.
2023 scheiterte Sabah in der Conference-League-Qualifikation erst im Elfmeterschießen an Partizan Belgrad. Ein Jahr später bezwang man zwar sensationell Maccabi Haifa, schied anschließend aber gegen St. Patrick's Athletic aus.
"In früheren Spielzeiten hätte Sabah besser abschneiden können. Der Kader war zweifellos gut genug dafür. Letztlich gaben jedoch Fehler und ein Mangel an nötiger Erfahrung den Ausschlag", blickt der aserbaidschanische Kommentator Tural Dadashov zurück.
Der erste Titel der Vereinsgeschichte
Während der Saison 2024/25 übernahm der ehemalige russische Nationalspieler Vasili Berezutskiy das Ruder bei Sabah – und führte den Klub zu seinem ersten großen Titel.
Am 31. Mai 2025 schrieb der damals erst sieben Jahre alte Verein Geschichte. Im Finale des aserbaidschanischen Cups traf Sabah ausgerechnet auf Serienmeister Qarabag. In der 119. Minute sorgte Tellur Mütallimov für den 3:2-Sieg. Der erste Pokal der Klubgeschichte.
Und trotzdem war die Erfolgsgeschichte mit Berezutskiy unmittelbar danach vorbei. Nur zwei Wochen nach dem historischen Triumph trennte sich Sabah vom Russen, weil man in der Liga nur Fünfter geworden war.
Was danach kam, hätte wohl selbst in Masazir kaum jemand erwartet: Sabah holte mit Valdas Dambrauskas einen Trainer, der den Klub nicht einfach nur weiterentwickeln sollte. Er sollte ihn innerhalb eines Jahres bis an die Spitze Aserbaidschans und schließlich auf die größte Bühne des europäischen Klubfußballs führen.
Der ewige Meister wird entthront
Mit Dambrauskas arbeitete der Klub weiter akribisch an seinem Aufstieg.
In Aserbaidschan war der große Maßstab über Jahre Qarabag. Zwischen 2014 und 2025 holte der Traditionsklub aus Agdam in zwölf Spielzeiten elf Meistertitel. Sabah schien eigentlich nur der nächste Herausforderer zu sein.
Doch ausgerechnet in der Saison 2025/26 gelang dem jungen Klub der Coup.
Sabah wurde erstmals Meister – und das mit neun Punkten Vorsprung auf Qarabag.
Es ist nicht nur der Erfolg eines Vereins. Es ist ein sehr wichtiges Ereignis für den aserbaidschanischen Fußball insgesamt.
Noch bemerkenswerter: In drei Liga-Duellen gegen den Serienmeister blieb Sabah ungeschlagen, feierte zwei Siege und ein Remis. Auch im Pokal-Halbfinale setzten sich die "Eulen" erneut gegen Qarabag durch.
Am Ende stand das Double.
"Es ist nicht nur der Erfolg eines Vereins. Es ist ein sehr wichtiges Ereignis für den aserbaidschanischen Fußball insgesamt", sagt Dadashov.
Für Sabah war es der endgültige Schritt vom ambitionierten Emporkömmling zum neuen Machtfaktor. Und plötzlich war sogar die Champions League realistisch.
Erfolgsfaktor ist ein Mann aus Litauen
Dabei begann die Ära des neuen Trainers Valdas Dambrauskas zunächst alles andere als märchenhaft.
Der Litauer hatte Sabah im Sommer 2025 übernommen. In der Europa-League-Qualifikation scheiterte sein Team zunächst an NK Celje, danach war gegen Levski Sofia in der Conference-League-Qualifikation Endstation.
Zum dritten Mal in Folge war Sabah damit in der dritten Qualifikationsrunde der Conference League gescheitert. Doch im Liga-Alltag zeigte sich, dass die Verpflichtung Dambrauskas' ein Glücksgriff war.
"Dambrauskas gelang es, Sabah auf ein noch höheres Niveau zu heben", sagt Huseynov.
Bereits Ende April stand Sabah – vier Spieltage vor Saisonende und mit nur einer Niederlage – als Meister fest. Den Pokal verteidigte man ebenfalls.
Und dann begann das eigentliche Wunder.
Der Erfolgslauf in der CL-Quali
Als aserbaidschanischer Meister musste Sabah in der Champions-League-Qualifikation bereits in der ersten Runde einsteigen.
Zunächst wurden die New Saints aus Wales und der finnische Meister Kuopion Palloseura ausgeschaltet. Damit war zumindest die Teilnahme an der Conference League gesichert und das selbst geäußerte Minimalziel erreicht.
Sabah konnte also nur noch gewinnen. Und genau das tat der Klub.
Gegen den dänischen Meister Aarhus GF verlor Sabah das Hinspiel der dritten Quali-Runde auswärts mit 1:2. Im Rückspiel folgte eine Machtdemonstration: 4:0.
Im Playoff wartete mit Hapoel Beer Sheva der israelische Meister. Wieder verlor Sabah das Hinspiel auswärts mit 1:2. Wieder schien der Traum zu platzen. Wieder kam Sabah zurück.
Vor 30.000 Zuschauern im Tofiq-Bahramov-Stadion lag man auch im Rückspiel lange mit 1:2 zurück. Dann traf Umarali Rakhmonaliev zum 2:2. In der allerletzten Sekunde der regulären Spielzeit wurde Tellur Mütallimov zum Helden.
Der Mann, der Sabah bereits 2025 mit seinem Treffer in der 119. Minute zum ersten Pokaltitel der Vereinsgeschichte geschossen hatte, traf erneut in einem entscheidenden Moment zum 3:2.
Das Spiel ging in die Verlängerung. Dort machte Sabah mit zwei weiteren Treffern alles klar. 5:2 nach Verlängerung. Champions League.
"Sabah machte die aserbaidschanischen Fans extrem stolz und glücklich", unterstreicht Dadashov.
Der größte Underdog der Königsklasse
Dieser Erfolg ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis jahrelanger, konsequenter Arbeit in den Bereichen Vereinsführung, Infrastruktur, Spielerrekrutierung und Coaching.
Wie außergewöhnlich die Geschichte ist, zeigt ein Blick auf die Zahlen.
Sabah geht mit einem Kader-Marktwert von 18,5 Millionen Euro in die Champions League – mit großem Abstand der niedrigste Wert aller 36 Teilnehmer.
Der zweitniedrigste Gesamt-Marktwert, jener von Slovan Bratislava, ist mit rund 36 Millionen Euro beinahe doppelt so hoch. Selbst der LASK, dessen eigene Champions-League-Qualifikation bereits als Sensation gilt, kommt auf rund 51 Millionen Euro.
In Österreich wäre Sabah vom Marktwert her aktuell hinter Salzburg, Sturm, LASK, Rapid und der Austria die Nummer sechs.
Dass der Aufstieg kein Zufallsprodukt ist, betont Sabah's technischer Direktor Igor Ponomaryov, der 1988 mit der Sowjetunion Fußball-Olympiasieger wurde:
"Dieser Erfolg ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis jahrelanger, konsequenter Arbeit in den Bereichen Vereinsführung, Infrastruktur, Spielerrekrutierung und Coaching."
Von einer Quizshow in die Champions League
Einer der wichtigsten Architekten dieser Entwicklung ist zweifelsohne Valdas Dambrauskas.
Dessen Geschichte würde selbst für einen Fußballroman reichen.
Als Spieler schaffte es der heute 49-Jährige nur bis in die dritte Liga Litauens. Mit 23 Jahren beendete er seine aktive Karriere, studierte Ingenieurwesen und nahm zwei Jahre später an der litauischen Version der Millionenshow teil.
Dambrauskas gewann rund 4.000 litauische Litas, umgerechnet knapp 1.200 Euro.
Mit diesem Geld zog er mit seiner späteren Frau nach London, studierte Sportwissenschaft und Coaching und begann, seine Trainerkarriere aufzubauen.
Seinen Lebensunterhalt verdiente er unter anderem als Verkäufer, Zeitungsausträger und Kindergärtner. Gleichzeitig arbeitete er im Nachwuchsbereich von Manchester United, Fulham und Brentford und investierte sein Geld in Trainerkurse und Fachliteratur.
Vom neuntklassigen Verein Kingsbury London Tigers ging es schließlich Schritt für Schritt in den Profifußball.
Durch den Gewinn der Meisterschaft und das Erreichen der Ligaphase der Champions League gewann der Litauer die Unterstützung aller Aserbaidschaner.
England, Litauen, Lettland, Kroatien, Bulgarien, Griechenland, Zypern, Ungarn, Aserbaidschan – Dambrauskas hat bereits in neun Ländern gearbeitet.
Mit Zalgiris Vilnius gewann er in seiner Heimat zwei Mal das Double, mit RFS den lettischen Pokal, mit Ludogorets die bulgarische Meisterschaft und mit Hajduk Split den kroatischen Pokal.
Nun folgte der größte Erfolg seiner Karriere.
"In Aserbaidschan gilt er als moderner Trainer mit ausgeprägtem taktischem Verständnis und besonderem Augenmerk auf Details", sagt Ponomaryov.
Dass sich der litauische Coach hohe Popularität erarbeitet hat, bestätigt auch Huseynov: "Durch den Gewinn der Meisterschaft und das Erreichen der Ligaphase der Champions League gewann der Litauer die Unterstützung aller Aserbaidschaner."
Eine heiße Trainer-Aktie in Europa?
Dambrauskas ist allerdings nicht gerade für lange Amtszeiten bekannt.
Kaum ein anderer Trainer im europäischen Fußball hat in so vielen unterschiedlichen Ländern gearbeitet. Genau deshalb stellt sich die Frage, wie lange Sabah seinen Erfolgscoach halten kann.
"Wenn du deinen Job gut machst, wirst du unweigerlich bemerkt werden", sagt Huseynov. Sollte ein Angebot aus einer der großen europäischen Ligen kommen, könne Sabah den 49-Jährigen wohl kaum halten.
Dadashov glaubt dagegen an eine längere Zusammenarbeit. "Ich persönlich glaube, dass er noch viele Jahre bei der Mannschaft bleiben wird", sagt der Kommentator. Immerhin sei Trainerkollege und Qarabag-Erfolgscoach Qurban Qurbanov seit mittlerweile 18 Jahren im Amt.
Dambrauskas selbst habe erklärt, Sabah sei die stärkste Mannschaft, die er bislang trainiert habe.
Vielleicht ist Sabah für den Weltenbummler also tatsächlich mehr als nur die nächste Station.
Mutig statt abwartend
Auch spielerisch hat sich Sabah unter Dambrauskas weiterentwickelt. "Mutig und offensiv" fasst Imran Huseynov den Ansatz zusammen.
Sabah zieht sich nicht zurück und wartet auf Fehler des Gegners, sondern will selbst das Spiel kontrollieren. Hohes Pressing, schnelle Umschaltmomente, viel Aktivität über die Flügel und Ballbesitz prägen den Stil.
Igor Ponomaryov hebt zudem den Spielaufbau von hinten und die taktische Flexibilität hervor: Sabah könne seine Formation und Herangehensweise an den jeweiligen Gegner anpassen.
Dass dieser offensive Ansatz funktioniert, zeigen auch die Zahlen der Champions-League-Qualifikation: Kein Team erzielte mehr Tore oder feierte mehr Siege.
Mit Veljko Simic, Tymoteusz Puchacz und Joy-Lance Mickels kamen auch der beste Torschütze, der beste Assistgeber und der Spieler mit den meisten Abschlüssen der Qualifikation aus den Reihen Sabahs.
Vom Regionalliga-Knipser zum Rekordtorschützen
Dass Sabah heute überhaupt auf Europas größter Bühne steht, ist also nicht nur dem Trainer zu verdanken.
Einer der wichtigsten Namen im Klub ist Joy-Lance Mickels.
Der in Siegburg geborene Angreifer durchlief einst die Nachwuchsakademien von Borussia Mönchengladbach und Schalke 04. Für die große Karriere in Deutschland reichte es allerdings nicht.
Mickels spielte in der Regionalliga, in der 3. Liga und in der zweiten niederländischen Liga. 2021 verschlug es ihn nach Aserbaidschan.
Seitdem wurde aus dem einstigen deutschen Nachwuchsspieler eine Vereinslegende: 150 Pflichtspiele, 80 Tore, 34 Assists.
Mickels ist damit mit großem Abstand Sabahs Rekordtorschütze. In der vergangenen Saison holte er mit 19 Toren zudem die Torjägerkrone.
Auch in der Champions-League-Qualifikation war er zur Stelle: vier Treffer in acht Spielen.
Neben ihm sorgt auch der Serbe Veljko Simic für Gefahr. Er erzielte in der Qualifikation sogar sechs Tore und wurde damit zum besten Torschützen des gesamten Wettbewerbs.
Der Flankengott aus Polen
Ein weiterer Schlüsselspieler kommt aus Polen.
Tymoteusz Puchacz spielte bereits für Union Berlin und Holstein Kiel in der deutschen Bundesliga und absolvierte 15 Länderspiele für Polen.
In der vergangenen Saison war er zunächst nur ausgeliehen – und überzeugte derart, dass Sabah ihn im Sommer für rund 500.000 Euro fest verpflichtete.
Eine Investition, die absolut nachvollziehbar ist. Zwei Tore und zwölf Vorlagen steuerte der Linksverteidiger zum Double bei. In der Champions-League-Qualifikation folgten fünf Assists in acht Spielen.
"Puchacz, der in der Champions-League-Qualifikation die meisten Vorlagen geliefert hat, muss zweifellos als einer der wichtigsten Spieler genannt werden", sagt Dadashov.
Mit einem Marktwert von rund 2,5 Millionen Euro ist er nicht zuletzt der wertvollste Spieler im gesamten Sabah-Kader.
Der kreative Kopf ist ein Aserbaidschaner
Während Sabah ansonsten stark auf Legionäre setzt, gibt es im Zentrum des Teams einen wichtigen Einheimischen.
Aleksey Isayev ist mit seinen 30 Jahren mittlerweile beinahe eine Vereinsikone. 146 Spiele absolvierte der offensive Mittelfeldspieler bereits für Sabah. Dabei gelangen ihm 15 Tore und 38 Vorlagen.
Im Playoff-Rückspiel gegen Hapoel Beer Sheva bereitete Isayev die beiden entscheidenden Treffer vor.
Gemeinsam mit Spielern wie dem französischen Innenverteidiger Steve Solvet, dem kroatischen Sechser Ivan Lepinjica oder dem kasachischen Torhüter Stas Pokatilov bildet er das Gerüst jener Mannschaft, die sich nun mit den Besten Europas messen darf.
Und genau hier liegt gleichzeitig ein Problem, das über Sabah hinausgeht.
Ein Champions-League-Klub ohne Nationalteam-Effekt?
Denn Sabah ist ein Paradebeispiel für die aktuelle Entwicklung des aserbaidschanischen Klubfußballs. Seit der letzten Saison ist die Begrenzung der Anzahl ausländischer Spieler in der heimischen Liga aufgehoben.
19 der 27 Kaderspieler von Sabah sind Legionäre. Auch Qarabag und Neftci setzen stark auf ausländische Spieler.
Das Hauptproblem ist nicht die Anzahl der ausländischen Akteure, sondern dass einheimische Spieler keine sinnvollen Chancen und wenig Spielzeit erhalten.
Das hilft den Klubs, international konkurrenzfähig zu werden – der Nationalmannschaft allerdings nur bedingt.
Aserbaidschan liegt aktuell nur auf Platz 126 der FIFA-Weltrangliste. Die bislang beste Platzierung war Rang 73 im Jahr 2014.
"Das Hauptproblem ist nicht die Anzahl der ausländischen Akteure, sondern dass einheimische Spieler keine sinnvollen Chancen und wenig Spielzeit erhalten", erklärt Ponomaryov.
Auf der anderen Seite sieht Huseynov auch eine Chance: Durch die hohe Qualität der Legionäre könnten die besten einheimischen Spieler stärker gefordert werden.
Sabah selbst zeigt beide Seiten. Mit Isayev und Innenverteidiger Rahman Dashdemirov stehen zwei Aserbaidschaner regelmäßig in der Startelf. Andere Talente wie Hayal Aliyev oder Amin Ramazanov hoffen auf den nächsten Schritt.
"Eine neue Ära" für Aserbaidschan
Für den Klub selbst ist die Champions League jedenfalls schon jetzt ein historischer Erfolg.
Qarabag war bislang der einzige aserbaidschanische Verein, der den Sprung in die Königsklasse geschafft hatte – 2017/18 und zuletzt 2025/26.
Nun hat das Land einen zweiten Vertreter.
Und der bekommt es gleich mit einigen der größten Namen des Weltfußballs zu tun.
Am 10. September geht es zum Auftakt ins Old Trafford zu Manchester United. Am 20. Oktober kommt Borussia Dortmund nach Baku. Am 25. November folgt mit dem FC Barcelona das wohl größte Highlight. Zum Abschluss wartet am 27. Jänner 2027 Arsenal im Emirates Stadium. Dazu kommen Villarreal, Napoli, Slavia Prag und Viking Stavanger als weitere Gegner.
"Die Spiele gegen Manchester United, Borussia Dortmund, Barcelona und Arsenal werden nicht nur für die Fans von Sabah, sondern für die gesamte Fußballgemeinschaft des Landes besondere Ereignisse sein", sagt Ponomaryov.
Besonders Barcelona löst Euphorie aus: "Man könnte sagen, dass dies der größte Verein ist, der jemals in Aserbaidschan gespielt hat", meint Huseynov. Einige Sabah-Kicker seien zudem sogar selbst große Barca-Fans.
Zwischen Demut und Hoffnung
Und was ist nun tatsächlich von Sabah zu erwarten?
Ein Blick auf Qarabag zeigt, dass selbst scheinbar Unmögliches möglich ist. Während der Lokalrivale in der vergangenen Saison sensationell die Top 24 erreichte, wäre eine Wiederholung für Sabah angesichts der Auslosung wohl eine faustdicke Überraschung.
Imran Huseynov hält höhere Erwartungen für überzogen – schließlich ist Sabah Champions-League-Debütant und verfügt über den geringsten Marktwert aller 36 Teilnehmer.
Tural Dadashov sieht das ähnlich, verweist aber auf die Geschichte Qarabags: "Letztes Jahr haben alle dasselbe über Qarabag gesagt." Der Druck sei gering, genau das könne zum Vorteil werden.
Igor Ponomaryov wiederum fordert, dass sich Sabah von großen Namen nicht einschüchtern lässt: Die Mannschaft habe bereits gezeigt, dass sie auch gegen favorisierte Gegner bestehen kann. Ein Punkt oder gar ein Sieg gegen einen der Giganten wäre also Bonus – aber keineswegs ausgeschlossen.
Ein Hexenkessel wartet auf die Giganten
Die Heimspiele wird Sabah voraussichtlich im Tofiq-Bahramov-Stadion austragen. Die eigene Bank Respublika Arena in Masazir fasst nämlich nur rund 9.000 Zuschauer und erfüllt die UEFA-Anforderungen für die Champions-League-Ligaphase nicht.
Das Tofiq-Bahramov-Stadion bietet dagegen Platz für mehr als 31.000 Fans. Beim entscheidenden Playoff-Rückspiel gegen Hapoel Beer Sheva waren die Ränge bereits nahezu voll.
Und die Stimmung könnte gegen Dortmund, Barcelona und Co. noch einmal eine ganz andere Dimension erreichen.
"Sabah hat in europäischen Wettbewerben stets enorme Unterstützung von seinen Fans erhalten", sagt Dadashov.
Ponomaryov sieht darin sogar einen sportlichen Vorteil: "Volle Ränge und eine intensive Atmosphäre können den Spielern zusätzliche Energie verleihen und gleichzeitig einen gewissen Druck auf die Gastmannschaften ausüben."
Sogar das 68.000 Zuschauer fassende Baku Olympic Stadium steht als mögliche Alternative im Raum.
Für die Gegner dürfte es letztlich keinen großen Unterschied machen. Wo auch immer Sabah spielt: Die Champions League ist in Baku angekommen.
Vom Nobody zum Herausforderer
Es könnte durchaus den Beginn einer neuen Ära im aserbaidschanischen Fußball markieren.
Plötzlich ist da also dieser Klub, den vor wenigen Jahren außerhalb Aserbaidschans kaum jemand kannte.
Gegründet vor gerade einmal neun Jahren. Aufgestiegen über die zweite Liga. Mehrfach in der dritten Qualifikationsrunde gescheitert. Ohne große Tradition und mit dem mit Abstand schwächsten Kader der Champions League.
Jetzt spielt Sabah gegen Manchester United, Barcelona und Arsenal.
"Bislang war der aserbaidschanische Vereinsfußball vor allem durch die Erfolge von Qarabag bekannt. Nun berichten europäische Medien über einen erst neun Jahre alten Verein, der die große Bühne des europäischen Fußballs erreicht hat", sagt Dadashov.
Vielleicht ist das sogar die größte Geschichte hinter Sabahs Aufstieg. Es geht nicht nur um einen Verein, der plötzlich in der Champions League spielt. Es geht um die Entstehung eines neuen Machtzentrums im aserbaidschanischen Fußball.
"Es könnte durchaus den Beginn einer neuen Ära im aserbaidschanischen Fußball markieren", glaubt Dadashov.
Ponomaryov formuliert es noch grundsätzlicher: Die Champions League soll jungen Spielern zeigen, dass dieser Traum erreichbar ist.
Und so beginnt für Sabah FK ausgerechnet an seinem neunten Geburtstag das nächste Kapitel. Eines, das sie von Masazir nach Manchester führt.