Paukenschlag! Peter Stöger hört bei Austria auf

Paukenschlag! Peter Stöger hört bei Austria auf Foto: © GEPA
 

Paukenschlag bei der Wiener Austria!

Trainer und Sportchef Peter Stöger erklärt nach der 0:1-Niederlage beim TSV Hartberg (Spielbericht>>>) überraschend seinen Rückzug aus allen Funktionen bei seinem Herzensverein mit Sommer.

Die Entscheidung kommt deshalb überraschend, weil noch vor dem Spiel Stöger selbst und der Vorstandsvorsitzende Markus Kraetschmer von einer Verkündung der Entscheidung in der kommenden Woche sprachen.

Stögers Entschluss stand laut eigener Aussage bei "Sky" jedoch bereits zuvor fest. Sauer stieß ihm auf, dass andere Mitarbeiter des Vereins sich scheinbar noch erhofft hatten, Stöger in dieser Woche umzustimmen.

"Ich höre im Sommer auf. Ich habe mich mit dem Präsidenten abgesprochen, dass wir kommende Woche verkünden, wie wir unser Gespräch beendet haben. Scheinbar ist das nicht überall im Verein so angekommen. Ich mag auch nicht, dass wir noch einmal drei, vier Tage diskutieren - wir haben lange genug herumgesprochen", stellt Stöger klar.

Der Entschluss basiert auf fehlenden Perspektiven bei der Austria und habe laut Stöger nichts mit anderen Angeboten zu tun. Zuletzt wurde der Wiener immer wieder mit einer Rückkehr zum 1. FC Köln in Verbindung gebracht.

"Einige Dinge, die zu dieser Entscheidung geführt haben"

"Es geht um verschiedenste, nicht nur um wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Ich habe beschlossen, dass ich im Sommer aufhören werde. Aber wenn dann wieder wer kommt und sagt, wir schauen, was wir machen, dann will ich das jetzt auch sagen. Ich will nicht wieder drei Tage damit schlafen und wieder herumspekuliert wird, wenn die Entscheidung schon getroffen wurde", wollte Stöger Klarheit schaffen.

Vor allem spielt er noch einmal auf die Aussagen Kraetschmers an, die ihn scheinbar zum Umdenken bewogen haben, gleich damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Der Vorstandsvorsitzende meinte im Vorfeld der Partie, man wolle Rahmenbedingungen schaffen, um Stöger zu halten: "Peter Stöger ist in der Tiefe seines Herzens Austrianer und ich glaube schon, dass ihn das Projekt sehr reizt, das wir hier auf die Beine stellen. Aber ich verstehe, dass er nach zwei harten Jahren eine Perspektive haben will. Ich wünsche mir, dass er weitermacht."

Das veranlasste Stöger zum Handeln: "Ich habe das gehört und deshalb sage ich es jetzt so. Das Gespräch war nett gestern mit dem Präsidenten, damit ist das heute am Tisch."

Auf die speziellen Gründe geht Stöger noch nicht weiter ein, diese sollen dann doch erst kommende Woche dargelegt werden. "Es sind einige Dinge, die zu dieser Entscheidung geführt haben. Da geht es um verschiedenste Zugänge, auch um Rahmenbedingungen, Einschätzungen und Strategien im Klub. Ich werde dem Verein immer treu bleiben und zur Seite stellen, wenn man meinen Rat irgendwann will - ohne Honorar. Da bin ich immer da und werde mein Wissen einbringen. Aber in einer Funktion sehe ich mich ab Sommer nicht mehr.

"Geht darum, wo der realistische Ansatz ist"

Um den eigenen Vertrag ging es dabei nicht - das will Stöger auf jeden Fall klarstellen, denn es ging vorerst vor allem um die weiteren Schritte bei der Austria. "Das Einzige, was definitiv kein Thema war, war meine Vertragssituation, weil soweit sind wir in den Gesprächen logischerweise gar nicht gekommen."

Sauer oder traurig über die Gegenheiten zeigt sich der Ex-Profi aber nicht, auch wenn er die kommenden Entscheidungen nicht mehr mittragen wird. "Nein, das ist ein großer Klub, da gibt es Entscheidungen und Entwicklungen, die vollkommen in Ordnung sind. Wir haben in den letzten zwei Jahren versucht, den Verein zu konsolidieren, haben in allen Bereichen bis hin zum Sport sehr, sehr viel eingespart. Das ist alles okay, aber am Ende geht es schon darum, was man sich erwartet, wo die Zielsetzung und der realistische Ansatz ist. Dann ist der Zugang vielleicht gut, dass man es mit der möglichen strategischen Partnerschaft auf Strecke entwickeln kann."

"Ich weiß, dass es für mich eine gute Entscheidung ist"

Bei der Präsentation von Insignia als neuem Partner wurde die Champions-League-Teilnahme als langfristiges Ziel ausgegeben. Gut fünf Wochen später traf noch immer kein Geld am Konto ein, es drücken Verbindlichkeiten von 78 Millionen Euro, die Lizenzvergabe naht - alles andere als ideale Voraussetzungen, um an einem Kader für die kommende Saison zu basteln. Die Frage, ob diese Partnerschaft mit Insignia tatsächlich Erfolg bringen kann, will Stöger nicht genauer beantworten:

"Das kann ich so nicht sagen. Ich bin ein nüchterner, realistischer Mensch und halte das alles für schwierig in der Umsetzung und Entwicklung. Vielleicht ist es nach den zwei Jahren, in denen wir wirklich reingetreten sind in die Pedale und viel unternommen haben, auch gut, wenn jemand dazustößt, der seinen Blick auf das Ganze hat. Ich weiß, dass es für mich eine gute Entscheidung ist, vielleicht ist es dann auf Dauer auch für die Austria okay."

Rückkehr zum 1. FC Köln?

Die Austria muss sich somit neu aufstellen und Positionen neu besetzen, die Umstruktierung ist wohl bereits in vollem Gange. Mit Stöger, der den Verein in- und auswendig kennt, geht viel Expertise verloren.

Wo dieser künftig seine Zelte aufschlagen wird, ist noch völlig offen. Eine Rückkehr zum 1. FC Köln will er nicht kommentieren. Zumindest soll das Interesse aus der Domstadt keinen Einfluss auf seine Entscheidung gehabt haben.

"Es hat zu keiner Sekunde irgendwie ein Ultimatum gegeben. Mein Entscheidungsprozess war schon relativ weit fortgeschritten. Das hat nichts damit zu tun, dass das oder das bei Austria passieren müsste, sonst gehe ich - Gott weiß, wohin. Es gibt momentan nichts. Ich werde versuchen, dass wir den siebenten Platz holen, wir für nächstes Jahr eine Möglichkeit auf einen internationalen Bewerb schaffen mit unseren Jungs. Das werde ich noch mit allen mir möglichen Instrumenten unternehmen und dann wird man sich neu orientieren."

Kraetschmer federführend bei Suche nach Stöger-Nachfolge

Der Ex-Teamspieler kam im Juli 2019 als Sportvorstand zur Austria und sollte am Verteilerkreis eine neue, schlagkräftige Mannschaft aufbauen. Stattdessen war der frühere Köln- und Dortmund-Coach vor allem mit wirtschaftlichen Baustellen und Sparzwängen konfrontiert.

In seinem ersten Jahr schaffte es die Austria mit Trainer Christian Ilzer nicht in die Meistergruppe und verpasste danach im Play-off einen Europacup-Platz. Danach übernahm Stöger selbst den Trainerjob, doch auch unter seiner Führung landeten die Violetten nur in der Qualifikationsgruppe. Dort liegt man nach der Niederlage in Hartberg an zweiter Stelle.

Stöger ist damit noch die acht verbleibenden Runden in der Qualifikationsgruppe im Amt - und eventuell im Playoff um einen Platz in der Qualifikation für die neu geschaffene Conference League.

An der Suche nach seinem Nachfolger wird unter anderem Kraetschmer federführend beteiligt sein. Der 49-Jährige steht aufgrund des Schuldenbergs der Austria selbst schwer in der Kritik, erhielt allerdings einen neuen Ein-Jahres-Vertrag mit abgeänderten Kompetenzen. Der künftige Vorstand der Vereins-AG, Gerhard Krisch, tritt sein Amt offiziell mit 1. Mai an.

Bei der Verpflichtung der neuen sportlichen Leitung wird auch Klubchef Hensel ein Wörtchen mitreden - so wie wohl auch der neue Partner Insignia mit Aleksandar Bursac in der FK Austria Wien International Marketing GmbH.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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