Beginn in den 1930er-Jahren
Die Geschichte von Beitar Jerusalem geht bereits vor die Gründung des Staates Israel zurück. In den 1930er-Jahren wurde der Verein von David Horn und Shmuel Kirstein gegründet.
Beide waren Mitglieder der Beitar- oder Betar-Bewegung, einer rechten, revisionistisch-zionistischen Bewegung, die auch als Vorläufer der späteren politischen Parteien Cherut und Likud betrachtet werden kann.
In Israel ist es üblich, dass Fußballvereine an politische Bewegungen geknüpft sind. So gibt es mehrere Beitar-Vereine im ganzen Land, aber auch Maccabi- und Hapoel-Vereine sind ähnlich aufgebaut.
Über 20.000 Fans in der "Hölle"
Doch während es mehrere erfolgreiche Maccabi- und Hapoel-Vereine gibt, ist Jerusalem der mit Abstand erfolgreichste Beitar-Klub und gleichzeitig der beste Verein der Stadt.
Insgesamt holte Beitar Jerusalem sechs Meistertitel und acht Pokalsiege in Israel.
Mit seinen Erfolgen konnte der Klub auch eine große Masse an Fans begeistern. So kamen vergangene Saison durchschnittlich über 20.000 Zuschauer zu den Heimspielen ins Teddy-Stadion, das wegen der Atmosphäre von den Fans von Beitar als "Gehinnom" (Hölle) bezeichnet wird.
"Ein Treffpunkt für die Rechten"
Zu den Sympathisanten sollen auch mehrere Mitglieder der israelischen Regierungspartei Likud zählen, darunter auch Ministerpräsident Benjamin Netanjahu.
Ronny Blaschke, ein deutscher Sportjournalist, der sich viel mit dem Fußball in Israel beschäftigt, sagt dazu: "Beitar war als Sportverein auch ein Begegnungsort der nationalistischen Gruppen. Auf der Ehrentribüne haben sich Benjamin Netanjahu und Reuven Rivlin gezeigt. Rivlin war später auch Geschäftsführer bei Beitar. So war die Ehrentribüne eben ein Treffpunkt für die Rechten."
Ein Spieler, der bei Beitar unter Vertrag steht ist Shon Weissman. Der ehemalige Bundesliga-Torschützenkönig wechselte in diesem Sommer von Blau-Weiß Linz zurück in seine Heimat. In der Vergangenheit sorgte er schon öfter für Aufregung aufgrund Palästina-feindlicher Postings.
Kein einziger Araber
Auf der Vereinswebsite schreibt Beitar über die eigenen Werte: "Im Kern steht das Konzept, dass 'jeder Einzelne ein König ist, der dem anderen gleichgestellt ist.' Das bedeutet, dass jeder Mensch mit Respekt, Inklusion und Gleichheit behandelt werden sollte, unabhängig von seiner Religion, Herkunft oder seinem Geschlecht."
In Realität sieht das jedoch etwas anders aus. Denn trotz dem, dass in Israel fast 20 Prozent der Bevölkerung arabischer Herkunft sind, hat bei Beitar Jerusalem noch kein einziger Araber gespielt.
La Familia ist ein wichtiges Netzwerk für Rechte und Rechtsextreme in Israel. Die können sich dort fernab strenger politischer Protokolle wohlfühlen.
Auch in Zukunft hält Blaschke das für nahezu ausgeschlossen: "Es ist utopisch, dass da irgendwann mal ein arabischer Spieler auftaucht."
Auch andere muslimische Spieler gab es bislang nur sehr wenige im Verein. Immer wieder kam es zu Fanprotesten, wenn der Verein den Transfer eines muslimischen Spielers ankündigte.
Als 2013 zwei russische Muslime bei Beitar vorgestellt wurden, zündeten Anhänger des Vereins Klub-Büros an. Diese Angriffe wurden damals allgemein scharf verurteilt. Auch Netanyahu sagte danach: "Wie können so ein rassistisches Verhalten nicht akzeptieren."
"La Familia"
Dennoch kommt es immer wieder genau zu so einem Verhalten bei Beitar, vor allem auch wegen einer Fangruppierung. "La Familia" gilt als eine der berüchtigtsten und extremsten Ultra-Gruppen Israels.
"La Familia ist ein wichtiges Netzwerk für Rechte und Rechtsextreme in Israel. Die können sich dort fernab strenger politischer Protokolle wohlfühlen. La Familia verbindet den Fußball und den vorpolitischen Raum", sagt Blaschke über die Ultragruppe.
"La Familia" wurde 2005 gegründet und konnte ihre Macht und ihren Einfluss seitdem immer weiter ausbauen. Auf der Tribüne sind sie oft die Lautesten und die, die "Vernichtet die Feinde Israels"" und "Tod allen Arabern" schreien.
Seit dem 7. Oktober noch extremer
Besonders brisant sind dabei Spiele gegen Ibud Bnei Sachnin, dem einzigen großteils arabisch-geprägten Klub in Israels erster Liga. Immer wieder ist es zu Auseinandersetzungen gekommen.
Seit dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 ist die Lage nochmal extremer geworden. So soll es kurz danach einen Überfall von Beitar-Hooligans auf ein Krankenhaus gegeben haben, da dort angeblich ein Hamas-Kämpfer versorgt wurde.
Blaschke sagt dazu: "Beitar-Fans haben immer schon den Rassismus in die Stadien getragen, aber seit dem 7. Oktober hat das nochmal stärker zugenommen, vor allem in Spielen gegen Bnei Sachnin. Das hat stark zugenommen, aber wird jetzt auch noch stärker akzeptiert als früher."
Einer der seitdem auch öfters im Beitar-Stadion gesehen wurde, ist der rechtsextreme israelische Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir. Dieser wurde bei einem Spiel in Ashdod in der Nähe des Gazastreifens von Ultras umringt und umarmt, ehe diese Lieder wie, "Wir hassen alle Araber" anstimmten.
Sanktionen und Stadionverbote
Das Verhalten der Beitar-Anhänger blieb allerdings nicht ungestraft. Immer wieder gab es Sanktionen, sowohl von der FIFA als auch vom israelischen Fußballverband IFA.
Menschenrechtsorganisationen wie "Kick It Out Israel" setzen sich immer wieder gegen den Rassismus und die Diskriminierung in den Stadien ein.
In Israel wird das politische Image nicht mehr so problematisch betrachtet, weil die Gesellschaft mehr nach rechts gerückt ist.
Auch der Verein selbst versucht, Zeichen zu setzen und verhängt immer wieder Strafen und Stadionverbote gegen einzelne Fans.
Scheich-Einstieg scheiterte
2020 stand Beitar Jerusalem vor dem Einstieg eines neuen Investors. Hamad bin Khalifa Al Nayhan, ein Scheich aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, sollte 50 Prozent des Vereins übernehmen.
Daraufhin gab es große Proteste von den Fans. Vor allem auch von "La Familia" sollen einige Mitglieder an den Demonstrationen beteiligt gewesen sein.
Der Deal kam schlussendlich nicht zu Stande, allerdings nicht aufgrund der Fanproteste. Die Finanzbehörde stellte Ungereimtheiten bei Al Nayhans Finanzen fest.
Keine rosige Zukunft
Auch wenn ehemalige Vorstandsvorsitzende immer wieder probiert haben, Dinge im Verein anzustoßen, Blaschke glaubt nicht, dass sich der Verein in naher Zukunft von seinem politischen Image lösen kann.
"In Israel wird das politische Image nicht mehr so problematisch betrachtet, weil die Gesellschaft mehr nach rechts gerückt ist. Daher glaube ich auch nicht, dass sich dieses Image verändern wird", so der Deutsche.