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Nur das Minimalziel erreicht: "Darf nicht unser Anspruch sein"
Positiver als die Saisonabrechnung Rapids war die Darbietung am Pfingstmontag: Mit der Besinnung auf das Einfache lief alles besser.
Textquelle: © LAOLA1
von Johannes Bauer
Dass beim ersten Spiel 2026 in Hütteldorf mit über 30 Grad ausgerechnet Jakob Schöller eiskalt bleibt, war ja fast aufgelegt.
Genug der billigen Namenswitze: Dass der 20-Jährige das Europacup-Playoff per Kopf mit einem Doppelpack entschied, machte Standardsituationen endgültig zum entscheidenden Faktor des Wochenendes.
"Es ist mir im Frühjahr ganz gut gelungen, dass ich die richtigen Positionen finde, in denen ich gefährlich werden kann", grinste der Verteidiger nach seinem zweiten und dritten Saisontor zufrieden - es waren bei weitem nicht seine einzigen gefährlichen Situationen in den Strafräumen der letzten Wochen.
Endlich einmal anpassungsfähig
Dabei wäre Rapid zumindest im Playoff-Rückspiel gegen Ried gar nicht darauf angewiesen gewesen. Petter Nosa Dahl hätte nur einen Tausendprozenter in der 40. Minute in die Maschen statt über das Tor legen müssen. Als ein Beispiel. Wieder stand sich Grün-Weiß ein wenig selbst im Weg, durch das erreichte Minimalziel war es diesmal weniger Thema.
Beim 3:0 in der Hitze>>> wirkte Rapid gefestigter, griffiger - und schnörkelloser als noch am Freitag in Ried.
Zumindest zum Teil auch der Rückbesinnung auf ein 4-2-3-1 zu verdanken? Die Viererkette kam zuletzt Anfang März zur Anwendung, wurde danach für mehr Stabilität ad acta gelegt.
Nachdem sich Rapid die beiden Gegentore im Hinspiel aus Standards fing, war Stabilität nicht der nötige Faktor. Im Mittelfeld fehlte ein Mann. Dass der im links liegen gelassenen Marco Tilio gefunden wurde - und der Australier das auch noch mit einer starken Partie dankte - war auch so eine Nebengeschichte dieses Nachmittags.
So stand neben dem gelösten Europacup-Ticket die Feststellung: Es kann ja doch ganz anders laufen, wenn die richtigen Schlüsse aus einem Rückschlag gezogen werden.
Nicht zu viel Zufriedenheit zulassen
"Es war im Ballbesitz besser und wir haben Situationen besser, ruhiger und mutiger gelöst. Das hat den großen Unterschied gemacht", hielt Schöller fest, der diesmal im geänderten System als Linksverteidiger ran ging.
Dass dann "Euro-Louis" Schaub den Schlusspunkt zum Europacup-Ticket setzte, machte die Angelegenheit am Papier deutlich. "Wir wussten einfach, was wir heute brauchen und haben das von der ersten Minute an gezeigt", war der Joker über den Pfingstmontag zufrieden - aber klarerweise nur über den und das "Minimalziel": "Das darf nicht unser Anspruch sein."
Gar so einfach ist es nicht
Der Trainer wollte das geänderte System auf die Frage, ob er nicht früher darauf zurückgreifen hätte sollen, nicht überbetonen: "Das erinnert mich an ein Zitat von Johann Cruyff: 'Wenn jeder vor dem Spiel zu Gott betet, enden alle Spiele in einem Unentschieden'."
Und meinte damit: Es ist nicht so simpel, kommt auf den Gegner an - und das vorhandene Personal. "Man hat dann eben einen Offensivspieler mehr am Platz, davon haben wir heute profitiert", erkannte Johannes Hoff Thorup.
"Es hat flüssiger ausgesehen. Die Spieler wirkten ruhiger auf ihren Positionen, und wir hatten viele gute Situationen."
Mehr Chancen, mehr Beständigkeit
Ein Fingerzeig für die nächste Saison? Das wird auch auf das Transferprogramm ankommen. Da wurde nicht viel vorgegriffen.
Klar sei aber: "Wir hatten zu viele Spiele, in denen wir wenige Chancen kreiert haben, und waren dann von einer Möglichkeit abhängig. Das ist nicht genug, das können wir nicht machen."
Eine Zukunftsangelegenheit. Jetzt geht es einmal mit dem erreichten Minimalziel in den Urlaub. Dann wird die Sache wieder aufgerollt.
"Wir hatten viele schwierige Spiele, aber auch einige gute. Die sollten Motivation kreieren: Wir haben gezeigt, dass wir es können. Darum ist Beständigkeit das wichtigste Wort für mich, daran müssen wir arbeiten."
Das allerletzte Spiel der Saison darf in den Ordner mit den positiven Beispielen für die Aufarbeitung wandern. Alles Weitere wird sich erst zeigen, wenn ein paar Hitzetage mehr ins Land gezogen sind.