Rapid: Nur nicht wieder in Schönheit sterben

 

Schönheitspreis gewann der SK Rapid Wien auch diesmal keinen, zu einer Standpauke muss Didi Kühbauer nach einem Sieg diesmal jedoch nicht ansetzen.

"Mit diesem Sieg habe ich überhaupt keine Probleme", kann der Trainer nach dem 1:0 beim SK Sturm Graz durchatmen - wohlwissend, wie wertvoll diese drei Punkte sind und wie schwierig der Weg dorthin war.

"Es war genau das Spiel, das wir erwartet haben. Ich bin sehr froh, dass wir als Sieger vom Platz gegangen sind. Es war kein Feuerwerk von beiden Mannschaften, aber bei diesen Temperaturen ist es schwierig, da muss man den Spielern auch einmal zur Seite stehen", so der 48-Jährige.

Am vergangenen Wochenende musste Kühbauer seine Spieler nach dem mühsamen Erfolg gegen Altach noch verbal wachrütteln. Eine Ansprache, die offenkundig Wirkung zeigte. An den notwendigen Tugenden fehlte es bei der Hitzeschlacht in Liebenau keineswegs.

Murg: "Wir sind ja auch nicht dumm"

"Wir sind ja auch nicht dumm. Ich bin gegen Altach nicht am Platz gestanden und habe mir gedacht: 'Geil, jetzt spielen wir gerade richtig gut!' Wir haben schon gewusst, dass das keine gute Partie war, aber wir haben gewonnen. Der Trainer hat klar angesprochen, dass wir so nicht mehr auftreten können. Natürlich haben wir uns das zu Herzen genommen", erklärt Thomas Murg und meint weiter:

"Jeder Spieler war sehr selbstkritisch, so wie ich jeden wirklich selten erlebt habe. Wirklich jeder hat sofort eingesehen: So wollen wir einfach nicht auftreten. Das ist Rapid nicht würdig. Gegen Sturm haben wir eine gute Reaktion gezeigt."

Thomas Murg

"Jeder Spieler war sehr selbstkritisch, so wie ich jeden wirklich selten erlebt habe. Wirklich jeder hat sofort eingesehen: So wollen wir einfach nicht auftreten. Das ist Rapid nicht würdig. Gegen Sturm haben wir eine gute Reaktion gezeigt."

Eine gute Reaktion, für die Geduld und auch ein wenig Mut zur Hässlichkeit notwendig waren, wie Siegtorschütze Stefan Schwab erläutert: "Wir haben uns darauf eingelassen, dass es kein schönes Spiel wird. Ich bin schon lange hier und kann mich erinnern, wie oft wir Spiele nicht gewonnen haben, in denen wir besser waren und in Schönheit gestorben sind."

Im Abschlusstraining über den Zaun

Dies galt es diesmal mit aller Macht zu vermeiden: "Wir haben uns auf so ein Spiel eingestellt. Wir haben gewusst, wie Sturm auftreten wird, dass sie eher uns das Spiel überlassen werden. Das war dann erste Halbzeit auch so. Man muss dann auch die Bedingungen akzeptieren. Es ist heiß, der Platz ist schwierig zu bespielen, Sturm steht tief, wartet auf Fehler von uns. Dass es keine Glanzleistung oder ein schönes Spiel zum Anschauen wird, mussten wir so hinnehmen. Es war von beiden Seiten kein schönes Spiel, aber wir haben gewonnen und das ist das Entscheidende."

"Im Endeffekt entscheiden in solchen Spielen oft die Standardsituationen - und die haben wir richtig gut verteidigt und dann vorne einen reingemacht", meint Richard Strebinger.

Schwab ist glücklich, dass sein Abschluss diesmal besser geklappt hat, als noch im Abschlusstraining in einer ähnlichen Situation: "Da habe ich so einen Ball über den Zaun rausgeschossen, diesmal ist er zum Glück reingegangen."

Ein - für Diskussionen sorgender - Treffer, der nach der jüngsten Kritik auch dem Kapitän gut tut, wie er gesteht: "Der Sieg tut uns allen gut und ein Tor ist immer schön. Man freut sich natürlich persönlich, aber wenn 'Murgi' oder Maxi Hofmann das Tor schießen und wir gewinnen, bin ich genauso glücklich."

Die Leistung war nicht das Gelbe vom Ei

Bei aller Freude über den Sieg weiß man bei Rapid, dass man sich dennoch weiter steigern muss. "Die Tugenden waren da, die Punkte sind da, das ist das Wichtigste, aber spielerisch müssen wir zulegen", fordert Schwab und geht ins Detail:

"In der ersten Halbzeit haben wir es gut gemacht, vor allem als wir in Führung waren, haben wir den Ball laufen lassen. Bei dieser Hitze muss man den Gegner auch laufen lassen. Natürlich kann man einige Situationen nach vorne hin auch besser spielen, wo wir den letzten Pass nicht anbringen. In der zweiten Halbzeit waren dann nur noch die Tugenden da. Wir haben verteidigt, jeder hat für die Farben alles gegeben, aber da gab es wenig Ballstafetten von uns. Wir müssen mehr Balance reinkriegen."

Genauso verabsäumte man es mit Fortdauer der zweiten Halbzeit, die sich immer mehr bietenden Räume zu nutzen und das Spiel frühzeitig zu entscheiden - bis auf den Lattenschuss von Philipp Schobesberger sorgte man aus Kontern kaum für Gefahr.

Dies ist, auch wenn Rapid die maue Offensive von Sturm Graz bis auf wenige Szenen weitestgehend im Griff hatte, naturgemäß ein Spiel mit dem Feuer, denn wie Schwab betont: "Vor ihrer Heimkurve kann Sturm immer etwas machen. Sie hatten auch einen Stangenschuss und einen gefährlichen Kopfball. Zum Glück haben wir es drübergebracht. Aber wir wissen, dass wir demütig bleiben müssen. Die Leistung war nicht das Gelbe vom Ei."

Wieder auf Kurs

Umso wichtiger die drei Punkte, die vor den beiden schwierigen Aufgaben gegen den LASK und im Derby für die notwendige Ruhe sorgen sollten.

"Zwei Siege in Serie sind gut. In der Tabelle und von den Punkten her ist das jetzt einmal okay, aber wir müssen in den nächsten Wochen nachlegen. Nach zehn, 15 Runden werden wir sehen, wo die Tendenz hingeht. Deswegen brauchen wir Punkte - und zwar so viel wie möglich und so schnell es geht."

Stefan Schwab

"Von den Punkten her ist es schwer in Ordnung. Wir haben jetzt sieben von zwölf möglichen, hatten jedoch schon Salzburg, die momentan eigentlich alles wegschießen. Wir haben gegen sie gut gespielt und hätten einen Punkt verdient. Gegen St. Pölten führen wir zwei Mal und hätten gewinnen können. Altach war einfach schlecht, aber wir haben trotzdem drei Punkte gemacht. Wir können gut mit den sieben Punkten leben, wir können das einordnen", rechnet Murg.

Das Wichtigste ist jedoch, dass man einen kapitalen Fehlstart vermeiden konnte und sich nach den ausbleibenden Siegen in den ersten beiden Meisterschafts-Partien wieder auf Kurs befindet.

In den nächsten Wochen nachlegen

Schwab: "Zwei Siege in Serie sind gut. In der Tabelle und von den Punkten her ist das jetzt einmal okay, aber wir müssen in den nächsten Wochen nachlegen. Nach zehn, 15 Runden werden wir sehen, wo die Tendenz hingeht. Deswegen brauchen wir Punkte - und zwar so viel wie möglich und so schnell es geht."

Dies würde dafür sorgen, dass der Glaube an die eigene Stärke wächst und man sich als Mannschaft wieder mehr zutraut: "Es ist auch wichtig, dass wir uns da oben reinkämpfen, damit die anderen Mannschaften sehen, dass es schwer ist, gegen uns zu punkten. Der große Vorteil ist, dass die Leistung noch viel, viel besser werden kann und muss. Wir haben Luft nach oben. Es ist schön, dass wir trotzdem punkten."

Textquelle: © LAOLA1.at

Altach lobt nach Aufholjagd gegen Hartberg eigene Moral

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