Darum wird Gemicibasi zum "dicken Ronaldo"

 

"Ich weiß gar nicht, ob ich mich richtig freuen kann", erklärt Turgay Gemicibasi nach dem bisher wohl größten Sieg seiner Profikarriere.

Der 25-jährige Türke, der gerade mit Aufsteiger Austria Klagenfurt niemand Geringerem als Liga-Krösus Red Bull Salzburg die erste Meisterschaftspleite zugefügt hat (Spielbericht >>>) und die Kärntner dabei mit einem gefühlvollen Flachschuss in Führung schoss, kämpft nach Abpfiff der Partie im Wörthersee Stadion gegenüber "Sky" mit gemischten Gefühlen.

Der Grund dafür: "Ich habe gestern nach dem Abschlusstraining zu 'Pinki' (Markus Pink, Anm.) und 'Menzo' (Philip Menzel, Anm.) unter der Dusche gesagt, dass sie mir die Haare schneiden können, wie sie wollen, wenn wir Salzburg schlagen. Ich glaube, ich werde nächste Woche der dicke Ronaldo sein."

Wettschulden sind bekanntlich Ehrenschulden und Gemicibasi stellte sich noch im Stadion dem Rasiergerät. Die Frisurenwahl der Kollegen Pink und Menzel fiel wenig überraschend genau auf das befürchtete Haardreieck des legendären Brasilien-Stürmers Ronaldo (siehe Bild oben).

Hat Salzburg Klagenfurt nicht ernst genommen?

Gemicibasi, der sich erst im Sommer der Klagenfurter Austria anschloss und so wie viele seiner Teamkollegen sich mitten in seiner ersten vollen Bundesliga-Saison befindet, war im Spiel gegen Salzburg die prägende Figur. Der Sechser rückte in Minute 30 nach einem strittigen Ballgewinn von Christopher Cvetko gegen Oumar Solet an der Mittellinie in die Offensive auf und war Empfänger eines präzisen Zuspiels von Markus Pink, welches der Türke noch präziser in die 1:0-Führung der Klagenfurter umwandelte.

Ein Foul will Gemicibasi in der Entstehung des Tores nicht erkannt haben, viel mehr erkennt er in dem leichtfertigen Ballverlust Solets an der Mittellinie eine gewisse Lässigkeit bei den Salzburgern.

"Meiner Meinung nach haben sie uns auf die leichte Schulter genommen, sie haben gedacht, dass sie uns locker ausspielen können. Aber wir waren griffig in den Zweikämpfen. 'Cveti' (Christopher Cvetko, Anm.) hat super in die Tiefe gespielt, 'Pinki' und ich sind ein super Duo, er hat mir aufgelegt und ich habe das 1:0 gemacht", so der Linksfuß.

(Text wird unter dem VIDEO fortgesetzt)



Gemicibasi: "Schiri wollte, dass wir gewinnen"

Auch im weiteren Verlauf der Partie stand Gemicibasi nicht nur aufgrund einer starken Defensivleistung im Fokus. So war er es auch, der - bereits gelbbelastet - einen Elfmeter gegen Luka Sucic verursachte, der vom VAR schließlich in einen Freistoß umgewandelte wurde, weil das klare Foul knapp außerhalb des Sechzehners passierte. Wenig später wurde Gemicibasi dann schwer Gelb-Rot-gefährdet ausgetauscht.

"Ich dachte, dass ich vom Platz fliege. Ich dachte, wenn es kein Elfer ist muss er mir Gelb-Rot geben und ich muss unter die Dusche", gibt der in Deutschland geborene Ex-Leipzig-Jugendspieler zu. Außerdem bedankt er sich bei Schiedsrichter Gerhard Grobelnik: "Aber der Schiri hat es gut gemeint, er wollte, dass wir gewinnen."

Euphoriebremse Pacult: "Hat nur drei Punkte gegeben"

Ähnlich gut gelaunt ist nach dem Sieg über die Salzburger wenig überraschend auch Peter Pacult. Auf die Frage, ob er schon von der verlorenen Haarwette Gemicibasis gehört habe, antwortet der Wiener mit einer lapidaren Gegenfrage: "Wird er noch schircher als jetzt?"

Pacult, der mit seinen Klagenfurtern mittlerweile auf Rang vier der Tabelle steht, verfällt nach dem Sieg zumindest laut eigener Aussage nicht in Euphorie. Immerhin gibt es ja ein gewisses Image, dem der als Grantler verschriene Wiener treu bleiben muss:

"Das waren drei Punkte, mit denen wir nicht rechnen konnten. Die nehme ich gerne mit, aber dass wir herumhüpfen und Jubel, Jubel - Nein! Kompliment an die Manschaft, es ist natürlich nicht leicht gegen Salzburg, sie haben diese Qualität. Aber wir haben alles in die Waagschale gehaut, gut dagegengehalten und wenig zugelassen. Nichtsdestotrotz nehme ich diese drei Punkte wie gegen jeden anderen Gegner mit. Es hat auch gegen Salzburg nur drei Punkte gegeben", so der 62-Jährige.

Nur drei Klagenfurter mit Bundesliga-Erfahrung

Sich Richtung Klagenfurter Katakomben verabschieden, ohne die Bedeutung des Sieges hervorzustreichen, bringt schlussendlich allerdings auch Pacult nicht übers Herz:

"Wir haben jetzt gegen einen Gegner gewonnen, gegen den wir nicht mit einem Sieg rechnen konnten. Wir spielen eine sehr gute Herbstsaison, wenn man bedenkt, wie viele Spieler wir in der Mannschaft haben, die die Bundesliga kennen - das sind drei. Der Rest sind Regionalliga oder 2.-Liga-Spieler und das machen sie hervorragend."

Einer von ihnen ist nach dem Sieg gegen Salzburg zumindest frisurentechnisch auf Weltklasse-Niveau angekommen.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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