"Nicht ganz so stabil": Widhölzl zieht Skisprung-Saisonfazit
Nach einem Sensationsjahr verlief die sich dem Ende neigende Saison nicht ganz so spektakulär. ÖSV-Männer-Cheftrainer Andi Widhölzl zieht Bilanz - und verrät seine Zukunftspläne.
Ein Skiflug-Wochenende in Planica haben die Skispringer noch zu absolvieren, dann ist der Weltcup 2025/26 Geschichte.
ÖSV-Männer-Cheftrainer Andreas Widhölzl zog nach dem langen Olympia-Winter auf dem Weg nach Slowenien ein erstes Fazit.
"Es war definitiv nicht ganz so stabil wie das Jahr davor, aber das war auch ein Ausnahmejahr", sagte der Tiroler im APA-Gespräch.
"Ich bin trotzdem zufrieden. Die Konkurrenz schläft nicht, von dem her müssen wir für nächstes Jahr Gas geben." Im Vorjahr stellten die ÖSV-Adler die Top 3 in der Vierschanzentournee- und auch der Weltcupgesamtwertung (jeweils Daniel Tschofenig vor Jan Hörl und Stefan Kraft), gewannen zudem in Trondheim mehrere WM-Medaillen und die Nationenwertung.
"Da hat extrem viel zusammengepasst", meinte Widhölzl. Nicht so glatt verlief dieser Winter. Dabei waren Tschofenig, Kraft und Co. mit einem Dreifachsieg in Lillehammer gestartet.
Hohe Erwartungshaltung
Doch es habe in der Folge recht schnell Unzufriedenheit gegeben, erzählte Widhölzl. "Man hat schon gemerkt, dass die Erwartungshaltung der Athleten eine andere war als letztes Jahr. Sie sind schon eher unzufrieden gewesen mit Plätzen, wo man sagt, das passt." Vierte, fünfte Ränge haben vergleichsweise nur mehr wenig Freude verursacht. Die mediale Erwartung habe den Druck zudem verstärkt.
Widhölzl sprach von einer "Wellenbewegung" bei Leistung und Ergebnissen. Führungsfigur Kraft steht ein wenig symbolisch dafür. "Der Krafti hat eigentlich super angefangen. Aber bei ihm war es sicher am labilsten von der Form her, die Streuung bei ihm war am größten", meinte sein Trainer.
"Da gibt es nicht die eine Erklärung dafür, es spielen einfach viele Faktoren mit wie das Selbstvertrauen. Er kämpft wirklich wie ein Löwe und will bis zum Ende dabei sein. Hut ab, dass er das durchdrückt."
Tschofenig-Eklat? Widhölzl hält sich bedeckt
In der Tournee sprangen die Plätze zwei (Hörl) und drei (Stephan Embacher) heraus, Olympia wurde durch Gold im Super-Team-Bewerb (Hörl, Embacher) gerettet.
Auf Medienberichte um Tschofenigs Disqualifikation bei den Winterspielen und Vorwürfe, der Kärntner hätte sich "unangemessen verhalten" und sei milde davon gekommen, wollte Widhölzl nicht näher eingehen. Er wolle das "zuerst mit der FIS" besprechen, außerdem sei die Sanktion damals von der FIS getroffen worden.
Während der Nationencup auch heuer in rot-weiß-roten Händen bleiben wird, muss Tschofenig als bester Österreicher im Gesamtweltcup um Rang drei kämpfen. Zwölf Einzelsiegen der ÖSV-Männer 2024/25 stehen vor Planica fünf in diesem Winter entgegen.
Happy End in Planica?
Embacher hat im Skifliegen die Chance auf die einzige Kristallkugel für den ÖSV heuer und könnte seinem Team ein Happy End bescheren. Überflieger Domen Prevc, der in Tournee und Weltcup Tschofenig ablöste, will dem Tiroler die Disziplinenwertung aber streitig machen. Nur 15 Punkte fehlen dem Slowenen.
"Das wird auf jeden Fall eine Monsterherausforderung. Aber Stephan taugt das Fliegen heuer extrem", so Widhölzl. Embacher, der in Vikersund seinen ersten Weltcupsieg feierte, habe den größten Entwicklungssprung gemacht. "Er hat eine super Saison gehabt. Man darf nicht vergessen, er ist ein 2006er Jahrgang, also noch extrem jung." Lob gab es auch für Jonas Schuster, dem der Sprung in den Weltcup gelungen sei. Generell sah Widhölzl seine Truppe gut aufgestellt, es würden genügend Junge nachrücken.
Abschied und Zukunftsfragen
In Planica verabschiedet man sich zudem von einem "Alten". Manuel Fettner (40) beendet dort seine Karriere, was auch ein wenig gefeiert wird.
"Manuel hat gesagt, er will kein Tohuwabohu haben unten. Er will einen normalen Wettkampf machen. Wir haben am Samstag unsere Abschluss- und Springer-Party mit allen Nationen. Da werden wir ihn hochleben lassen. Ein bisschen was haben wir schon geplant, aber jetzt nichts Spezielles", sagte Widhölzl.
Seine eigene Zukunft will er demnächst mit dem ÖSV besprechen. "Mein Vertrag läuft bis Ende April, und ich möchte eigentlich schon, dass wir vor der Saisonanalyse das auch fixieren für alle Beteiligten. Es laufen ja alle Trainerverträge aus. Meine Bereitschaft ist da, mir macht es extrem viel Spaß. Den Jungs macht es auch Spaß, die habe ich auch gefragt, ob sie noch wollen. Von dem her hängt es jetzt eigentlich am ÖSV."
Dass der in Deutschland scheidende Stefan Horngacher nach Österreich zurückkehrt, glaubt Widhölzl eher nicht. "Seine Familie ist in Deutschland, ich glaube, dass er eher im deutschen System bleiben wird."