"Wir sind fast wöchentlich mit Scouts und Kaderplanern in Österreich, um mit ihnen Spiele anzusehen, ihnen Sportdirektoren und Spieler vorzustellen", erzählt der Wiener.
Mit dem Mail des Innenministeriums hat sich alles schlagartig geändert. Der englische Verband FA hat die neuen Regularien inzwischen offiziell bestätigt, sie gelten seit 15. Juni.
So funktioniert das Punktesystem
Aber der Reihe nach. Es ist gar nicht so einfach, einen Legionär in England unterzubringen. Seit einigen Jahren gibt es ein ausgeklügeltes Punktesystem.
Die Kriterien sind unter anderem: die Liga-Stärke, der Erfolg des aktuellen Vereins auf nationaler wie internationaler Ebene, die Anzahl der bestrittenen Spiele des Kickers, die Länderspiele und die Platzierung in der FIFA-Weltrangliste der jeweiligen Nation.
Die heimische Bundesliga ist in "Band 4" gelistet – unter anderem gemeinsam mit der Schweizer Super League, den höchsten Spielklassen in Tschechien, Kroatien, der Ukraine, Griechenland und Dänemark sowie der zweiten spanischen Liga und der 2. Deutschen Bundesliga.
Warum Barrys Nationalität ein Problem ist
Wenn ein Klub keinen großen Erfolg im Europacup aufweisen kann, reichen die Punkte für einen Kicker in der Regel nur schwer aus, um nach England transferiert werden zu dürfen.
Vor allem dann, wenn der Spieler nicht für ein Nationalteam oder eines außerhalb der Weltranglisten-Top-50 spielt – so wie es bei Barry mit Gambia der Fall ist.
Das Schlupfloch wird enger
Doch es gab ein Schlupfloch: Die "Elite Significant Contribution", kurz ESC. Spieler, die unter diesem Label verpflichtet wurden, mussten die oben erklärten "Governing Body Endorsement Requirements", kurz GBE, nicht erfüllen.
Je nachdem, wie viele englische Spieler ein Klub in der Vorsaison eingesetzt hatte, standen ihm zwei bis vier solcher Plätze zur Verfügung.
"Dadurch konnten österreichische Spieler eigentlich immer nach England wechseln", erklärt Hoffmann-Ostenhof.
Diese ESC-Spots sind ab sofort nur noch für Spieler vorgesehen, die am oder nach dem 1.1.2003 geboren sind. Jedes Jahr wird diese Altersgrenze entsprechend angepasst.
"Spieler, die jung genug sind, sind zu teuer, und ältere dürfen nicht mehr."
Wen es noch betrifft
Austrias Barry ist Jahrgang 2000, und somit nunmehr zu alt. Auch Spieler wie etwa Hartbergs Elias Havel oder Rapids Petter Nosa-Dahl fallen dieser Regelung zum Opfer.
"Der Zielmarkt für österreichische Vereine außer Red Bull Salzburg ist die Championship. Doch Spieler, die jung genug sind, sind zu teuer, und ältere dürfen nicht mehr", sagt Hoffmann-Ostenhof.
Was für die heimischen Klubs wichtig ist
Was bedeutet das für die österreichischen Klubs, für die nach Deutschland aktuell der größte Anteil an Transfererlösen aus England kommt?
"Die Teilnahme an europäischen Wettbewerben wird noch wichtiger, weil gute Leistungen auf internationaler Bühne Vereinen und Spielern dabei helfen, die notwendigen Punkte für den Zugang zum englischen Markt zu sammeln", meint Hoffmann-Ostenhof.
Zudem sei es wichtig, noch stärker darauf zu achten, junge Talente zu identifizieren und zu entwickeln.
Englisches Geld über einen Umweg
Und dann gibt es da freilich noch die Möglichkeit, über Umwege an englische Gelder zu kommen.
Hoffmann-Ostenhof: "Transfervereinbarungen mit Weiterverkaufsbeteiligungen werden künftig noch wertvoller: Ein kleinerer Klub kann einen Spieler zunächst an einen stärkeren europäischen Verein verkaufen, wo dieser die nötigen Punkte sammelt. Erfolgt später ein Transfer nach England, profitiert der ursprüngliche Verein über entsprechende Klauseln weiterhin finanziell davon."