Sturm Graz: Drei Teams und ein Pilz-Befall

 

Nein, als Ausrede für die fußballerische Schonkost im Schlager zwischen den SK Sturm Graz und dem SK Rapid Wien darf die schlechte Qualität des Rasens in der Merkur Arena nicht herhalten.

Darüber herrschte bei allen Beteiligten Einigkeit, schließlich sind die Bedingungen für beide Teams gleich.

Aber dass der jüngste Pilz-Befall dem Untergrund in Graz-Liebenau massiv zugesetzt hat, ist unübersehbar - und bekanntlich kein Problem, dass die Vereine in der steirischen Landeshauptstadt exklusiv haben.

"Es ist eine Thematik, die seit einem Jahr eigentlich fast jeden Klub betrifft, und das ist schade", mahnt Rapid-Trainer Didi Kühbauer, "leider kommt das in Österreich auf Fußballplätzen oftmals vor. Ich habe mir sagen lassen, dass es durch die erhöhten Temperaturen über einen längeren Zeitraum schwierig ist. Aber für Mannschaften, die gerne Fußballspielen, ist es nicht gut, wenn der Platz holprig ist."

Bei Rapid kennt man sich bei dieser Thematik aus leidvoller Erfahrung bestens aus.

In Graz kommt in Sachen Rasen-Qualität jedoch, völlig unabhängig vom Pilz-Befall, eine weitere Problematik hinzu: Die Arena wird im Herbst von Sturm, GAK und in der Europa League vom Wolfsberger AC genutzt.

Droht das Thema "Wiese" in Liebenau angesichts der Dauerbelastung zum Dauerbrenner zu werden?

Mit der Wembley-Qualität ist es vorbei

Das Thema Rasen-Qualität in Graz ließ schon vor vier Jahren die Wogen hochgehen. Fairerweise gilt es jedoch zu betonen, dass sich seither vieles gebessert hat.

In der jüngsten "Pitch Competition" der VdF wurde der Rasen in der Merkur Arena zum besten der Bundesliga gekürt. In Graz dürfe man sich mittlerweile über einen Rasen mit "Wembley-Qualität" freuen, hieß es damals.

"Der Rasen war in den letzten Jahren immer der beste oder zweitbeste der Liga. Das wird in dieser Saison schwierig", übt sich Sturms Geschäftsführer Wirtschaft Thomas Tebbich auf LAOLA1-Nachfrage in Galgenhumor und verrät: "Wir haben nach unserem internationalen Spiel gegen Haugesund einen Bericht von der UEFA bekommen und der war vernichtend."

Ein Bericht, für den Sturm im Prinzip der falsche Adressat ist. "Wir sind nur Mieter im Stadion. Sturm Graz hat gar keinen Einfluss auf den Rasen - wie alle anderen Vereine, die im Stadion spielen. Wir sind natürlich im Austausch mit der Stadionverwaltung. Aber ob sie Geld in die Hand nehmen und die Rasenziegel austauschen oder dergleichen, müsste man dort nachfragen. Dazu kann ich von Sturm-Seite gar nichts sagen - außer, dass wir ihnen gesagt haben, dass Handlungsbedarf besteht", so Tebbich.

Massive Belastung bereitet Sorgen

Zum akuten Handlungsbedarf in Kürze mehr. Denn auch Sturm beschäftigt natürlich die Thematik, dass man sich das Stadion ab dieser Saison wieder teilen muss.

"Wir haben unsere Bedenken natürlich schon vor dem Beginn der Saison geäußert. Aber die Einnahmen sind der Stadionverwaltung am Ende des Tages offensichtlich wichtiger."

Thomas Tebbich

Es ist ein offenes Geheimnis, dass das Einvernehmen mit der Stadionverwaltung schon in Zeiten als Alleinmieter nicht immer das beste war. Nun hat sich der logistische Aufwand für alle Beteiligten, also vor allem Sturm und den GAK sowie im Herbst auch den WAC, deutlich erhöht.

Während die Vereine in Graz Ideen für eine langfristige Lösung der Stadion-Problematik erörtern, gilt es kurzfristig, den anstehenden Herbst über die Bühne zu bringen - und diesbezüglich bereitet eben auch der Zustand des Rasens Sorgen.

Tebbich warnt: "Die Belastung ist massiv. Bei den internationalen Spielen finden am Tag davor auch noch die Abschlusstrainings von Heim- und Auswärtsmannschaft statt. Wenn dann im Herbst auch noch schlechtes Wetter kommt, wird der Rasen am Mittwoch und Donnerstag massiv belastet. Dann spielt vielleicht der GAK am Freitag und wir am Sonntag - das könnte passieren und wäre ein Wahnsinn. Also haben wir unsere Bedenken natürlich schon vor dem Beginn der Saison geäußert. Aber die Einnahmen sind der Stadionverwaltung am Ende des Tages offensichtlich wichtiger."

Keine Wunder erwarten: "Zaubern ist schwierig"

Und dann kam der Pilz, der jetzt ganz oben auf der Liste steht.

Hannes Knoll, Betriebsleiter Sportstätten der Stadionverwaltung, beschwört im Gespräch mit LAOLA1, dass sein Team alles unternimmt, um dieses Problem in den Griff zu bekommen: "Nur darf man sich keine Wunder erwarten. Unsere Leute wissen schon, was sie tun, sonst wären wir in den letzten Jahren mit unserem Rasen nicht die Nummer eins in Österreich gewesen. Aber zaubern ist schwierig! Wir machen, was in unserem Rahmen möglich ist."

Grundsätzlich habe man von Seiten der Stadionverwaltung der zusätzlichen Belastung für den Rasen in diesem Herbst zuversichtlich entgegengeblickt:

"Der Rasen war gesund und in einem sehr guten Zustand, dann haltet er ein Spiel pro Woche schon aus. Das ist in anderen Stadien auch so. Das sehe ich nicht als großes Problem. Der WAC spielt zusätzlich drei Spiele in drei Monaten - auch das ist kein Problem. Aber der Pilz, der uns jetzt in die Quere gekommen ist, hat uns natürlich schon gescheit zugesetzt. Denn damit kannst du nicht rechnen. Wenn du ihn siehst, ist es eigentlich schon zu spät. Dann kannst du nur noch Schadensbegrenzung machen."

Die nächsten zwei, drei Wochen werden entscheidend

"Plötzlich ist er da! Zwei Tage vorher hat man nichts gesehen und übers Wochenende war auf einmal der ganze Platz mit dem Pilz versehen, der den Rasen zusammengefressen hat. Da kann ich nicht sagen, mit einem Schnipser ist wieder alles in Ordnung."

Hannes Knoll

So sei das laut Knoll eben bei einem Naturprodukt: "Plötzlich ist er da! Zwei Tage vorher hat man nichts gesehen und übers Wochenende war auf einmal der ganze Platz mit dem Pilz versehen, der den Rasen zusammengefressen hat. Da kann ich nicht sagen, mit einem Schnipser ist wieder alles in Ordnung. Das dauert seine Zeit, bis das nachwächst."

Man habe ein Mittel gespritzt, um den Pilz einzudämmen. Im Moment würde es keine weitere Ausbreitung geben. Mittlerweile habe man auch schon einige Rasensoden getauscht. Ein Unsicherheitsfaktor, der sich im Worst Case auf den restlichen Herbst auswirken könnte, bleibt jedoch das Wetter:

"Wir hoffen, dass die Nächte jetzt kühler werden, und wenn die Temperatur auch tagsüber runtergeht, bekommen wir auch wieder ein Wachstum zusammen. Die nächsten zwei, drei Wochen sind natürlich entscheidend. Denn ab Mitte, Ende September sind die Temperaturen so tief, dass der Rasen kaum noch wächst. Da lebt man dann eher von der Substanz. Deshalb sind wir jetzt dran, dass wir alles ausschöpfen und das wieder hinkriegen."

Spätestens nach der Länderspielpause Mitte September möchte man so weit sein, dass der Rasen in Liebenau wieder voll bespielbar ist. Bei Sturm gegen Rapid sei es schon besser gewesen als beim GAK-Spiel davor: "Und bis zum Sonntag zum Spiel gegen Tirol hoffen wir, dass es auch wieder besser ausschaut. Wir sind auf dem Weg der Besserung. Man sieht, es keimt schon, aber Gras wächst nicht innerhalb von 24 Stunden zu einem schönen Rasen. Das geht nicht."

Ein Import-Pilz?

Ursprünglich hieß es, dass der Pilz via GAK-Spieler vom Auswärtsspiel beim FAC "importiert" wurde.

"Wenn das mit der Klimaerwärmung in Österreich so weitergeht, wird man das Problem öfters haben."

Hannes Knoll

Darüber will Knoll nicht spekulieren: "Das ist möglich, aber auch wenn es so wäre, hätte der FAC da keine Schuld, weil er sich den Pilz nicht ausgesucht hat. Der ist einfach gekommen. Es kann schon sein, dass er über die Fußballschuhe eingeschleppt worden ist. Einen Beweis dafür gibt es nicht, und es ändert nichts an der Sache. Wir haben den Pilz jetzt da und müssen schauen, dass wir ihn wegkriegen."

Entstanden sei er jedenfalls aufgrund der hohen Temperaturen: "Wir wissen nicht, ob bei uns oder in einem anderen Stadion. Aber aufgrund der Tropennächte, wo die Temperatur nicht unter 20 Grad geht, kann sich so ein Pilz bilden und dann relativ rasch verbreiten."

Das Problem Klimaerwärmung

Dass Kühbauer betont, dass die meisten Klubs in Österreich von dieser Problematik betroffen sind, könnte keine Übertreibung sein. Auch deutsche Vereine haben zu kämpfen. Laut Knoll könnte diese Causa in den kommenden Jahren eine noch größere Herausforderung werden:

"Wenn das mit der Klimaerwärmung in Österreich so weitergeht, wird man das Problem öfters haben. Dann glaube ich, dass wir andere Rasen-Sorten brauchen, die weiter südlich verwendet werden. Wobei wir auf der anderen Seite einen kalten Winter haben und im November, Dezember und Mitte Februar einen robusten Rasen brauchen, der die Temperaturen aushält. Das wird sicher spannend!"

Für Sturm, GAK und WAC wird vorerst jedoch besonders spannend, wie gut der Rasen in Liebenau diesen Herbst übersteht.

Textquelle: © LAOLA1.at

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