Endstand
0:2
0:1 , 0:1
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Rapid kämpft das Derby nicht! Diesmal "das Gegenteil von gut"

Die dritte Derby-Niederlage der Saison steckte tief in den Knochen. Da schlug auch der Trainer einmal kritischere Worte mit seiner Mannschaft an.

Rapid kämpft das Derby nicht! Diesmal "das Gegenteil von gut" Foto: © GEPA

Vier Wiener Derbys, drei Niederlagen. Dass überhaupt Derby war, abseits der Ränge nicht zu merken.

Und nun ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass die Saison hinter dem Stadtrivalen und einmal mehr in einem Europacup-Playoff endet: Ein Abend zum Vergessen für den SK Rapid.

Wieder einmal.

69 Prozent Ballbesitz, mit dem die Hütteldorfer wenig anzufangen wussten. Eine Austria, die spielen ließ, und einfach ihre beiden Momente nutzte. Das 350. Wiener Derby war eine Blaupause dafür, warum die Saison aller Voraussicht nach in dieser Reihenfolge enden wird.

Horn: "Konnten nichts zurückgeben"

Jannes Horn humpelte nach seinem verletzungsbedingten Austausch in der 25. Minute, einem rustikalen Einsteigen von Reinhold Ranftl folgend, in die Mixed Zone und durfte - oder musste - seinen Frust rausgrummeln.

Dass auch diese Szene kein Derby-Feuer bei den Mitspielern entfachte, nahm der Deutsche bedauernd zur Kenntnis.

"Katastrophal. Für einen Spieler am schlimmsten, wenn du aus vier Duellen einen Punkt holst. Besonders, weil der Support heute endlich im Derby wieder da war. Wir wurden extrem heiß auf das Spiel gemacht, aber wir haben nichts zurückgeben können", so der Außenverteidiger, dessen Verletzung am Montag im MRT abgesteckt wird.

Unmittelbar nach dem Spiel fühlte sich das Bein "okay" an.

Keine "Sehnsucht, etwas zu kreieren"

Mit der ersten Annäherung der Austria fiel das Gegentor: "Wir waren nicht in der Formation, nicht eng genug dran", monierte Horn.

"Wir hatten sehr viel Ballbesitz, aber es kam nichts dabei rum. Wir haben dann zu viel von links nach rechts gespielt, nicht mehr in die Tiefe, und dann verlierst du heute. Wir haben es einfach nicht geschafft, gefährlich zu werden."

"Was wir in neun Meistergruppen-Spielen gezeigt haben: dass wir sehr gut, aber auch das Gegenteil sein können."

Johannes Hoff Thorup

Auch Johannes Hoff Thorup ging doch ungewöhnlich hart mit seiner Truppe ins Gericht: "Die erste Hälfte war okay, nicht mehr. In der zweiten Hälfte haben wir Probleme, Qualität und Konkurrenzfähigkeit an den Tag zu legen."

"Wir spielen manchmal zu langsam und manchmal zu direkt", beobachtete der Trainer. "Wir haben die gleiche Anzahl an Ecken und Freistößen wie sie und bekommen das Maximum nicht raus, erspielen keine Chancen."

Speziell nach Seitenwechsel sei kein Fight zu erkennen gewesen, "keine Sehnsucht danach, etwas zu kreieren."

Für den Dänen eine "große Enttäuschung".

Mentalität, Cleverness oder Erfahrung?

Schon das 1:3 am Montag beim LASK habe nach einer guten Anfangsphase gezeigt: Die Cleverness fehlt.

"Wir hatten das Spiel, wo wir es wollten, und dann rutschte es uns aus den Händen", blickte Hoff Thorup kurz zurück. "Was ist das? Mentalität, Cleverness oder Erfahrung? Mir sagt es, dass wir als Team nicht gut und solide genug sind, ein Fußballspiel von der ersten bis zur 90. Minute in die Hand zu nehmen, mit allem, was es dazu braucht."

Es sei schwer, diese mentale Seite anzutrainieren, "aber wir müssen es".

Immer noch viel Arbeit

Nun nähert sich das Saisonende, und mit ihm eine erste Zwischenbilanz der Zeit unter Johannes Hoff Thorup.

Er brachte eine kaputte Rapid noch ins obere Playoff, seither zeigt die Truppe Licht und Schatten. Und das, obwohl der neue Trainer um Zeit bis "April oder Mai" bat, um seine Ideen zu implementieren.

Nun ist diese Zeit gekommen, aber Grün-Weiß wirkt nicht wie eine entwickelte Mannschaft. War der 37-Jährige zu optimistisch in seiner Einschätzung dessen, was möglich sein wird?

"Ich glaube nicht, weil es nur darum im Fußball geht: Optimistisch und positiv im Hinblick auf die Entwicklung zu sein. Und ich muss realistisch sein. Was wir in neun Meistergruppen-Spielen gezeigt haben: dass wir sehr gut, aber auch das Gegenteil sein können", umschrieb der Coach eine harte Ansage blumig.

"Es steckt viel Arbeit vor uns, um diese Spieler konsistenter zu machen. Das geht nicht über Nacht."

Über Nacht wartet sowieso eine andere Aufgabe: Diese Derby-Niederlage wegzustecken. Nicht weniger als "die schlimmste Erfahrung, die ich in Sachen Emotionen und Gefühle mit diesem Team durchmachen musste", gab Hoff Thorup zu.

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