IOC-Boss Bach: "Geld ist nicht unser Ziel!"

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Olympische Jugendspiele in Lausanne. Zum dritten Mal nach 2012 in Innsbruck und 2016 im norwegischen Lillehammer trifft sich die Jugend der Welt, um sich im winterlichen Wettstreit zu messen.

1.872 Jugendliche aus 79 Nationen sind in die Schweiz gepilgert, um ihr Können auf Schnee und Eis, auf Sprungschanzen und am Schießstand unter Beweis zu stellen. 26 Jahre nach der Vergabe des Titels "Olympische Hauptstadt" wird Lausanne zum Veranstalter der Spiele. Seit dem 9. Jänner brennt in der 150.000-Einwohner-Metropole am Genfersee das Olympische Feuer.

Auch 63 österreichische Jugendliche beteiligen sich am Wettstreit um Gold, Silber und Bronze.

Mit der Vorarlbergerin Amanada Salzgeber, der 17-jährigen Tochter der ehemaligen ÖSV-Stars Anita Wachter und Rainer Salzgeber, darf sich Österreich in der französischsprachigen Schweiz auch bereits über eine Jugend-Olympiasiegerin freuen. Die Schülerin aus Vorarlberg triumphierte in der Alpinen Kombination. Der 17-jährige Kärntner Philip Hoffmann holte Gold im Riesentorlauf.

Eine Bronzemedaille im Skibergsteigen eroberte der 16-jährige Steirer Nils Oberauer. Die erstmals bei Olympia ausgerichtete Sportart (Einzel und Sprint bei Mädchen und Burschen sowie Mixed-Staffel) lockt auch IOC-Präsident Thomas Bach in den Winterpark von Villars - eine Autostunde von Lausanne entfernt - hoch über dem Rhonetal gelegen.

Im Zug mit Thomas Bach

Bach mit den österreichischen Journalisten
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Der IOC-Präsident will sich ein Bild der neuen Sportart machen und sucht den Kontakt zu den Sportlerinnen und Sportlern, aber auch zu den Fans und den Medien. Mit den österreichischen Journalisten reist der 66-jährige Deutsche nach dem Besuch des Sprintbewerbs auf über 1.800 Meter Seehöhe mit der Bahn zurück nach Villars. Eine halbe Stunde lang steht der höchste Sportfunktionär der Welt Rede und Antwort. Auch LAOLA1 richtet Fragen an den ehemaligen Fechter, der seit September 2013 als 9. Präsident in der 125-jährigen Geschichte des Internationalen Olympischen Komitees agiert.

Der Jurist aus Bayern hat vor seiner Bürotür im IOC-Hauptquartier in Lausanne naturgemäß viele Termine zu absolvieren, will aber zumindest alle Disziplinen der Jugendspiele einmal vor Ort sehen. "Nach dem sehr attraktiven Skibergsteigen freue ich mich auch auf Monobob im Eiskanal von St. Moritz – auch eine neue Disziplin, die um Anerkennung kämpft. Schgade ist, dass ich wohl die Eisschnelllauf-Bewerbe auf dem zugefrorenen St. Moritzersee nicht mehr sehen werde. Die Bilder, die ich davon im Vorfeld aber gesehen habe, waren richtig spektakulär", erklärt Bach während der Zugfahrt.

Der Olympiasieger mit der deutschen Fechtmannschaft in Montreal 1976 nimmt zu diversen Themen Stellung.

Thomas Bach über…

… den Weg der Jugendspiele und deren Entwicklung:

Das ist das Konzept unserer Reformen, das mehrere Punkte beinhaltet. Zum einen wollen wir den Fokus auf den Sport legen, dann wollen wir die Jugendspiele als eine Art Laboratorium verwenden, um neue Sportarten und neue Formate auszutesten. Und wir wollen die Spiele inklusiver machen, das heißt, sie näher an die Leute bringen. Die Zuschauer sollen nicht nur Zuschauer sein, sondern sich als Teil der Spiele fühlen. Das ist hier im Winter sehr gut gelungen und das war zuletzt auch in Buenos Aires für den Sommer der Fall. Teile dieser Initiativen werden auch im Sommer in Tokio zu sehen sein. Fünf neue Sportarten sind ein Kraftakt und wir werden der Bevölkerung auch Programme anbieten, wo sie die Sportarten selber ausprobieren können.

… das Misstrauen der Europäer gegenüber Olympia:

Europa ist momentan in jeder Hinsicht ein zögerlicher Kontinent, nicht nur im Sport und was Olympische Spiele betrifft. Wenn wir uns die wirtschaftliche und soziale Entwicklung ansehen, dann ist Asien in einer dynamischen Entwicklung ein paar Schritte voraus. Sport ist Teil der Gesellschaft und deswegen gibt es in der Tat diese unterschiedliche Betrachtung. Zumindest in einigen europäischen Ländern, wo man Zukunftsentwicklungen sehr, sehr skeptisch gegenübersteht, wo Kritiker Investitionen in die zukünftige gesellschaftliche Entwicklung sehr skeptisch betrachten.

… seine Kritiker in Deutschland, die ihm vorwerfen, dass er gut mit Vladimir Putin befreundet ist, dass Korruption beim IOC immer noch ein Thema sei und noch mehr Transparenz gefordert ist:

Wir sind enorm zufrieden, wie der aktuelle Weg der Transparenz verläuft, weil wir sehen, wie das bei allen Leuten, die sich damit beschäftigen, ankommt. Wir sind inzwischen bei vielen Regierungen und Organisationen als "leading force" im Kampf gegen Korruption im Sport anerkannt. Wir haben hier große internationale Kooperationen initiiert, wo wir mit vielen Staaten und deren Repräsentanten, den Vereinigten Nationen, Interpol und Europol zusammenarbeiten. Ich war gerade vor vier Wochen bei deren großem Jahreskongress, wo von allen diese führende Rolle des IOC in dieser Sache anerkannt worden ist. In meinem Heimatland gibt es eine Handvoll Medienschaffende, für die habe ich die letzten 15, 20 Jahre, glaube ich, keine richtige Entscheidung getroffen. Deswegen müsste ich mir da schon Sorgen machen, wenn von dieser Seite einmal Lob für meine Initiativen kommen sollte.

… Russland, mögliche politische Einflussnahme und internationaler Sportgerichtshof CAS (Anm.: Court of Arbitration for Sport):

Der Sportgerichtshof ist unabhängig und muss die Entscheidung bezüglich Russland treffen. Wir haben nur zwei Anliegen: Dass die Entscheidung möglichst schnell kommt und dass sie absolut eindeutig ist und keinen Spielraum für irgendwelche Interpretationen lässt.

… Verhältnis zu Vladimir Putin:

Wir arbeiten mit allen Regierungen in Olympia-Gastländern sowie den Regierungschefs und Staatschefs zusammen. Wir haben dort regelmäßige Treffen. Die habe ich mit Präsident Emmanuel Macron, die habe ich mit vielen Staatschefs und davon habe ich 2019 mehrere Dutzend getroffen, das ist Teil unserer Arbeit.

… Kommerzialisierung der Olympischen Spiele:

Geld ist nicht unser Ziel. Für uns ist Geld Mittel zum Zweck. Ja, wir brauchen Geld. Ja, wir erzielen hohe Einnahmen, aber wir erzielen sie, um unsere Mission erfüllen zu können. Das heißt, alle 206 Nationalen Olympischen Komitees und damit alle Athleten weltweit zu unterstützen. Deswegen geben wir 90 Prozent aller unserer Eingaben sofort weiter zur Förderung der Athleten. Das ist unser Ziel. Für uns ist der Erfolg des Marketing-Programms eine Bestätigung unserer Arbeit. Keiner der Sponsoren oder großen TV-Anstalten würde mit dem IOC Verträge bis 2028 oder 2032 abschließen, wenn hier nicht volles Vertrauen in die Spiele und in das Management der Spiele durch das IOC vorhanden wäre.

… mögliche Olympische Spiele in Österreich:

Das hängt von den Österreicherinnen und Österreichern ab. Wenn die Bevölkerung in Österreich Olympische Spiele haben will, worüber sich sehr viele auch außerhalb Österreichs sehr freuen würden, dann muss Österreich mit dem IOC in den Dialog treten nach dem neuen Prozedere, das wir verabschiedet haben. Hier habe ich keine Ratschläge zu geben, das liegt ganz alleine in der Hand der Österreicherinnen und Österreicher.

… Aufnahme neuer Sportarten:

Wir haben bei allen Neuerungen – auch im Sommer – immer darauf geachtet, dass der Deckel draufbleibt. So werden wir auch ab 2024 mit diesen neuen Sportarten, die wir für Paris bereits zugelassen haben, immer unter dem Deckel von 10.500 Athleten bleiben. Bei Aufnahme neuer Sportarten gelten auch immer zwei Dinge: Es muss eine Geschlechter-Parität bestehen und es dürfen keine neuen zusätzlichen Sportstätten benötigt werden, für die nicht eine ganz klare Nachnutzung besteht.

… E-Sport:

E-Games oder E-Sport ist ein soziales Phänomen, das für die junge Generation sehr attraktiv ist. Das können wir deswegen auch nicht ignorieren. Wir haben den Anspruch und die Vision nach der Olympischen Charta, für eine bessere Gesellschaft durch Sport beizutragen. Und wenn man zu einer Gesellschaft etwas beitragen will, dann muss man mit der Gesellschaft reden und muss die Entwicklungen in einer Gesellschaft wahrnehmen. Wir leben nicht auf einer Insel, wir sind mittendrin. Daher ist es wichtig, dass wir uns diesbezüglich austauschen und das ist auch im Sinn der E-Sport-Industrie. Und da kommen wir schon zu einer der Herausforderungen. Wir sehen uns einer Industrie gegenüber und wir sind eine Organisation, die auf Werten basiert. Es gibt eine klare rote Linie und das sind Killerspiele, das sind Spiele, die Gewalt verherrlichen oder diskriminieren. Es gibt eine große und wachsende Gemeinsamkeit, das sind jene E-Games, die reelle Sportarten simulieren.

Textquelle: © LAOLA1.at

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