Neuer SVM-Boss Ponweiser: "Bin nicht blauäugig!"

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Franz Ponweiser ist in sportlicher Hinsicht der neue starke Mann beim SV Mattersburg.

Als Nachfolger von Robert Almer übernimmt der 43-Jährige bei den Burgenländern die Agenden des Sportlichen Leiters. Im Zuge der Trennung von Klaus Schmidt wurde er am Sonntag - zumindest "bis auf weiteres" - auch gleich zum Cheftrainer bestellt.

Ponweiser, der zurzeit mit Kollegen wie Christian Ilzer, Gerhard Struber, Ferdinand Feldhofer, Werner Grabherr oder Thomas Grumser den UEFA-Pro-Lizenz-Kurs absolviert, war bisher Leiter der Mattersburger Akademie.

Dieser Nachwuchs-Background soll sich über kurz oder lang auch in der Profi-Abteilung niederschlagen.

"Diese Entscheidung ist auch ganz klar eine Message in Richtung Durchgängigkeit zur Akademie. Wir haben in der Akademie in den letzten Jahren richtig gute Arbeit geleistet. Für mich als Sportlichen Leiter ist wichtig, dass die Burschen auch aufgrund der Kadergröße eine realistische Chance haben, sich reinzukämpfen", kündigt er im LAOLA1-Interview an.

Gleichzeitig verdeutlicht er, warum er diesbezüglich nicht "blauäugig" ist und verrät, wie überraschend diese Beförderung gekommen ist und warum es als Spieler nichts aus der profi-Karriere wurde.

LAOLA1: Wie überraschend oder nicht überraschend ist ihre Beförderung in Mattersburg gekommen?

Franz Ponweiser: Was die Position des sportlichen Leiters betrifft, waren wir in den Gesprächen schon sehr weit und hatten uns auch schon geeinigt. Es ist dann die Trainer-Entscheidung gefallen, die unabhängig von meiner Person war und zu akzeptieren ist. Es war der Wunsch des Präsidenten, dass ich bis auf weiteres auch die Position des Cheftrainers übernehme. Ich habe natürlich nicht gezögert, den Verein zu unterstützen, da ich das Trainer-Team sehr gut kenne. Mit Markus Schmidt habe ich bereits in der Schnittstelle zwischen Akademie und Profis zusammengearbeitet. Auch die Co-Trainer sind mir wohl bekannt. Gerald Linshalm habe ich in die Akademie geholt, Thomas Höller war auf Akademie-Ebene beim WAC ein gegnerischer Trainer, Bernd Eibler wollte ich schon vor eineinhalb Jahren in die Akademie holen. Deshalb bin ich auch überzeugt, dass das eine gute Geschichte wird.

LAOLA1: "Bis auf weiteres" ist in verschiedene Richtungen interpretierbar. Ist es geplant, dass es in dieser Konstellation in die neue Saison geht, oder ist es Ihr Job als Sportlicher Leiter, Ihren "Nachfolger" als Trainer zu suchen?

Ponweiser: Wir starten jetzt einmal so in die Vorbereitung. Mir ist wichtig, dass die Mannschaft gut vorbereitet wird. Es war alles sehr kurzfristig, wir werden weiterhin Gespräche führen. Aber der Plan ist jetzt einmal so, dass ich Cheftrainer bin, damit auch Ruhe in den Verein einkehrt. Wir werden uns auf die Arbeit auf dem Platz konzentrieren, wobei natürlich noch einige Dinge zu klären sind – auch was die Mannschaft betrifft. Es stehen Vertragsverlängerungen an, auch der Kader wird noch einmal durchdacht werden. Aber im Vordergrund steht, dass die Mannschaft in Ruhe arbeiten kann. Alles Weitere wird sich weisen.

"Wenn man eine Akademie und alles an einem Ort hat, ist es der einzig richtige Weg, sonst steht für mich sehr in Frage, warum man unten so viel investiert. Man muss dann eben auch Vertrauen in diese Spieler haben. Aber ich bin nicht blauäugig. Natürlich muss man auch erfolgreich sein. Man kann nicht sagen, wir spielen jetzt mit einem Altersdurchschnitt von 19 Jahren."

LAOLA1: Wie viel Arbeit am Kader steht Ihnen als Sportlicher Leiter bevor?

Ponweiser: Die Ausrichtung ist auf jeden Fall, dass wir den Kader verkleinern. Wir hatten in Mattersburg immer sehr große Kader. Diese Entscheidung ist auch ganz klar eine Message in Richtung Durchgängigkeit zur Akademie. Wir haben in der Akademie in den letzten Jahren richtig gute Arbeit geleistet. Für mich als Sportlichen Leiter ist wichtig, dass die Burschen auch aufgrund der Kadergröße eine realistische Chance haben, sich reinzukämpfen. Bei einem 25-plus-X-Kader ist das sehr schwierig. Deswegen gibt es das Bestreben, den Kader zu verkleinern – ohne großartig auszusieben – und junge Spieler, die extremes Potenzial haben, einzubauen. Das ist das Ziel.

LAOLA1: Das heißt, bei „Mattersburg Neu“ sollen große Talente wie beispielsweise David Nemeth mehr im Fokus stehen?

Ponweiser: Natürlich. Das muss das Ziel sein, wenn man eine Akademie hat. Ich glaube, wir sind nicht der einzige Verein, der so denken muss. Wir haben im letzten Jahr eine Durchgängigkeit geschafft. Wenn man eine Akademie und alles an einem Ort hat, ist es der einzig richtige Weg, sonst steht für mich sehr in Frage, warum man unten so viel investiert. Man muss dann eben auch Vertrauen in diese Spieler haben. Aber ich bin nicht blauäugig. Natürlich muss man auch erfolgreich sein. Man kann nicht sagen, wir spielen jetzt mit einem Altersdurchschnitt von 19 Jahren. Es gehört jedoch eine Plattform geschaffen, die den jungen Spielern eine Perspektive bietet.

LAOLA1: War es als Akademieleiter schwierig, zu wissen, dass der eine oder andere vielleicht schon so weit wäre, aber eventuell nicht genügend Chancen bekommt?

Ponweiser: Da sind natürlich zwei Seelen im Körper. Natürlich habe ich mir als Akademieleiter immer gewünscht, so viele wie möglich hoch zu schieben. Aber man hat auch schon beim Übergang zu den Amateuren gemerkt: Hoppala, für den einen oder anderen ist es noch zu früh. Jeder junge Spieler muss sukzessive herangeführt werden. Die große Challenge, Herausforderung und Verantwortung ist, diese Spieler richtig dosiert einzusetzen, sodass sie in ihrer Entwicklung nicht gestoppt werden. Manchmal verheizt man Spieler zu früh und sie fallen in ein riesiges Loch, aus dem sie nicht mehr herauskommen. Manche bekommen wiederum einfach nie die Chance und verlieren den inneren Antrieb. Hier gilt es einen Mittelweg zu gehen. Als Sportlicher Leiter sehe ich es als große Aufgabe, diesen Mittelweg zu finden.

LAOLA1: Zurück zur Kaderplanung: Wie viel Zeit konnten Sie als Nachfolger von Robert Almer schon in den Kader investieren?

Ponweiser: Ich bin in ständigem Austausch mit dem Präsidenten, weil wir ja auch in der Akademie sehr eng zusammenarbeiten. Es hat das eine oder andere Gespräch gegeben, aber noch nicht im Detail. In der letzten Woche wurde das jetzt intensiviert und ich habe mich damit beschäftigt.

LAOLA1: Wie viel können Sie schon in punkto Neuzugänge sagen? Auf welchen Positionen wird nach externen Spielern gefahndet?

Ponweiser: Wir setzen uns am Montag zusammen und werden die Mannschaft im Detail durchgehen. Ich möchte auch die Meinungen der anderen Trainer hören. Dann werden wir in den nächsten Tagen eine Marschroute vorgeben, was wir noch zu tun haben. Dann werden die Ärmel hochgekrempelt und wir werden alles abarbeiten.

"Ich habe in Wahrheit nicht lange überlegt, als der Ruf gekommen ist. Die Perspektive stimmt. Für mich ist es eine Riesen-Chance, die ich zu nutzen versuche."

LAOLA1: Sie persönlich sind unabhängig von der Dauer des Trainer-Jobs als Sportlicher Leiter nun definitiv im Bundesliga-Business angekommen. Was bedeutet Ihnen das?

Ponweiser: Jeder, der im Fußball arbeitet und den Sport so liebt, strebt sicher in die Bundesliga. Ich habe als Spieler drei Mal ein Profi-Angebot abgelehnt, ich war damals immer mehr auf der sicheren Seite. Als ich die Chance hatte, professionell in die Akademie zu kommen, habe ich keine Sekunde gezögert. Und auch jetzt habe ich in Wahrheit nicht lange überlegt, als der Ruf gekommen ist. Die Perspektive stimmt. Für mich ist es eine Riesen-Chance, die ich zu nutzen versuche.

LAOLA1: Von wem waren die Angebote als Spieler und warum haben Sie abgelehnt?

Ponweiser: Ich hatte als Spieler Angebote von der Austria, der Vienna, als sie noch in der ersten Liga gespielt hat, und aus dem BNZ des 1. FC Nürnberg. Ich komme aus sehr einfachen Verhältnissen, also war es für mich immer sehr wichtig, mit beiden Beinen im Leben zu stehen und mein Studium zu absolvieren. Später habe ich als Lehrer gearbeitet. Ich war nie dieser Hire-and-Fire-Typ, sondern habe mich bei meinen Vereinen immer sehr wohl gefühlt. Ich war bei zwei Regionalliga-Klubs Kapitän – das schafft man auch nicht so leicht, ohne sich mit dem Verein zu identifizieren. Als Trainer habe ich es auch immer so gehalten, dass ich von meinen Spielern eine totale Identifikation mit dem Verein verlangt habe.

LAOLA1: Ihre Trainer-Karriere hat sehr früh begonnen.

Ponweiser: Mit 30 hatte ich einen doppelten Schien- und Wadenbeinbruch, der nicht richtig gut verheilt ist. Also habe ich früh aufgehört und auch relativ früh meine Trainer-Karriere begonnen. Die A-Lizenz habe ich schon 2002 gemacht. Mit Ritzing bin ich zwei Mal hintereinander Meister geworden und in die Regionalliga aufgestiegen. In Ritzing war ich vier Jahre, danach drei Jahre bei Horitschon – einem sehr guten Landesliga-Verein. Ich hatte also sehr lange Trainer-Stationen und habe mich sehr mit den Vereinen identifiziert. 2015 bin ich in die Akademie gekommen, bin also inzwischen auch schon vier Jahre beim SV Mattersburg.

LAOLA1: Und davor haben Sie als Lehrer gearbeitet?

Ponweiser: Ich habe die Pädagogische Hochschule abgeschlossen, bin geprüft in Englisch, Leibeserziehung und Informatik. Vor 13 Jahren bin ich ins Theresianum Eisenstadt, eine Mädchenschule, und habe dort einen Fußball-Schwerpunkt aufgebaut. Wer ein wenig die Schülerliga verfolgt, weiß, dass das Theresianum jahrelang bei den Bundesmeisterschaften top war – binnen vier, fünf Jahren ist uns da etwas richtig Gutes gelungen. Ich war also vielschichtig unterwegs, zwar immer mit Fußball, aber es sind immer neue Herausforderungen gekommen, ohne dass ich sie selbst gesucht habe. Genauso ist es jetzt gekommen. Ich denke, wenn man hart und gewissenhaft arbeitet und immer gerade bleibt, ergeben sich solche Chancen. Ich werde mich auch jetzt nicht verbiegen lassen, sondern genauso bleiben, wie ich es vorher war.

Textquelle: © LAOLA1.at

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