Hintergrund

Franjo von Allmen: Der "fette" Chaot mit dem Dauergrinser

Der Schweizer krönt sich mit 24 Jahren zum dreifachen Olympiasieger - und vollendet früh eine Karriere, die nach einem Schicksalsschlag schon vor dem Aus stand.

Franjo von Allmen: Der "fette" Chaot mit dem Dauergrinser Foto: © GETTY

Von wegen Marco Odermatt drückt den Olympischen Spielen seinen Stempel auf – es ist Franjo von Allmen.

Der Schweizer kürt sich im Super-G mit seiner dritten Goldmedaille zum König von Bormio und krönt mit nur 24 Jahren seine Karriere. Dabei stand diese auf der Kippe, noch bevor sie richtig begonnen hat.

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Ein Schicksalsschlag als Wendepunkt

Der 2001 in Boltigen geborene Berner Oberländer absolviert parallel zum Skisport eine Ausbildung als Zimmermann - sein bewusster Plan B.

Als von Allmen 17 Jahre alt ist, stirbt plötzlich sein Vater. Seine Karriere steht plötzlich auf der Kippe, die finanziellen Mittel für Material, Reisen und Training fehlen. Dank einer Crowdfunding-Aktion kann er weiter Skirennfahren. Es ist ein Wendepunkt, sportlich wie persönlich.

Über FIS-Rennen und den Europacup arbeitet sich von Allmen, dem großes Talent nachgesagt wird, Schritt für Schritt nach oben. Am 4. März 2023 gibt er sein Weltcup-Debüt, der endgültige Durchbruch lässt nicht lange auf sich warten.

Im Jänner 2025 feiert von Allmen ausgerechnet in der Heimat in Wengen seinen ersten Weltcup-Sieg.

Den endgültigen Ritterschlag erhält von Allmen bei der WM 2025 in Saalbach-Hinterglemm, dort holt Gold in der Abfahrt und in der Team-Kombination. Zwei Titel, ein Statement: von Allmen gehört zur Weltspitze.

Sailer, Killy, von Allmen

Bei den Olympischen Spielen 2026 fährt der Superstar auf der traditionsreichen Stelvio in Bormio mit Gold in der Abfahrt in den Ski-Olymp und lässt weitere Siege in Team-Kombination und Super-G folgen.

Mit 24 Jahren trägt sich von Allmen gleich mehrfach in die Geschichtsbücher ein. Er ist neben Toni Sailer und Jean-Claude Killy erst der dritte Mann, der bei ein und denselben Winterspielen drei Goldmedaillen gewonnen hat.

Von Allmen ist zudem der erste Super-G-Olympiasieger aus der Schweiz und der erste Athlet, der unter den fünf Ringen das goldene Speed-Double aus Abfahrt und Super-G schafft.

Ein waschechter Abfahrer

Von Allmen ist ein waschechter Abfahrer, ein Instinktfahrer, immer auf der Jagd nach der maximalen Geschwindigkeit. Sein extremer Mut endet manchmal noch in Fehlern, die ihm schon den einen oder anderen Sieg gekostet haben.

Nach seinem Olympia-Sieg in der Abfahrt sagt von Allmen, es sei das Zusammenspiel aus seiner Fähigkeit, die Skier laufen zu lassen und seinem Gewicht, das ihn so schnell mache.

Der Schweizer sagt über sich selbst, dass er mehr Gewicht als die meisten seiner Konkurrenten auf die Waage bringt. "Aber wenn mir jeder sagt, ich sei fett, dann muss ich das Fett ja irgendwie nach unten schieben", sagt er scherzhaft.

Der Chaot mit dem Dauergrinser

Diese Aussage ist beispielgebend für von Allmens Charakter. Der 24-Jährige wirkt unbekümmert, er ist eine Frohnatur, hat stets ein breites Grinsen im Gesicht.

So erklärt er nach seinem Abfahrts-Triumph im Interview mit dem Schweizer Fernsehen ohne Medaille um den Hals: "Die ist in einem Safe, denn ich kenne mich selbst. Ich bin ein Chaot und würde die Medaille irgendwo verlieren."

Trotz seines rasanten Aufstiegs gilt von Allmen als ruhig, reflektiert und bodenständig.

Vielleicht ist genau das sein größter Triumph: Die Tatsache, dass einer, dessen Traum schon mit 17 Jahren zu zerbrechen drohte, heute ganz oben steht - getragen von Mut, Beharrlichkeit und einem Lächeln, das selbst im größten Druck nicht verschwindet.

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