So wird Kapitän Dejan Ljubicic dem SK Rapid fehlen

So wird Kapitän Dejan Ljubicic dem SK Rapid fehlen Foto: © GEPA
 

Die Frage nach dem Ziel ist geklärt: Der 1. FC Köln wird ab Sommer der neue Arbeitgeber von Dejan Ljubicic.

Der Abschied des 23-jährigen Kapitäns des SK Rapid kommt keineswegs überraschend. Sein Vertrag läuft aus, eine Vertragsverlängerung war kein Thema mehr und prinzipiell konnte sich Rapid glücklich schätzen, dass man den Eigenbauspieler im Endeffekt doch länger als vermutet halten konnte.

Denn der Wunsch nach Veränderung war schon vor zwei Jahren erkennbar, dass der defensive Mittelfeldstratege das Zeug dazu mitbringt ebenso. Ein Wechsel in die MLS zu Chicago Fire zerschlug sich im Frühjahr 2020 dubios, da ihm von den US-amerikanischen Ärzten eine Kreubandverletzung angedichtet wurde.

Reumütig reiste Ljubicic zurück und verschrieb sich darauhin wieder jenem Verein, dem er insgesamt 15 Jahre die Treue halten sollte. Im Sommer wurde er zum Kapitän befördert, trug diese Schleife mit Stolz, doch mit seinem Talent strebt er nach Höherem - ob er dies beim 1. FC Köln in der deutschen Bundesliga oder doch nur in der 2. deutschen Liga findet, wird sich weisen.

Fakt ist, dass sein Abschied wieder einmal eine große Lücke bei den Hütteldorfern hinterlässt. Eine Lücke, mit der man schon längere Zeit rechnen konnte und die Vorarbeiten möglich machte, die aber erneut für ein Umdenken sorgen wird.

Mit Kapitänsrolle noch ein Jahr geködert

Nach der langen Ära von Steffen Hofmann war es wohl für viele Fußball-Sympathisanten unvorstellbar, dass mit Stefan Schwab und jetzt Dejan Ljubicic zwei Kapitäne binnen eines Jahres die Grün-Weißen verlassen könnten.

Das ist nun der Fall. Schwab hatte ein hohes Standing, nahm alle unter seine Fittiche und lernte vom "Fußballgott" der grün-weißen Fans, wie man es anlegt. Sein Wechsel zu PAOK Saloniki sei ihm vergönnt, bei Rapid hinterließ er im vergangenen Sommer trotzdem sowohl sportlich als auch menschlich eine Lücke.

Dass sein Nachfolger Ljubicic werden sollte, überraschte damals einige, da mit Christopher Dibon, Maximilian Hofmann oder Mario Sonnleitner zwar drei Spieler eine längere und engere Bindung zur Mannschaft und dem Verein vorzuweisen hatten, man beim stolzen ehemaligen ÖFB-U21-Nachwuchsspieler jedoch nicht nur ein zusätzliches Argument für einen Verbleib hatte, sondern auch einen jüngeren Weg einschlug und auf einen unumstrittenen Stammspieler setzte.

"Es hätten sich auch andere Spieler verdient, die Kapitänsschleife zu tragen. Aber natürlich war das auch ein Grund, warum ich bei Rapid geblieben bin", gestand Ljubicic damals im LAOLA1-Interview und sah seine Mission bei Rapid gleichzeitig noch nicht beendet.

Als Persönlichkeit gereift

Die Verbundenheit zu Rapid war schon geografisch immer gegeben und war vom Elternhaus in Pressbaum die erste Anlaufstation. Vater Zoran Ljubicic war selbst Fußballer und spielte als Stürmer von 2000 bis 2002 unter anderem für St. Pölten, das Talent wurde Dejan und auch Bruder Robert in die Wiege gelegt.

Während sich der jüngere Robert, der im Sommer in Wien andockt und kein Spiel mehr zusammen mit seinem eng vertrauten Bruder für Rapid bestreiten wird, über Umwege in die Bundesliga spielte, biss sich der sehr gläubige Dejan im Rapid-Nachwuchs bis obenhin durch und schaffte den Durchbruch.

Seine Rolle als Captain hat er sofort angenommen, diese hat ihn auch mit Sicherheit in seiner Persönlichkeit gestärkt. Neben dem guten Verhältnis zu den alten Haudegen war er aber durchaus eine Anlaufstelle für die immer jünger werdenden Nachrücker aus dem Nachwuchs, aber auch durch seine bosnischen-kroatischen Wurzeln ein sprachliches Bindeglied für einige Legionäre.

Durch die Corona-Krise bedingt war der baldige Jung-Papa vielleicht nicht allseits präsent wie seine Vorgänger Hofmann und Schwab, die jede Menge zusätzliche Klub-, Fan- und Medientermine wahrzunehmen hatten, doch innerhalb des Vereins war Ljubicic allerorts beliebt und akzeptiert.

Ljubicic ist nicht Ljubicic - woher nimmt Rapid neuen Leader und Strategen?

Mit ihm geht nach den ausstehenden fünf Saison-Spielen ein Teil von Rapid, nach 14 Jahren Vereinszugehörigkeit. Vor allem spielerisch wird seine Technik, seine Spieleröffnung, sein Auge für den Mitspieler und die Fähigkeit auch Torgefahr auszustrahlen abgehen.

Welche zentrale Bedeutung er im Spiel der Hütteldorfer hat, sah man in seiner Abwesenheit aufgrund eines Bänderrisses im Sprunggelenk kurz vor der Winterpause, als sein Klub in eine Krise taumelte - mit ihm als umsichtigen Ideengeber startete Rapid dann in ein starkes Frühjahr.

Vor allem geht nach Schwab, Thomas Murg und Co. wieder einmal ein zentraler Stratege, der nicht nur als Leader auf dem Platz auftritt, sondern ein Spiel lesen, gestalten und leiten kann. Davon besitzt Rapid nicht allzu viele.

Marcel Ritzmaier wäre ein möglicher Kandidat als Bindeglied zwischen Defensive und Offensive, doch seine Leihe vom FC Barnsley endet mit Saisonende, eine Verlängerung liegt zwar im Interesse von Rapid, erscheint jedoch unwahrscheinlich. Nebenspieler Dejan Petrovic hat sich in dieser Saison stark entwickelt, ist aber noch weit von einem Führungsspieler wie Ljubicic entfernt.

Srdjan Grahovac ist ohnehin ein anderer Spielertyp, auch Christoph Knasmüllners Vertrag läuft aus, von den bereits getätigten Neuzugängen ist Marco Grüll deutlich offensiver eingeplant. Von den Youngsters wäre Lion Schuster eine Option, er durfte sich bereits beweisen, Melih Ibrahimoglu nahm zu früh Abschied Richtung Heracles Almelo.

Bleibt noch Bruder Robert Ljubicic. Obwohl von vielen Seiten die direkte Nachfolge auf dieser Position ins Treffen geführt wird, ist der Noch-St.Pöltner ein anderer Spielertyp - offensiver orientiert, torgefährlicher, dribbelstark - den man im defensiven Mittelfeld eher seiner Stärken beraubt, auch wenn er diese Position schon ausführen kann.

Köln-Schicksal wie Schaub und Kainz oder Sprungbrett?

Bleibt abzuwarten, wie Trainer Didi Kühbauer nach seiner Vertragsverlängerung mit dem "neuen" Ljubicic plant, ansonsten wird wohl noch ein Ersatz für den Neo-Kölner unausweichlich sein.

Vor allem muss man dem zwei Jahre jüngeren Bruder Anlaufzeit gewähren - besonders bei einem Großklub wie Rapid, für den er aber bereits im Nachwuchs kickte. Die Gefahr liegt jedoch nahe, dass er sich oftmals Vergleichen mit seinem Bruder aussetzen muss. Der doppelte Ljubicic im Rapid-Mittelfeld hätte durchaus seinen Reiz gehabt, doch dazu kommt es nicht.

Weil sich Ljubicic für den für ihn passenden Karriereschritt nach Köln entschieden hat. Rapidler beim 1. FC Köln? Louis Schaub und Florian Kainz können ein Lied davon singen, dass der vermeintliche kleinere Sprung als nach Frankfurt oder in die Serie A durchaus auch herausfordernd, möglicherweise auch zu groß sein kann.

Mit beiden könnte Ljubicic noch zusammenspielen. Kainz meldete sich erst nach langer Verletzungspause zurück, Schaub gehört als Leihspieler beim FC Luzern noch immer den Geißböcken.

Dass Ljubicic seinen Weg machen wird, davon sind Experten seit Jahren überzeugt - möglicherweise gelingt ihm das schon in Köln, möglicherweise in weiterer Folge im ÖFB-Nationalteam, wo er bisher noch nicht berücksichtigt wurde. Rapid hingegen biegt in eine Zeit nach Dejan L. ein - dass dieser ihnen zumindest anfangs menschlich und spielerisch abgehen wird, steht dabei außer Frage.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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